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Fortgehen und da sein

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: mittel

Ziel

Die Kinder sollen sich in dieser Stunde damit auseinandersetzen, wie es wohl ist, wenn man migrieren muss. Es geht nicht darum, Beklemmung auszulösen, sondern Migrant/innen mit einem etwas anderen Blickwinkel zu begegnen. Aufbauend auf diese Gruppenstunde kann in einer der folgenden eine Person mit Migrationshintergrund eingeladen werden und von ihren Erfahrungen, ihrer Kultur und ihrem Leben berichten.

Material

  • eine schwarzweiß kopierte Weltkarte
  • bunte Stifte
  • Papier, Klebstoff und Farben
  • verschiedene Materialien zum Bekleben (Watte, Wolle, Zahnstocher, Stoffreste, Alufolie, etc.)

Aufbau

In einem ersten Schritt überlegt ihr euch, welche Menschen ihr in Österreich kennt, die nicht in Österreich geboren sind. Danach setzt ihr euch anhand eines Spiels und einer Geschichte mit dem Thema Flucht auseinander. Im Anschluss überlegt ihr, ob ihr eine Person mit Migrationshintergrund in eure Gruppenstunde einladen wollt. Zum Abschluss könnt ihr Schokolade genießen und eure Gruppenstunde Revue passieren lassen.

 

Die Welt in unserem Leben


Es spricht sich ganz anders über ein Thema, wenn man persönliche Schicksale und Menschen damit verbindet. Darum sollen hier als Einstieg die Welt und betroffene Menschen hereingeholt werden.

Die Gruppe setzt sich um eine A3 schwarzweiß kopierte Weltkarte. In einem ersten Schritt malt ihr die Länder auf der Landkarte farbig an, aus denen ihr Menschen kennt, oder wo ihr selber schon wart. Danach schauen wir uns die veränderte Weltkarte an und jedes Kind kann von einer Person erzählen, die Migrant/in ist. Wie geht es der? Habe ich in meiner eigenen Verwandtschaft Migrant/innen? Es kann auch über die Hintergründe gesprochen werden, warum die Person ausgewandert ist, oder was für eine Situation in dem Land herrscht.

Kofferpacken


Die Kinder sollen sich zuerst zehn Dinge überlegen, die sie auf jeden Fall mitnehmen würden, falls sie fliehen müssten. Sie sollen diese zehn Dinge auf ein Blatt Papier zeichnen oder schreiben. Im nächsten Schritt werden diese auf fünf Gegenstände eingeschränkt, da die Schlepperbande nur die Mitnahme von fünf Dingen erlaubt — die anderen fünf werden durchgestrichen. Die Teilnehmer/innen müssen sich wieder entscheiden, welche für sie die wichtigsten Dinge sind. An der Grenze wird abermals eingeschränkt. Die Kinder dürfen nur mehr drei Dinge mitnehmen. Auch hier werden zwei Dinge durchgestrichen. Welche Dinge können bei der Flucht hilfreich, welche störend sein?

Abschließend kann jedes Kind das Blatt vor sich hinlegen und erzählen, was es zuerst mitnehmen wollte und wovon es sich getrennt hat. Was brauche ich? Was müssen oder können Menschen mitnehmen, wenn sie flüchten?

Abu geht fort


Nun liest du die Geschichte "Abu geht fort" vor und danach besprecht ihr sie miteinander.

