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Fremd?

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Die meisten Kinder haben in ihrem engeren Umfeld Kontakt mit Menschen mit Migrationsgeschichte. In dieser Gruppenstunde geht es darum, das "Fremde" etwas näher zu beleuchten und besser zu verstehen, welchen Herausforderungen Menschen nach der Migration in Österreich gegenüberstehen und welche Möglichkeiten es für uns gibt, das Ankommen für Menschen in unserem Umfeld zu erleichtern.

Material

  • Post-Its
  • Einige Zettel in der Form einer Feder
  • Einen Koffer (oder ein Plakat mit einem aufgemalten Koffer)
  • Einige Gegenstände zum Kofferpacken (oder, für die Zeitloseren unter euch: Zettel mit den aufgemalten Gegenständen):
  • Essen — als Symbol für verschiedene Gewohnheiten rund ums Essen
  • Bücher oder Hefte — als Symbol für Schule/Arbeit
  • Einen Polster — als Symbol fürs Wohnen
  • Einen Ball — als Symbol für Freizeitgewohnheiten
  • Das Jungschar-Logo — als Symbol für Freundschaften
  • Ein Stofftier — als Symbol für Familie
  • Gotteslob, Liederbuch oder Kreuz — als Symbol für unterschiedliche Glaubensrichtungen

Aufbau

Nach einem Suchspiel und einer Erklärung zum Wort Migration geht es für euch darum, die eigenen Erfahrungen mit der "Fremde" in Erinnerung zu rufen. Danach könnt ihr bei einem Spiel selbst ausprobieren, wie es ist, als "Außenstehender" zu versuchen, in einen Kreis mit fremden Regeln aufgenommen zu werden. Im Anschluss packt ihr einen Koffer mit allen möglichen Herausforderungen rund um Migration — und versucht dann, den Koffer mit Federn wieder etwas leichter zu machen. Zum Abschluss spielt ihr ein buntes Fangspiel.

 

Auf die Suche gehen...


Vor der Gruppenstunde hast du Post-Its, auf denen je ein Teil des Wortes "Mi-gra-ti-on" steht, im Raum versteckt. Wenn die Kinder kommen, begrüßt du sie und bittest sie, auf die Suche nach den Post-Its zu gehen und dann alle Silben sinnvoll aneinanderzureihen und auf die Kofferaußenseite (bzw. als Überschrift aufs Plakat) zu kleben.

Jetzt könnt ihr überlegen, was das Wort bedeutet — du kannst erzählen, dass es Menschen gibt, die in ein anderes Land reisen — zum Beispiel für Urlaub oder Besuche bei Bekannten. Manchmal verlassen Menschen ihr Heimatland allerdings nicht nur für kurze Zeit, sondern für sehr lange oder für immer - dann nennt man diesen Umzug in ein anderes Land "Migration".

Walk the line


Als Einstieg könnt ihr eure eigene Erfahrungen mit "Migration" und Reisen in fremde Länder ansehen: Wie weit ist jede/r von euch schon gereist oder sogar ausgewandert? Dazu stellt ihr euch auf einer Linie entlang der Wand auf — je nachdem, wie weit eure längste Reise/Migration war, stellt ihr euch an entgegrngedetzte Enden: Wer immer am selben Ort gelebt hat und nie gereist ist, stellt sich ans eine Ende der Linie. Wenn jemand von euch schon sehr weit weg gelebt hat, stellt er sich ans andere Ende. Ihr könnt euch einen Platz auf dieser Linie suchen und dann erzählen, wo ihr wart.

Vielleicht könnt ihr euch bei diesen Reisen daran erinnern, dass viele Dinge woanders fremd erschienen: Andere Sprachen, ungewohntes Essen, unbekannte Gesten. Auch wenn Menschen aus anderen Ländern zu uns nach Österreich kommen, kann ihnen vieles fremd und anders als daheim vorkommen.

Aber Hallo!


Um auszutesten, wie unterschiedliche Gewohnheiten aufeinandertreffen, spielt ihr ein Begrüßungs-Spiel: Als Gruppe stellt ihr euch in einem Kreis auf, die Arme um die Schultern der jeweiligen Nachbar/innen gelegt. Zwei oder drei Freiwillige stehen außerhalb des Kreises. Die Gruppe einigt sich auf eine Bewegung, die die Freiwilligen machen müssen, damit sich der Kreis für sie öffnet. Die "Außenstehenden" probieren gleichzeitig verschiedene "fremde" Bewegungen aus (zum Beispiel: am Kopf kratzen, Hand auf die Schulter legen...). Solange, bis sie die richtige Bewegung herausgefunden haben, die ihre "Eintrittskarte" in den Kreis ist — oder bis sie keine Lust mehr haben, und einen eigenen Mini-Kreis machen. Dabei sollten alle allerdings möglichst wenig sprechen, verständigt euch möglichst nur durch Zeichen und Mimik!

