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Laut(-)stark - Prophetinnen und Propheten

Gruppenstunde Bausteine | Alter: 10-14 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Prophet/innen prägen das Alte Testament und haben bis heute nichts an ihrer Bedeutung verloren. Bei diesem Gruppenstundenmodell werden einzelne Aspekte des "Prophet/in-Seins" herausgenommen, um so ein Bild zu bekommen, wie diese die damalige Welt vor über 2500 Jahre geprägt haben.

Material

  • Das Material, falls notwendig, wird bei jedem Baustein einzeln angeführt

Aufbau

Das folgende Gruppenstundenmodell ist in Bausteine gegliedert, diese können je nach Zeitrahmen und Belieben miteinander gekoppelt werden.

 

Baustein 1 — Das Wort als Schwert

Hinführung:


Die Prophet/innenbücher entstanden ca. zwischen 700 v. Chr. und 100 v. Chr. Zeit und Umstände, in denen diese Bücher geschrieben wurden, prägen die Sprache. Die Propheten und Prophetinnen treten in ihren Schriften oft sehr laut auf, sie verwenden teilweise eine Sprache, die selbst in unserer heutigen Zeit noch recht brutal wirkt — der Prophet Amos etwa:
Höret dies Wort, ihr fetten Kühe, die ihr auf dem Berge Samarias seid und den Geringen Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht zu euren Herren: Bringt her, lasst uns saufen! (Am 4,1).

Die Prophet/innen bedienen sich dieser lauten und oft sogar beleidigenden Sprache, um gehört zu werden. Die Botschaft, die dahinter steckt, ist jedoch keine "Drohbotschaft". Prophet/innen bringen stets Hoffnung, nicht Strafe — die Aufgabe der Prophet/innen war erfüllt, sobald sich ihre Ankündigungen nicht erfüllt haben. Sie versuchen durch ihre teils sehr "gewaltigen" Worte, die Menschen aufzurütteln und zur Umkehr zu bewegen.
In der Sprache der Prophet/innen steckt daher Sorge, nicht Androhung.

Beim folgenden Spiel können wir der Kommunikation ein bisschen auf die Spur kommen. Unser Sprechen ist ein permanentes "Umschreiben" — nie können wir Dinge 100%ig richtig beschreiben.
Prophet/innen sprechen von Gott in einer bildhaften Sprache - dieses Spiel kann zeigen, wie schwer es für Prophet/innen war, "Unfassbares" in Worte zu kleiden.

Spiel — "Stille Erklärung"


Ein Kind flüstert dem benachbarten Kind einen Begriff ins Ohr. Dieses überlegt sich eine Umschreibung für diesen Begriff, die es dann dem nächsten Kind ins Ohr flüstert. Dieses Kind sagt wiederum den Begriff, den es hinter der Beschreibung vermutet, dem nächsten Kind ins Ohr. Ist der Begriff bzw. die Umschreibung wieder beim Ausgangspunkt angelangt, wird diese/r laut gesagt und mit dem ursprünglichen Begriff verglichen.

Baustein 2 — Muss das wirklich so sein?


Material: Verkleidungskiste, Requisiten etc.

Hinführung:


Prophet/innen betrachten ihre aktuelle Gegenwart und motivieren zu anderem Verhalten, zu Umkehr und einer besseren Zukunft. Sie spinnen keine wirren Gedanken, sondern versuchen das Hier und Jetzt für die und mit den Menschen zu verändern. Prophet/innen betrachten und beobachten ihre Umgebung genau und versuchen, Schlüsse daraus zu ziehen.

In einer Aktion rund um die Pfarre könnt ihr versuchen, diesem Aspekt des Prophet/in-Seins auf die Spur zu kommen.