"Abu ist noch ein kleiner Junge, auch wenn er sich schon manchmal ganz groß vorkommt. Er kann schon ganz alleine Holz sammeln und ein Feuer machen. In die Schule geht Abu auch, aber nicht jeden Tag. Oft gibt es viel wichtigere Dinge zu tun und er ist froh, wenn er seiner Mutter am Feld helfen kann. Einen Vater hat Abu auch, wie jedes Kind, aber er kennt ihn nicht. "Er ist weggegangen, als du noch ein Baby warst", sagt seine Mutter, wenn Abu nach ihm fragt. Abu hat noch vier ältere Geschwister, aber nur die Mutter verdient ein bisschen Geld am Feld. Arbeit gibt es nicht. Seine Mutter mag Abu sehr, sie weiß immer einen Witz und hat meistens lustige Falten um den Mund, bei der Arbeit singt sie und Abu hat seine gute Singstimme von ihr geerbt. Aber eines Abends lacht die Mutter nicht, als sie vom Feld heimkommt. Sie sagt zu ihm: "Du, Abu, pack deine Dinge zusammen, wir gehen in der Nacht fort". Abu mag nicht fort, er fragt und will wissen warum und wohin, aber die Mutter sagt nichts mehr. Seine Dinge sind schnell zusammengepackt, weil er nur ein Buch aus der Schule und ein paar Kleidungsstücke hat. Abu versteht die Welt nicht mehr, als in der Nacht ein Lastwagen kommt und sie einsteigen, die Mutter und er, die Geschwister sind bei der Schwester seiner Mutter. Aber die Mutter sagt noch immer kein Wort. Sie fahren lange, lange, lange mit dem Lastwagen und dann steigen sie in ein Schiff. Die Mutter trägt ihn, so müde hat ihn die lange Fahrt gemacht. Er weint. Das Schiff bringt sie in ein Land. Dort können die Menschen seine Sprache nicht und es ist die ganze Zeit kalt. Die Mutter hat auf seine Fragen nur geantwortet: "Es musste sein." Im neuen Land hat Abu Angst. Sie leben mit vielen Menschen zusammen in einem Raum, die Mutter muss sich immer wieder anstellen und Papiere ausfüllen. Sie hat keine Zeit mehr zum Singen. Und jetzt soll er auch noch in die Schule gehen. Eine Dame, die er vom Sehen kennt, begleitet die Mutter und ihn in ein großes Haus in der Nähe. Sie redet mit einer anderen Frau, die ihn freundlich anschaut und: da sind auch Kinder! Viele ... und er bekommt gleich wieder Angst und hält die Hand der Mutter fest. Da plötzlich kommt ein Bub auf ihn zu, der lächelt ihn an und begrüßt Abu und seine Mutter in ihrer eigenen Sprache! Das ist das erste Mal, dass Abu wieder die Lachfalten um den Mund seiner Mutter tanzen sieht. Nun weiß er, es wird gut werden."
Quelle: Niemand flüchtet zum Spaß. Don Bosco 2005


Fragen wie Folgende können erörtert werden:

  • Warum glaubst du ging Abu’s Mutter fort?
  • Was gibt es für Gründe von daheim fort zu gehen?
  • Kennst du jemanden der auch von daheim fort gegangen ist?
  • Was ist für Abu alles neu?
  • Wie könntest du Abu helfen?


Nun sucht sich jedes Kind einen Teil des Textes aus. Wie fühlen sich die Personen, sind sie traurig, fröhlich, ängstlich...? Welche Materialien passen dazu? Welche Farben? Mit Materialien können sie ein Bild kleben oder malen. Zum Schluss macht ihr eine gemeinsame Vernissage — ihr stellt euer Bild aus und erklärt es mit einem Satz.

Begegnung planen


Sicher gibt es auch bei Euch Menschen, die nicht in Österreich geboren wurden. Überlegt gemeinsam, wen ihr kennt. Habt ihr schon einmal die Möglichkeit genutzt, um diese Menschen nach ihren Erfahrungen und ihrer Kultur zu fragen? Eine Möglichkeit, etwas mehr über Menschen mit Migrationshintergrund zu erfahren ist, sie in eure Gruppenstunde einzuladen. Kennt ihr eine Person, die ihr gerne einladen würdet? Überlegt euch gemeinsam Fragen — wollt ihr etwas über ihr Herkunftsland erfahren, über ihre Situation in Österreich, vielleicht ein paar Worte in einer anderen Sprache lernen oder gemeinsam kochen? Gut ist, den eingeladenen Menschen zu erzählen, warum ihr sie/ihn einladet und was ihn/ihr in der Gruppenstunde erwarten wird, damit er/sie sich vorbereiten und wohl fühlen kann.

Autor/in: Ute Mayrhofer

Publikation: kumquat "Kinderrechte" 4/2009

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