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Sei nicht so frech!

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Kinder kommen recht oft in Situationen, in denen Erwachsene — aus welchem Grund auch immer — "Sei nicht so frech!" zu ihnen sagen. In dieser Gruppenstunde versucht ihr, gemeinsam Möglichkeiten zu finden, wie die Kinder mit diesen Situationen umgehen können.

Material

  • Begrüßungsplakat
  • Verkleidungsmaterial für die einzelnen Rollenspiele
  • fünf Situationskärtchen
  • fünf Plakate für die Szene (Plakatvorlage, Köpfe als Kopiervorlage)
  • rote, grüne und gelbe "Verhaltensstrategie"-Kärtchen für die Kleingruppen
  • Schreibzeug, Klebstoff

Aufbau

Als Einstieg werden kurze Szenen dargestellt, in denen Kinder dem Satz "Sei nicht so frech!" begegnen.
Dann wird gemeinsam überlegt, aus welchen Gründen die Erwachsenen in den einzelnen Situationen diesen Satz sagen.
In Kleingruppen werden anschließend Möglichkeiten gesucht, wie sich Kinder in den Situationen am besten verhalten könnten.
Diese Strategien stellen die Kinder einander dann in kurzen Rollenspielen vor.

 

"Sei nicht so frech!"


An der Tür des Gruppenraumes begrüßt die Kinder ein Plakat, das ungefähr so aussehen könnte: Aus dem Leben von Maxi und Lisi Huber oder "Sei nicht so frech!"

Zu Beginn der Stunde spielst Du den Kindern eine erste der folgenden fünf Szenen vor.
Wenn Deine Kinder gerne Rollenspiele machen, dann können sie die Situationen ab der zweiten Szene auch selber spielen. Dazu teilen sie sich in maximal vier Gruppen, lesen sich die Beschreibung auf den Situationskärtchen gemeinsam durch und spielen dann nach einer kurzen Vorbereitungszeit den anderen die Szenen vor.

Szene 1


Bei Familie Huber sind die Großeltern zu Besuch. Lisi, 9 Jahre alt, hat von ihnen Spielsachen bekommen. Maxi, 10 Jahre alt (er ist gerade in die erste Klasse Hauptschule gekommen), ein paar Schulsachen.
Maxi diskutiert nun mit seinem Opa darüber, warum er keine Spielsachen geschenkt bekommen hat. Die wären ihm nämlich viel lieber gewesen. Sein Opa findet aber, dass Maxi die Schulsachen viel besser gebrauchen kann, weil er ja der ältere ist und noch dazu jetzt gerade in eine neue Schule gekommen ist. Maxi will sich davon nicht so recht überzeugen lassen. Nach einiger Zeit sagt der Großvater: "Ich finde, dass Schulsachen für Dich wichtiger sind. Sei nicht so frech!"

Szene 2


Lisi hat gerade den Rechentest zurückbekommen. Sie bemerkt, dass sie genauso viele Fehler wie ihre Banknachbarin hat. Ihre Nachbarin hat aber einen Zweier bekommen und sie selbst einen Dreier. Lisi geht zur Lehrerin und fragt, warum sie nicht auch einen Zweier bekommen hat. Die Lehrerin antwortet: "Ich hab die Tests genau verglichen. Das ist ganz gerecht, dass Du den Dreier bekommst. Und sei im übrigen nicht immer so frech, wenn Du was von mir willst."

Szene 3


Maxi hat sich eine Dose Cola im Supermarkt gekauft. Bei der Kassa steht ein alter Mann mit einem vollen Einkaufswagen vor ihm angestellt. Maxi fragt den Mann höflich, ob er ihn vorlassen würde, da er nur eine Dose Cola zu bezahlen hat. Der alte Mann sagt: "Nein! Diese Jugend heutzutage - zu meiner Zeit hat man sich hinten angestellt und nicht so frech gefragt."

Szene 4


Lisi wird von ihrer Mutter gebeten, ihr beim Abwaschen zu helfen. Dabei ergibt sich folgender Dialog:
Lisi: "Das ist unfair. Der Maxi kann jetzt spielen und muss nie helfen!"
Mutter: "Das stimmt nicht, der Maxi hat mir dafür gestern beim Einkaufen geholfen. Das gleicht sich wieder aus."
Lisi: "Der tut aber trotzdem viel weniger. Außerdem würde es mir auch viel mehr Spaß machen, Dir beim Einkaufen zu helfen. Ich will jetzt nicht abtrocknen!"
Mutter: "Doch, Du hilfst mir jetzt. Jeder muss seinen Teil beitragen."
Lisi: "Ich hab aber keine Lust. Ich mach das nicht."
Mutter: "Das ist mir egal. Ich hab auch nicht immer Lust. Du hilfst mir jetzt. Und sei nicht immer so frech!"

