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Die Philippinen - ein Land in Aufruhr

Seit Präsident Duterte 2016 an die Macht kam, befinden sich die Philippinen in einem Ausnahmezustand. Besonders die arme Bevölkerung in städtischen Slums ist von seinem gewalttätigen Vorgehen betroffen. Nachdem wir heuer im Herbst Besuch von den Philippinen erhalten, wollen wir uns mal anschauen, was das Land gerade bewegt.

Die Philippinen sind ein „aufstrebender“ Staat, wenn wir jetzt mal nur wirtschaftliche Faktoren beachten würden. Aber das greift leider viel zu kurz, wenn wir über dieses aufgewühlte Land reden. Das Wirtschaftswachstum konzentriert sich, wie leider so oft, auf einige wenige, während andere komplett im Regen stehen bleiben.

Vor allem in ländlichen Gebieten, aber auch in den Slums der philippinischen Städte - also den ausgegrenzten, irregulären Vierteln - gibt es nach wie vor viel Armut und wenig Möglichkeiten oder Chancen auf Veränderungen. Ein Großteil des Bruttoinlandsprodukts setzt sich aus Rücküberweisungen zusammen, die im Ausland lebende Philippinas/os ihren Familien überweisen. Weiters gibt es auf den Philippinen inzwischen viele Call Center - die günstigen Arbeitskräfte und die guten Englischkenntnisse machen es ausländischen Firmen leicht. Am Land leben die Menschen von Landwirtschaft, zum Teil auch von Plantagenarbeit.

Philippinische Städte und ihre Slums

Wie in vielen anderen Ländern der Welt, gibt es auch auf den Philippinen starke Land-Stadt-Flucht. Am Land sind die Verdienstmöglichkeiten sehr gering, in den Städten versprechen neue Call Center einen Job, doch leider gibt es nicht für alle lukrative Tätigkeiten, so entstehen immer größer werdende Städteslums. Diese Slums entstehen immer dort, wo die Bedingungen besonders prekär sind und der Boden daher brach liegt und für die arme Bevölkerung zugänglich ist. Viele Slums befinden sich in Gebieten, die häufig von Unwettern und Überschwemmungen heimgesucht werden und so sind die einfach gebauten Häuser natürlich auch besonders von Naturkatastrophen betroffen, denen sie aber nicht stand halten können.

In vielen solchen Slumgebieten gibt es kein Licht, kein Wasser, schlechte sanitäre Bedingungen. Die Häuser sind aus recycelten Materialien oder Schrott gebaut. Blech, Holzreste, Lehmziegel wohin das Auge reicht. Mit der Zeit bauen sich Slumbewohner/innen immer mehr Infrastruktur auf, holen sich Strom von der öffentlichen Leitung, aber staatliche Institutionen, wie etwa die Müllabfuhr, beachten das Viertel nicht. Daher sind Straßen und Flüsse meist sehr verschmutzt.  Durch fehlende sanitäre Anlagen breiten sich nicht nur unangenehme Gerüche, sondern oft auch Krankheiten aus.

Die meisten Menschen, die in diesen Barangays, also Bezirken, wohnen, haben keinen regulären Job, wodurch ihr Verdienst sehr unsicher und unregelmäßig ist. Die Menschen leben unter der Armutsgrenze und müssen jeden Tag aufs Neue für das Überleben ihrer Familien kämpfen. Viele Kinder und Jugendliche können die Schule nicht besuchen, weil auch sie zum Einkommen der Familien beitragen müssen und Schuhe putzen, Müll sammeln oder selbst gemachten Schmuck verkaufen. Diese extreme Armut zerstrört viele Familien, viele Elternteile leben im Ausland, Kinder bleiben dann oft allein zurück und laufen Gefahr, Opfer von Gewalt und sexueller Ausbeutung oder Kinderarbeit zu werden.

In Slums leben Menschen auf engstem Raum mit- und nebeneinander. Privatsphäre gibt es praktisch keine, was auch Kinder und Jugendliche stark betrifft. Es kommt leider immer wieder zu sexuellen Übergriffen – ein riesiges Tabuthema auf den Philippinen, wodurch diese Fälle dann meist nicht öffentlich gemacht werden.

Wenn Menschen Macht haben, die sie nicht haben sollten...

Als im Mai 2016 Rodrigo Duterte die Präsidentschaftswahl gewann, war eine rasche und radikale Veränderung der Situation auf den Philippinen schnell erkennbar. Duterte – früherer Bürgermeister von Davao City auf der südlichen Insel Mindanao – war schon von damals für seine radikalen politischen Aktivitäten bekannt. Im Wahlkampf der Präsidentschaftswahl setzte er sich laut für die Wiedereinführung der Todesstrafe ein und erklärte Drogen den Krieg – sollte er gewählt werden.

Dies waren keine leeren „Versprechen“: innerhalb von zwei Monaten nach seiner Vereidigung wurden auf den Philippinen mehr als 2.000 Menschen – angeblich Drogendealer/innen oder Süchtige - getötet. Welche Zahlen jetzt auf der „schwarzen Tafel“ Dutertes stehen, ist unklar. Vermutungen bewegen sich aber in den fünfstelligen Bereich. Im Kampf gegen Drogen wagen sich Dutertes Kämpfer/innen immer wieder weit in Slums vor, wo Razzien durchgeführt werden. Sehr oft kommen Menschen bei solchen Begegnungen ums Leben, es gibt keine Gerichtsverhandlungen, sie werden auf offener Straße erschossen, oft sogar von der „normalen“ Bevölkerung, die Duterte zur Selbstjustiz aufgerufen hat. Das heißt auch, dass die Täter/innen ungestraft davonkommen, dass Polizist/innen und sogar die Zivilbevölkerung eigenmächtig Entscheidungen über Leben und Tod treffen können, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Für die Bewohner/innen von Slums bedeutet dieses Vorgehen Angst, Unberechenbarkeit, eine sehr eingeschränkte Bewegungsfreiheit (viele trauen sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße) und unermessliches, menschliches Leid – inzwischen haben sehr viele Familien Tote zu beklagen.

Der Drogenkrieg ist somit ganz klar nicht eine Kriegserklärung an Drogenhändler/innen, sondern an die arme Bevölkerung, verpackt in ein anderes Kleid. Duterte achtet genau darauf, den Fokus auf das Drogenproblem zu lenken, so als wäre es das einzige auf den Philippinen. Er gibt den Menschen das Gefühl, dass er dadurch alle Probleme der Philippinen löst und das Land nach vorne bringt. Auch im Internet wird sehr viel Stimmung für Duterte gemacht, die Verbreitung von „fake news“ (also Falschnachrichten) ist derzeit enorm.

Duterte hat auf Mindanao mit dem Drogenkrieg Frieden versprochen, genau das Gegenteil ist passiert. Jetzt richtet er auf nationaler Ebene nochmal genau das gleiche an. Ein großes Problem dabei ist, dass er tatsächlich eine riesige Machtposition inne hat, also auch rechtlich abgesichert ist.

Stimmen gegen Duterte

Durch die neue politische Linie wird die arme Bevölkerung noch mehr ins Abseits gedrängt, Angst bestimmt das Leben vieler, die Macht liegt in den Händen weniger. Der Fokus auf den Drogenkrieg lässt viele andere Probleme im Dunkeln und lenkt davon ab. Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, dass es Organisationen gibt, die sich gegen den Präsidenten stellen und an andere bestehende Probleme erinnern.

Johanna Walpoth

kumquat "Sternsingen" 4/2018

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