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Eine Lesenacht mit Kindern

Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

 

Was ist eine Lesenacht?


Wie der Name schon verrät, geht es bei einer Lesenacht darum, mit den Kindern gemeinsam die Welt der Bücher zu erkunden und viele neue oder auch altbekannte Geschichten zu hören, bzw. zu lesen.
Die Kinder lesen dabei selbstständig, gemeinsam, in kleineren Gruppen oder bekommen etwas vorgelesen und das frei ohne Zeitdruck oder irgendwelche Vorgaben.

Wie kann man so eine Lesenacht mit Jungscharkindern gestalten?


Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine Lesenacht durchzuführen. Ihr könnt die Lesenacht auch zu einem bestimmten Thema machen, z.B. Bücher aus meiner Kindheit, Detektivgeschichten, lustige Geschichten, Abenteuergeschichten, meine eigene Geschichte, die Geschichte meiner Vorfahren, usw.
Überlegenswert ist es auch, ob man mit den Themen, den Geschichten, den Büchern im Nachhinein weiterarbeitet. Ihr könntet in den Jungscharstunden danach eventuell selbst eine Geschichte zu einem Thema schreiben oder in ein Rollenspiel verpacken, oder ihr könnt mit kleineren Kindern eine große Zeichnung anfertigen, auf der alle Figuren vorkommen, die ihr in den Büchern kenngelernt habt und eine neue Erzählung daraus entwickeln. Vielleicht fallen euch ja noch weitere Ideen dazu ein.

Hier sind ein paar Anregungen zur Organisationsform der Kindergruppe:

Wenn du mit deiner Kindergruppe alleine bist:

  • Die Kinder lesen alleine oder sich zu zweit gegenseitig eine Geschichte vor
  • Es werden Geschichten von dir als Gruppenleiter/in vorgelesen
  • Die Geschichten werden in kleinen Gruppen vorgelesen, wobei jedes Kind, das möchte, einen Absatz/eine Seite liest und das Buch dann weitergibt


Die genannten Punkte können auch gleichzeitig oder hintereinander stattfinden, es ist immer gut, wenn es Abwechslung gibt, da jedes Kind seine eigene Art hat sich zu konzentrieren und sich auf Erzählungen einzulassen.

Wenn ihr die Lesenacht als JS-Aktion unterm Jahr planen wollt:


Die Lesenacht wird etwas aufwändiger als Stationenbetrieb aufgebaut, bei dem die Kinder nicht nur lesen, sondern auch etwas tun können, zum Beispiel:

  • eine Station beinhaltet kurze Detektivgeschichten und die Kinder können nachher raten, wie es ausgeht, also wer mit welchem Motiv der Dieb/die Mörderin gewesen sein könnte, oder
  • bei einer Station wird ein Fotoroman in verteilten Rollen vorgelesen, oder
  • es gibt eine Station, bei der Gedichte mit besonderer (Aus-) Sprache gelesen werden, oder
  • eine Station hat geheime Schriften entdeckt, die erst entschlüsselt werden müssen (mit einer Geheimschrift), usw.


Deiner Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und je abwechslungsreicher die Leseauswahl ist, desto größer ist die Chance, dass jedes Kind für sich eine passende Geschichte findet.

Hier ist ein Vorschlag für die Rahmenbedingungen und den Ablauf einer Lesenacht mit Jungscharkindern:

