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Mit Kindern Stille erleben?!

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: niedrig

Ziel

In Stilleübungen können Kinder sich bewusst auf ihren Körper, ihre Sinne konzentrieren. Sie erfahren innere Ruhe und Konzentration. Dabei kann auch die Wahrnehmung von Geräuschen und Empfindungen vertieft werden.
Hintergrund:
Geht es um "Stille mit Kindern", dann fällt einem bald Maria Montessori ein, die vor rund 100 Jahren in Italien lebte und deren Pädagogik im Moment vor allem im schulischen Bereich und im Kindergarten in aller Munde ist. Montessori führte in ihrer Arbeit mit Kindern sogenannte "Stilleübungen" ein, bei denen wir uns heute auch für Gruppenstunden Anleihe nehmen können.
Was Maria Montessori mir ihrer Pädagogik eigentlich wollte und welche Bedeutung das für uns in der Jungschararbeit haben kann, erfährst du hier in einem kurzen Abstecher ins Leben und die Arbeit Montessoris.

Material

  • Wenn du vorhast Stilleübungen mit deiner Gruppe, auf Lagern oder in Gottesdiensten durchzuführen, empfiehlt es sich einen kleinen Grundstock an Material zu sammeln. Dazu gehören: Steine, Muscheln und Schneckenhäuser, Sand, Murmeln, Muglsteine (bunte, schillernde Glastropfen ), Kugeln, Halbedelsteine, Figuren aus Ton, Stein, Glas oder Keramik (alles Mögliche aus dem Setzkasten), einfärbige Tücher in verschiedenen Größen aus Seide, Baumwolle oder Samt, Glas- oder Tongefäße, flache Schüsseln für Wasser, selbstgemachte Geräuschmacher oder Instrumente, Glocken und Schellen, Kerzen,... und schöne Schachteln oder Kisten zum Aufbewahren. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Kinder diese "Schatzkisten" lieben.
  • Weiters brauchst du noch einen Kassettenrecorder oder CD-Player und geeignete ruhige Musik z.B. Entspannungs- oder Meditationsmusik, instrumentale Stücke oder ruhige klassische Musik.

Aufbau

 

Maria Montessori und ihre Pädagogik


Maria Montessori entdeckte früh, dass der Lernweg eines Menschen immer "von der Hand in den Kopf" geht. Sie bemerkte, dass Kinder immer mit Gegenständen hantieren müssen, um Inhalte begreifen und ihre eigenen Einsichten gewinnen zu können. (In der Jungschar nennen wir das heute "Materialanimation".) Montessori ließ den ihr anvertrauten Kindern die Freiheit, ob sie sich allein oder mit anderen Kindern beschäftigen bzw. mit welchen Materialien und zu welcher Zeit sie arbeiten oder spielen wollten. Als Orientierungs- und Ordnungsrahmen diente ein anregend gestalteter Gruppenraum, die sogenannte "vorbereitete Umgebung". Die "freie Wahl der Arbeit" und die "vorbereitete Umgebung" ermöglichen es den Kindern, Selbständigkeit zu erwerben und unabhängig von Belehrungen der Erwachsenen zu werden.
Maria Montessori entdeckte außerdem, dass Kinder Stille lieben und sie benötigen, um nach einer intensiven Beschäftigungsphase wieder zur Ruhe zu kommen. Das ist auch eine Möglichkeit, wie sich dieses Element der Stille auch in Gruppenstunden einsetzen lässt.

