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Du bist lieb! Du bist doof!

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Situationen und Menschen zu beurteilen und zu bewerten, ist etwas, das wir laufend tun — oft auch unbewusst. Oft glauben wir sehr schnell zu wissen, warum eine Person so handelt oder was in einer Person vorgeht. Obwohl das so selbstverständlich ist, ist es nicht immer hilfreich für den Umgang miteinander. Denn vielfach handelt es sich dabei um Vor-Urteile, die mit der Realität oft gar nichts oder nur zum Teil zu tun haben. Deswegen setzen sich die Kinder in dieser Gruppenstunde mit dem Thema "Vorurteile" auseinander.

Material

Aufbau

Als Einstieg überlegen sich die Kinder anhand von Bildausschnitten, was auf den fehlenden Teilen zu sehen sein könnte, und vergleichen das dann mit der richtigen Lösung. Danach lernen die Kinder ein Mädchen namens "Alexandra" kennen und jedes Kind erfährt etwas mehr über eine/n ihrer Freund/innen oder Schulkolleg/innen (Kartonfiguren). Aufgrund dieser Angaben versuchen die Kinder zu überlegen, was sich ihre Figur in einer bestimmten Situation über Alexandra denken könnte. Nachdem jede Figur eine andere Beziehung zu Alexandra hat, fallen die Urteile wahrscheinlich sehr unterschiedlich aus. Danach wird gemeinsam überlegt, wie es zu Vor-Urteilen kommen und wie man diese vermeiden kann. Als Abschluss wird eine Geschichte erzählt.

 

Was ist hier passiert?


Du hast einige Bildausschnitte mitgebracht (siehe Bilder auf der Seite, als Downloads auf der Homepage) und bittest die Kinder, sich zu überlegen, was wohl auf den fehlenden Teilen zu sehen sein könnte. Das dürfen die Kinder auf Papier dazumalen oder -schreiben. Dabei geht es darum, möglichst Dazupassendes zu finden, das auch tatsächlich in der Situation vorstellbar ist — ob das mit der "richtigen Lösung" übereinstimmt, ist dabei vorerst nebensächlich.

Sind alle Ideen festgehalten, legst du die Auflösungen dazu. Nun könnt ihr euch darüber austauschen, was ihr euch zuerst gedacht habt, und schauen, wie groß die Übereinstimmungen sind und worauf das zurückzuführen sein könnte. Nicht immer ist eine Situation also so, wie man glaubt. Vielleicht habt ihr besser erraten können, worum es sich handelt, wenn schon viel auf dem Ausschnitt zu sehen war, und schlechter, wenn ihr nur einen kleinen Ausschnitt gesehen habt.
Unser Gehirn vergleicht Situationen auch automatisch mit schon erlebten Situationen und beurteilt sie danach. Vielleicht fallen euch Erinnerungen ein, die euch zu euren Einschätzungen über die Fotos geführt haben könnten.

Vorurteile


Welche Bilder wir uns machen, hängt auch davon ab, welche Erfahrungen wir mit bestimmten Menschen schon gemacht haben und wie sich die Personen in anderen Situationen verhalten haben. Außerdem hängt unser Bild davon ab, was und wie viel wir über die Person wissen, wie sympathisch uns die Person ist,... Je nach Vor-Urteil fällt unser Urteil in einer bestimmten Situation aus.

Um das zu verdeutlichen, legst du eine Figur von einem Mädchen namens Alexandra in die Mitte.
Jedes Kind bekommt eine Kartonfigur mit Gedankenblasen und Namen, auf deren Rückseite steht, welche Beziehung sie zu Alexandra hat. Die Kinder lesen sich den Text durch, um mehr über ihre Figur zu erfahren. Für den nächsten Schritt ist es gut, wenn jedes Kind nur den Text seiner eigenen Figur kennt.
(Wähle bitte andere Namen, wenn es Kinder mit gleichem Namen in deiner Gruppe gibt!)

Franz: Er kennt Alexandra schon vom Kindergarten her und wohnt auch im selben Haus wie sie; sie sind die besten Freunde. Die beiden haben es immer sehr lustig miteinander. Sie haben gemeinsam eine Witzesammlung angelegt.

Louis: Er ist in Alexandra verliebt. Er findet, dass Alexandra ein lustiges Mädchen ist. Sie erzählt ihm immer die neuesten Witze. Vorgestern hat sie ihm erzählt, dass sie oft mit ihren Eltern streitet.

Martin: Er ist in Alexandra verliebt und ist eifersüchtig auf Louis, weil er weiß, dass der auch in sie verliebt ist. Martin befürchtet, dass Alexandra auch in Louis verliebt ist.

