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Wind im Haar und Der mit dem Wolf tanzt

Gruppenstunde | Alter: 8-11 | Aufwand: mittel

Hintergrund

zu beachten: Unser Name ist Teil unserer Identität. In dieser Gruppenstunde überlegen die Kinder anhand von sprechenden Namen, die etwas über sie aussagen sollen, wie sie selbst sind, was sie gut können, was sie gerne tun. Daher ist es in dieser Gruppenstunde immens wichtig, auf eine gute, konstruktive Atmosphäre zu achten: Die Namen sollen die Kinder positiv definieren - es sollen am Ende der Stunde also nicht Namen wie "Der in Mathe nie was versteht" herauskommen. Besonders beim letzten Programmpunkt ist wichtig, dass die Kinder sich mit Kindern unterhalten, denen sie vertrauen können. Kein Kind soll dazu gezwungen werden, mit jemandem eine Kleingruppe zu bilden, mit dem/der er/sie nicht mag. Auch das Verkünden der sprechenden Namen am Schluss soll kein Muss darstellen.

Ziel

Mit der Motivation, einen sprechenden Namen la "Der mit dem Wolf tanzt" für sich selbst zu finden, setzen sich die Kinder spielerisch mit ihren eigenen positiven Eigenschaften und Tätigkeiten, die sie gut können, auseinander.

Material

  • eventuell auf Zetteln vorbereitete Namen für "Verständnisschwierigkeiten?!"
  • kleine Zettel (pro Kind mindestens 8), Stifte
  • Liste mit Eigenschaften und Tätigkeiten
  • 1 Kuvert pro Kind
  • 1 Klebeetikett pro Kind

Aufbau

Zu Beginn hören die Kinder die Geschichte des John Dunbar und erfahren dabei, wie er zu seinem Namen "Der mit dem Wolf tanzt" gekommen ist.
Beim Spiel "Verständigungsschwierigkeiten?!" stellen die Kinder sprechende Namen pantomimisch dar.
Um sprechende Namen für die Kinder zu finden, werden zuerst positive Eigenschaften und Tätigkeiten, die den Kindern wichtig sind, auf Zetteln gesammelt
und anschließend die wichtigsten Zettel anhand einer Fantasie-Reise durch die Prärie ausgewählt.
Schließlich kreieren die Kinder anhand der wichtigsten beiden Zettel ihren sprechenden Namen.

 

