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Kinderrechte - hier, dort, konkret!

Gruppenstunde | Alter: 9-14 | Aufwand: Mittel

Ziel

In dieser Gruppenstunde können Kinder die Kinderrechte kennenlernen. Unterschiedliche Kinderrechte werden anhand des Alltags von Kindern aus verschiedenen Ländern der Welt thematisiert. Durch das Schlüpfen in Rollen werden die diversen Situationen konkret und die Kinder können ein stärkeres Bewusstsein für ihre Rechte entwickeln.

Material

  • auseinandergeschnittene Schilder mit Kinderrechten
  • Steckbriefe
  • Kategorien für "Ein Schritt nach vorn"

 

Kinderrechte-Tafeln


Einige Kinder wollten zu einer Demonstration gehen, um auf ihre Rechte aufmerksam zu machen. Am Weg hat der Wind ihre Schilder auseinandergerissen. Jetzt versuchen die Kinder, ihre Schilder wieder zu ordnen und zusammenzukleben.

Du hast für folgende Rechte je ein kleines Schild vorbereitet und auseinandergeschnitten:

  • Recht auf Freizeit
  • Recht auf Schule
  • Recht auf Essen
  • Recht auf Gesundheit
  • Recht auf Privatsphäre
  • Recht auf Information
  • Recht auf eine eigene Meinung
  • Recht auf Schutz
  • Recht darauf, nicht arbeiten zu müssen
  • Recht auf Leben

Jedes Kind bekommt einen Teil eines Schildes und versucht den/die Partner/in mit dem passenden fehlenden Teil zu finden.

Wenn sich alle gefunden haben, könnt ihr besprechen was jedes einzelne Recht bedeutet. Z.B: das Recht auf Gesundheit bedeutet, dass man zum/zur Arzt/Ärztin gehen kann, wenn man krank ist, auch wenn man kein Geld hat, aber auch, dass man in einer gesunden und nicht verschmutzten Umgebung wohnen kann.

Du erklärst den Kindern, dass alle Kinder der Welt diese Rechte haben. Vor 30 Jahren haben sich die Politker/innen aus fast allen Ländern der Welt (außer USA und Somalia) dazu entschlossen, einen gemeinsamen Vertrag zu unterschreiben, damit alle Kinder diese Rechte haben.

Was das genau bedeutet und ob tatsächlich alle Kinder in ihrem Alltag alle Rechte erfüllt wissen, könnt ihr euch beim folgenden Rollenspiel anschauen.

Einen Schritt nach vorn


Du hast Kärtchen vorbereitet, auf denen jeweils ein Steckbrief mit Rollenbeschreibung steht. Je nach Gruppengröße bekommt nun jedes Kind bzw. jede Zweiergruppe ein Kärtchen und liest sich durch, wen sie vertreten. Achtung: sie sollten ihre Rolle noch nicht den anderen Kinder verraten. Bei Fragen und Unklarheiten kannst du ihnen helfen. Nun stellen sich alle Kinder in einer Reihe auf. Du hast verschiedene Eigenschaften/Situationen vorbereitet, zum Beispiel:

  • hat Wohnung/Haus
  • geht in die Schule
  • die Familie hat Geld für Freizeit-Aktivitäten
  • bekommt genug zu essen von den Eltern
  • hat ausreichend Privatsphäre
  • hat genügen Zeit zum Spielen
  • hat sauberes Wasser zu trinken
  • darf vieles selbst bestimmen
  • darf sagen, was er/sie denkt
  • hat Hefte, Stifte und alles, was sie/er für die Schule braucht
  • muss nicht arbeiten

Nun liest du die erste Situation vor und alle Kinder, die das betrifft und bejahen können gehen einen Schritt nach vor. Bei "geht in die Schule" wird zB. Miguel aus Kolumbien stehen bleiben während, Sebastian aus Österreich einen Schritt vorgehen darf. Je weniger ein Kind in seinen Rechten eingeschränkt ist, desto weiter nach vor wird es gehen dürfen. Für manche Situationen gibt es keine explizite Erwähnung in der Rollenbeschreibung. Hier schlage ich vor, dass die Kinder selbst entscheiden und auswählen, was sie denken, wie es sein könnte.