Aktion — "Sich in andere Personen hineinversetzen"


Du als Gruppenleiter/in teilst jedem/r eine Rollenbeschreibung aus (siehe unten) bzw. lässt die Kinder ihre Rollen selbst aussuchen. Lasst euch Zeit, um euch in die Rollen hineinzudenken und euch umzuschauen. Mach mit den Kindern aus, wie weit sie sich wegbewegen dürfen — nicht zu weit, damit sie noch in Sichtweite sind und damit es nicht zu lange dauert.
Dann sollen die Kinder in die Rollen schlüpfen und sich durch die Kirche, das Pfarrzentrum oder andere Gebäude und Plätze bewegen, die zu eurer Pfarre gehören. In ihrer Rolle sollen sich die Kinder folgende Fragen stellen: Wie kann ich mich hier bewegen? Was empfinde ich als gut, als praktisch für mich? Was empfinde ich als unangenehm, als störend oder hinderlich?
Eine Verkleidungskiste oder Fundstücke vom Pfarrflohmarkt können helfen, um sich besser in die Rolle einzufühlen.

Rollenbeschreibungen:

  • Du bist eine 80-jährige Frau, musst mit einem Stock gehen und bist vom Gehen schnell erschöpft.
  • Du bist ein 3-jähriges Kind, läufst und spielst gerne. Du bist noch recht klein und tust dir beim Stufensteigen recht schwer.
  • Du bist ein/e 16-jährige/r Jugendliche/r, verbringst in der Pfarre gerne Zeit mit deinen Freund/innen, plauderst gerne und feierst auch gerne mal eine Party.
  • Du bist eine 32-jährige Mutter mit zwei Kindern. Eines ist erst 6 Monate alt und liegt noch im Kinderwagen, das zweite ist 6 Jahre alt.
  • Du bist eine Frau im Rollstuhl.
  • Du bist ein Bauarbeiter, der in der Pfarre gerade die Fassade renoviert. Du hast sehr viel Baumaterial mit.
  • Du bist der Pfarrer und wohnst in der Pfarre.


Abschluss:


Nachdem ihr euch alle wieder getroffen habt, erzählt jede/r, wer er/sie war, wo er/sie sich wohl oder unwohl gefühlt hat. Was ist besonders stark aufgefallen? Wo könnte sich "die Rolle" besonders wohl und wo besonders unwohl fühlen?

Baustein 3 — Prophet/innen sind frech!


Material: frech/nicht-frech-Taferl — siehe Kopiervorlage, Situationskärtchen

Hinführung:


Prophet/innen waren in ihrem Auftreten und ihrer Sprache oft so richtig frech. Die hielten sich nicht an gesellschaftliche "not-to-do’s". Prophet/innen traten mit oft sehr forschen Worten gegen Mächtige auf, wussten aber sehr gut, wann es wichtig war, frech und wann es besser war, diplomatisch zu sein. Frech sein bedeutet nicht, einfach aus Prinzip gegen etwas zu sein oder mit seiner Meinung andere kränken zu wollen. Frech sein bedeutet, bestimmt und mutig für Anliegen einzutreten, mit dem Wissen, dass oft gesellschaftliche Barrieren übersprungen werden müssen. Frech sein heißt lebhaft sein, heißt Dinge in die Hand zu nehmen.
Frech sein bedeutet hier aber nicht, rücksichtslos und arrogant zu sein, es bedeutet, Zivilcourage an den Tag zu legen und gegen ungerechte Systeme aufzutreten.

Im Rahmen der folgenden Aktion kann deine Jungschar-Gruppe mit Situationskärtchen dem "Frech-Sein" der Prophet/innen nachgehen. Du wirst herausfinden, dass nicht jede Situation eindeutig bestimmbar ist. Oft wird es gut sein, frech zu sein, oft wird es besser sein, sich zurückzuhalten und nichts zu sagen, obwohl die Sache so nicht stehen bleiben darf. Es sind manchmal andere Menschen besser dazu geeignet, in solchen Situationen zu reagieren.

Aktion — "Ich bin frech! — Ich bin nicht frech!"


Jedes Kind bekommt 2 Kärtchen ausgeteilt (siehe unten).
Zu Beginn des Spiels ist es wichtig, den Kindern zu erklären, wie der Begriff "frech" in diesem Spiel verwendet wird — in der Hinführung findest du Tipps dafür.

