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Zukunftswerkstatt

Lager Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Zukunftswerkstatt ist eine Methode, um neue Lösungen für diverse Problemstellungen zu erarbeiten. Sie wird normalerweise vor allem in Planungsfragen, z.B. für die Gestaltung von Räumen, Straßen,... eingesetzt, kann aber auch spielerisch mit Kindern durchgeführt werden. Dabei wird an komplexe Fragestellungen, die üblicherweise Fachwissen erfordern würden, kreativ herangegangen, um so zu neuen Lösungen zu gelangen.

Material

  • Pickerl oder Namensschilder für alle
  • evtl. Verkleidung für die Kinder
  • evtl. Getränke (Dicksaft, Früchtetee) und Snacks (Soletti, Karotten, Obst,...)
  • evtl. Plakat mit dem Projekt
  • bunte Kärtchen
  • Stifte
  • Material für Collagen (Zeitschriften, Klebstoff )
  • Malsachen (Ölkreiden, Filzstifte, evtl. Wasserfarben)

Aufbau

Die Zukunftswerkstatt besteht aus drei Phasen: der Meckerphase, der Utopiephase und der Realisierungsphase.

 

Vorüberlegung/Fragestellung


Im Vorhinein müsst ihr euch überlegen, mit welcher Fragestellung ihr das Spiel durchführen wollt.
Es ist möglich, eine konkrete Ort herzunehmen, wie z.B. eure Pfarre, der Park in eurem Ort, der Pfarrplatz, Orte zum Spielen,... und sich dafür eine konkrete Frage zu überlegen z.B. Wie kann der Platz um die Pfarre auch für Jungschar- Gruppen nutzbar gemacht werden? Wie kann die Pfarre kinderfreundlicher gestaltet werden? Wie soll der Hauptplatz gestaltet sein?... Dann können auch die Ergebnisse den Gemeindevertreter/innen oder dem PGR präsentiert werden. Aber auch eine konkrete Frage, die nur für das Spiel relevant ist, z.B. Wie soll das Gebiet ums Lagerquartier für unsere Ansprüche gestaltet werden? oder eine erdachte Situation, z.B. die Ausgestaltung einer Mondbasis für alle Lagerkinder,... kann als Ausgangspunkt dienen.

Rollenspiel ja oder nein?


Wenn eure Kinder gerne Rollen spielen, ist es möglich, sich verschiedene Rollen angefangen von Kindern bis Pensionist/innen, von Verkäufer/innen bis Manager/innen, von Fußgänger/innen bis Autofahrer/innen - in Anzahl der mitspielenden Kinder zu überlegen. (Eine mögliche Rollenbeschreibung findest du im Anschluss.)
Das Spiel funktioniert aber genauso, wenn die Kinder ihre eigenen Interessen vertreten. Wenn es in dem Spiel um einen realen Ort geht, der tatsächlich umgestaltet werden soll, ist es sogar notwendig, dass die Kinder in keine Rollen schlüpfen, sondern ihre eigenen Standpunkte vertreten und einbringen können!

Eine Rollenbeschreibung könnte ungefähr so aussehen:

Kerstin Oberhuber, 36 Jahre alt, Single, arbeitet in einer Bank, ist Mitglied von Greenpeace und setzt sich sehr für die Umwelt ein, fährt viel mit dem Fahrrad, hat kein Auto, hat viele Freund/innen, lebt gerne hier.

Außerdem können hier noch zwei bis drei Wünsche/Argumente für das Thema stehen, z.B.:

Will den Pfarrgarten möglichst naturnah gestalten.
Will bei Veranstaltungen darauf achten, dass möglichst wenig Müll anfällt und auch die Umwelt berücksichtigt wird.
Will öfters Feste in der Pfarre.


Die Rollenbeschreibungen sollen die Kinder anregen, aber möglichst wenig einschränken.

Das Spiel ist in der Grundvariante ohne Rollenspiel beschrieben. Änderungen, die für die Variante mit Rollenspiel zutreffen, finden sich jeweils im 2. Teil jedes Abschnitts.