Von Hindernissen & Eintrittskarten


Nach dem Spiel könnt ihr überlegen, welche "fremden Gewohnheiten" es für Menschen gibt, die nach Österreich migrieren und welche "Eintrittskarten" sie brauchen, damit sich der "Kreis" der Menschen hier für sie öffnet und damit sie gut ankommen können.

Dazu legt ihr den Koffer (bzw. das Plakat mit dem gezeichneten Koffer) in eure Mitte. Du legst jetzt einen der Gegenstände (bzw. einen der Zettel mit den verschiedenen Motiven) in den Koffer, z.B. das Essen. Gemeinsam könnt ihr überlegen, was rund ums Thema Essen für Menschen aus anderen Ländern in Österreich "fremd" sein kann, vielleicht wisst ihr ja auch konkrete Beispiele von Bekannten und Freund/Innen, die Migrationsgeschichte haben: zum Beispiel, dass es in Österreich Schwarzbrot gibt, nicht mit Stäbchen gegessen wird,.... Was euch einfällt, könnt ihr auf Post-Its schreiben und auf den Gegenstand kleben.

Dann nehmt ihr den nächsten Gegenstand — zum Beispiel den Polster, und überlegt euch, was rund ums Wohnen "fremd" sein kann (z.B.: wenn man vorher am Land wohnte und jetzt in der Stadt; oder dass hier anderes Wetter ist;...) — oder beim Ball, wie die Freizeit hier anders sein kann (z.B.: andere Feiertage; andere Sportarten, die üblich sind;...)

Wenn ihr alle Gegenstände in den Koffer gelegt habt, und eure Gedanken zum "Fremden" darauf geklebt habt, ist der Koffer ganz schön schwer und voll! Und all diese Dinge sind für Menschen, die aus anderen Ländern nach Österreich kommen, neu und ungewohnt — obwohl sie für uns, innerhalb "unseres Kreises", ganz selbstverständlich erscheinen.

Vielleicht fallen euch jetzt auch Dinge ein, wie wir Menschen, die nach Österreich migriert sind, das Ankommen leichter machen können, die wie Eintrittskarten in unseren Kreis wirken. Dazu könnt ihr nochmal die einzelnen Gegenstände im Koffer anschauen, und eure Ideen auf die Feder-Zettel schreiben und dazu kleben — so wird der "Koffer der Migration" für die Menschen etwas weniger schwer und das Ankommen leichter! (Zum Beispiel: Mitschüler/innen aus anderen Ländern fragen, welche Feiertage sie aus ihrem Herkunftsland kennen; oder sie einladen, gemeinsam einen Apfelstrudel zu backen; sie in die Jungscharstunde einladen;...)

Vielleicht habt ihr ja in eurem Freundeskreis oder in eurer Klasse Freund/innen, die nach Österreich migriert sind ? Ihr könntet sie bis zur nächsten Gruppenstunde fragen, was für sie besonders herausfordernd war, und ob ihnen auch Möglichkeiten einfallen, wie man Menschen mit Migrationsgeschichte das Ankommen hier in Österreich erleichtern könnte? Zu Beginn der nächsten Gruppenstunde könntet ihr darüber berichten!

Catch the difference!


Eine/r von euch ist Fänger/in und ruft: "Was ist, wenn alle bunt und verschieden sind?"
Alle antworten: "Dann halten wir erst recht zusammen!" Der/die Fänger/in anwortet: "Dann beweist es mir mit euren Haarfarben!" — Darauf stellen sich alle Kinder mit der gleichen Haarfarbe zusammen und sind so vor dem Fänger geschützt. (Statt Haarfarben können alle möglichen Gruppen gesucht werden: Augenfarben, Schuharten, Fingernägellänge,...) Wer nicht schnell genug eine Gruppe findet, kann gefangen werden. Bevor ein neuer Fänger/in ausgesucht wird, könnt ihr euch ansehen, welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede euch auffallen.

Autor/in: Conny Selch und Conni Barger

Publikation: kumquat "dazugehören" 3/2012

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Schlagwort: AusländerInnen