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Theater für Schauspieler/innen und Nicht-Schauspieler/innen

Gruppenstunde Spiele | Alter: 12-15 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Die folgenden Bausteine sollen dir eine Idee geben, wie Übungen, Spiele und Techniken aus dem Theater der Unterdrückten auch für deine Gruppe passen könnten! Wichtig ist, dass ihr zuerst damit beginnt, euren Körper zu entdecken, dann Übungen macht, um euch mit Hilfe des Körpers auszudrücken und erst dann selbst Theater entwickelt.

Material

  • Raum: groß und ohne Hindernisse

 

Schritt 1: Den Körper kennenlernen


Für Augusto Boal war jeder Mensch ein/Schauspieler/in. Jede/r kann schauspielen. Das Mittel des Theaters ist der menschliche Körper, den auch jede/r von uns hat. Unser Körper ist die Basis des Theaters. Deshalb ist es wichtig, den eigenen Körper zu kennen und wahrzunehmen. Und zwar nicht nur so, wie wir ihn gewöhnlich kennen, sondern einmal ganz anders. Jeden Tag benützen wir unseren Körper, um uns zum Beispiel fortzubewegen. Wenn wir nicht irgendeine Art von Sport machen, verwenden wir oft dieselben Bewegungsabläufe. Unser Körper kann jedoch mehr. Die folgenden Übungen sollen helfen, den eigenen Körper neu zu entdecken und wahr zu nehmen, indem "untypische" Bewegungen ausprobiert werden.

Walking


Zur Auflockerung am Beginn der Stunde bewegt ihr euch alle durch den Raum. Nach einiger Zeit beginnt ihr, euch während dem gehen zu strecken. Dann bewegt ihr euch wieder ohne strecken durch den Raum und beginnt, laut zu gähnen. Nach ein bisschen Zeit beendet ihr das laute gähnen, geht herum und schaut immer dann einer anderen Person tief in die Augen, wenn ihr jemandem begegnet, der an euch vorbei geht. Nach einiger Zeit beendet ihr das in die Augen schauen und fangt an euch vorsichtig rückwärst durch den Raum zu bewegen. Ihr könnt euch selbst noch andere Möglichkeiten einfallen lassen, wie ihr euch durch den Raum bewegt: springend, mit ganz großen Bewegungen, oder ganz kleinen,... Nach einiger Zeit geht zur nächsten Übung über.

Boxen


Geht nun zu zweit zusammen und beginnt zu boxen, ohne miteinander zu reden und ohne einander zu berühren. Wichtig ist, dass auf jeden Schlag eine Reaktion folgt. Setzt euren ganzen Körper ein.

Kubanische Hypnose


Geht wieder zu zweit zusammen. Bei dieser Aufgabe führt der/die eine den/die andere/n mit seiner Hand. Nimm deine Hand und halte sie rund 10 cm vor der Stirn deines/deiner Partner/in so hin, dass die Handinnenseite auf die Stirn "schaut". Nun beginne vorsichtig deine Hand zu bewegen. Dein Gegenüber soll versuchen, immer den gleichen Abstand zwischen Hand und Stirn zu halten, wie bei einem gegenpoligen Magneten, und soll somit mit den Bewegungen deiner Hand mitgehen. Er/sie kann dabei gestreckt, gebückt, gelegt oder zum gehen bewegt werden. Tauscht nach einiger Zeit die Rollen. Dann sprecht darüber, in welcher Rolle ihr euch wohler gefühlt habt: in der Rolle derjenigen, die führt oder derjenigen, die folgt?

Schritt 2: Sich mit Hilfe des Körpers ausdrücken


Nachdem wir unseren Körper ein wenig neu entdeckt haben, geht es nun darum, den eigenen Körper als Mittel zum Ausdruck kennenzulernen: Körpersprache wieder entdecken, Blickkontakt verschärfen. Die folgenden Übungen und Spiele sollen dabei helfen.

Vampire von Straßburg


Verteilt euch im Raum und macht eure Augen zu. Wichtig ist, dass der/die Gruppenleiter/in die Augen offen lässt um auf die anderen aufzupassen. Der/die Gruppenleiter/in tupft jemanden an und diese/r wird zum Vampir. Alle bewegen sich nun mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen vorsichtig und langsam durch den Raum. Trifft der Vampir auf jemand anderen, "beißt" (mit beiden Händen den Nacken der anderen Person angreifen) er/sie diese Person. Wird jemand gebissen, schreit diese/r schmerzhaft und theatralisch auf und wird auch zum Vampir und kann nun auch andere beißen und sie zu Vampiren werden lassen. Treffen zwei "Menschen" aufeinander passiert nichts und man geht weiter herum. Wird man gebissen, obwohl man schon Vampir ist, stößt man einen lauten Seufzer (oder ein angenehmes Geräusch) aus und wird wieder ein Mensch. Spielt das Spiel einige Zeit und geht dann zur nächsten Übung über.

Sich spiegeln


Stellt euch in zwei Reihen einander gegenüber auf. Eine Reihe schneidet Grimassen und macht kleine Bewegungen und die andere Reihe versucht, das Spiegelbild von seinem/ihrem Gegenüber zu sein. Am besten ihr beginnt erst mit dem Mund, dann dem ganzen Gesicht, dann mit dem Kopf, den Armen, dem Oberkörper, dem Unterkörper und schließlich mit dem ganzen Körper, Bewegungen zu machen. Wechselt nach einiger Zeit.