Reihum können die Kinder nun von einem Stapel ein Situationskärtchen ziehen. Es wird vorgelesen und jedes Kind hat im Anschluss die Möglichkeit, sich für eines der 2 Kärtchen zu entscheiden — "frech"" oder "nicht frech!". Dieses Kärtchen wird gut sichtbar in die Höhe gehalten. Nach jeder Situationskarte kannst du nun eine kurze Runde machen. Die Kinder können zu ihrer Entscheidung Stellung nehmen und erklären, was für sie hier "frech" sein oder "nicht frech" sein bedeutet.

Einige solcher Situationen sind hier angeführt, dir fallen sicher noch andere Situationen ein, die du in das Spiel einbauen kannst.

Situationskärtchen:

  • In der Schule kommt es während einer Pause zu einem Tumult. Der größte und stärkste Bub in der Klasse verspottet ein Mädchen wegen ihrer Zahnspange, das Mädchen beginnt zu weinen.
  • Nach der Jungschar-Stunde gehst du mit deinen Freund/innen nach Hause. Plötzlich hat jemand die Idee, der älteren Frau auf der anderen Straßenseite den Stock wegzunehmen und davonzulaufen.
  • Am letzten Tag des Jungschar-Lagers werden alle Zimmer kontrolliert. Dein Zimmer muss noch einmal geputzt werden, weil es sehr schmutzig war. Die Kinder sind zornig und schieben die Schuld auf Susi: "Sie hat den ganzen Dreck gemacht und wir müssen putzen!", sagen sie.
  • Deine 3-jährige Schwester geht während der Sonntagsmesse in der Kirche auf und ab, weil die Messe heute besonders lange dauert. "Setz dich nieder oder geh raus!", sagt eine ältere Frau zu ihr.


Baustein 4 — ein Teil und schon komplett


Material: Fotos, Bilder etc.

Hinführung:


Prophet/in sein, ist eine Aufgabe, die jedem und jeder zukommen kann. Die Aufgabe, Prophet/in zu sein, misst sich nicht an Reichtum, Alter oder gesellschaftlichem Status. Der Hirte Mose wurde ebenso Prophet wie der wohlhabende Amos. Um Prophet/in zu werden, braucht man auch keine zusätzlichen besonderen individuellen Fähigkeiten. Alles was du zum Prophet/in-Sein brauchst, liegt schon in dir, einzig die Annahme des Auftrags macht dich zum Propheten und zur Prophetin. Es braucht nur mehr einen Auslöser, eine Art Initialzündung, damit das Prophet/innen-Sein zum Durchbruch kommt, damit deine in dir schlummernden Fähigkeiten zur Entfaltung kommen. Es liegt also schon alles in dir, meistens ist es aber verdeckt und nur stückweise sichtbar.

Durch die Hilfe einer zweiten Person wird im nächsten Spiel ein weiterer Aspekt sichtbar. Prophet/innen waren Ratgeber/innen, Menschen, die anderen bei ihren Aufgaben halfen, die einen anderen, neuen Blickwinkel einbrachten.

Aktion:


Jedes Kind bekommt ein Bild / Foto und versucht herauszufinden, was darauf abgebildet ist. Dazu brauchst du Fotos, auf denen "Bildrätsel", d.h. Motive, die nicht sofort zu erkennen sind, sind — die Bildkarten aus dem Spiel "Nobody is perfect" eignen sich beispielsweise recht gut. Du kannst dir natürlich auch selbst eine Kamera schnappen und dich auf die Suche nach geeigneten Motiven begeben. Detail- oder Makroaufnahmen, Bildausschnitte... — der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Nach einer bestimmten Zeit der Einzelarbeit können die Kinder sich selbstständig eine/n Partner/in suchen, das Bild herzeigen bzw. gemeinsam versuchen, die Lösung zu erkennen.

Autor/in: Dominik Mach und Sabine Kräutelhofer

Publikation: kumquat "laut" 3/2007

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Schlagwörter: Rollenspiel, Bibel, Religiöses