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Hier bestimme ich!

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Klare Regeln und Anweisungen von Eltern und Gruppenleiter/innen geben Kindern Halt und Sicherheit. Warum man trotzdem mit der Autorität, die man Kindern gegenüber hat, vorsichtig sein muss, zeigt folgendes Experiment:

Das Milgram Experiment
Der Psychologe Stanley Milgram führte in den 1960er Jahren ein Experiment durch, um zu testen, ob Personen autoritäre Anweisungen auch dann befolgen, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. (Weil die Testpersonen starkem emotionalen Stress ausgesetzt wurden, gab es Kritik an diesem Experiment).

Ablauf des Experiments
Das Experiment war wie ein Theaterstück inszeniert, bei dem alle außer der Testperson eingeweiht waren. Die Testperson musste als "Lehrer" einem "Schüler" (dass diese Rolle nur gespielt wurde, wusste die Testperson wie gesagt nicht) bei Fehlern in der Zusammensetzung von Wortpaaren jeweils einen elektrischen Schlag versetzen. Dabei wurde die Spannung nach jedem Fehler um 15 Volt erhöht. In Wirklichkeit erlebte der Schauspieler keine elektrischen Schläge, sondern täuschte die Schmerzen nur vor. Bei 150 Volt, verlangte der Schauspieler, von seinem Stuhl losgebunden zu werden, da er die Schmerzen nicht mehr aushalte. Bei 200 Volt machte er Schreie, "die das Blut in den Adern gefrieren lassen". Bei 300 Volt lehnte der "Schüler" ab, zu antworten und ab 330 Volt gab es keine Reaktionen mehr, nur noch Stille.

Ergebnis
Obwohl viele Testpersonen einen Gewissenskonflikt empfanden, folgten alle den Anweisungen des Versuchsleiters und gaben Stromschläge bis 300 Volt ab. 14 von 40 Testpersonen brachen das Experiment bei Stromschlägen von 300 bis 375 Volt ab. 26 Testpersonen gaben die höchstmöglichen Stromschläge von 450 Volt.

Was bedeutet das für den Umgang mit Kindern?
Wie bereits erwähnt, geben Regeln Kindern Sicherheit. Uneingeschränkte Freiheit kann besonders junge Kinder verunsichern. Da Kinder aber älter werden und mit dem Alter die Möglichkeit der Selbstbestimmung wächst, sollte man ihnen, eben dem Alter entsprechend, Möglichkeiten zur Mitbestimmung bieten. Das kann am Anfang die Entscheidung beim Essen am Jungscharlager sein, ob es Orangeade oder Himbeersaft geben soll, und sollte mit dem Alter der Kinder ständig wachsen.
Wichtig ist es auch, Kinder stets ernst zu nehmen. Manche Regeln sind für Gruppenleiter/innen selbstverständlich und werden deshalb nicht ständig begründet. Wenn die Zeit fehlt, kann es auch vorkommen, dass man Kindern Anweisungen gibt, ohne zu erklären, warum sie etwas machen sollen. Wenn Kinder aber nachfragen oder Kritik üben, dann ist es wichtig, Erklärungen zu geben. Das heißt nicht, dass man die eigene Meinung ändern muss, es kann ja gute Gründe für Regeln oder Anweisungen geben.
Kritik mag für manche mühsam sein, und es dauert selbstverständlich länger, etwas zu erklären als es nicht zu erklären. Wenn man sich aber die Zeit nimmt, besteht die große Chance, dass Kinder sich ernst genommen fühlen und dabei lernen, dass es okay ist ,Dinge zu hinterfragen und nicht einfach zu gehorchen. So kann vielleicht das Milgram Experiment in Zukunft einmal ein besseres Ergebnis erzielen.

Material

  • Plakat mit verschiedenen Aufforderungen (mindestens so viele wie Kinder) - siehe Einleitung
  • Plakat mit einem Haus, wo Schule drauf steht
  • Plakat mit einem Haus, wo Jungschar drauf steht
  • leeres Plakat mit der Überschrift: "Hier bestimme ich — Rezept für Kinder"
  • Stifte
  • ausgeschnittene Maxerl

Aufbau

Nach einem Spiel geht es darum, wie Kinder auf verschiedene Aufforderungen reagieren. Danach überlegen sie sich, was Kinder einerseits in der Schule und andererseits in der Jungschar selber bestimmen dürfen und was von anderen bestimmt wird. Und am Schluss erstellen sie ein Rezept, was Kinder brauchen, um selber bestimmen zu können.