Sabrina: Sie mag Alexandra nicht so gerne, weil sie findet, dass Alexandra "wegen jedem Schmarrn heult"; außerdem hat Alexandra sie zu ihrer letzten Party nicht eingeladen.

Simone: Bei ihr weint sich Alexandra immer aus, wenn sie Probleme hat. Sie kennen sich seit dem Kindergarten und lesen beide gerne Pferdebücher. Sie weiß als einzige, dass Alexandra in Zlatko verliebt ist.

Bernd: Er geht in die gleiche Klasse wie Alexandra. Sie tut ihm leid, weil vor ein paar Tagen ihr Hund gestorben ist.

Zlatko: Er bewundert Alexandra, weil sie gut in Mathematik ist, ohne viel zu lernen. Er sitzt neben ihr in der Schule, weiß aber nicht viel von ihr.

Dragana: Sie ist die Schwester von Zlatko. Sie würde ihren Bruder gerne mit Alexandra verkuppeln, weil sie sich gut mit Alexandra versteht. Es tut ihr leid, dass Alexandra letzte Stunde im Turnen so traurig war, weil sie eine Übung nicht gekonnt hat.

Wenn du mehr Kinder in der Gruppe hast, lässt du dir noch andere wichtige Personen einfallen.
Dann erzählst du: Dragana, Zlatko, Bernd, Simone, Sabrina, Martin, Louis und Franz sind bei Alexandra auf deren Geburtstagsparty, einem Gartenfest, eingeladen. Alle feiern lustig. Irgendwann im Verlauf des Festes ist Alexandra verschwunden. Zlatko sieht sie durchs Wohnzimmerfenster vor dem Hauseingang sitzen und weinen. Er weist die anderen darauf hin, dass Alexandra draußen sitzt und weint.

Nun soll jedes Kind in die Gedankenblasen seiner Kartonfigur schreiben, was seine Figur sich angesichts dieser Situation als Erstes denkt, was passiert ist — vorerst, ohne mit den anderen Kindern zu reden.
Dann werden die Figuren zu "Alexandra" gelegt. Ihr könnt die unterschiedlichen Gedanken betrachten und euch u.a. folgende Fragen stellen:

  • Was fällt uns auf?
  • Was erstaunt uns?
  • Warum reagieren die Figuren möglicherweise so?


Wahrscheinlich haben die Figuren recht unterschiedliche Vorstellungen davon, warum es Alexandra gerade so geht. Das kommt sicher auch daher, dass die Kinder Unterschiedliches von ihr wissen. Natürlich handelt es sich dabei nur um ausgedachte Situationen. Aber wahrscheinlich geht es uns auch manchmal in unserem Alltag so! Oft beurteilen wir Situationen nach Vor-Urteilen, die wir über die Person gefasst haben — und die so gar nicht stimmen müssen!
Ihr könnt nun auch überlegen, was dabei helfen kann, nicht so schnell in "Vorurteile" zu kippen, z.B.: nachfragen, bedenken, dass Personen unterschiedlich reagieren können, usw.

Die Geschichte vom Elefanten und den Gelehrten


Als Abschluss der Stunde kannst du den Kindern folgende Geschichte vorlesen, die sich mit einem ganz ähnlichen Thema beschäftigt:
Lang vor unserer Zeit hatte der König eines Landes ein Tier als Geschenk bekommen, das zuvor noch niemand gesehen hatte: einen Elefanten. Nachdem die Gelehrten ganz begierig waren, das Tier kennen zu lernen, erlaubte es der König, allerdings sollten die Gelehrten dem Elefanten nur mit geschlossenen Augen gegenübertreten. Sie tasteten den Elefanten mit ihren Händen ab und jeder erwischte einen anderen Teil.
Als die anderen Leute sie fragten, wie das Tier aussehe, da berichteten alle von ihren Eindrücken. Der erste, der das Ohr des Elefanten betastet hatte, sagte: "Er ist ein großes Wesen, flach wie ein Teppich." Der Gelehrte, der den Rüssel berührt hatte, sagte: "Ich sage euch, er ist ein langes Tier, innen hohl wie ein Rohr!" Und der dritte, dessen Hände die Beine des Elefanten erwischt hatten, sagte: "Aber nein, ich weiß, dass er fest und gerade wie eine Säule ist."
Daraufhin gerieten sie in einen furchtbaren Streit, denn jeder meinte, Recht zu haben, weil er nur seinen eigenen Erfahrungen traute!

Autor/in: Christina Schneider

Publikation: kumquat "bewegen" 4/2006

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