Vorbereitung


Das Spiel findet in einer "spielerischen Sitzungsatmosphäre" statt, d.h. der Raum ist entsprechend hergerichtet. Es gibt evtl. ein kleines Buffet mit Getränken (Dicksaft, Früchtetee) und Snacks (Soletti, Karotten, Obst,...) und einen Empfangstisch, an dem sich die Kinder Namensschilder machen und sich evtl. verkleiden können. Sessel stehen um Tische herum und sind auf ein zentrales Podium hin ausgerichtet, wo z.B. ein Plakat mit dem Projekt hängt, um das es nun gehen wird. Der/die Projektleiter/in (ein/e Gruppenleiter/in) begrüßt die eintreffenden Kinder und hilft ihnen, einen Platz zu finden,...

Variante Rollenspiel:


Die Kinder suchen sich vor Betreten des Raums eine Rolle aus. Dafür sind alle zur Verfügung stehenden Rollen übersichtlich, z.B. auf einem Tisch, aufgelegt und die Kinder können sich alle durchlesen und eine Rollenbeschreibung nehmen. Die Gruppenleiter/innen achten darauf, dass es zu einer fairen Verteilung kommt. Es ist wichtig, dass es mehr Rollenbeschreibungen als Kinder gibt, damit die Kinder eine gute Auswahl haben!

Der Beginn


Noch einmal begrüßt du alle Kinder gemeinsam und stellst das Projekt und das Spiel vor: "Ich freue mich, dass so viele erschienen sind, um sich heute gemeinsam Gedanken über'Name des Projekts' zu machen. Gerade Sie als Expert/innen in der Benützung von 'Name des Projekts' sind hier besonders gefragt, den Ausführenden wichtige Informationen zu liefern und so das Ergebnis zu verbessern. Ich darf ihnen nun die Ausgangslage vorstellen."

Hier folgt nun eine Projektbeschreibung, die davon abhängt, wofür ihr euch entschieden habt. Wichtig ist es jedoch, möglichst anschaulich (z.B. mit Fotos, Plänen, Skizzen,...) zu erklären, worum es geht. Handelt es sich um eine Frage, deren Ergebnisse ihr anderen vorstellen wollt, sollte das hier bereits erwähnt werden. Wenn es sich um ein reales Projekt handelt, ist es wichtig, den Kindern die Grenzen des Projekts aufzuzeigen, um Enttäuschung zu verhindern. (Beispiel: Bei der Umgestaltung des Pfarrheims ist eine neue Gestaltung der Räume möglich, es wird aber z.B. keinen Anbau geben.)

Meckerphase


In dieser ersten Phase geht es darum, sich in Kleingruppen alles zu überlegen, was nicht passt, wo es Probleme gibt, was anders sein soll.

Je nach Projekt gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Arbeit in der Kleingruppe:

  • Die Kinder gehen herum und schreiben alles auf, was ihnen negativ auffällt.
  • Auf einem Plan wird alles eingetragen, was den Kindern einfällt.
  • Es wird gemeinsam ein Plan der schlechten Dinge gezeichnet, bei dem es um die persönlichen Eindrücke geht. Entfernungen und Größenordnungen sind in so einem Plan nebensächlich.
  • Mit einer Digitalkamera werden problematische Szenen nachgestellt und fotografiert.
  • Auf bunten Kärtchen wird alles notiert, was den Kindern einfällt.
  • An verschiedenen Orten treffen Kinder verschiedener Kleingruppen aufeinander und tauschen sich über die schlechten Dinge (an diesem Platz) aus.


Anschließend präsentieren die Kleingruppen ihre Überlegungen den anderen. In der Kleingruppe wird es sicherlich nicht nur übereinstimmende Meinungen geben. Das macht gar nichts, sondern die unterschiedlichen Sichtweisen können in der Präsentation durchaus herausgestrichen werden. Für die Präsentation kehren alle wieder in den Raum, in dem das Projekt begonnen hat, zurück. Entweder die ganze Kleingruppe oder — bei großen Gruppen — Vertreter/innen der Kleingruppen stellen die Ergebnisse (am Podium) vor. Der/die Projektleiter/in leitet die Präsentationen ein, dankt den Kleingruppen und moderiert, wenn es Fragen aus dem Publikum gibt.