Zum Schluss bleiben alle Kinder stehen, manche haben einen weiteren Weg zurückgelegt als andere. Nun darf jedes Kind/jede Zweiergruppe ihre Rolle vorstellen und auch sagen, wie es sich bei den unterschiedlichen Situationen gefühlt hat. Hier seht ihr nun ganz gut, dass die Situation, welche Rechte tatsächlich im Alltag eines Kindes umgesetzt wurden, sehr unterschiedlich sind. Es gibt hier bei vielen Kategorien und Antworten kein eindeutiges richtig oder falsch, es geht vielmehr darum, dass ihr ins Gespräch kommt und euch in unterschiedliche Situationen hineinversetzt.

Rollenbeschreibungen:

(mit Ideen aus "Our world, our future" von Linda Exenberger & Franz-Joseph Huainigg)

Angela aus den USA, 12 Jahre alt

Ich wohne mit meiner Mutter und meinen zwei Brüdern, die schon erwachsen sind, in einer kleinen Wohnung in New York. Ich teile mir ein Zimmer mit ihnen und hoffe, dass sie bald Arbeit finden und ausziehen können, damit ich mein eigenes Zimmer habe. Meine Mama arbeitet sehr viel, wir haben aber trotzdem sehr wenig Geld. In der Früh fahre ich mit dem Bus zur Schule. Wenn ich früh genug losfahre, kann ich mir ein kostenloses Frühstück in der Schule holen. Letzte Woche feierte meine beste Freundin Zoe Geburtstag. Leider konnte ich nicht zu ihrer Feier fahren, weil meine Mutter nicht genug Geld für das Busticket hatte. Ich wünsche mir, dass alle Kinder ein eigenes Zimmer haben können.

Sidney aus Haiti, 8 Jahre alt

Ich wohne in Port-Au-Prince, das ist die Hauptstadt von Haiti. Mit meinen Eltern und drei Geschwistern wohne ich in einer Wellblechhütte. Wir haben einen Raum, in dem wir schlafen, kochen und essen. Wir hatten zwei Zimmer, eines wurde leider von einem Tsunami weggespült. Das kommt wegen der Erdbeben auf Haiti immer wieder vor. Das Dach wurde auch zerstört und daher ist es nicht dicht. Wenn es regnet wird es überall nass in der Hütte. Meine Geschwister und ich haben Glück. Genau an der Stelle, wo unser Bett steht, tropft es nicht. Aber meine Eltern können dann nicht schlafen und müssen das Wasser aus der Hütte schaffen.

Heute haben wir Glück, heute haben wir frisches Trinkwasser, das ich geholt habe. Das ist teuer und wir haben nicht immer genug Geld dafür. Und zu essen haben wir auch nicht immer etwas, dann weint mein kleiner Bruder vor Hunger sehr laut. Meine Eltern verkaufen auf dem Markt gegrillten Fisch und andere Speisen. Wenn sie etwas verkaufen können, dann können sie für uns ein billigeres Essen kaufen, zum Beispiel Reis mit Bohnen. Manchmal kommen sie mit leeren Händen nach Hause.

Meine Mama sagt, dass ich Glück habe, weil ich zur Schule gehen kann. Hier lerne ich lesen und schreiben. Das Lernen ist oft gar nicht so einfach, weil wir kein Geld für Papier und Stifte haben. Aber ich hab ja ein gutes Gedächtnis.

Wenn ich groß bin, dann möchte ich ein eigenes Geschäft haben und mein Geld mit unseren Nachbarn teilen.

Celine aus Frankreich, 15 Jahre

Ich wohne in Arcachon, einer französischen Stadt am Meer. In den Schulferien und der warmen Jahreszeit verbringe ich viel Zeit mit meinen Freundinnen am Strand. Letztens wurde ein schöner Tag am Strand zerstört, weil meine Mutter mein Tagebuch gelesen hatte. Das macht mich richtig wütend! Ich möchte nicht, dass sie weiß, dass ich meiner Freundin Daphné helfen möchte, weil sie immer wieder Probleme mit Drogen hat. Ich finde, mein Tagebuch geht meine Mutter nichts an!

Saya aus Indonesien, 12 Jahre

Ich komme aus einem kleinen Dorf, wo meine Familie ein Stück Land hat. Meine Geschwister und ich haben früher immer geholfen, Brennholz zu sammeln, auf dem Feld oder im Haushalt zu arbeiten. Aber jetzt wohne ich in der Stadt. Seit einem Jahr arbeite ich hier für einen Mann, der mir Arbeit angeboten hat. Ich mache Papiersackerl in verschiedenen Größen. Ich falte das Papier und klebe es mit unserem selbst gemachten Kleber zusammen. An einem Tag schaffe ich ungefähr 2000 Sackerl, meine Freundin Sari ist schon länger hier und schafft 2800. Von 6 Uhr in der Früh bis um 11 am Abend muss ich arbeiten. Dann schlafen wir die kurze Zeit, die noch übrig bleibt in einem kleinen Zimmer im Keller. Ich würde viel lieber zur Schule gehen, aber leider braucht meine Familie das Geld, das ich hier verdiene.

