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(Villa?) Kunterbunt!

Gruppenstunde | Alter: 9-12 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Rassismus ist ein Thema, das uns alle betrifft. Keine/r ist davon ausgenommen, und ganz oft passiert es so, dass wir Rassismus gar nicht mehr wahrnehmen, oder er ist uns nicht bewusst. Genauso wie Rassismus uns "passiert", "passiert" er den Kindern aus deiner Gruppe. Oft fließen rassistische Worte in unseren täglichen Sprachgebrauch einfach ein ohne, dass wir es merken. Mit dieser Gruppenstunde sollst du und deine Kinder die Möglichkeit haben, sich konkret mit Rassismus und dessen Ausformungen auseinanderzusetzen, um ein gemeinsames, aber vielleicht auch nachhaltiges Reflektieren möglich zu machen.

Die hier verwendeten Methoden gibt es auch in einem Folder mit noch viel mehr Ideen und Tipps.

Material

  • bunte Verkleidung für Bunta/o Kabuntar/or
  • weiße Aufkleber

Aufbau

Für die Jüngeren Kinder gibt es eine Spielgeschichte mit der Figur Bunta/r Kabunta/r. Er sie erzählt ihnen von dem Isolieritis Virus, und dass dieser sehr einsam macht. Er/sie braucht die Unterstützung der Kinder um diesen Virus zu bekämpfen. Dies erfolgt mit zwei Methoden, eine um die Wahrnehmung in der Gruppe zu verstärken und eine andere in der es um Vorurteile geht. Danach gibt es ein Fangspiel namens Virus. Für Ältere kann man dieselben Methoden verwenden und statt dem Fangspiel ist noch eine weitere erklärt, in der es wiederum um Wahrnehmung gibt und was wir alles wenn wir miteinander sprechen ausblenden und ob das wichtig für unsere Gespräche und Informationsaustausch ist, oder ob wir damit eben nicht auch wichtige Themen auslassen.

 

Isoleritis-Alarm


Bunta/o Kabuntar/or begrüßt die Kinder. Er/Sie ist total bunt angezogen und erklärt den Kindern, dass er/sie Einfarbigkeit total eintönig findet. Schließlich ist auch die Welt um ihn/sie herum bunt, warum sollten gerade wir Menschen auf diese Vielfalt also verzichten. Aber leider passiert es ihm/ihr auch, dass man anderen Menschen schon vieles vorher unterstellt bevor man sie eigentlich kennt, wenn jemand neben einem in der Straßenbahn hustet, ist der/die vielleicht ansteckend, wenn jemand ein kaputtes T-Shirt an hat, ist er/sie vielleicht arm, aber dass kann man ja gar nicht wissen, vielleicht hat der/die Hustendende/r sich einfach verschluckt, vielleicht hat der/die mit dem kaputten T-Shirt gerade Waschtag und hat kein anderes mehr gefunden. Oft passiert ihm/ihr das bei Menschen die anders aussehen als er/sie, Menschen die vielleicht von woanders herkommen, eine andere Sprache sprechen oder eine andere Hautfarbe haben. Den Kindern wird es wohl auch so gehen. Aber was ist das bloß, dieses Ding oder diese Dinger die das in uns machen? Bunta/o Kabuntar/or ist sich ziemlich sicher, es die Isolieritis, die Krankheit, die andere ausschließt und blind für Neues macht. Gott sei Dank war Bunta/o Kabuntar/ar beim Isolieritisexperten und hat eine Dinge kennen gelernt wie man diesen Virus heilen kann.

Alle anders — alle gleich


Bunta/o Kabuntar/ar meint, dass es vielleicht nach sovielen Informationen ganz gut wäre, sich ein bisschen zu bewegen, und außerdem wäre es doch, sich noch ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen, denn auch wenn wir uns schon gut kennen, blenden wir oft viele Dinge an den anderen in der Gruppe aus, und nehmen einander gar nicht mehr so wahr.

