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Welt-Aids-Konferenz

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

HIV und Aids sind Themen, die zwar allen ein Begriff, aber trotzdem in unserem täglichen Leben ein tabuisiertes Thema sind. In dieser Gruppenstunde soll es darum gehen, gemeinsam herauszufinden, was HIV und Aids bedeutet, wer wo betroffen ist und welche Thematiken international diskutiert werden.

Material

  • Namensschilder für alle (Blatt Papier mit einer Aidsschleife und einer Sicherheitsnadel)
  • "Rote Schleifen" (mit Sicherheitsnadeln und zB rotem Geschenkband)
  • Piktogramme (Gezeichnete Bilder oder Symbole) oder Zettel mit Begriffen (Spritze, ungeschützter Analverkehr, ungeschützter Vaginalverkehr, Schwangerschaft, Ungeschützter Oralverkehr, Küssen, WC, Schweiß, Tränen, Händeschütteln, niesen, husten, Mückenstiche, Bluttransfusionen, Erbrochenes, Wunde/Blut)
  • Mindestens einen grüne, roten und gelben Stift
  • Kuverts mit den jeweiligen Rollenbeschreibungen (siehe unten)

Aufbau

Zuerst überlegt ihr euch gemeinsam, was der Unterschied zwischen HIV und Aids ist. Dann findet ihr heraus, wie HIV übertragen wird. In einem weiteren Schritt lernt ihr in einem Rollenspiel unterschiedliche Aspekte des Themas kennen.

 

Welcome!


Am Beginn der Gruppenstunde sagst du deinen Kids, dass du dich sehr freust, dass sie als Expert/innen sich Zeit genommen haben um heute an der Weltaidsvorkonferenz teilnehmen. Im Juni findet ja eine Weltaidskonferenz in Wien statt. Bis dahin ist noch einiges zu tun, zu planen, zu organisieren. Es werden nämlich tausende Menschen an dieser Konferenz teilnehmen. Damit ihr gut vorbereitet seid, gibt es heute schon die Vorkonferenz. Du begrüßt deine Kids einzeln und drückst ihnen ein Namensschild mit dem Namen der Person, in deren Rolle sie schlüpfen sollen (siehe weiter unten) in die Hand.

Begrifflichkeiten


Nun setzt ihr euch gemeinsam damit auseinander, was HIV und was Aids bedeutet. Du kannst die beiden Begriffe auf ein Plakat schreiben und ihr könnt gemeinsam überlegen, was ihr schon über HIV und Aids wisst und dies auf das Plakat schreiben. (Infos zu HIV und Aids findest du auf der Seite 34). Wenn ihr auf Fragen stoßt, zu der ihr keine Antworten habt, könnt ihr versuchen, die Antwort bis zur nächsten Stunde zu finden. (Viele Infos und Links findest du zum Beispiel unter http://www.aids.at). Gerade bei einem Thema wie Aids, über das auch viele "Mythen" kursieren, ist es wichtig bei Unsicherheiten zu sagen, dass man das nicht weiß und nachschauen wird, und nicht sich irgendwelche Halbwahrheiten zusammenzureimen.

Risikoeinschätzung


In einem nächsten Punkt könnt ihr euch darüber austauschen, bei welchen Handlungen die Gefahr besteht, sich mit dem HIV anzustecken, damit ihr als Expert/innen alle auf demselben Stand seid.
Dazu legst du deine vorbereiteten Bilder durchmischt im Raum auf. Jede/r Expert/in kann nun mit Stiften einen grünen Punkt auf ein Bild malen, dass ihm/ihr als ungefährlich erscheint, einen gelben Punkt dorthin zeichnen, wo ihr die auf dem Bild dargestellte Aktion ein bisschen infektiös vorkommt und da wo ihr euch sicher seid, dass Ansteckungsgefahr dabei sehr hoch ist, einen roten Punkt. Ihr könnt natürlich auch gemeinsam raten, euch austauschen, oder gegenseitig beraten. Anschließend schaut ihr es euch gemeinsam an und du löst das Raten auf.

