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CO2 am Teller - Klimafair einkaufen

Gruppenstunde | Alter: 11-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Meistens liest man in den Medien darüber, welche Auswirkungen Autos, Flugzeuge und Heizungen auf unser Klima haben. Aber hast du dir schon mal überlegt, welchen Einfluss die Auswahl unseres Essens haben könnte? In Wirklichkeit werden nämlich 20% aller Treibhausgase in den Ländern des Nordens durch unsere Produktions- und Essgewohnheiten verursacht. Und zwar deshalb, weil hinter den meisten Produkten im Supermarkt eine ganze Kette an Abläufen steht. Dazu gehören die Erzeugung (z.B. der Anbau von Gemüse), Verarbeitung (z.B. Herstellung von Tiefkühl- oder Konservenwaren), der Transport (mit LKWs oder Zug), die Vermarktung (wie die Produkte verkauft werden), die Zubereitung (z.B. Stromverbrauch beim Elektroherd) und letztendlich auch die Abfallbeseitigung. All diese Abläufe verursachen Abgase in der Form von CO2 (Kohlendioxid) oder CH4 (Methan), welches 25mal stärkere Auswirkungen hat. Bei diesen beiden Gasen handelt es sich um die Hauptverursacher des Treibhauseffektes.
Für jedes Produkt lässt sich ein ganz individueller CO2 Wert berechnen. Dieser wird immer in Gramm CO2 pro kg eines Lebensmittels angegeben. Zum Beispiel werden durch 1kg Rindfleisch Abgase von 13 300 g CO2 verursacht.

Um das Klima zu schonen kann jeder und jede einen Beitrag leisten. Dazu hier einige Möglichkeiten:

  • Kaufe wenige dafür qualitativ hochwertigere Produkte.
  • Kaufe weniger Fleisch, Eier und Milchprodukte.
  • Versuche dich bei Obst und Gemüse darauf zu beschränken, was zu dieser Jahreszeit bei uns wächst.
  • Besuche Bauernmärkte und kaufe auch in Supermärkten Produkte aus Österreich.
  • Kaufe Biolebensmittel.
  • Bevorzuge gering verarbeitete Lebensmittel. Das heißt keine Fertig-, Tiefkühl- oder Konservenwaren.
  • Trage dazu bei, die Müllberge klein zu halten. Plane deine Einkäufe gut, dann musst du weniger Lebensmittel wegwerfen.
  • Außerdem kannst du öfter kleinere Besorgungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen.

Material

Aufbau

In der folgenden Gruppenstunde könnt ihr euch damit auseinandersetzen, wie viel CO2 eigentlich in eurem Essen steckt und wie ihr euren Speiseplan klimafreundlicher gestalten könnt.
Anhand eines Rollenspiels könnt ihr in unterschiedliche Rollen schlüpfen und dabei über den Tellerrand Österreichs in Teller anderer Länder blicken und euch mit den Fragen: Welche Folgen haben unsere Essgewohnheiten für Menschen weltweit und die Natur? Welche Zusammenhänge gibt es? Was kann ich persönlich verändern? beschäftigen.

 

Was die Welt isst


Zum Einstieg überlegt euch, was ihr in letzter Zeit so gekauft und gegessen habt. Was ist euer Lieblingsessen?
Danach ladet ihr die Kinder dazu ein herauszufinden, was Menschen aus anderen Ländern gerne essen. Dazu holt die Kuverts hervor und lasst die Kinder jeweils eines ziehen. Natürlich ist es auch möglich, eine Rolle zu zweit zu übernehmen. Wenn nicht genug Kinder anwesend sind, könnt ihr auch eine Rolle weglassen. In diesen Rollenbeschreibungen finden die Kinder auch Einkaufslisten und wie viel Geld und CO2 sie zur Verfügung haben, um diese Einkäufe zu tätigen. Außerdem benötigt jede/s Kind/Gruppe einen Zettel und einen Stift, um ihr verbleibendes Budget auszurechnen und zu notieren. Ihr als Gruppenleiter/innen werdet die Rollen der Marktverkäufer/innen übernehmen, bei welchen die Kinder ihre Besorgungen machen.

Einkaufen am Welt-Markt


Die Kinder gehen von Marktstand zu Marktstand und versuchen, die Produkte auf ihrer Einkaufsliste zu erwerben. Ihr könnt zum Beispiel einen Gemüsestand und einen Stand machen, der Fleisch und auch Milchprodukte verkauft. Die Preise bestehen sowohl zu einem Teil aus Geld, zum anderen Teil aus einem CO2 Betrag. Die Spieler/innen erhalten unterschiedlich hohe CO2 und Geldbeträge. Die Familien aus den Ländern des Nordens erhalten sehr viel Geld und wenig CO2, da der durchschnittliche Lebensstil schon sehr viel CO2 verbraucht. Die Familien aus Ländern des globalen Südens erhalten sehr wenig Geld, dafür ein hohes CO2 Budget, da sie sonst sehr klimafreundlich leben. Das CO2 Budget ist insgesamt so ausgelegt, dass es, würde man es auf alle Personen aufteilen, einen gerechten und anstrebsamen Zielwert ergibt. Dabei sind die Preise so ausgelegt, dass die Personen aus den Ländern des Nordens Probleme mit ihrem zu kleinen CO2 Budget haben werden, und im Gegenzug die Personen aus Ländern des globalen Südens zu wenig Geld zu Verfügung haben. Deswegen ist es den Spieler/innen auch erlaubt, zu handeln, was sich aus der Dynamik des Spieles wahrscheinlich auch ergeben wird.
Das Spiel endet entweder, wenn alle Produkte gekauft sind. Ihr könnt aber auch das Spiel nach zirka 20 Minuten abbrechen oder wenn ihr merkt, dass der Spaß nachlässt.

