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Ijob

Gruppenstunde | Alter: 12-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Die Erfahrung des Leids ist im Leben oft der Moment, in dem Gott einem mitunter mehr als fremd und weit entfernt erscheint. Die Rede vom "guten Gott" wird dann mehr als fraglich und befremdend. So ergeht es auch Ijob. Ihm wird Gott fremd, er durchleidet alle Phasen des Zweifels und der Verzweiflung, findet aber am Ende seines Leidensweges wieder seinen Frieden und seine Ruhe. Er hadert und streitet mit diesem Gott, den er nicht versteht - aber er bricht die Beziehung zu ihm nicht ab. Vielleicht ist es diese Auseinandersetzung mit seinem Leid und dem fremden Gott, die ihn am Ende erlösen?
Das Buch Ijob entstand aus dieser Auseinandersetzung mit der Frage, warum es Leid im Leben des Menschen gibt. Die Erzählung richtet sich gegen den (nicht nur) im Alten Testament verbreiteten Vergeltungsglauben, nach welchem es dem wirklich guten Menschen in seinem Leben gut, dem Sünder dagegen schlecht ergeht. Leid ist dann nur Strafe für begangene Sünden. Ijob jedoch ist ein vorbildlicher und frommer Mann - trotzdem trifft ihn großes Leid: sein Besitz wird vernichtet, seine Familie stirbt, er selbst wird krank.
Ist im älteren Teil der Geschichte noch von einem widerspruchslosen Hinnehmen dieses Leids die Rede ("Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, gelobt sei der Name des Herrn."), so besteht der später hinzugefügte Mittelteil zu einem großen Teil aus der Klage und Anklage Ijobs. Freunde, die ihn besuchen, sind Vertreter der herkömmlichen Frömmigkeit: Ijobs Leiden sei Ausdruck und Konsequenz seiner Vergehen. Am Ende gibt Gott jedoch Ijob recht und nicht dessen Freunden. Ijob erkennt zugleich, daß es mehr als seine Perspektive gibt. Seine Leid findet ein Ende, seine Bekannten und Freunde besuchen ihn und helfen.

Ziel

Die Gruppe versetzt sich in die Lage Ijobs und erfährt: Klagen und Anklagen ist ein wichtiger und erster Schritt in Situationen der Not und des Nicht-mehr-weiter-wissens (auch dann, wenn einem der Gott, der angeblich gut sein soll, fremd wird und abwesend scheint.) Der zweite Schritt führt uns in eine großräumigere Sicht der Dinge, relativiert dadurch die Größe meines Leids und stellt die Frage, wie es eigentlich um die Welt bestellt ist.

Material

  • Schnurr, Kluppen, 5 Bilder Ijobs aus seinem Leben
  • Zitate aus der Bibel
  • Sprechblasen
  • Anklage der Freunde Ijobs (evt. Auf Kassette gesprochen)
  • Tee und Kekse zum Abschluss

Aufbau

Die Kinder gehen anhand von fünf Bilder Ijob Leben und Leiden durch. Sie erfahren seinen Wohlstand, sein Leid und seine Zweifel an Gott, die Anklage der Freunde gegen Ijob, die Verteidigung durch Gott und zuletzt wie Ijob wieder gesund und fröhlich leben kann.

 

5 Bilder-stationen


Im Gruppenraum hängen an einer Schnur mit Kluppen 5 Bilder (etwa in der Größe eines halben Bogen Packpapiers) - jedoch mit der Vorderseite zur Wand. Die 5 Bilder zeigen 5 Stationen im Leben Ijobs - sie werden im Lauf der Gruppenstunde der Reihe nach aufgedeckt. (Skizzen dieser Bilder zum Nachzeichnen auf Packpapier findest Du im Anschluß an die Gruppenstunde.)

