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Ich hab‘ Rechte!

Heuer feiern wir 20 Jahre Kinderrechte

Kinderrechte sind in der Jungschar stetes Thema. Warum wir hier in diesem Kumquat über sie schreiben? Sie feiern Geburtstag – und zwar ihren 20. Wie es dazu kam, wer die Kinderrechte unterstützt, fördert und sich für sie einsetzt, welche Auswirkungen das Ereignis ihres 20jährigen Bestehens auf die Jungschar Österreich hat, aber auch was wir uns in Zukunft für sie und von ihnen wünschen und warum sie noch immer und immer wieder topaktuell sind erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Ich mach dir Platz…
Zwei mal im Jahr treffen sich die Diözesanleitungen aus ganz Österreich und Südtirol um gemeinsam wichtige Beschlüsse zu fassen, aber auch um mitzubekommen, was in der Jungschar der einzelnen Diözesen gerade aktuell ist. Heuer bildet die Diskussion um das Engagement der katholischen Jungschar Österreichs rund um den 20.Geburtstag der Kinderrechte einen Schwerpunkt. Jede Diözese soll kurz  berichten, was sie sich für diesen besonderen Tag einfallen lassen. Aus verschiedenen Ecken des Raumes hört man: „Wir widmen unsere Zeitschrift den Kinderrechten“ oder „Wir haben einen Workshop geplant, mit dem wir auch in Schulen mit den Kindern arbeiten können.“ Aber was ist der Grund für unseren Einsatz, diesen Tag zu nutzen um die Kinderrechte wieder ein Mal in der Gesellschaft präsent zu machen?

Rechtliche Stütze

All diejenigen Grundsätze, die wir in unserer Arbeit in der Jungschar beachten und umsetzen, werden von der Gesellschaft noch nicht in gleichem Maß angenommen und verwirklicht. So ist zum Beispiel das Recht des Kindes auf passenden Raum durch die Räumlichkeiten der Jungschar oder der Minis oft gut umgesetzt, in der Gesellschaft jedoch fehlt dieser Raum oft. Oder das Recht auf eine eigene Meinung wird bei uns in Gruppenstunden und am Lager klar sichtbar – in der Gesellschaft wird viel über die Köpfe der Kinder hinweg entschieden.

Natürlich sind die Voraussetzungen andere und es fällt im kleinen Rahmen manchmal leichter, auf solche Dinge zu achten und sie umzusetzen. Jedoch ist es unsere Aufgabe als Jungschar im Großen wie im Kleinen immer wieder aufzuzeigen, dass es funktionieren kann und für eine gute Gesellschaft auch funktionieren muss, Kindern in gebührender Weise ihren Platz in unserer Gesellschaft einzuräumen.

Entstehungsgeschichte Kinderrechte:
Am 20. November 1989 wurde von den vereinten Nationen die Konvention über die Rechte der Kinder beschlossen. „…in Anerkennung der Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder in allen Ländern…“ findet sich in der Präambel dieser Konvention.

Die Geschehnisse des zweiten Weltkrieges brachten die Menschen dazu 1948 die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ zu erlassen. Da Kinder aber einen besonderen Schutz und besondere Beachtung brauchen, genauso wie sie besondere Bedürfnisse haben, die sich von denen der Erwachsenen unterscheiden, wurde daher am 20.11.1959 eine Erklärung über die Rechte des Kindes durch die UNO angenommen. Wie schon ein vorhergehendes Dokument befasste sich auch dieser Entwurf stark mit dem Schutz jedoch nicht mit dem Mitbestimmungsrecht der Kinder. Dieses Dokument war jedoch nicht international verbindlich.

Dreißig Jahre später kamen die ersten Entwürfe einer neuen Kinderrechtskonvention – diesmal aus Polen. Sie wurden der UNO vorgelegt, selbige richtete eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit der Überarbeitung des polnischen Entwurfes beschäftigte. Nach zehn Jahren intensiver Diskussionen über das Konzept beschloss die UNO am 20.11.1989 den fertigen Text der Konvention und nach weniger als einem Jahr trat sie in Kraft.

Es folgten Weltkindergipfel – der erste 1990, der weitere Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenkte und auch einen Aktionsplan bis in das Jahr 2000 entwarf, der zweite 2002 (mit der Besonderheit, dass erstmals Kinder und Jugendliche selbst an diesem Treffen dabei sein durften) und der zur Überprüfung und Neuorientierung der gesetzten Ziele diente.

