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Ab mit dir in die Wüste!

Gruppenstunde | Alter: 8-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Zum Sündenbock wird jemand, dem/r man die Schuld zuschiebt, egal ob er/sie wirklich Schuld auf sich gelagert hat. Der Begriff stammt aus der Bibel. Am Versöhnungstag, auch Yom Kippur genannt, ein jüdischer Feiertag, gab es einen Ritus mit einem Schaf- oder Ziegenbock. Seinen Ursprung hat dieser Brauch in Südostanatolien — Syrien. Der Hohepriester legte dem Tier seine Hand auf und übertrug somit die Sünden des Volks auf den Bock. Anschließend jagte man ihn in die Wüste.

Damit wird der Bock zum Träger von Schuld, er steht aber nicht für die Menschen, die sich von ihrer Schuld befreien, weil sie sich damit auseinandersetzen und versuchen ihre Taten wieder gut zu machen. Das Opfertier trägt die Schuld weit weg, damit ist sie aber noch lange nicht getilgt.

Diese Bausteine drehen sich rund um das Thema Schuld, und dass man diese gern anderen abgibt, aber auch Mobbing und Vorurteile. Denn auch letztere Themen haben mit Schuld zu tun. Sobald wir jemanden Etwas zuschreiben können, können wir uns zurücklehnen und sagen "Na das ist ja eh typisch! Das hab ich mir nicht anders erwartet! Das musste ja so kommen!". Wir sind aber gefragt und aufgefordert, hinter solche Klischees und Schuldzuschreibungen zu schauen, und diese nicht einfach unhinterfragt stehen zu lassen.

Mit den folgenden Bausteinen, sollst du die Möglichkeit haben, dich mit deiner Kindergruppe mit solchen schwierigen Fragen auseinanderzusetzen. Das Ganze soll ohne ständig erhobenen Zeigefinger ablaufen. Es soll dir und deiner Gruppe viel mehr einen spielerischen Zugang auch zu schwierigen Themen ermöglichen.

Material

  • Das Material steht bei den einzelnen Bausteinen.

 

Fingerpuppentheater (für 8- bis 14-Jährige)


Material:

  • alte Handschuhe
  • Kleber
  • Kulleraugen
  • Filz
  • Wolle
  • alte Bananenschachtel
  • Zettel mit Situationen


Hier ist ein wenig euer bastlerisches Geschick gefragt. Schneidet jeweils die Finger von den Handschuhen ab. Jeder Finger kann nun eine Figur sein. Die Figuren können mit Filz beklebt werden, dadurch bekommen sie ihre Kleidung, und aus der Wolle kann eine schicke Frisur modelliert werden.

Bei der Bananenschachtel wir der Boden rechteckig ausgeschnitten und ihr könnt sie noch an den Rändern bunt anmalen. Dann habt ihr auch schon eine Bühne für eure Fingerpuppen.

Nun könnt ihr die Situationen, die du zu dem Thema Sündenbock mitgebracht hast, schon gespielt werden. Es empfiehlt sich, dass immer nur zwei bis drei Kinder spielen, die anderen sind das aufmerksame Publikum.

Nach jeder Szene können sich die Kinder gemeinsam beratschlagen, wenn einige Kinder eine Idee haben, wie die Szene positiv ausgehen könnte, können sie sie gleich auf der Bühne vorspielen.

Folgende Szenen könntet ihr spielen (Natürlich könnt ihr euch noch selbst welche ausdenken):

