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Gegen den Strom

Gruppenstunde | Alter: 8-14 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Eine Erziehung zu selbstständigen, starken und reflektierten Menschen beinhaltet auch, gegenüber Mehrheitsmeinungen auf die eigenen Ansichten zu hören und gegebenenfalls Nein zu sagen. Dies ist nicht immer leicht, und solche Werte zu vermitteln schon gar nicht, weil man rasch dazu tendieren kann sehr moralisch zu werden, in eine "Richtig” vs. "Falsch” - Dichotomie zu fallen und somit das Ziel der eigenen Meinungsbildung eher untergräbt als erreicht. Auseinandersetzungen zu eigener Meinung, Nein sagen, oder Fragen rund um Gruppenzwänge können aber sehr wertvoll für die Gruppe sowie deren einzelne Mitglieder sein. Im Folgenden finden sich einige Methoden, die man in solchen thematischen Gruppenstunden einsetzen kann.

Aufbau

Hier findest du Bausteine für eine Gruppenstunde zur freien Auswahl.

 

Nein sagen will gelernt sein


Bei dieser Übung, die sich gut als Einstieg oder Abschluss eignet, geht es schlichtweg darum "Nein” zu sagen. Die Kinder gehen zu zweit zusammen. Eine Person versucht die andere zu etwas zu überreden (zum Beispiel zum Aufstehen, zum Singen, etwas zu kaufen,...). Die andere darf nur mit Nein antworten. Beide können probieren, wie es wirkt, wenn man den Tonfall, die Lautstärke, kurz, die Art und Weise wie man es sagt, ändert. Nach ein bis zwei Minuten sollen die Rollen getauscht werden.

Anschließend wird gefragt: In welcher Rolle haben sich die Kinder wohler gefühlt? Welches Nein ist besonders gut angekommen? Ist es mir schwer gefallen Nein zu sagen? Wie war es, als ich ganz laut Nein gesagt habe? Etc. Man kann auch Fragen mitgeben, wie wann man denn das letzte Mal Ja gesagt hat, obwohl man eigentlich Nein sagen wollte.

Gegen den Strom schwimmen


Material: Packpapier, verschiedenfarbige Stifte
Bei dieser Methode wird besprochen, in welchen Situationen man gern mit der Mehrheitsmeinung übereinstimmt und in welchen es vielleicht besser ist "gegen den Strom” zu schwimmen.

Hierzu hast du einen Fluss aufgezeichnet, in dem schon ein paar Fische (in die man noch etwas hineinschreiben kann) in eine Richtung schwimmen. In einem ersten Schritt sollen nun mit den Kindern gemeinsam Situationen gesammelt werden, wo es schön ist, mit vielen Menschen die gleiche Sache zu machen. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein, wie gemeinsam Fußball spielen, in einem Chor singen, ...

In einem zweiten Schritt, wenn schon einige Fische in dem Strom schwimmen, fragst du nun, ob den Kindern Situationen einfallen, wo es gut ist/wäre, auch wenn viele Leute dafür sind, dagegen zu sein, also gegen den Strom zu schwimmen? Solche Situationen können die Kinder aus ihrem Alltag holen (in der Klasse, Jungschar, etc.) oder auch aus einem größeren gesellschaftlichen Kontext. Bei kleineren Kindern ist es vielleicht hilfreich ein paar Ideen in petto zu haben (z.B. in einer Runde werden von allen ausländerfeindliche Witze erzählt; bei Mutproben (nicht) mitmachen; einen Ameisenhaufen anzünden;...) Wenn einem Kind eine Situation einfällt kann es sie in einen Fisch hinein schreiben/zeichnen, der in die andere Richtung schwimmt als die anderen (u. U. auch mit einer anderen Farbe). Da es bei der Übung darum geht, herauszufinden, was die Kinder in der jeweiligen Situation wollen und was gut für sie und die Beteiligten ist, muss man auch kontroverse Positionen und von der Gruppe dissidente Meinungen zulassen und zu keiner "richtigen” Antwort in der Diskussion hinleiten, sondern vielleicht durch Fragen die Kinder zu Aspekten hinführen, die eine weitere Facette hinzufügen. Im Anschluss kann das Plakat aufgehängt werden und euch das restliche Jahr begleiten.

Variante


Als Einstieg kann eine Gruppe von 2, 3 Kindern versuchen das Thema, nämlich "Gegen den Strom schwimmen” pantomimisch dazustellen, und die anderen müssen erraten, worum es heute geht. Bei der Auflösung erkläre auf alle Fälle, was dieses geflügelte Wort bedeutet, da das vielleicht nicht alle wissen.

Kugellager


Kugellager wird eine Diskussionsmethode genannt, bei der man mit mehreren Personen nacheinander diskutiert, das Vertreten der eigenen Meinung mehrfach hintereinander übt und womöglich verschiedene Reaktionen bekommt. Für die Kugellager-Diskussion wird eine gerade Anzahl von Teilnehmer/innen benötigt. Die eine Hälfte setzt sich in einen Außenkreis, mit dem Gesicht in Richtung Kreismitte, die andere Hälfte bildet einen Innenkreis, wodurch sich immer zwei Kinder gegenüber sitzen sollen. Zu einem vereinbarten Thema diskutieren alle Paare gleichzeitig ca. 3-7 Minuten, je nach Ergiebigkeit miteinander. Nach Ablauf der Zeit oder Ausgehen der Argumente rutschen alle aus dem Innenkreis einen Platz weiter und sitzen somit vor einer neuen Person - diskutieren aber das gleiche Thema. Nach weiteren 3-7 Minuten rutscht der Innenkreis wieder einen Platz weiter. Wenn man wieder bei seinem/r Anfangspartner/in ankommt, bzw. wenn die Zeit um ist, wird die Methode beendet. Dann sollte man mit zumindest drei anderen intensiv über ein Thema gesprochen haben. Themen könnten ganz unterschiedliche sein, z.B. Verkürzung der Sommerferien, gratis öffentliche Verkehrsmittel für alle, ein Autoverbot in der Stadt/im Ort, Anmalen von allen Häusern in bunten Farben,...

Stellvertreter/innen-Diskussion


Eine andere Möglichkeit "zu üben” eine Meinung zu vertreten und sich seiner eigenen bewusst zu werden, gleichzeitig auch andere Leute einzuschätzen ist folgende: Die Hälfte der Gruppe sitzt im Kreis, die anderen stehen jeweils hinter einem sitzenden Kind. Die sitzenden sollen miteinander diskutieren, hierbei aber nicht ihre eigenen Meinung widergeben, sondern das sagen, was sie glauben, dass die Person, die hinter ihnen steht, sagen würde. Die stehende Person kann Zeichen geben. Ist das Kind, das sitzt, auf einem richtigen Weg und stimmt man dem Gesagten tatsächlich zu, legt man beide Hände auf die Schultern des/der Sitzenden. Trifft es die eigene Meinung nicht ganz, legt man nur eine Hand darauf und wenn man sich gar nicht gut "vertreten” fühlt, gar keine Hand. Mögliche Diskussionspunkte könnten sein: Die Sommerferien sollten kürzer werden, je nachdem in welche Richtung man das Gespräch anliegen will. Dir als Gruppenleiter/in kommt auch hier die Rolle der Moderation zu. Wenn ein Thema wenig hergibt, kann man rasch zu einem weiteren übergehen.

Autor/in: Clemens Huber

Publikation: kumquat "dazugehören" 3/2012

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