Sehr hohes Risiko: gemeinsame Benutzung von Spritzen und Nadeln (wenn sie nicht sterilisiert werden); ungeschützter Analverkehr, ungeschützter Vaginalverkehr, Schwangerschaft (das Kind kann sich bei der HIV infizierten Mutter vor, während und nach der Geburt zum Beispiel durch Stillen anstecken, Durch eine umfassende medizinische Betreuung lässt sich das Risiko jedoch sehr stark senken.)
Mittleres Risiko: Ungeschützter Oralverkehr
kein Risiko: Küssen, gemeinsame Benützung von WC, Schweiß, Tränen, Übertragung durch Luft zum Beispiel bei niesen oder husten, Mückenstiche, Bluttransfusionen (werden auf HIV untersucht), Erbrochenes, Händeschütteln, Wunde/Blut (das Virus kann nicht durch unverletzte Haut in den Körper)

Standpunkte entdecken


Nun seid ihr schon stark in der Thematik drinnen. Du als Gruppenleiter/in teilst nun einige Kuverts mit Rollenbeschreibungen aus. Die Kids bekommen die passenden Rollen zu ihrem Namensschild, oder können sich Rollen aussuchen bzw. noch tauschen. Jede/r kann eine Rolle übernehmen, oder die Kids gehen zu zweit zusammen. Nehmt euch Zeit, die Rolle durchzulesen.
Ihr wollt euch nun genauer kennenlernen, weil ihr alle an der Weltaidskonferenz teilnehmen werdet. Beginnt mit einer Vorstellrunde zu folgenden Fragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Warum nehme ich an der AIDS Konferenz teil?

Stellt euch nun eine Linie vor, die durch den Raum verläuft, bei der ein Ende "ja" und ein anderes Ende "nein" bedeutet. Du liest nun unterschiedliche Fragen oder Aussagen vor und bittest die Expert/innen, sich entsprechend ihrer Einschätzung auf der Linie einzuordnen. Wenn alle den Platz gefunden haben, kannst du die Expert/innen bitten, noch näheres zur Frage zu sagen bzw. ein Statement abzugeben. Die Herausforderung besteht dabei, sich nicht anhand seiner eigenen Meinung zu postitionieren, sondern auf Grund der Rolle die man spielt, und man sich so in diese fiktive Person hineinversetzen muss.

Folgende Fragen könntest du unter anderem stellen:

  • Geht’s Ihnen gut?
  • Kennen Sie Personen, die mit HIV infiziert sind?
  • Nehmen Sie zum ersten Mal an einer AIDS Konferenz teil?
  • Kennen Sie Personen, die an AIDS gestorben sind?
  • Von der Welt Aids Konferenz erwarten Sie sich die Ausarbeitung von Strategien, damit alle HIV Patienten möglichst billig Zugang zu guten und wirksamen Medikamenten bekommen.
  • Sie nehmen öfter an Demonstrationen teil, um Regierungsverantwortliche darauf hinzuweisen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
  • Sie sind schockiert, dass Menschen aus reicheren Ländern weniger von HIV betroffen sind, als ärmere Menschen.
  • Sie freuen sich schon auf die Konferenz, müssen aber noch einiges vorbereiten.


Vielleicht fallen dir noch weitere Fragen ein. Nicht alle Fragen werden in den Rollenbeschreibungen beantwortet, ihr könnt eurer Phantasie freien Lauf lassen! Nach dem Rollenspiel ist es wichtig, wieder aus der Rolle zu schlüpfen, die Namensschilder abzunehmen und die Rollle "abzustreifen".

Verabschiedung


Die Zeit dieser "Vorkonferenz" ist um. Nun sollt ihr euch voneinander verabschieden. Dazu stellen sich die Kids in einem Kreis auf, geben einander die Hand, schließen die Augen und befühlen nun die Hände, ohne miteinander zu sprechen. Dann lassen alle die Hände los und du durchmischst den Kreis, indem du Kids woanders hinstellst, sie sich drehen,... Dann sollen alle ihre Nachbar/innen nur durch das Ertasten der Hände wiederfinden, ohne zu sprechen und wenn möglich mit geschlossenen Augen. So werdet ihr sogar bei der Masse an Menschen, die bei der Weltaidskonferenz im Juli in Wien sind, euch blind finden können!
Zum Abschied bekommen alle deine Kinder als Danke für die erfolgreiche Teilnahme an der kleinen Vorkonferenz auch noch eine "rote Schleife". Diese kennen sie sicherlich schon vom Sehen. Sie ist ein Zeichen der Solidarität mit HIV-Infizierten, die bedeutet. dass einem Aids nicht egal ist und man sich solidarisch mit Betroffenen zeigt. Gerade um die Aidskonferenz im Juli, aber auch jetzt oder danach können deine Kids, dies als sichtbares Zeichen der Verbundenheit und Anteilnahme tragen.

