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"ur leiwand chilln statt aufpudeln"

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: mittel

Ziel

In dieser Gruppenstunde setzt ihr euch mit österreichischen Wörtern auseinander, die man nicht im Wörterbuch finden kann. Hier kommen sowohl bekannte als auch sehr regionale Dialektausdrücke vor, aber auch neuere Begriffe aus der Umgangssprache eurer Gruppe sollen Platz finden.

Material

Aufbau

Anhand eines Wortpuzzles steigt ihr in die Stunde ein und stellt dabei fest, dass es geläufige und weniger geläufige Dialektausdrücke gibt und dass manche Wörter, die für uns fix in der Alltagssprache verankert sind, ebenfalls zur Umgangssprache gezählt werden. Die Bedeutungen dieser Wörter ergründet ihr dann gemeinsam bei der "Wortspielerei". Als Abschluss der Stunde haltet ihr euren neu gewonnenen Dialekt-Wortschatz in einem Mundart-Alphabet fest und spielt noch das Spiel "deerisch".

 

Wortpuzzle


Für den Beginn bereitest du ein Wortpuzzle vor. Dazu schreibst du verschiedene Dialektausdrücke auf Kärtchen und zerschneidest die Kärtchen (je nach Schwierigkeitsgrad) in zwei oder drei Teile. Dann darf jedes Kind einen Kärtchenteil ziehen (bei weniger Kindern in der Gruppe können es auch zwei sein) und soll diejenige oder denjenigen finden, die/der den anderen Teil hat. Dazu zeigt ihr euch aber nicht gegenseitig die Kärtchenteile sondern sprecht die Silben auf eurem Teil laut aus und versucht sie mit denen eures Gegenübers zu kombinieren. Falls euch eine Kombination sinnvoll erscheint, könnt ihr die Kartenteile zusammenlegen und so eure Vermutung überprüfen. Falls sie wirklich zusammenpassen, legt ihr sie in die Mitte und könnt den anderen helfen, die noch auf der Suche sind.

Wenn ihr das Wortpuzzle gelöst habt, dann liegen nun in der Mitte verschiedene Dialektausdrücke. Du fragst die Kinder, ob sie erraten können, worum es diese Stunde gehen wird, was diese Wörter alle gemeinsam haben. Dann spielt ihr das Spiel "Wortspielerei".

"Wortspielerei"


Du brauchst für dieses Spiel einen Packpapierbogen oder ein großes Blatt Papier mit dem Spielfeld (das du selbst anfertigen kannst), mehrere Spielsteine (halb so viele wie die Anzahl der Kinder), einen Würfel und die Kärtchen mit den Dialektausdrücken und den Übersetzungen auf der Rückseite. Außerdem braucht ihr eine kleine Schachtel, wo ihr euren Dialekt-Wort-Schatz aufbewahren könnt.

Es gibt auf dem Spielplan weiße, graue und schwarze Felder. Dementsprechend gibt es Kärtchen mit einem grauen oder einem schwarzen Punkt. (Auf den weißen Feldern bekommt man kein Kärtchen.) Da die Kärtchen vorne und hinten beschriftet sind, musst du auf jeden der beiden Kartenstöße ein Deckblatt legen. Am besten eines mit einem grauen und eines mit einem schwarzen Punkt.

Jeweils 2 Kinder spielen zusammen, haben also einen gemeinsamen Spielstein. Es wird gewürfelt. Kommt ein Paar auf ein graues Feld, zieht es von dem passenden Kartenstoß ein Kärtchen und liest das darauf geschriebene Dialektwort laut vor. Aufgabe des Paares ist es nun, dieses Wort ins Hochdeutsche zu übersetzen, zu umschreiben oder zu erklären (die beiden Spieler/innen dürfen sich natürlich beraten!).

Stimmt die Erklärung sinngemäß mit derjenigen auf der Rückseite des Kärtchens überein, darf der Spielstein ein Feld weiterrücken und das richtig beschriebene Wort wandert in die Wort-Schatz-Kiste.

Kommt der Spielstein auf einem schwarzen Feld zu liegen, so zieht der/die Gruppenleiter/in ein Kärtchen von dem anderen Stapel, liest den Ausdruck vor und alle dürfen raten. Wer zuerst das richtige hochdeutsche Wort sagt, darf 2 Felder vorrücken.

Falls einige Wörter nicht so geläufig sind, dann hilft der/die Gruppenleiter/in mit Tipps. Kennt ein Kind, das nicht an der Reihe ist, das Wort, kann auch es dem ratenden Paar helfen, ohne selbst die Erklärung zu sagen. Es wird so lange gespielt, bis sich deiner Meinung nach genügend Wörter in eurem Dialekt-Wort-Schatz befinden.