Einige Praxistipps zur Umsetzung


  • Stille will gelernt sein. Gerade in unserer lauten und hektischen Zeit ist es besonders schwierig Stille zu ertragen. Auch den Kindern geht es so. Wenn der Zeitpunkt nicht passt, dann lass es lieber. Beginn mit kleinen Übungen und Elementen und schau, was deinen Kindern Freude macht.
  • Schaffe eine angenehme Atmosphäre und übe auf die Kinder keinen Zwang aus. Die Teilnahme an Stilleübungen soll freiwillig sein.
  • Stilleübungen mit Kindern durchzuführen, geht nur, wenn du selbst das nötige Maß an Ruhe und Muße ausstrahlst. Achte auf deinen Tonfall und deine Lautstärke und versuche dich selbst zuerst zu sammeln.
  • Eine Stilleübung wird nie eine ganze Gruppenstunde lang dauern. Stilleübungen eignen sich zum Abschluss einer Arbeitsphase oder am Ende einer Gruppenstunde.
  • Bereite den Raum und die Gegenstände für die Stillephase vor. Jedes Kind sollte genügend Platz für sich haben und bequem sitzen können ohne ein anderes Kind zu stören. Der Raum kann abgedunkelt sein. Du kannst die Kinder auch einladen, ihre Augen zu schließen.
  • Stilleübungen sollen nicht zu lange dauern und einen vereinbarten Beginn und ein eindeutiges Ende haben. Dazu eigenen sich akustische Zeichen, z.B. ruhige Musik als Einleitung, Glocke als Ende.
  • Wir haben verlernt ohne Stimme oder andere akustische Anweisungen auszukommen. Je öfter du Stilleübungen mit deiner Gruppe machst, desto besser wird es gelingen, ohne Sprache, einfach mit optischen Zeichen auszukommen. . Eine ruhige Atmosphäre, die Stille, wird sich von selbst nach und nach einstellen.
  • Einigen unruhigen und sehr aktiven Kindern wird es anfangs schwer fallen, diese Stille auszuhalten. Hab Geduld und hilf ihnen, indem du dich zu ihnen setzt und sie zum Beispiel durch eine sanfte Berührung oder deine körperliche Nähe beruhigst.
  • So wie auch bei anderen Methoden gilt, führe nur Stilleübungen durch, wenn die Art und Weise zu dir passt. Kinder merken bald, wenn etwas aufgesetzt ist.

    Stilleübungen konkret


    Lauschen


    Material: keines
    Ihr setzt euch entspannt auf Sesseln, schließt die Augen und horcht. Nach einem vereinbarten Zeichen öffnet ihr die Augen und erzählt, was ihr gehört habt. Diese Übung lässt sich besonders gut im Wald oder im Garten durchführen.

    Bilder legen


    Material:Tuch,"Schatzkiste" mit verschiedenen Gegenständen
    Ihr sitzt im Kreis am Boden. In der Mitte hast du ein schönes, großes Tuch drapiert. Eine "Schatzkiste" mit Gegenständen wird von Kind zu Kind weitergereicht. In dieser befinden sich schöne Gegenstände, die du vorher gesammelt hast. Es eignen sich dafür Steine, Muscheln und Schnecken, Perlen, Murmeln oder Muglsteine, kleine Tonfiguren,... Jedes Kind sucht sich schweigend einen Gegenstand aus und legt ihn auf das Tuch. Es entsteht ein Bild, das ihr am Ende der Stillephase gemeinsam betrachten und besprechen könnt.

    Gehen auf der Linie


    Material: aufgezeichnete oder mit Klebeband aufgeklebte Linie, Kasette oder CD mit ruhiger Musik, Kassettenrekoder oder CD-Player, ev. Verschiedene Gegenstände
    Du hast im Gruppenraum eine Linie aufgezeichnet oder mit Klebeband aufgeklebt. Besonders geeignet ist ein Klebeband mit einer rauhen Struktur, weil man es gut unter den Füßen spüren kann, z.B. Tesa Krepp. Die Linie kann gerade sein oder die Form einer Ellipse haben. Die Kinder werden eingeladen rund um die Linie schweigend Platz zu nehmen. Im Hintergrund spielt ruhige Musik.
    Du selbst zeigst nun das Gehen auf der Linie vor, indem du deine Schuhe ausziehst und vorsichtig, Fuß vor Fuß setzend (wie bei Tip-Top) langsam die Linie abgehst. Wenn du fertig bist, forderst du das nächste Kind mit einem Kopfnicken oder einer sanften Berührung auf, es auch zu versuchen.
    In einer erweiterten Form kann man beim Gehen auf der Linie verschiedene Gegenstände mittragen, die eine noch höhere Konzentration und ein größeres Balancegefühl erfordern, wobei aber kein Stress entstehen soll, wenn es nicht so gut gelingt. Solche Gegenstände können sein: ein Glas Wasser auf einem kleinen Tablett; eine brennende Kerze, die nicht tropft; eine kleine Glocke an einem langen dünnen Faden, die nicht läuten soll; ein Tablett mit kleinen Figuren,... Für die Konzentration und das Ruhig-Werden der Kinder ist es hilfreich, wenn ihr schon vor der Übung ausmacht, dass jedes Kind einmal drankommen wird.

