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(Wie) Kain und Abel

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Gewalt ist ein Ur-Thema der Menschheit. Das sehen wir auch gleich, wenn wir die Bibel aufschlagen. Im allerersten Buch (Exodus) geht es sofort nach Erschaffung der Welt los. Im ersten Kapitel wird noch von der Schöpfung erzählt, im zweiten das Paradies beschrieben und schon im dritten erfahren wir vom Sündenfall und der Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies - von einem gewaltigen Gott. Im vierten Kapitel geht es dann richtig zur Sache: Kain erschlägt seinen Bruder Abel! Mord und Totschlag gleich auf den ersten Seiten der Bibel. Offenbar handelt es sich hier um ein wichtiges Thema. Kein Wunder, wir leben schließlich in einer gewaltvollen Welt. Und davon sind auch Kinder in ihrem Alltag betroffen. Darum beschäftigen wir uns in dieser Gruppenstunde mit der Geschichte von Kain und Abel und unseren eigenen Gewalterfahrungen.

Material

  • Bibelstelle "Kain und Abel" (Gen 4,1-16)
  • zwei (Hand-/Becher-)Puppen (Kain und Abel) idealerweise in verschiedenen Farben
  • einige weiße oder hellgraue Socken (Schafe)
  • etwas Stroh
  • ein hellblaues Blatt Papier in Wolkenform oder eiähnliches Symbol (Gott)
  • kleines Post-It mit Punkt/Blitz/Stern drauf (Kainsmal)
  • evtl. weitere Requisiten
  • 6 Smiley-Kärtchen für jedes Kind (jeweils JKL in zwei Farben, passend zu den Handpuppen)

Aufbau

Die Kinder schlüpfen in die verschiedenen Rollen der Kain-und-Abel-Erzählung. Dann spielt ihr die Geschichte Stück für Stück mit Handpuppen nach. Nach jedem Abschnitt überlegen die Kinder, wie es den beiden Brüdern geht, was man hier (anders) machen könnte und wie es wohl weitergeht. Nachdem ihr euch genug zu den Themen Eifersucht, Konflikte, gewaltvolle und friedliche Lösungen auseinandergesetzt habt, spielt ihr zum Abschluss der Stunde ein Fangspiel.

 

Kain und Abel


Am Beginn der Stunde finden die Kinder zwei Handpuppen sowie einige Requisiten im Gruppenraum. Du verteilst nun die "Rollen" (Kain, Abel, Schafherde, Gott) an Kinder, die gerne die Geschichte nachspielen möchten.

Die Kinder, die keine Rolle haben möchten, bekommen jeweils drei Smiley-Kärtchen in zwei Farben. Damit können sie versuchen, während der Geschichte auszudrücken, wie es Kain (drei Smiley-Kärtchen in einer Farbe) und Abel (drei Smiley-Kärtchen in einer anderen Farbe) gerade geht:
gut, fröhlich
mittel, nachdenklich
schlecht, bedrückt

Dann liest du den ersten Teil der Geschichte (aus einer Kinderbibel) vor. Achte darauf, dass du nach jeder Zeile genügend Zeit lässt, damit die Kinder darauf reagieren können.

Adam und Eva hatten zwei Söhne. Der ältere hieß Kain und der jüngere Abel.
Abel wurde ein Schafhirte und Kain ein Ackerbauer.
Auf den Feldern von Kain wuchs viel Korn. Einen Teil davon brachte er Gott als Opfer zum Dank.
Abel opferte eines seiner Lämmer.
Gott gefiel das Opfer des Abel. Das Opfer von Kain beachtete er aber nicht.
Da wurde Kain zornig und böse.


Erkläre den Kindern: Kain, der Ältere, hat einen sehr angesehenen Beruf. Er besitzt Land und kann Vorräte anlegen. Er ist es als Erstgeborener gewohnt, dass er bevorzugt wird. Nun aber ignoriert Gott sein Opfer (vielleicht verdorrt eines seiner Felder und er verliert eine Ernte) und sein kleiner Bruder steht im Mittelpunkt. Kain wird eifersüchtig.
Abel dagegen hat als Hirte nicht besonders viel Prestige. Er muss mit seiner Schafherde von Weide zu Weide ziehen und ist nirgends zu Hause. Seine Herde ist wahrscheinlich nicht groß und er opfert eines seiner wenigen Lämmer. Gott gefällt das und Abel steht (vielleicht erstmals) im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie fühlt er sich wohl? Kennt ihr Situationen wie diese?