1. Bild: "An Wohlstand und Ansehen übertraf Ijob alle Männer."


Wenn alle Gruppenmitglieder da sind und Platz genommen haben, deckst Du das erste Bild auf und erklärst, daß dies Ijob ist - ein Mann, dem in der Bibel ein eigenes Buch gewidmet ist. Es wird von ihm erzählt, daß er ein vorbildliches Leben führte und nichts Unrechtes tat. Da man damals glaubte, daß, wer ein gutes Leben führt und nichts Unrechtes tut, von Gott belohnt wird, führte man auch Ijobs Wohlstand und sein Ansehen auf seine Untadeligkeit zurück. Ijob hatte 7 Söhne und 3 Töchter (viele Kinder waren immer ein Zeichen dafür, daß man von Gott gesegnet ist), er besaß einen großen Viehbestand: 7000 Schafe und Ziegen, 3000 Kamele, 1000 Rinder und 500 Esel (die Zahlen besitzen einen symbolischen Charakter - in der Sprache der Bibel heißt das ganz einfach: er war sehr, sehr reich).

2. Bild: "Wär ich doch gleich bei der Geburt gestorben."


Nun drehst du das zweite Bild um. Ijob geht es da gar nicht mehr gut: feindliche Beduinen und Feuersbrünste haben seine Knechte und alle seine Herden getötet, sein Haus ist zusammengestürzt und hat alle seine Kinder erschlagen, er selbst wird krank und sein ganzer Körper ist von eitrigen Geschwüren bedeckt.
Ijob begreift nicht, warum er so leiden muß. Damals hielt man ja solches Leid für eine Strafe Gottes für schwere Sünden (seit Jesus wissen wir, daß Gott uns unsere Sünden vergibt und uns niemals bestrafen würde, weil er uns lieb hat), aber Ijob war sich keiner Schuld bewußt. Er ist zornig, wütend und verzweifelt und klagt Gott an, daß er so ungerecht ist. In Sprechblasen bei der Figur des Ijob stehen einige Zitate aus der Bibel - Klagen und Anklagen Ijobs an den Gott, den er nicht versteht. Diese lest ihr einander vor:

"Wäre ich doch gleich bei der Geburt gestorben, oder, noch besser, schon im Leib der Mutter! Warum hat sie mich auf den Schoß genommen und mich an ihren Brüsten trinken lassen? Ich läge jetzt still in meinem Grab, ich hätte meine Ruhe, ich könnte schlafen!"

"Woher nehme ich die Kraft, noch auszuhalten? Wie kann ich leben ohne jede Hoffnung? Ist etwa meine Kraft so fest wie Stein? Sind meine Muskeln denn aus Erz gemacht? Ich selbst weiß keine Hilfe mehr, ich sehe niemanden, der mich retten könnte!"

"Seht ihr nicht ein, daß Gott mir Unrecht tut? Mit einem Netz sucht er mich einzufangen. Ich schrei um Hilfe, aber niemand hört. Ich will mein Recht, aber keiner steht mir bei! Den Weg sperrt er mir ab, ich kann nicht weiter! Er läßt mich mitleidslos im Dunkeln tappen."

"Ich habe keinen Frieden, keine Ruhe, nur Plage über Plage fällt mich an!"

"Warum gibt Gott den Menschen Licht und Leben, ein Leben voller Bitterkeit und Mühe?!"

"Hab ich vor etwas Angst, so trifft es mich. Wovor ich zittere, das kommt bestimmt."

"Ich bin es satt, ich mag nicht weiterkämpfen. Mein ganzes Leben ist doch ohne Sinn!"

Die Sprache der Bibel ist wahrscheinlich nicht mehr ganz unsere Sprache. Wie drücken wir das aus, wenn es uns schlecht geht, wenn wir "angfressen", wütend oder deprimiert sind? Lege einen Stapel ausgeschnittener Sprechblasen in die Mitte und fordere die Gruppenmitglieder auf, darauf ihre Aussprüche in schlechten Zeiten zu schreiben. Ausgefüllte Sprechblasen kann man zum Bild des Ijob dazukleben.