Bunta/o Kabuntar/ar bittet die Kinder sich nach ihren unterschiedlichen Merkmalen in einer Reihenfolge aufzustellen. Also zum Beispiel nach Größe, Haarfarbe, Geburtsmonat, Anfangsbuchstabe der Vornamen, Augenfarbe, Wohnort, Alter, Haarschnitt, Schule, Sockenfarbe, eben ganz unterschiedliche Dinge, man kann natürlich jederzeit noch weitere dazu erfinden.

Nachdem sich die Kinder immer in der jeweils möglichen Reihenfolge aufgestellt haben, können sie ihre Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede sehen, vielleicht haben sie ja auch neues voneinander kennengelernt.

Immer diese Vorurteile


Nachdem wir uns nun ein wenig aufgewärmt haben, können wir uns weiterhin der Bekämpfung des gefährlichen Virus der Isoloieritis stellen.
Bunta/o Kabuntar/ar teilt dazu Aufkleber aus, auf denen kann/soll Folgendes stehen. Die Aufkleber werden auf die Stirn geklebt, so kann das Kind den eigenen Aufkleber nicht sehen, aber die der anderen. Jeweils was auf einem Aufkleber eines anderen Kindes steht, so soll es sich demjenigen/derjenigen gegenüber verhalten. Also wenn auf dem Aufkleber meines Gegenübers "kann nicht deutsch sprechen" werde ich vielleicht versuchen mit ihm/ihr über Körpersprache zu kommunizieren. Das lustige und spannende daran ist, dass der/die jeweils andere nicht weiß, was auf seinem Kleber steht, somit wird ihm/ihr eine Rolle zugewiesen. Das passiert ganz oft bei rassistischen Handlungen, dass wir schon Vorurteile über andere Menschen haben und ihnen aufgrund ihres Aussehen oder Handelns eine bestimmte Rolle zu schreiben.

  • kann nicht deutsch spreche
  • arrogan
  • sehr streng und ernst
  • sehr nett
  • spricht in französischem Akzent
  • blind
  • trägt ein Kopftuch
  • kann nicht lesen
  • trägt einen Anzug


Weiters erzählt Bunta/o Kabuntar/ar, dass diese unterschiedlichen Menschen sich im Supermarkt treffen und Bunta/o Kabuntar/ar gibt auch immer wieder Handlungsanweisungen, wie zum Beispiel: "Begrüßt euch bitte!", "Unterhaltet euch über das Wetter!", "Erzählt von eurer Familie!", ... .
Nach mehreren solchen Unterhaltungen schütteln sich die Kinder kurz aus ihrer Rolle und setzen sich gemeinsam mit Bunta/o Kabuntar/ar in einem Kreis zusammen und überlegen, was vielleicht auf ihrem Aufkleber gestanden haben könnte. Nach kurzem überlegen können sie sich die Aufkleber herunternehmen und lesen was auf ihrem stand. Bunta/o Kabuntar/ar könnte ihnen folgende Fragen stellen:

  • Wie habe ich mich in der Rolle gefühlt? Wie war das für mich?
  • Habe ich mein Verhalten geändert, wenn andere mich anders behandelt haben?
  • Was habe ich über die anderen gedacht? wenn jemand streng ist, vielleicht ist er/sie Lehrer, wenn jemand nicht deutsch kann, ist er/sie dann vielleicht Ausländer/in, wenn jemand einen Anzug trägt, verhalte ich mich dann vielleicht anders als sonst?...

Auf zur Schutzimpfung (für Jüngere)


Bunta/o Kabuntar/ar freut sich sehr, dass wir uns so viele Gedanken gemacht haben, und dass wir vielleicht jetzt eine ganz neue Erfahrung gemacht haben, nämlich, dass wir auch wenn wir oft Vorurteile gegenüber anderen haben, diese vielleicht noch einmal verwerfen können, und sozusagend von Neuem beginnen können. Also dass wir versuchen, auch wenn jemand ein Kopftuch trägt, nicht gut deutsch kann, einen Anzug oder alte kaputte Kleidung trägt, nicht gleich in eine Schublade zu stecken, denn wenn wir das immer mit allen Menschen in unserer Umgebung machen, kann es sehr schnell sein, dass man sich ganz leicht mit der Isolieritis ansteckt, und dann ist man am Ende ganz allein. Und damit das nicht passiert, spielt Bunta/o Kabuntar/ar noch schnell ein Spiel mit den Kindern, das ganz gesund macht.