Rollenbeschreibungen:


Frau Claudia Patent aus Großbritannien: Du arbeitest für eine große Pharmafirma. Du findest es sehr tragisch, dass weltweit so viele Menschen von HIV und Aids betroffen sind. Du findest es aber unfair, wenn die Formeln für Medikamente, die deine Firma entwickelt hat, an alle anderen Firmen weitergegeben werden, weil die Medikamente so leicht nachgemacht und verfälscht werden können. So würden sie dann billiger werden und die Pharmaindustrie würde weniger Geld bekommen. Du willst nicht, dass nachgeahmte, billige Medikamente auf den Markt kommen.

Herr Hary Impf aus den USA: Du engagierst dich stark in der HIV Forschung. Du fändest eine Impfung gegen das Virus sehr wichtig, glaubst aber, dass es noch lange dauert, bis es so weit ist. In der HIV Forschung gibt es nämlich viele Probleme: zum Beispiel bekommen einige Pharmafirmen sehr viel Geld für ihre Medikamente, weil sie die Formel nicht weitergeben. Du bist empört, dass Medikamente in diesem Bereich so viel kosten. Du findest, es sollte nicht geforscht werden, wo viel Geld rausschaut, sondern da, wo es nötig ist.

Frau Mary Hope aus Südafrika: Du lebst in Südafrika und bist selbst mit HIV infiziert. Du hast zwei kleine Kinder, die sich nicht angesteckt haben, weil du rechtzeitig Medikamente bekommen hast. Allerdings weißt du, dass du zu den ganz wenigen gehörst, die sich in deinem Land so teure und gute Medikamente leisten können. Deshalb engagierst du dich bei einer Organisation, um Leute über die Ansteckungsgefahr von HIV zu informieren. Du bist auch sehr aktiv von der Regierung deines Landes einzufordern, endlich gute Arbeit zu tun, um diese Epidemie einzudämmen.

Herr Dieter Demo aus Österreich: Du arbeitest bei der Aids Hilfe in Wien. Du weißt, dass HIV auch ein Thema in Österreich ist und kennst viele Betroffene durch deine Arbeit. Du bist froh, dass die Aids Konferenz heuer in Wien stattfinden wird. Dein größter Wunsch ist, dass die internationale Staatengemeinschaft wirklich alles daran setzt, sich für das Ziel 6 der Millennium Development Goals einzusetzen: die Eindämmung von HIV und Aids. Du findest, es sollte alles getan werden, um dieses Ziel zu erreichen: es braucht gute Gesundheitssysteme in den ärmeren Ländern, medizinisches Fachpersonal und vor allem weniger Armut, mehr Bildung und auch billigere Medikamente.

Frau Doctor Right aus Tansania: Du bist Ärztin in Tansania und weißt, dass sehr viele Menschen, vor allem auch Frauen von HIV betroffen sind. Du bekommst aber sehr wenig Geld als Ärztin und überlegst aus Tansania nach Europa zu gehen, um in Europa als Krankenschwester mehr Geld zu verdienen, damit du deine große Familie unterstützen kannst. Dein Bruder ist HIV Infiziert.

Borys Young aus der Ukraine: Du bist 16 Jahre alt und lebst in der Ukraine. Du hast eine Freundin, die ein Drogenproblem hat und sich mit HIV angesteckt hat. Du bist erschüttert, dass die Zahl der Neuansteckungen bei Jugendlichen vor allem in Osteuropa steigt. Du willst an der Aids Konferenz teilnehmen, um dich über Maßnahmen auszutauschen, wie Jugendliche mehr Infos zum Thema HIV und Aids bekommen können, weil du dich gern im Kampf gegen HIV in der Ukraine engagieren würdest.

Autor/in: Betti Zelenak

Publikation: kumquat "Der.Die.Das" 2/2010

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Schlagwörter: Körper, Gesellschaft, Welt