Zusatzprotokolle – eines zum Thema „Beteiligung der Kinder an bewaffneten Konflikten“ und ein weiteres mit dem Titel „Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornographie“ ergänzten die Konvention der Kinderrechte um wichtige Aspekte.

Und was tut sich in Österreich?

Unterzeichnet wurde das Übereinkommen von Österreich am ersten Unterzeichnungstag, dem 26. Jänner 1990. Am 5.September 1992 ist das Übereinkommen mit einem „Erfüllungsvorbehalt“ formal in Kraft getreten. Alle Gesetze müssen der Kinderrechtskonvention entsprechen, jedoch ist die direkte Anwendbarkeit durch Gerichte und Behörden ausgeschlossen.

Jetzt stellt sich die Frage, wer die Umsetzung der Kinderrechte in den jeweiligen Ländern kontrolliert. Jeder Staat der die Konvention ratifiziert (also im Parlament beschlossen) hat, verpflichtet sich dazu, alle 5 Jahre einen Bericht an den Kinderrechte-Ausschuss der UNO abzugeben. Aus diesem Bericht und aus den sogenannten „Schattenberichten“, das sind jene Berichte, die von nichtstaatlichen Organisationen – wie beispielsweise der Jungschar – an den UNO-Ausschuss abgegeben werden können, macht sich dieser Ausschuss ein Bild über die Umsetzung der Kinderrechte im jeweiligen Staat. Auch wenn ein Staat Lücken und Mängel in der Umsetzung aufweist, gibt es keinerlei rechtlichen Konsequenzen, da die Kinderrechte nicht in der Verfassung verankert sind. Dieses Verankern ist eines der Ziele, die von vielen Organisationen, die Kinder und ihre Rechte vertreten, angestrebt wird. Momentan gibt es einen Abschlussbericht des UNO-Ausschusses, der durch Veröffentlichung den Staat zumindest ein wenig unter Druck setzten soll.

20 Jahre – ein runder Geburtstag wird gebührend gefeiert

Zum Anlass des 20 – Jahr – Jubiläums  wird es im kommenden November eine Besonderheit geben: Die Jungschar Österreich möchte mit der Gestaltung eines Kalenders, der besonders die Thematik Kinderrechte aufgreift, Bewusstsein schaffen. Der Kalender wird an alle gesellschaftspolitisch relevanten Stellen in Österreich wie z.B. Ministerien geschickt. Damit sollen die jeweiligen Entscheidungsträger/innen ständig daran erinnert werden. Der Kalender spielt mit seiner Gestaltungsart besonders auf die Verantwortung des/der einzelnen Erwachsenen an. Sprüche wie „Ich achte deine Grenzen“, „Ich zeig dir was“ und „Ich nehm dich ernst“ sprechen auf den einzelnen Kalenderblättern jede/n Verantwortungsträger/in an, den angestrebten Zustand in sein/ihr Denken und Verhalten zu integrieren.

Außerdem ist in der Kinderrechte-Plakatreihe wieder ein neues Thema erschienen: „Ich bin da!“ gibt es nun zusätzlich zu Plakaten mit dem Aufdruck „Hau mich nicht!“, „Ich hab‘ Recht!“ und „Da spiel’n jetzt wir!“ – alle kostenlos im Jungscharbüro erhältlich.

Herausforderung Kinderrechte – die Wichtigkeit des Dranbleibens:
Die Umsetzung von Kinderrechten ist nicht immer leicht. Das merken wir angefangen von der Pfarre bis hin zu staatlichen Einrichtung an allen Ecken und Enden unseres Landes und wenn wir auf die Entwicklungszusammenarbeit mit anderen Ländern schauen, finden wir dieses Problem auch dort.

Unser Ziel mit unserer Arbeit in der Jungschar sollte es sein, immer wieder Kinder als auch Erwachsene auf diese Rechte hinzuweisen und mit ihnen zu diesem Themenbereich zu arbeiten, aber auch sich selbst bewusst zu sein, dass die Kinder, mit denen ich als Leiter/in arbeite, auch solche Rechte haben. Kinder können nur am Beispiel gelebter Erfahrungen mitbekommen, was es heißt, dass jedem Menschen egal ob groß oder klein Rechte zugesprochen und Respekt erwiesen wird. Und nur so können auch sie als Erwachsene wiederum gut dafür einstehen, dass den Kindern diese Rechte zugestanden werden.


Sara Dallinger

[aus dem kumquat "tabu" 2009]

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