Miguel aus Kolumbien, 9 Jahre alt

Ich wohne mit meinem älteren Bruder in einer kleinen Hütte, gleich bei einer steilen Kurve einer großen Straße. Wir wohnen hier ganz alleine. Hier fahren viele Autos und wir helfen den LKWs, die aus der Kurve fahren, wieder zurück auf die Straße. Dann bekommen wir meistens ein wenig Geld. Aus den liegengebliebenen Teilen bauen wir uns Seifenkisten, das Fahren ist immer sehr lustig. Außerdem arbeite ich in einer Autowäscherei, da verdiene ich mehr Geld.Wenn ich etwas Geld übrig habe, darf ich bei meinem Papa schlafen und er gibt mir etwas zu essen. Die Schule ist so teuer, dass ich ein Jahr arbeiten müsste um dann ein Jahr in die Schule gehen zu können. Mein Traum ist es, dass ich eines Tages Geologe auf der Universität werde. Jedes Kind sollte zur Schule gehen dürfen!

Kim aus China, 12 Jahre alt

Ich komme aus Peking, das ist Chinas Hauptstadt. Den Tag verbringe ich meistens in der Schule, zu Hause oder in meiner Klavierstunde. Mein Papa ist Fotograf, deshalb hängen bei uns daheim so viele schöne Bilder von wunderschönen Seen und Wiesen im Wohnzimmer. Leider schaut es ganz anders aus, wenn ich aus dem Fenster schaue. Die Luft ist so verschmutzt, dass ich nichts als Smog sehe. Also ein Nebel, der aus Rauch und Abgasen besteht. Manchmal ist die Luft sogar so schlecht, dass ich gar rausgehen oder in die Schule gehen kann. Ich spiele gerne Fußball, aber das geht dann leider auch nicht, wenn die Luft zu schlecht ist. Ich wünsche mir, dass in Peking keine Autos mehr fahren dürfen, damit wir frische Luft und grüne Parks zum Spielen haben.

Ayana aus Äthiopien

Ich bin 13 Jahre alt und wohne in einem kleinen Dorf am Land. Die Landschaft ist wunderschön und wir haben sogar eine gute Schule im Dorf. Aber es gibt ein großes Problem. Wir haben hier kein Trinkwasser. Wenn wir das verschmutzte Wasser verwenden, entzünden sich unsere Augen und das tut sehr weh. Wenn das oft passiert, kann man sogar blind davon werden. Meine Mama und ich holen allen zwei Tage sauberes Wasser vom Brunnen, der eine Stunde zu Fuß entfernt ist. 25 Liter fülle ich in den Kanister und trage ihn auf dem Kopf wieder zurück. Dann haben wir Wasser zu trinken und um uns zu waschen. Ich träume davon, dass es in unserem Dorf einen Brunnen mit sauberem gibt oder wie vielleicht sogar selbst einmal eine Wasserleitung im Haus haben.

Sebastian aus Österreich

Ich bin 11 Jahre alt und wohne in Wien in einer großen Wohnung mit meinen Eltern und meiner Schwester. Nach der Schule spiele ich gerne mit Freunden im Park und fahre Skateboard. Leider geht das nur einmal in der Woche. An den anderen Nachmittagen bin ich im Hort oder im Trompetenunterricht. Am meisten ärgert mich, wenn meine Eltern fürs Wochenende Pläne schmieden, ohne uns Kinder zu fragen, was wir gerne machen wollen. Wenn ich selber einmal Kinder habe, möchte ich, dass sie ganz viel Zeit zum Spielen haben.

Abschluss


Zum Schluss sucht sich jedes Kind (noch in der Rolle) ein Schild vom Eingangsspiel aus. Am besten das, wo er/sie das Gefühl hat, dieses Recht ist für sie/ihn besonders wichtig und dafür möchte es demonstrieren. Wenn die Kinder das wollen, können sie noch kurz erzählen, wieso sie sich dieses Schild ausgesucht haben.

Zum Abschluss der Stunde könnt ihr euch von den Kinderrollen verabschieden, indem ihr euch einmal von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen ausschüttelt.

Autor/in: Martina Triebl

Publikation: kumquat "Jetzt wird's politisch" 3/2019

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Schlagwort: Kinderrechte