  • Maria ist vor der Mathestunde ganz aufgeregt. Sie findet ihr Geodreieck nicht, und sie haben aber eine Wiederholung und braucht es daher ganz dringend. Sie geht zu ihrer besten Freundin Lisa und beklagt sich darüber. Maria ist sich ganz sicher, dass es der Peter genommen hat. Der vergisst seines nämlich immer, heute hat er aber eines, das genau wie das von Maria ausschaut, und übt schon für die nächste Stunde.
  • Manuel will heute mit seinen Freunden nach der Schule in den Park gehen. Als er nach Hause kommt, sagt ihm seine Mama, dass er daheim bleiben und auf seinen kleinen Bruder aufpassen muss, weil seine Mama einiges zu erledigen hat. Er ist sauer auf seinen kleinen Bruder und ruft grantig seinen Freund Anton an.
  • Leona und Karin sind die besten Freundinnen. Sie spielen gerne Streiche in der Schule. An einem Morgen kommt ein neues Mädchen in die Klasse. Leona und Karin finden sie blöd, und finden es super, dass es eine gibt, die sich für ihre Streiche verantwortlich machen können.
  • Rudis Freunde wollen sich einen Actionfilm anschauen, der erst für Erwachsene ist. Als Rudi seine Eltern fragt, ob er sich den Film mit seinen Freunden im Kino anschauen darf, verbieten sie es ihm, und rufen die Eltern der anderen Freunde an. Jetzt darf niemand ins Kino gehen und sich den Film anschauen. Alle sind sauer auf Rudi.


Ab mit dir in die Wüste! (für 10- bis 14-Jährige)


Material:


Du erzählst die Geschichte woher der Begriff des Sündenbocks kommt. (Siehe Hintergrund). Danach legst du das Plakat mit der Wüstenlandschaft auf und nimmst den ausgeschnittenen Bock und legst ihn auf das Plakat.

Nun überlegt ihr gemeinsam, was denn der Bock so an Schuld tragen muss. Das könnten zum Beispiel solche sein:

  • Den Geburtstag von der Mama vergessen.
  • Die Hausaufgaben nicht machen, weil es grad die Lieblingsserie im Fernsehen spielt.
  • Eine Ausrede erfinden, damit man nicht auf den kleinen Bruder aufpassen muss.
  • Jemanden beschuldigen etwas weggenommen hat, obwohl man es wahrscheinlich einfach zu Hause vergessen hat.
  • Einen Freund beschimpfen, weil es halt auch alle anderen machen.
  • ...


Das sammelt ihr auf Post its und klebt es auf den Bock auf. Und zusätzlich wickelt ihr gemeinsam das Wollgarn um den Bock. Am Ende wird er es wohl schon ziemlich schwer haben mit all der Schuld noch zu laufen.
Deshalb überlegt ihr gemeinsam im nächsten Schritt, was man denn machen könnte, damit es dem Bock mit all der Schuld wieder besser geht. Für jede Idee wickelt ihr den Boch wieder ein Stück weit mehr aus. Am Schluss sollte er wieder frei sein von seiner Schuld. Denn sich einen Sündenbock zu suchen ist ja eigentlich nicht die beste Lösung. Oft gibt es vielleicht gar keine/n wirklich Schuldige/n. Überlegt lieber gemeinsam, was denn dafür die Ursachen sein könnten, dass man jemand Schuldigen sucht.

Der Schuldeneintreiber Herr Herdamit! (für 8- bis 12-Jährige) (Fangspiel)


Material:

  • alter Taschenrechner
  • Schuldscheine


Der/die Fänger/in ist der/die Herr/Frau Herdamit. Er/sie versucht die anderen Kinder zu fangen und ihre Schulden einzutreiben. Als Erkennungszeichen hält er/sie einen alten Taschenrechner. Wenn er/sie ein Kind berührt hat, gibt er/sie ihm einen Schuldschein, dort stehen dann die Schulden drauf, dass können folgende Dinge sein viermal Blinzeln, dreimal die Zunge rausstrecken, zweimal Husten, sieben Mal laut Lachen.

Wenn das Kind seine Schulden erfahren hat, läuft es zum/r Gruppenleiter/in, der/die die Schatzkiste vom/von der Fänger/in Herr/Frau Herdamit ist, dort löst das Kind dann seine Schulden ein, in dem es das tut was auf dem Zettel steht und kann wieder mitspielen.

Wenn das Fängerkind nicht mehr Herr/Frau Herdamit sein will, legt es einfach den Taschenrechner auf den Boden und ein anderes Kind kann ihn sich nehmen, und der/die Fängerin sein.

Quellen:
Gewalt und Gewaltüberwindung im Alten Testament. — Peter Kaimer
Praktisches Bibel Lexikon - Herde

Autor/in: Kathi Bereits mit Ideen von Heidi Lang

Publikation: kumquat "ungehorsam" 1/2012

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Schlagwörter: Bibel, Ungerechtigkeit