Utopiephase


Der/die Projektleiter/in bedankt sich für die Präsentation und leitet mit folgenden Worten in die nächste Phase über:
"Danke für das ausführliche 'Meckern'. Es ist ganz wichtig, sich anzuschauen, was alles nicht passt. Im nächsten Teil wollen wir nun versuchen, uns vorzustellen, wie es wäre, wenn all diese schlechten Dinge plötzlich gut wären und alles so ist, wie wir es uns erträumen."

Je nach Zeit und Projekt ergeben sich für die folgende Phase zwei Möglichkeiten:

  • Die Kinder bilden Kleingruppen (ca. 5 bis 8 Kinder). Gemeinsam wird nun ein Wunsch-Modell gebastelt. Dafür ist es gut, viel Material (z.B. Papier, Eierkartons, Joghurtbecher, Plastikfolien, Drahtgitter,...) zu haben, mit dem die Kinder kreativ werden können.
    Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung den andern präsentiert
  • Die Kinder bilden Kleingruppen (ca. 3 bis 5 Kinder) und versuchen, ein gemeinsames großes Bild zu malen bzw. zu gestalten, in dem ihre Wünsche verwirklicht sind.


Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung den anderen präsentiert.

Bei der Ausstellung können die Kinder anderer Kleingruppen auf Kärtchen (die neben den Kunstwerken angebracht werden) dazuschreiben, was ihnen an diesem Bild besonders gut gefällt, z.B. neue Bäume zu pflanzen, eine Kinderspielecke,...

Besonders wenn ihr das Spiel mit älteren Kindern durchführt, kann es für sie interessant sein, wenn an diese Phase eine Diskussionsrunde anschließt, in der die verschiedenen Projekte diskutiert, Argumente ausgetauscht, Probleme angesprochen werden. Wichtig bei so einer Runde ist, dass eine solche Diskussion gut moderiert wird, d.h. der/die Projektleiter/in darauf achtet, dass alle zu Wort kommen, ausreden können und fair mit den Argumenten der anderen umgegangen wird!

Realisierungsphase


Nachdem alle Gruppen sich die Ausstellungen der anderen angeschaut haben, kommt jede Kleingruppe zu ihrem Projekt zurück und überlegt sich nun, was man tun müsste, damit ihr Wunsch umgesetzt wird (wen braucht es dafür, wie könnte das konkret aussehen, wo könnte das sein, könnten wir auch etwas selbst machen,...). Die Ergebnisse werden den anderen vorgestellt.

Gemeinsam könnt ihr dann die Ergebnisse festhalten und überlegen, ob und in welcher Form ihr andere informieren wollt.
Möglichkeiten hierfür könnten sein:

  • Einen gemeinsamen Brief an den PGR, an den/die Bürgermeister/in,... schreiben.
  • Eine Ausstellung mit euren Werken z.B. in der Pfarre, wo die Ergebnisse der ganzen Pfarrgemeinde präsentiert werden.
  • Eine konkrete Idee herausgreifen, die allen gut gefällt und diese im persönlichen Gespräch dem Pfarrer, usw. vorstellen.


Der/die Projektleiter/in bedankt sich bei allen für die tolle Beteiligung. Ihr könnt evtl. alle Kleingruppen mit ihren Kunstwerken fotografieren. Achtet darauf, keines der Werke zu bevorzugen — alle Kinder haben sich bemüht und ihre Ideen eingebracht.

Das Spiel endet mit einem kleinen Buffet, wo auf die gute Zusammenarbeit (mit Saft) angestoßen werden kann und noch einmal die Möglichkeit besteht, über das Spiel zu plaudern.

Variante Rollenspiel: Nach dem Ende des Spiels legen alle ihre Verkleidungen ab, nehmen ihre Namenspickerl herunter und sind nun wieder sie selbst. Das wird auch von den Gruppenleiter/innen unterstützt, indem z.B. das Namenspickerl/ das Verkleidungsmaterial entgegen genommen wird und die Kinder wieder "am Lager" begrüßt werden.

Publikation: Lager - Alltag und Programm 3

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Lager-Kategorie: Stationenspiele

Schlagwörter: Kommunikation, Konflikte, Kreativität, Rollenspiel, Mitbestimmung