Überlegt gemeinsam: Wie würdet ihr in so einer Situation (an Kains Stelle) reagieren?


  • Kennt ihr das selbst auch, dass jemand anders bevorzugt wird?

  • Wie fühlt ihr euch da?

  • Werdet ihr auch wütend, zornig, böse?

  • Oder seid ihr dann eher traurig?

  • Werdet ihr nachdenklich und fragt euch, warum der/die andere bevorzugt wird?


Wenn ihr euch genug ausgetauscht habt, könnt ihr euch anschauen, wie die Geschichte weitergeht. Du liest wieder Zeile für Zeile vor und die Kinder stellen das Gehörte in ihren Rollen dar.

Gott warnte ihn: "Warum bist du zornig? Wenn du Gutes planst, kannst du jedem in die Augen schauen. Wenn du aber Böses planst, dann wartet die Sünde auf dich. Sie will dich verschlingen, aber du kannst sie besiegen."
Doch Kain sagt zu seinem Bruder: "Komm mit mir auf das Feld."
Als sie auf dem Feld waren, schlug Kain seinen Bruder Abel tot.
Gott fragte den Kain: "Wo ist dein Bruder Abel?"
Kain antwortete. "Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?"


Was ist jetzt passiert? Mord? Das ist keine gute Lösung, oder? Und dann tut Kain auch noch so, als wüsste er von nichts!

Überlegt gemeinsam: Was hätten die beiden stattdessen tun können? Wie hätten Kain und Abel eine Lösung für ihr Problem finden können? Wie hätte es friedlicher weitergehen können? Spielt nun verschiedene Varianten der Geschichte durch - vielleicht findet ihr ja mehrere Lösungen, wie Kain und Abel beide ohne Gewalt zu einem Ergebnis kommen, in dem sich beide gerecht behandelt fühlen.

Leider haben sie aber nicht so gut überlegt, wie ihr das gerade getan habt und Gewalt angewendet. Darum geht die Geschichte folgendermaßen weiter (wieder vorlesen/-spielen):

Da sagte Gott zu ihm: "Was hast du getan? Das Blut deines Bruders floss in die Ackererde. Du kannst nicht länger Bauer bleiben, denn der Acker wird dir keine Frucht mehr bringen."
Kain verlor seine Heimat und musste ruhelos von einem Ort zum anderen ziehen.
Da klagte Kain: "Meine Strafe ist zu schwer. Du vertreibst mich vom Ackerland und aus deiner Nähe. Du machst mich zum Flüchtling und jeder der mich findet, wird mich töten."
Damit Kain für seine Tat durch niemanden getötet werden konnte, machte Gott zum Schutz ein Zeichen auf seine Stirn.


Kain wurde also zur Strafe aus seiner Heimat vertrieben und musste (wie zuvor sein Bruder) umherziehen. Gott hat aber ganz klar gemacht, dass Kain nicht umgebracht werden darf - nicht einmal als Strafe dafür dass er seinen Bruder getötet hat.

Nun könnt ihr noch gemeinsam überlegen, wie es Kain wohl geht nachdem er so gehandelt hat. Habt ihr selbst schon einmal einen Fehler gemacht, der unangenehme Konsequenzen für euch hatte? Findet ihr Gottes "Strafe" in der Geschichte gerecht? Wie könnte das Leben für Kain weitergehen?

Schafe auf der Weide


Zum Abschluss spielt ihr ein Spiel, das ihr in der Spielemappe als "Kuh und Kalb" findet:

Alle Kinder bis auf zwei spielen Büsche und hockerln verteilt im Raum. Eines der beiden stehenden Kinder ist das Lamm, das andere Mama Schaf, die ihr Lamm von der Wiese in den Stall zurückholen will. Da das Lamm aber noch gerne auf der Wiese herumtollen möchte, läuft es vor Mama Schaf davon. Das Lamm und das Schaf können sich ausruhen, indem sie sich hinter einen der "Büsche" hockerln und- je nachdem, welche Rolle sie haben, "Lamm" bzw. "Schaf" rufen. Daraufhin tauscht das Kind mit dem Busch die Rollen. Das Kind, das bisher den Busch gespielt hat, springt in der neuen Rolle auf und das vorherige Lamm bzw. das Schaf wird zum neuen Busch.

Autor/in: Sandra Fiedler

Publikation: kumquat "Ghandi & Malala" 3/2014

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Schlagwörter: Bibel, Gefühle