Im Anschluss könnt ihr auch noch das Spiel und einige relevante Punkte nachbesprechen.
Stellt euren Kindern zum Beispiel folgende Fragen:

  • Welche anderen Menschen habt ihr getroffen und woher kommen sie? (Anhand der Weltkarte könnt ihr gemeinsam nachschauen wo das ist)
  • Was mussten sie einkaufen?
  • Hatten sie gleich viel Geld und CO2 wie ihr?
  • Was habt ihr eingekauft?
  • Habt ihr noch Geld übrig?
  • Wolltet ihr mehr kaufen?



Gebt den Kindern ein paar Erklärungen:
Wieso hatten während des Spiels manche weniger, andere mehr CO2 oder Geld zur Verfügung?
Ein/e durchschnittliche/r Mitteleuropäer/in verbraucht pro Jahr zwei Tonnen CO2 durch Ernährung (= 40kg/Woche) und verdient vergleichsweise mehr Geld. Diese 40kg entsprechen ungefähr einem Volumen von 20m3 so viel wie in einen Swimmingpool oder 8000 Luftballons passt. In Indien liegt der Durchschnitt beispielsweise bisher bei einer Tonne (= 20kg/Woche). Dies entspricht 4000 Luftballons voll CO2 pro Woche. Daran könnt ihr sehen, dass hier bei uns mehr CO2 verbraucht wird.

kleine Paradeiser machen einen großen Unterschied


Um zu veranschaulichen, in welcher Form Produkte das Klima am ehesten schonen, hast du sieben ausgeschnittene Paradeiser, die unterschiedlich groß sind, mitgebracht. Auf Rückseite steht je nach Größe der CO2 Verbrauch in g bzw. kg. Lege die Paradeiser der Größe nach auf ratet, welche Anbauform für welchen Paradeiser zutrifft. Lass sie dazu die mitgebrachten Piktogramm zu den jeweiligen Papierparadeisern legen. Als Hilfestellung erkläre vorher kurz, welche Möglichkeiten es gibt und durch welche Abbildung sie symbolisiert werden.

Auflösung des CO2 Verbrauchs pro 1kg Paradeiser:

  • 35g — Bio Anbau in Österreich im Sommer (Bild: Sonne)
  • 85g — Nicht Bio Anbau in Österreich im Sommer (Bild: Sonne, Dünger)
  • 600g — Freilandparadeiser aus Spanien mit dem LKW nach Österreich transportiert (Bild: LKW)
  • 2,3kg — Nicht Bio Anbau im nicht beheizten Gewächshaus in Österreich (Bild: Gewächshaus und außen Sonne)
  • 7,2kg — Mit dem Flugzeug von den Kanarischen Inseln eingeflogen (Bild: Flugzeug)
  • 9,2kg — Bio Anbau im beheizten Gewächshaus in Österreich im Winter (Bild: Gewächshaus und außen Schnee)
  • 9,3kg — Nicht Bio Anbau im beheizten Gewächshaus in Österreich im Winter (Bild: Gewächshaus, außen Schnee und innen Dünger)

Pro & Contra


Zum Abschluss könnt ihr noch ein Spiel spielen.
Die Kinder teilen sich in drei Gruppen. Zu einem vorher vereinbarten Thema werden nun Pro- und Contra-Argumente gesucht. Eine Gruppe argumentiert nur mit Pro-Argumenten, die zweite Gruppe nur mit Contra-Argumenten. Die dritte Gruppe ist unparteiisch und versucht, immer wieder auszugleichen und zwischen den Positionen zu vermitteln. Nach einiger Zeit wechseln die Gruppen, sodass jedes Kind einmal pro, einmal contra und einmal neutral sein kann. Nach dem Wechsel kann entweder das gleiche oder ein neues Thema diskutiert werden. Als Themen könnt ihr Dinge nehmen die in der Gruppenstunde angesprochen wurden, z.B. "Im Schulbuffet soll kein Fleisch, sondern mehr Gemüse angeboten werden." oder "Man sollte jedes Obst und Gemüse zu jeder Jahreszeit kaufen können."

Quellen
Viele Informationen wurden aus diesen beiden Büchern genommen:
Das Klima Kochbuch: Klimafreundlich einkaufen, kochen und genießen (2009), Stuttgart: Kosmos. (Ist sehr informativ und kann, auch für die Jungscharstunde, im Jungscharbüro ausgeborgt werden.)
Menzel Peter; D‘Aluisio Faith (2005): So isst der Mensch. Familien in aller Welt zeigen, was sie ernährt. Hamburg: Gruner & Jahr.

Autor/in: Flo Bischof und Clara Graf

Publikation: kumquat "klima(un)gerecht?!" 1a/2010

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Schlagwörter: Welt, Umwelt, Essen