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Wut

Gruppenstunde | Alter: 8-10 | Aufwand: mittel

Hintergrund

In vielen Lebenssituationen laufen Dinge nicht so, wie man sie sich vorstellt - man ärgert sich. Aufgestauter Ärger, d.h. Ärger, dessen Ursache nicht beseitigt wurde, kann schon einmal das Faß zum Überlaufen bringen. Die innere Spannung wird so groß, dass dringend etwas geschehen muss, um sie abzubauen. An dieser Stelle sind Sätze wie "Sei doch nicht wütend!" oder "Das tut man nicht...!" wenig hilfreich. Der Druck muss irgendwie raus! Wut an und für sich ist weder ein böses Gefühl, noch eine Naturgewalt, der man hilflos ausgesetzt ist. Man kann lernen, mit ihr umzugehen. Und zwar in einer Art und Weise, die für den Wütenden die Situation erträglicher werden läßt, ohne aber anderen, von der Situation Betroffenen, zu schaden!

Ziel

In dieser Gruppenstunde versetzt Ihr Euch in die Lage von Personen, die aus verschiedenen Gründen wütend sind, und versucht, für sie Wege zu finden, wie sie ihre Wut loswerden können, ohne dabei anderen zu schaden.

Material

  • Figuren aus Karton oder starkem Papier ausgeschnitten (Du kannst die Figuren natürlich auch auf stärkerem Papier aufzeichnen).
  • Luftballons, Filzstifte, Schnüre
  • Wut-Aufkleber
  • Nadel
  • rotes Tuch

Aufbau

Mit Hilfe von Wut-Figuren sammelt Ihr Situationen, die wütend machen, und überlegt, wie ärgerlich die einzelnen Situationen sind.
Dann überlegt Ihr gemeinsam, was die Betroffenen in den Situationen tun können, um den aufgestauten Ärger für alle Beteiligten erträglich abzulassen. Die Vorschläge können gleich in kurzen Rollenspielen ausprobiert werden.
Abschließend wird das Spiel "Wut-Fänger" gespielt, bei dem nochmals die "Luft rausgelassen" werden kann.

 

Vorbereitungen



Vor der Stunde hast Du kleine Figuren aus Karton oder starkem Papier ausgeschnitten, die anstelle des Kopfes einen unaufgeblasenen Luftballon an den Schultern befestigt haben. (Es wäre nett, wenn auf den Ballons wütende Grimassen erscheinen, sobald man sie aufbläst. Du kannst sie vor der Gruppenstunde mit Filzstift darauf zeichnen oder sie mit Deinen Kinder gemeinsam aufmalen) Auf die Kartonfiguren sind Situationen geschrieben, über die man sich ärgern und in Wut geraten kann, z.B:

Otto sitzt in seinem Zimmer und liest. Sein kleiner Bruder, Simon, kommt andauernd vorbei und fragt ihn etwas.

Judith ist am Vortag ein Mißgeschick passiert. Am nächsten Tag macht sich Tobias ständig darüber lustig.

Peter bemerkt, dass sich Susanne seine Füllfeder ausgeborgt hat, ohne ihn vorher zu fragen.

Walter hat Sebastian ein Geheimnis anvertraut und ihn gebeten, es nicht weiterzuerzählen. Nach einiger Zeit erfährt er, dass Sebastian einem Freund davon erzählt hat.

Anja fliegt im Sommer mit ihren Eltern nach Ägypten. Seit ein paar Tagen fragt sie ihre Klassenkolleg/innen ständig, wohin sie denn fahren, und gibt mit ihrem Urlaubsziel an.

Tom hat sich gestern abend unglaubliche Mühe mit seinem Deutschaufsatz gemacht. In der Schule kommt er drauf, dass er ihn zu Hause vergessen hat.

Ines hat so lange für die Aufgaben gebraucht, dass sie am Nachmittag nicht mehr Basketball spielen gehen kann.