Lieutenant John Dunbar oder Der mit dem Wolf tanzt



Zum Einstieg erzählst du den Kindern folgende Geschichte:
Diese Geschichte spielt zu einer Zeit, als Amerika noch von Indianerstämmen besiedelt war. Lieutenant John Dunbar ist ein weißer Soldat, der aus Europa gekommen ist, um Amerika zu erobern. Die Armee schickt Lieutenant Dunbar zu einem Fort (=Militärstützpunkt) in mitten der weiten Prärie. Als er dort ankommt, bemerkt er aber, dass das Fort verlassen und er der einzige Soldat dort ist. Da er einen großen Vorrat an Essen hat, beschließt er, trotzdem dort zu bleiben und auf Verstärkung zu warten. Wochen und Monate vergehen, ohne dass Verstärkung kommt.
In der Zwischenzeit macht Lieutenant Dunbar mehrere Bekanntschaften. Bald nachdem er im Fort angekommen ist, schleicht ein Wolf um das Fort. Lieutenant Dunbar merkt, dass der Wolf nicht gefährlich, sondern recht zutraulich ist. Er gibt dem Wolf ein Stück Speck, und sie werden Freunde. Lieutenant Dunbar freut sich jedesmal, wenn der Wolf ihn besuchen kommt. Er lässt sich zwar nicht streicheln, aber er spitzt immer die Ohren, wenn Lieutenant Dunbar mit ihm spricht und dann fühlt sich der Mann nicht so allein. Weil der Wolf zwei weiße Pfoten hat, gibt der Lieutenant ihm den Namen "Socke".
Lieutenant Dunbar begegnet aber auch Indianer/innen. Komantschen, um genau zu sein. Zuerst hat er Angst vor den Indianer/innen. Diese fürchten sich aber auch vor ihm. Allmählich lernen sie einander kennen und merken, dass sie einander vertrauen können.
Im Lager der Komantschen wohnt eine weiße Frau, die als kleines Mädchen von den Indianer/innen aufgenommen wurde, da sie ihre Eltern verloren hatte. Sie versteht die Sprache des Lieutenant Dunbar und kann für die Indianer/innen übersetzen, was er sagt und umgekehrt. Wie sollte es auch anders kommen, Lieutenant Dunbar und die weiße Frau verlieben sich ineinander. Sie lehrt ihn die Sprache der Komantschen und erklärt ihm auch, was die Namen der Indianer/innen bedeuten. Da gibt es die Namen "Wind im Haar", "Lächelt viel", "Steht mit einer Faust", "Zehn Bären" und so weiter. Die Namen der Indianer und Indianerinnen sagen also etwas darüber aus, wie sie sind oder was sie besonders gut können. Der Mann, der "Wind im Haar" heißt, kann nämlich besonders gut reiten, sodass seine Mähne im Wind weht. "Zehn Bären" ist besonders stark. "Steht mit einer Faust" ist nach einem Ereignis benannt, das die Komantschen beeindruckte. Lieutenant Dunbar fühlt sich im Lager der Indianer/innen sehr wohl und kehrt immer seltener zu seinem Fort zurück.
Die Indianer/innen möchten ihrem neuen Freund einen Namen geben, der zu ihm passt. Es gibt auch schon Vorschläge wie "Der den Büffel findet" oder "Der wie Schnee leuchtet" (denn die Hautfarbe des Soldaten ist heller als die der Indianer/innen). Dann beobachten einige Indianer/innen, wie sich Lieutenant Dunbar auf dem Weg vom Fort zum Lager der Komantschen mit dem Wolf "Socke" unterhält. Einerseits freut es Lieutenant Dunbar, dass der Wolf ihn auf dem Weg begleitet, aber andererseits weiß er, dass "Socke" bei den Indianer/innen nicht willkommen wäre. Deshalb versucht er, ihn zu verscheuchen. Der Wolf aber möchte spielen und so pirschen sie sich aneinander heran, erschrecken einander, laufen davon und einander nach, sie springen und machen die ulkigsten Bewegungen. Als Lieutenant Dunbar bemerkt, dass sie nicht unbeobachtet sind, ist es ihm ein bisschen peinlich. "Socke" macht sich aus dem Staub. Die Indianer/innen haben nun aber den perfekten Namen für Lieutenant Dunbar gefunden: "Der mit dem Wolf tanzt". (nach: "Dances with Wolves" von Michael Blake)

Du erklärst, dass ihr in dieser Gruppenstunde für euch selbst auch sprechende Namen finden wollt. Bevor ihr euch diese Namen überlegt, versetzt ihr euch aber in die Situation von Lieutenant Dunbar, als er die Indianer/innen noch nicht verstehen konnte:

Verständigungsschwierigkeiten?!


Stellt euch vor, ihr möchtet jemandem erklären, was ein spezieller Name bedeutet, aber ihr sprecht unterschiedliche Sprachen und versteht einander nicht - so, wie es "Der mit dem Wolf tanzt" ergangen ist, wenn die Übersetzerin nicht da war. Lasst euch also sprechende Namen einfallen und stellt diese pantomimisch dar. Wichtig ist bei den sprechenden Namen, wie sie in "Der mit dem Wolf tanzt" beschrieben werden, dass sie positiv sind: Gute, außergewöhnliche Eigenschaften oder Taten bilden meist die Grundlage dieser Namen. (Sollten deinen Kindern keine sprechenden Namen einfallen, so ist es günstig, schon ein paar Namen auf kleinen Zettelchen vorbereitet zu haben, welche die Kinder dann ziehen können.)
Die anderen versuchen, den sprechenden Namen zu erraten. Glaubt ein Kind, die richtige Antwort zu wissen, so flüstert es dem darstellenden Kind seine Vermutung ins Ohr. Ist die Vermutung richtig, hilft es bei der Darstellung. So machen es auch alle weiteren Kinder, bis alle den Namen erraten haben (nach: "Der unsichtbare Gegenstand", Spielemappe 4.16).
[Ideen für sprechende Namen: Schleichender Tiger, Schaut freundlich, Schreiender Vogel, Der/Die gut Witze erzählt, Sonne im Herzen, Der/Die den Ton formt...]