Bildhauerei


Bei dieser Übung geht wieder zu zweit zusammen. Einer von beiden ist nun der/die Bildhauerin und macht eine Skulptur aus dem/der anderen. Dazu stehen euch folgende Werkzeuge zur Verfügung: mit Hilfe eines durchsichtigen Faden können Körperteile der Skulptur in die richtige Position gebracht werden. Wenn ihr pustet, ist der Faden wieder weg und die Position bleibt. Ihr könnt die Position auch verändern, indem ihr wieder einen Faden anbringt. Auch den Gesichtsausdruck könnt ihr modellieren, indem ihr ihn z.B. vormacht. Es wäre gut, wenn ihr während dem modellieren nicht sprechen würdet.
Wenn ihr mit eurer Skulptur zufrieden seid, könnt ihr ihr noch ein Wort oder einen Satz ins Ohr flüstern. In einem nächsten Schritt können nämlich alle Bildhauer/innen die Skulpturen in der Galerie betrachten: alle Skulpturen stehen so, wie sie gebaut wurden. Wird eine Skulpturen angetupft, sagt diese den Satz oder das Wort, das ihr der/die Bildhauer/in zugeflüstert hat.
Danach werden die Skulpturen zu Bildhauer/innen und können nun Skulpturen bauen.

Schritt 3: Theater als Sprache


Im nächsten Schritt geht es nun darum, Theater als eine Sprache zu entdecken, mit der man sich ausdrückt und austauscht. Bis jetzt habt ihr euch vor allem damit beschäftigt, euren Körper besser kennen zu lernen. Hier geht es nun darum, mit Hilfe von Theater Themen anzugehen und zu diskutieren.

Bilder von Unterdrückung


Ihr geht nun zu dritt zusammen. In den Dreiergruppen überlegt sich jede und jeder von euch eine Situationen, in denen jemand unterdrückt oder ungerecht behandelt wird: ein Obdachloser wird beschimpft, eine Migrantin gehänselt, ein Kind nicht Ernst genommen,... Fällt jemandem eine Situation ein, versucht diese/r ein Bild zu stellen, ein Standbild — das ist ein Bild, indem sich niemand bewegt, wie wenn ich bei einem Video auf "Pause" drücke - zu machen: Die Person, die die Idee hat, nimmt die anderen und "modelliert" sie (wie bei der Übung Bildhauerei) und stellt sich dann selbst auch ins Bild dazu. Bleibt kurz in diesem Standbild. Löst dann das Bild auf besprecht wie es euch gegangen ist und was ihr glaubt, dass hier erzählt wurde: welche Personen wurden dargestellt, um welche Situationen ging es, wer wurde von wem in welcher Form unterdrückt? Der/die Bildhauer/in kann dann erklären, was er/sie gemeint hat. Danach kann jemand anderer ein Bild stellen.

Diese Übung dient dazu, sich Situationen bewusst zu werden, in denen Unterdrückung passiert. Ihr könnt euch dann eine Situation aus eurer Dreiergruppe aussuchen, eine die euch besonders gefallen, schockiert oder nachdenklich gemacht hat, und sie der ganzen Gruppe vorspielen.

Statuentheater


Nun könnt ihr euch ein gemeinsames Thema suchen, das ihr angehen wollt. Vielleicht habt ihr aus der vorigen Übung Ideen bekommen. Ihr könnt aber auch ein sehr allgemeines Thema wählen wie zum Beispiel Ungerechtigkeit in der Schule oder Streit mit Eltern.

Habt ihr ein Thema gefunden, sprecht nicht weiter darüber, sondern macht gemeinsam ein Standbild. Eine Person stellt sich hin, eine andere dazu, jemand kann auch modellieren. Arbeitet so lange am Bild bis ihr findet, dass es eure Situation/ euer Problem gut ausdrückt.

Dann stellt ihr gemeinsam ein Idealbild, ein Wunschbild: wie soll die Situation aussehen, damit alle zufrieden sind? Das muss nicht unbedingt realistisch sein. Und als dritten Schritt stellt ihr dann noch ein Bild dazwischen, eines das zeigt, wie ihr zu dem Wunschbild kommt.

Als einen finalen Schritt könnt ihr nun versuchen, nachdem ihr die drei Bilder hintereinander gezeigt habt, diese zusammenzuhängen, wie Standbilder, die zu einer kurzen Filmszene werden. So werden aus den stehenden Bildern, bewegte.

Theater der Unterdrückten muss nicht immer sofort aktuelle Probleme "lösen", sondern es geht darum Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Beim Statuentheater soll es darum gehen, dass es Möglichkeiten gibt, Dinge anders zu machen. Theater der Unterdrückten ist auch immer Dialog: Man lehrt und lernt. — Wie Dinge anders laufen könnten, wie Situationen noch gelöst werden könnten und auch wie unser Miteinander positiver und ebenbürtiger ablaufen könnte. Ein Theater der Befreiung eben.

Autor/in: Betti Zelenak

Publikation: kumquat "grün" 1/2010

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Schlagwörter: Spiel, Körper, Kreativität, Spaß, Rollenspiel