  • Damit das gemeinsame Lesen gut funktionieren kann, ist es wichtig, dass die richtige Atmosphäre geschaffen wird. Alle Kinder bringen Schlafsäcke, Matten, Pölster und ev. Decken mit, damit der Schlafplatz schön weich ist. Taschenlampen zum Lesen oder Kerzen (immer mit Vorsicht!) sind ebenfalls eine nette Idee und schaffen "heimelige" Stimmung.
  • Wenn man davon ausgeht, dass die Kinder lange wach sind — und ja, das sind sie mit Sicherheit! — dann ist es gut, wenn du ein kleines Buffet mit Getränken und Knabbereien herrichtest. Beziehungsweise kannst du dir mit deinen Kindern auch ausmachen, wer was mitbringt und das gleich auf Zettel schreiben, die du den Kindern mit nach Hause geben kannst - damit nichts vergessen wird. Ein gemeinsames Frühstück am nächsten Tag ist auch immer sehr nett und bereitet den Kindern einen schönen Start in den nächsten Tag.
  • Um den Einstieg in die Lesenacht zu erleichtern, kann es hilfreich sein, mit einem kleinen Spiel oder einer netten Methode zu beginnen.
    Eine Idee: Jedes Kind bekommt den Teil einer kurzen Geschichte. Immer zwei oder drei Teile bilden eine Geschichte. Die Kinder gehen im Raum herum und erzählen einander von der Passage auf ihrem Zettel. Wenn die Kinder glauben den zweiten Teil gefunden zu haben, können sie die Zettel zusammenlegen und die Geschichte vorlesen.
    Eine zweite Idee: Jedes Kind nimmt sich ein Buch/eine Kurzgeschichte/einen Comic/... zu dieser Lesenacht mit, das es gerne lesen möchte. Ebenso einen Gegenstand, der zu dieser Geschichte passt oder der einfach das Buch symbolisiert - denn es kann ja sein, dass man noch gar nicht weiß, worum es in dem Buch geht, wenn man erst in dieser Nacht damit beginnt.
    Also wer z.B. eine Geschichte von Pippi Langstrumpf liest, nimmt vielleicht einen kleinen Stoffaffen als Symbol für Herrn Nilsson mit.
    Alle Gegenstände werden irgendwo nett aufgelegt, ohne dass vorher erzählt wurde, zu welcher Geschichte der Gegenstand gehört. Jetzt darf sich jedes Kind einen anderen Gegenstand aussuchen und eine eigene Geschichte dazu erfinden, die dann kurz erzählt wird.
    Nachdem alle erfundenen Geschichten gehört wurden, können die Kinder ihre eigenen Gegenstände wieder nehmen und dazu die richtige Geschichte erzählen, wenn sie diese schon kennen und warum sie gerade dieses Buch ausgewählt haben.
  • Bevor die Kinder in ihren eigenen Büchern zu lesen beginnen, kannst du als Gruppenleiter/in eine oder zwei kurze Geschichten vorlesen, um die Kinder schon ein bisschen neugierig zu machen. Ich schreibe hier absichtlich "kurz", weil es für Kinder generell recht anstrengend ist, lange zuzuhören, auch wenn es spannende Geschichten sind.
  • Prinzipiell wäre es sinnvoll, im Vorhinein vielleicht in einer Bücherei oder z.B. der STUBE zu fragen, welche Bücher für deine Altersgruppe passend sind und einige davon auszuborgen. Denn es muss ja nicht sein, dass die Kinder nur ihre eigenen Bücher lesen. Man kann ja auch mit den anderen tauschen und in neue Werke hinein schmökern. Du kannst natürlich auch die Kinder fragen, was sie gern haben oder Lieblingsbücher aus der eigenen Kindheit mitbringen.


Was hat keinen Platz in einer Lesenacht?


Ganz klar: Grusel- und Geistergeschichten! Kinder (und auch Erwachsene) haben eine unglaublich lebhafte Phantasie. Gerade wenn man solche Abende gemeinsam verbringt, ist das für Kinder etwas ganz Aufregendes. Dabei ist die ungewohnte Umgebung, die Besonderheit des Abends, das Lesen von Geschichten, das Übernachten ohne Eltern, etc. für deine Kinder schon spannend genug. Geschichten, die Kindern zusätzlich Angst machen, haben hier also absolut nichts verloren und davon möchte ich dir - auch aus persönlicher Erfahrung - ernsthaft abraten.

Viel Spaß beim gemeinsamen Lesen!

Autor/in: Hanni Traxler

Publikation: kumquat "AlT" 4/2010

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