Reise durch die Prärie samt Gepäcksstücken


Der erste Schritt, um sprechende Namen für euch selbst zu finden, ist folgender: Die Kinder notieren auf kleinen Zetteln, was sie gerne tun, gut können und/oder gute Eigenschaften, die sie haben (pro Zettel ein Begriff). Jedes Kind soll mindestens sieben Begriffe aufschreiben. Wenn nötig, kannst du zur Inspiration eine vorbereitete Liste mit möglichen Begriffen auflegen.
z.B.: Rätsel lösen, Puzzles legen, Bücher lesen, Reime finden, zu seiner Meinung stehen, zeichnen, lächeln, Rad fahren, Eis laufen, Kochen, etwas bauen, singen, ein Fan sein, ein Instrument spielen, hilfsbereit sein, Fußball spielen, freundlich sein, Basketball spielen, Skateboard fahren, sich am Computer auskennen, lustig sein, schwimmen, SMS schreiben, Witze erzählen, Geschichten erfinden, Dinge sammeln, mutig sein, Tennis spielen, klug sein, laufen, Bälle werfen, Musik hören, wissen, was man will, tanzen, Fragen stellen, Snowboard fahren, Lagerfeuer machen können, ausdauernd sein, häkeln, basteln, viel wissen, einfallsreich sein, gute Ideen haben, großzügig sein,...

Wenn alle Kinder ihre Begriffe notiert haben, lädst du sie zu einer Fantasiereise durch die Prärie ein. Sie sollen ihre Begriffszettelchen in einen Koffer (=Kuverts, die du austeilst) packen und mitnehmen. Während du den Kindern von der Reise durch die Prärie erzählst, bewegt ihr euch alle dazu passend im Raum.

Die Geschichte:


Stellt euch vor, euer Gruppenraum wäre die weite Prärie und ihr reitet darin hoch zu Ross. Doch plötzlich setzt das Säuseln des Windes ein, es wird immer stärker, ein orkanartiger Sturm beginnt. Hat jemand eine Idee, was zu tun ist? (z.B. vom Pferd absteigen und auf den Bauch legen) Aber der Sturm hat schon ein paar Gepäcksstücke verweht - jede/r von euch hat nur mehr fünf Zettel (die Kinder suchen die am wenigsten wichtigen Begriffe aus und geben sie zur Seite). Nun, der Sturm ist überstanden, aber eure Pferde haben sich aus dem Staub gemacht. Deshalb heißt es zu Fuß weitergehen. Es ist sehr heiß, ihr werdet immer langsamer, ihr seid durstig. Damit es sich ein wenig leichter geht, gebt ihr wieder ein Gepäcksstück ab. Als ihr euch schon mit eurer letzten Kraft dahinschleppt, hört ihr plötzlich das Plätschern einer Quelle - juhu! Jedoch, um zur Quelle zu kommen, muss man sich durch eine Felsspalte zwängen, die gerade so eng ist, dass man nur mit drei Gepäcksstücken durchkommt... Ihr stärkt euch an der köstlichen Quelle und wandert munter weiter. Da hört ihr plötzlich das Brummen eines Grizzlybären - ihr müsst die Flucht vor diesem wilden Tier ergreifen. Damit ihr schneller laufen könnt, hinterlasst ihr wieder ein Gepäcksstück. Oh, welches Glück, ihr lauft direkt auf ein Indianerdorf zu! Die Indianer/innen laden euch in ein großes Tipi ein - ihr seid gerettet.
Ihr setzt euch also wieder in den Kreis. Jedes Kind hat nun die zwei Zettel, die ihm am wichtigsten sind.

Poetisches im Tipi


Bevor ihr es euch im (Fantasie-)Tipi bequem macht, sucht sich jedes Kind eine/n Zweite/n, mit dem/der es sich gut versteht. Ihr könnt natürlich auch Dreiergruppen bilden; bleibt ein Kind allein, so geselle du dich dazu. Die Kinder lesen einander die Begriffe, die auf ihren Zetteln stehen, vor. Gemeinsam versuchen sie nun, diese Begriffe möglichst poetisch in sprechende Namen zu verwandeln. Beispielsweise könnte jemand, auf dessen Zettel "Fußball spielen" steht, "Der/Die den Ball tritt" oder "Der/Die mit dem Ball tänzelt" oder "Stürmt allen davon" heißen. Möglicherweise brauchen die Kinder hier deine Hilfe besonders. Hat jedes Kind sich für einen Namen entschieden, der zu ihm passt und ihm gefällt, so könnt ihr diese Namen auf Klebeetiketten schreiben, die die Kinder als Namensschild tragen können.

Autor/in: Lisi Paulovics

Publikation: Kumquat_3/01

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Schlagwörter: Ich, Sprache