Ihr habt nun schon einen ziemlich tollen Dialekt-Wort-Schatz angesammelt. Vielleicht habt ihr aber auch Wörter in eurer Umgangssprache, die da unbedingt hinein müssen, wie "leiwand" oder "chillen". Ihr könnt nun euren Dialekt-Wortschatz bei der Erstellung eines Mundart-Alphabets vervollständigen.

Abbecken, Bacherlwarm, C....


Gemeinsam gestaltet ihr nun ein sogenanntes Wörter-ABC. Dazu nehmt ihr ein Plakat und schreibt an den linken Rand untereinander alle Buchstaben des Alphabets. Jetzt überlegt ihr euch gemeinsam, welche österreichischen bzw. umgangssprachlichen Wörter ihr im Alltag verwendet oder schon öfter gehört habt und schreibt sie neben den passenden Buchstaben. Nach und nach füllt ihr nun euer Mundart-Alphabet auf. Ihr könnt natürlich zu einem Buchstaben mehrere Wörter schreiben. Wenn euch zu einem Buchstaben kein Wort einfällt, schaut ihr zuerst in eurer Wortschatzkiste nach, ob hier ein passendes zu finden ist oder ihr könnt gemeinsam ein neues Wort erfinden und euch überlegen, was es heißen könnte: z.B. für den Buchstaben "X" könntet ihr das Wort "xawandln" erfinden und zusammen entscheiden, dass dieser Begriff "herumschreien" heißt. Wenn das Alphabet voll ist oder euch nichts mehr einfällt, könnt ihr nochmal nachschauen, ob in der Wortschatzschachtel noch Wörter sind, die ihr nicht aufgeschrieben habt und die noch auf das Plakat gehören.

Ich bin schon ganz deerisch!


Zum Abschluss der Gruppenstunde spielt ihr noch gemeinsam "Deerisch" (eine Abwandlung des Spiels "Obstsalat"):
Die Kinder sitzen oder stehen im Kreis, ein Kind steht in der Mitte. Jedes Kind suchen sich nun jeweils einen österreichischen Begriff aus. Dann nennt ihr reihum eure Begriffe, damit alle die Begriffe der anderen kennen lernen. Das Kind das in der Mitte steht, ruft nun eines der Wörter und versucht, das Kind, das sich diesen Begriff ausgesucht hat zu berühren. Dieses kann sich davor schützen, indem es schnell ein anderes Wort ruft. Nun muss das Fängerkind das Kind berühren, das sich den gerade gerufenen Begriff ausgesucht hat. Die Kinder im Kreis bleiben dabei auf ihren Plätzen stehen. Wird ein Kind berührt, bevor es einen anderen Begriff gerufen hat, ist es das neue Fängerkind. Ruft ein Kind irrtümlich den Begriff des Fängerkindes, so wird es selbst zum/r Fänger/in.

Mag das Kind in der Mitte nicht mehr fangen, ruft es "deerisch" und reiht sich wieder in den Kreis ein. Ein anderes Kind, das mag, übernimmt die Rolle des Kindes in der Mitte. Wenn ihr das Spiel im Sitzen spielt, ruft das Kind in der Mitte "ich bin schon ganz deerisch" und alle sitzenden Kinder und das Fängerkind suchen sich neue Sitzplätze. Das Kind, das keinen Sessel findet, ist das neue Fängerkind.

Dialekt-Wort-Schatz-Kiste


Einige Wörter können sein:

  • Paradeiser (Tomate)
  • deerisch (schwerhörig)
  • matschkern (schimpfen)
  • Batzerl (kleine Menge)
  • Taferlklassler/in (Volksschüler/in der ersten Klasse)
  • Jaukerl (Spritze)
  • Reindl (Bratpfanne)
  • Seicherl (Sieb aber auch Schleimer/in)
  • verkutzen (verschlucken)
  • verwordaggelt (verdreht)
  • Tuchent (Decke)
  • unter der Tuchent (heimlich)
  • tachinieren (sich von der Arbeit drücken)
  • Ogrosl (Stachelbeere)
  • Haberer (Freund/in)
  • marantana ("Maria und Anna" - Ausruf beim Erschrecken)
  • stangeln (Schule schwänzen)
  • Masl (Glück)
  • patschert sein (ungeschickt sein)
  • abbecken (viel lachen)
  • bacherlwarm (lauwarm)
  • Noagerl (letzter Schluck)
  • Zwutschkerl (kleine Person)
  • aufpudeln (aufregen)
  • Hawidere (Verabschiedung "habe die Ehre", aber auch Verwunderung)

Autor/in: Veronika Schippani mit Ideen von Johannes Kemetter und Karin Magrutsch

Publikation: kumquat "Sprache" 4/2014

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Schlagwörter: Kommunikation, Sprache