 

Einleitung


Im Eingangsbereich hängst du mehrere Plakate (mindestens so viele wie Kinder) auf, wo Aufforderungen drauf stehen, wie z.B. Sei leise!, Sei laut!, Schneide Grimassen!, Mach keinen Dreck!,... (eine Mischung aus lustigen und ernst gemeinten Aufforderungen). Du lässt es aber unkommentiert und schaust dir nur die Reaktionen der Kinder an.

Als Einstieg spielt ihr das Spiel "Machs nach". Dafür stehen alle im Kreis. Ein Kind geht in die Mitte, macht eine beliebige Bewegung und/oder ein Geräusch vor und alle anderen müssen es nachmachen. Danach geht das Kind wieder in den Kreis zurück und das nächste Kind geht in die Mitte und so weiter, bis jede/r mindestens einmal dran war. Eine Variante könnte auch sein, dass die Kinder die Bewegung größer/kleiner bzw. das Geräusch lauter/leiser nachmachen.

Danach nimmst du die Plakate im Eingangsbereich ab und jedes Kind darf sich ein Plakat nehmen. Dann stellst du die Frage: Wurde die Aufforderung ausgeführt? Die Kinder, deren Aufforderung zu Beginn ausgeführt wurde, stellen sich in einer Gruppe zusammen. Genauso stellen sich die Kinder, deren Aufforderung zu Beginn nicht ausgeführt wurde, in einer Gruppe zusammen. Nach jeder Frage können die Kinder diskutieren, warum das so war oder wie sie das so sehen. Hier kannst du auch noch deine Beobachtungen einbringen.
Weitere Fragen: Ist diese Aufforderung sinnvoll? Hätte man diese Aufforderung ausführen müssen?
Falls dir Parallelen zu den entstandenen Gruppen auffallen, kannst du das den Kindern mitteilen (z.B. dass die Gruppe mit den sinnvollen Aufforderungen ähnlich mit der Gruppe war, bei der man die Aufforderung hätte ausführen müssen).

Das bestimme ich


Dann hast du deine Plakate und Maxerl schon vorbereitet. Eines mit einem großen Hausumriss, wo drauf steht "Schule" und eines mit "Jungschar". Je nach Gruppengröße könnt ihr ein Plakat nach dem anderen machen oder euch in zwei Kleingruppen aufteilen und wechseln.
Die Maxerl sollen Kinder symbolisieren. Auf diese können die Kinder nun schreiben, was Kinder in der Schule selbst bestimmen dürfen. Wenn Kinder gegensätzliche Meinungen haben, dürfen sie natürlich beides schreiben. Die Maxerl können dann aufs Haus geklebt oder gelegt werden.
Danach haben sie auch noch die Möglichkeit auf das Schule-Plakat zu schreiben oder zu zeichnen, was in der Schule von anderen, vorwiegend den Lehrer/innen, bestimmt wird, worauf Kinder keinen Einfluss haben (z.B. Pausenzeiten, dass Kinder nicht während der Stunde herumgehen dürfen,...).
Auf dem anderen Plakat gilt das gleiche Prinzip, nur für die Jungschar.

Abschluss


Am Schluss sammelst du mit deinen Kindern noch auf dem "Hier bestimme ich" - Plakat Zutaten für ein Rezept für Kinder. Hier können die Kinder kreativ überlegen, was Kinder brauchen, um selbst bestimmen zu können. Wie z. B. ein Liter Mut, zwei Packungen tolle Ideen,... Dafür kann man auch die Plakate von vorher nochmal hernehmen und einerseits die Maxerl anschauen und überlegen, was für Eigenschaften man dafür gebraucht hat. Andererseits kann man auch die Situationen vom Plakat hernehmen, die man nicht selbst bestimmen kann und überlegen, was man bräuchte um das zu ändern.
Als Abschlussspiel kannst du nochmal "Machs nach" spielen mit dem Zusatz, dass sich jedes Kind aussuchen darf, wie es etwas nachmacht (z.B. gelangweilt, lustig, klein, laut, singend, übertrieben, gar nicht,...).

Autor/in: Lisi und Martin Straßmayr

Publikation: kumquat "AlT" 4/2010

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