Franz ist gerade mit dem Rad auf dem Weg zu einem Freund. Beim Fahren ist so starker Gegenwind, dass er fast gar nicht vom Fleck kommt.

Obwohl in der Früh die Sonne geschienen hat, regnet es am Heimweg von der Schule. Paul hat seine Regenjacke zu Hause gelassen und wird ziemlich naß...

Du kannst natürlich auch selbst Situationen erfinden, die für Deine Kinder interessant sein könnten. Achte darauf, dass in keiner der Situationen Personen den gleichen Namen haben, wie Kinder aus Deiner Gruppe!


Das macht wütend!



Die Ballonfiguren sind im Gruppenraum verteilt. Wenn alle Kinder da sind, erklärst Du, dass es heute um Dinge geht, die einen so richtig ärgern können, dass man vor Wut platzen könnte. Ihr geht nun von Figur zu Figur und schaut Euch die Situationskärtchen gemeinsam an. Je nachdem, ob Ihr glaubt, dass die beschriebene Situation die betroffenen Kinder mehr oder weniger wütend macht, blast Ihr (bzw. jeweils ein Kind stellvertretend für die ganze Gruppe) nun den Luftballonkopf stärker oder schwächer auf. Wenn eine Situation irrsinnig ärgerlich ist, dann kann der Ballon dabei ruhig auch platzen: Der Druck war dann so groß, dass gar nichts anderes möglich war, als in der Situation vor Wut zu explodieren (auf die leeren Figuren können die Kinder Situationen schreiben, die einen sonst noch wütend machen können). Ist ein Ballon stark genug aufgeblasen, wird er zugeschnürt. Die Kinder können jetzt noch wütende Gesichter daraufmalen, sodass Ihr dann eine Reihe von wütenden Figuren mit verschieden großen Köpfen habt.


Die Luft muss raus!



Im nächsten Schritt werden die einzelnen Figuren nacheinander gemeinsam betrachtet (je nach Art der Situation kann das sehr kurz oder aber auch mit längeren Diskussionen und Überlegungen ablaufen). Du sagst etwa folgendes: "Es ist sicher nicht angenehm, mit einem aufgeblasenen Kopf herumzurennen. Die Luft muss raus, weil man sonst fürchterliches "Kopfweh" bekommt. Allerdings muss man dabei aufpassen. Wenn man nämlich mit lautem Getöse explodiert, kann das für andere sehr unangenehm sein. "Was könnte man denn stattdessen tun, damit einem wieder leichter wird?"

Die Kinder können nun sagen, was ihnen zu den einzelnen Situationen einfällt. Dabei kann es ruhig "in Originallautstärke" recht lebhaft zugehen. In Situationen, wo zwei oder mehrere Figuren vorkommen, können die Kinder ihre Vorschläge auch in kurzen Rollenspielen ausprobieren. Auf jeden Fall schreibst Du die Einfälle der Kinder stichwortartig mit. Bei den Rollenspielen mußt Du als Gruppenleiter/in unbedingt darauf achten, dass zwischen der Rolle, also der Figur, die möglicherweise grantig oder sogar gemein reagiert, und dem spielenden Kind unterschieden wird! Die Kinder sollen hier wirklich die Möglichkeit haben, auf einer spielerischen Ebene verschiedenste Ideen auszuprobieren, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen!
Du kannst bei der Diskussion natürlich auch eigene Ideen einbringen. Das ist u.a. dann hilfreich, wenn die Kinder keine für alle Beteiligten erträglichen, sondern ausschließlich lustbetonte, "wilde" Vorschläge, wie z.B. schimpfen, Haare raufen, schreien,... bringen. Das kann und soll ruhig geschehen, Dir sollte dann aber auch eine angenehme Lösung einfallen. Präsentieren die Kinder hingegen nur "brave" Vorschläge, kannst Du - wenn es in der Situation angebracht ist - wiederum darauf hinweisen, daß so eine Situation auch zum Aus-der-Haut-Fahren sein kann.