Der/die Fänger/in bekommt ein Tuch, das er/sie auch jederzeit ablegen kann, damit jemand anderes Fänger/in werden kann, oder wenn er/sie einfach keine Lust mehr hat, kann er/sie es einfach auf den Boden fallen lassen. Das Fängerkind ist der Virus und wenn es ein anderes Kind fängt, bleibt dieses stehen und wird plötzlich furchtbar krank, es hustet und schnupft herum. Aber wenn sich zwei andere, nicht gefangene, Kinder zusammenfinden und einen Kreis um das kranke Kind bilden und "Gesund!Gesund!Gesund!" rufen, dann wird das kranke Kind wieder gesund und kann wieder mitspielen.

Nachdem nun der Virus geheilt werden konnte, bekommt jede/r einen bunten Fingernagel als "Schutzimpfung" vor der Isolierits, denn gegen die bunte Vielfalt kann die Isolieritis nichts machen.

Real-Life Stille Post (für Ältere)


Der Freiwillige werden gebeten den Raum zu verlassen, dann wird folgende Geschichte vorgelesen. Die anderen, die im Raum geblieben sind, sollen ganz genau auf die Geschichte achten.

"In einer gedrängt vollen S-Bahn rutscht einem schwarzhaarigen, fremdländisch wirkenden, kleinen Mann mit Tirolerhut die aus braunem Synthetik gefertigte Aktentasche unter dem Arm heraus und fällt zu Boden. Wegen der Enge kann der Mann sich nicht bücken und bittet daher die Umstehenden in gebrochenem Deutsch, ein wenig zur Seite zu rücken. In diesem Moment hält der Zug. Die Leute drängen zum Ausgang und stoßen dabei den nach seiner Tasche suchenden Mann um. Eine elegant gekleidete Frau sagt zu ihrem hünenhaften Begleiter, der ein auffällig gemustertes Hemd nach der neuesten Mode trägt: ‘Fürchterlich, diese Ausländer!’ Als der Mann aufsteht, ist sein Mantel mit Schmutz überdeckt. Er sieht: Seine Tasche ist fort! Schnell läuft er zu dem kleinen, aus rotem Backstein errichteten Stationshaus am Ende des Bahnsteigs und berichtet aufgeregt dem Stationsvorsteher von seinem Missgeschick. Dieser, ein kräftiger Mann mit einem schmucken rötlichen Backenbart, dem die dunkelblaue Uniform hervorragend steht, blinzelt durch seine modern eingefasste Brille mit getönten Gläsern und holt lächelnd aus einem verschlossenen Schrank an der Rückwand des Raumes die gesuchte Tasche hervor. Der kleine Mann bedankt sich überschwänglich, zieht freundlich seinen Hut und läuft schnell davon, um die auf dem Nebenbahnsteig bereits wartende S-Bahn noch zu erreichen."

Danach wird eine/r der Freiwilligen hereingeholt. Jemand aus der Gruppe, die im Raum geblieben ist, versucht die Geschichte möglichst genau wiederzugeben. Danach erzählt der/die Freiwillige/r dem/der nächsten Freiwilligen u.s.w. . Am Schluss wird die Originalgeschichte nochmals vorgelesen.

Die Geschichte wird nach den Weitererzählungen immer wieder abweichen und vielleicht auch sehr viel kürzer werden. Wir blenden aus, diese Ausblendung ist auch von Persönlichkeit zu Persönlichkeit ganz verschieden. Unsere Umgebung macht sehr viel aus, und das gilt es auch den Kindern mitzugeben, warum blende ich was aus. Und in wie weit ist das für uns auch sinnvoll, notwendig, harmlos oder gefährlich? Was ändert sich daran, wenn wir uns dessen bewusst sind.

Autor/in: Kathi Bereits

Publikation: kumquat "Autsch!" 3/2010

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