3. Bild: "Wie lange willst Du solche Reden führen?"


Auf dem dritten Bild ist zu sehen, wie die Umwelt auf dieses Klagen reagiert. Vier "Freunde" besuchen Ijob und sind ganz und gar nicht einverstanden mit dessen Anklagen. Wieder ist hier die Sprache der Bibel eine andere als unsere heutige, "übersetzt" könnte, was die Freunde sagen, etwa so lauten:

"Hör endlich auf zu jammern.
Du bist ja selber schuld.
Dieses Herumgeschreie ist doch sinnlos.
Laß Dich nicht so gehen!
Es wird sicher alles gut werden.
Ja, ja, aus Schaden wird man klug.
Das soll dir eine Lehre sein.
Das ist Gottes Strafe.
So unschuldig wirst Du schon nicht sein.
Ist ja nicht so tragisch.
Versündige Dich nicht.
Gottes Ratschlüsse sind unerforschlich.
Wer weiß, wofür das gut war.
Warum solls dir immer gut gehen - du bist ja auch kein reiner Engel.
Das kann jedem passieren.
Reg dich nicht so auf.
Du mußt eben auf Gott vertrauen.
Das kommt davon.
Wer bist Du denn, daß Du Dich so aufregst.
Es kann eben nicht immer alles nach Deinem Kopf gehen.
Das mußt Du eben erdulden - das ist eine Prüfung.
Daran gehst Du nicht zugrunde.
Es gibt Schlimmeres.
Anderen geht es noch schlechter als Dir!
Gib endlich Ruh, auf Dein Gejammer ist keiner neugierig."

Diese Sätze hast Du mit 2 anderen Leuten vorher auf Cassette gesprochen, diese Cassette spielst Du nun ab. (Du kannst sie auch nur vorlesen.)

Sicher kennt jeder aus der Gruppe diese Kommentare von anderen, wenn man jammert oder einen Wutausbruch hat - und jeder weiß vermutlich, daß einem solche Sprüche nicht sonderlich weiterhelfen. Auch Ijob haben diese Sätze nicht wirklich geholfen.

4. Bild: "Ihr habt nicht die Wahrheit über mich gesagt wie mein Diener Ijob!"


Gott gibt diesen Freunden mit ihren Ratschlägen und Kommentaren nicht recht, sondern er wendet sich Ijob zu. Ijob war mit seinen Klagen im Recht!
Doch damit ist es nicht getan. Ijob wird klar gemacht, daß die Welt größer ist als sein Kummer, daß es mehr Perspektiven gibt als die seine.
Wir wollen nun überprüfen, ob das auch für uns eine Lösung ist. Wir überprüfen daher, wie es wirklich um die Welt bestellt ist - wie gut oder wie schlecht.
Dazu teilen wir uns in 3 Gruppen: die eine spielt die Ankläger, die die Welt anklagen, daß es um sie schlimm bestellt ist. Die zweite Gruppe spielt die Verteidiger, die darauf hinweisen, wie gut es um die Welt bestellt ist. Die dritte Gruppe spielt die Richter, die abwechselnd Anklägern und Verteidigern das Wort erteilen, Argumente gegeneinander abwägen und letztendlich einer Partei Recht geben.
Nach dem Spiel können wir besprechen, wie unsere wirkliche Ansicht über den Zustand der Welt ist.

5. Bild: "Der Herr segnete Ijob."


Am Ende des Buches über Ijob wird erzählt, daß alle seine Brüder und Schwestern und seine früheren Freunde ihn besuchten und mit ihm in seinem Haus feierten. Ijob wurde wieder gesund und es ging ihm gut.

Auch wir wollen diese Gruppenstunde angenehm beschließen. Bei Tee und Kuchen machen wir es uns gemütlich. Sind wir beim fünften Bild zum Schluß gekommen, daß es um die Welt gut bestellt ist, dann haben wir ja allen Grund zum Feiern. Sind wir jedoch der Meinung, daß es schlimm um die Welt bestellt ist, so soll uns diese Jause zum einen ein erster kleiner Schritt sein, einen Teil der Welt - nämlich unsere Gruppe - schön zu gestalten - und zum anderen eine Stärkung sein, damit wir in Zukunft gemeinsam Beiträge dazu leisten können, die Welt um uns schöner zu machen.

Publikation: Begegnungen, fremdsein

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Schlagwörter: Bibel, Religiöses, Werte