Szene 5


Maxi fährt mit der Straßenbahn zu einem Freund. Die Straßenbahn ist halbvoll. Eine Frau kommt den Einstieg herauf und will sich sichtlich auf seinen Platz setzen.
Frau: "Komm, junger Mann, lass mich da hersetzen."
Maxi: "Können sie sich nicht dorthin setzen. Es sind eh genug Plätze frei."
Frau: "Also unglaublich! Du siehst ja, dass ich nicht gut gehen kann. Jetzt geh da weg und sei nicht so frech!"

Für jede der fünf Szenen hast Du ein Plakat vorbereitet.


Wenn eine Szene vorgespielt wurde, legst Du das entsprechende Plakat in die Mitte und stellst folgende Frage: "Aus welchen Gründen könnte der Großvater (die Lehrerin,...) wohl in dieser Situation ‘Sei nicht so frech!’ gesagt haben?" Eure Erklärungen und Vermutungen schreibt Ihr dann in die Denkblasen auf dem Plakat.

Fallen Euch für die erste Situation keine möglichen Antworten mehr ein, dann wird die nächste Szene vorgespielt und danach in der gleichen Weise besprochen. Das wiederholt sich so lange, bis alle Szenen gespielt wurden bzw. so lange es den Kindern Spaß macht. Für den nächsten Schritt ist es nicht notwendig, alle Szenen zu spielen.

Zwei Hinweise zum Rollenspiel:

  • Maxi und Lisi sollten daran zu erkennen sein, dass sie immer dieselbe Verkleidung anhaben. (Maxi könnte z.B. immer eine bestimmte Jacke und Lisi eine auffällige Brille tragen.) Das macht es leichter, den Szenen zu folgen.
  • Achte bitte darauf, dass beim Besprechen der Szenen die Kinder, die in der Szene mitgespielt haben, immer mit Maxi, Lisi, Großvater, usw. angesprochen werden.

Kopf einziehen, weiterreden, oder...?


Alle Szenen, die Ihr behandelt habt, haben mit der Aufforderung geendet, nicht so frech zu sein. Doch normalerweise geht es da ja noch weiter.
Du lädst die Kinder nun ein, sich in kleineren Gruppen (zu dritt oder zu viert) zusammenzufinden. (Wenn Deine Gruppe nicht allzu groß ist, dann könnt Ihr die nächsten Überlegungen auch gemeinsam machen.) Jede Gruppe sucht sich eines der beschrifteten Plakate aus und bekommt dazu ein rotes, ein grünes und ein gelbes Kärtchen.
Die Kinder überlegen sich nun, wie sich die Person, der in der jeweiligen Szene ein "Sei nicht so frech!" entgegen geschmettert wurde, am besten verhalten sollte.

  • Ist es in dieser Situation klüger, den Kopf einzuziehen und nicht weiter zu streiten? — rotes Kärtchen
  • Oder sollte man jetzt erst recht nicht locker lassen und mit dem anderen weiter diskutieren? — grünes Kärtchen
  • Oder sollte man vielleicht ganz etwas anderes tun, wie z.B.: sich entschuldigen, jemand anderen dazu holen und zu dritt oder zu viert weiterreden? — gelbes Kärtchen


Je nachdem, wie die Entscheidung ausgefallen ist, wird nun das rote, das grüne oder das gelbe Kärtchen auf das Plakat geklebt. Wenn die Kinder Lust haben, können sie auch noch darauf schreiben, warum sie diese Variante gewählt haben bzw. was denn Maxi oder Lisi in der Situation sagen könnten.

Verschiedene Lösungen


Sind alle Kleingruppen fertig, dann kommen sie wieder zusammen. Du lädst die Kinder nun ein, ihre Lösungen vorzustellen oder - wenn es der Gruppe Spaß macht - den anderen auch vorzuspielen. Wenn anderen Kindern noch weitere Varianten und Möglichkeiten einfallen, dann können sie diese auf die färbigen Kärtchen schreiben und dann auf das Plakat dazukleben.
Wichtig dabei ist: Keine der Lösungen ist falsch! Verschiedene Kinder machen eben auch unterschiedliche Erfahrungen. Jede neue Antwort kann dabei die Perspektive erweitern und weitere Handlungsstrategien eröffnen.

Autor/in: Claudia Garhöfer und Claudia Wallisch

Publikation: kumquat "AlT" 4/2010

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