    Richtungen hören


    Material: Geräuschmacher oder selbstgebastelte Instrumente
    Die Kinder sitzen verteilt im Raum auf Sesseln oder am Boden und haben die Augen geschlossen. Du erklärst ihnen, dass es darum geht mit der Hand in die Richtung zu zeigen, aus der sie ein Geräusch hören. Dann gehst du herum und berührst vier Kinder sanft am Rücken und forderst sie auf sich in die vier Ecken des Raumes zu stellen. Dabei gibst du ihnen Geräuschmacher oder selbstgebastelte Instrumente in die Hand. Du bist der/die Dirigent/in und zeigst auf ein Kind, das für kurze Zeit sein Instrument spielt. Du kannst natürlich auch zwei oder drei Kinder gleichzeitig spielen lassen. Alle Kinder werden die Richtung bald erhören und können die Augen öffnen um dies zu überprüfen. Nach einiger Zeit kannst du dich als Dirigent/in von einem Kind ablösen lassen.
    Variante: Ein Kind geht mit einem besonderen Instrument (Regenmacher, Glockenspiel,...) leise durch den Raum. Irgendwo macht es Halt und macht ein Geräusch. Die anderen Kinder sollen auch hier wieder die Richtung erkennen, aus der das Geräusch kommt.

    Steine fühlen


    Material: besonders geformte Steine, ev. Schlüssel oder Sack
    Die Kinder sitzen mit geschlossenen Augen im Kreis. Du gehst herum und gibst jedem Kind einen besonders geformten Stein in die Hand oder lasst die Kinder selbst einen aus einer Schüssel oder einem Sack nehmen. Die Steine sollten in ihrer Form sehr unterschiedlich sein. Nun hat jedes Kind Zeit, seinen Stein genau kennen zu lernen, um ihn nachher an seiner Form, Größe und seinem Gewicht wiederzuerkennen. Nun sammelst du die Steine wieder ein und gibst nach und nach einen nach dem anderen im Kreis weiter. Wenn ein Kind seinen Stein erkannt hat, darf es ihn behalten, wenn es einen anderen hat, gibt es ihn weiter, bis schließlich jedes Kind wieder seinen Stein in den Händen hält. Nun können die Kinder ihre Augen wieder öffnen und erzählen, woran sie ihren Stein erkannt haben, was so besonders an ihrem Stein ist bzw. ob ihr Stein so ist, wie sie sich ihn vorgestellt haben...

    Mandalas legen


    Material: Mandalas und Farbstifte oder verschiedene Gegenstände
    Mandalas sind Bilder, die in ihrer Form und Ausführung Ruhe und Sammlung ausstrahlen. Ich habe den Eindruck, dass im Mandala-Boom der letzten Zeit diese Bilder allerdings eher zur Beschäftigungs- und Anmal-"therapie" verkommen sind und zu zahlreich in Schule, Kirche und anderen Institutionen eingesetzt werden. Wenn deine Kinder damit bereits übersättigt sind, dann setze lieber keine Mandalas für die Stillephase ein.
    Eine Alternative zum Mandala-Anmalen wäre Mandalas zu legen. So wie ich es bei "Bilder legen" beschrieben habe, könnt ihr mit verschiedensten Gegenständen auch symmetrische Figuren legen. Bevor ihr beginnt, besprichst du mit den Kindern, wie so eine symmetrische Form aussehen könnte. Zum Legen der Mandalas eignen sich besonders Materialien aus der Natur, wie Blumen, Efeuranken, Steine, Muscheln und Schneckenhäuser, Sand, Rindenstücke, Früchte oder Gefäße mit Wasser usw. Mit einem schönen Gegenstand kannst du das Zentrum des Mandalas bestimmen.
    Bei der Übung können symmetrische Mandalas, aber auch ganz andere Formen entstehen. Schränke die Freiheit der Kinder dabei nicht ein, sie haben auch oft ein anderes ästhetisches Empfinden als Erwachsene.

    Autor/in: Gabriele Petz-Starkl

Publikation: Kumquat_2/99

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Schlagwörter: Sinne, Körper, Ich