Wütend zu sein, ist prinzipiell nichts Schlechtes, sondern kann für den Betroffenen sehr hilfreich und daher auch notwendig sein. Achte daher bitte darauf, dass Ihr beim Besprechen der Situationen nicht von "guten" und "schlechten" Luftablaßmöglichkeiten sprecht, sondern die Vorschläge nur nach der mehr oder weniger angenehmen Wirkung für die Betroffenen unterscheidet. Die Kinder sollen hier einmal auch die Gelegenheit bekommen, durchaus "explosive" Vorschläge einzubringen und ev. sogar im Rollenspiel auszuprobieren, was ihnen im Alltag kaum möglich ist.


Explosiv?



Sind alle Ideen vorgestellt, überlegt Ihr gemeinsam, welche Vorschläge helfen, die Luft so abzulassen, daß alle Beteiligten zufrieden sein können, und welche eher zu einer für die Betroffenen unangenehmen Explosion führen. Gibt es eine Luftablaßmöglichkeit, die alle als angenehm empfinden, klebt Ihr einen Wut-Aufkleber mit folgender Aufschrift auf den Ballon: Lass die Luft raus, aber ohne Schaden! Die Aufkleber kannst Du leicht selber herstellen, indem Du das Bild auf Adreßetiketten kopierst.


Die Luft muss raus, aber ohne Schaden!



Wenn auf einem Ballon kein Aufkleber ist, handelt es sich um eine recht explosive Situation, für die Ihr keine angenehme Lösung gefunden habt. Daher wird die Ballonfigur in der Situation wahrscheinlich "platzen". Ihr probiert das auch gleich aus, indem Ihr mit einer Nadel in den Ballon stecht und ihn zum Platzen bringt.
Klebt auf einem Luftballon ein Aufkleber, habt Ihr eine Möglichkeit gefunden, mit der Wut umzugehen. Daher wird die Figur auch nicht platzen, sondern die Luft ertragbar ablassen. Ihr stecht mit der Nadel durch den Aufkleber durch - an einer Stelle, an der er ohne Falten am Ballon anliegt. Die Luft wird nun durch das entstandene Loch langsam ausgehen. Geht das nicht schnell genug, könnt Ihr auch die Schnur am Ballon aufknoten. Platzt der Ballon trotzdem, ist es auch kein Mißgeschick: Schließlich ist noch kein "Luftablaß-Meister" vom Himmel gefallen!

Ist die Luft aus einer Situation raus, wendet Ihr Euch der nächsten zu - solange es Euch Spaß macht. Es macht gar nichts, wenn dabei ein paar Situationen unbehandelt bleiben. Wenn noch Aufkleber vorhanden sind, können die Kinder diese nach Hause mitnehmen und an einem Ort aufkleben, wo sie und andere ihn oft sehen.


Wut-Fangen



(Das Spiel findest Du auch unter dem Namen "Virus" in der Spielemappe, 2.3)
Als Ausklang könnt Ihr noch ein bewegtes Spiel namens Wut-Fangen spielen. Der Fänger ist mit einem roten Tuch gekennzeichnet. Er versucht, die anderen Kinder zu fangen, indem er sie leicht berührt. Wenn ihm das gelingt, sieht der Betroffene rot und kann vor lauter Wut nicht mehr weiterlaufen. Er bleibt stehen und rauft sich die Haare, stampft mit dem Fuß auf, usw. Legen ihm jedoch zwei andere Mitspieler die Hände auf die Schultern und rufen: "Lass die Luft raus! Lass die Luft raus!", geht es ihm gleich wieder besser, und er kann weitergehen. Will der Fänger nicht mehr weitermachen, wirft er das rote Tuch weg. Wer es aufhebt, ist der neue Fänger.

Autor/in: Marcus Bruck

Publikation: Haben will

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