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Warum ist das verboten?

Gruppenstunde | Alter: 9-12 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Verbote und Gebote sind Bestandteil des Alltags. Zu thematisieren sind sie gar nicht so leicht, da sie oft mit Frustration und Unverständnis einhergehen. Verbote und Gebote werden meistens von Erwachsenen ausgesprochen. Wenn Kinder Grenzen setzen und Verbote aussprechen, wird das von Erwachsenen oft nicht ernst genommen. Andererseits brauchen Kinder gute Grenzen, um sich orientieren und gut heranwachsen zu können.

Für deine Gruppe passend kannst du aus den hier gemachten Bausteinen auswählen und eine Gruppenstunde zusammenstellen, die den Bedürfnissen deiner Gruppe entspricht.

Ziel

In dieser Gruppenstunde sollen Kinder die Möglichkeit bekommen, sich mit dem Thema Grenzen und Verbote auseinanderzusetzen. Sie sollen selbst ausprobieren können, was an Grenzen oft so störend ist und was wichtig ist, um selbst gut Grenzen setzen zu können.

Material

  • Baustellenabsperrband (bekommt man in Baumärkten)
  • Post-Its
  • Plakat
  • Plakatstifte (Edding)
  • Fragen und Situationskärtchen zu den Rollenspielen
  • Verbotsschilder
  • gelbes und rotes Krepppapier
  • evtl. Verkleidungsmaterial
  • Fotoapparat
  • Kärtchen für jedes Kind in rot, orange, gelb und grün

 

Grenzen finden


Bereits wenn die Kinder eintreffen, ist der Gruppenraum zum Thema passend gestaltet: Ein Baustellenabsperrband ist mehrmals quer durch den Raum gespannt. Wenn alle Kinder da sind, können sie raten, worum es heute gehen soll. Haben die Kinder das Thema erraten, bekommen sie von dir Post-Its. Darauf sollen sie nun Regeln und Verbote schreiben, die ihnen so im Alltag (Schule, zu Hause, mit Freunden, auf der Straße,...) begegnen .

Sind alle fertig, werden die Ergebnisse auf einem Plakat gesammelt und nach von euch überlegten Kriterien geordnet (z.B. "geht mir auf die Nerven", "versteh ich gut", "kann ich gar nicht verstehen", etc.). Falls jemandem noch etwas einfällt, kann das natürlich noch ergänzt werden.

Selber eine Grenze setzen — Rollenspiel


Wer möchte, kann hier spielerisch ausprobieren, selbst Grenzen zu setzen. Die Kinder überlegen zuerst gemeinsam, welche Verbote, die gespielt werden können, ihnen einfallen. Du hast ein paar Situationskärtchen vorbereitet, auf denen solche Situationen stehen (siehe Beispiele). Es sollte sich um Situationen handeln, bei denen klar ist, wer an wen ein Verbot erteilt.

  • Mehrere Kinder spielen auf den Spielplatz. Da kommt ein Arbeiter des Magistrats vorbei und meint, es sei verboten, dass mehr als 3 Kinder gleichzeitig auf dem Klettergerüst seien und die Kinder müssen sofort herunterkommen.
  • In der Schule ist es während dem Unterricht verboten, zu essen. Da Katrin kein Frühstück gegessen hat, wird der Hunger zu groß. Sie packt heimlich ihr Jausenbrot aus und beginnt zu essen. Die Lehrerin erwischt sie dabei. (Bei dieser Situation können mehrere Kinder Schulkamerad/innen spielen.)
  • Zuhause vor dem Fernseher. Max, Christian und Claudia sitzen schon seit einer Stunde und schauen sich Serien an. Als nächstes kommt ihre Lieblingsserie. Da kommen die Eltern herein und meinen, das Fernsehpensum sei für heute weit überschritten und sie müssten den Fernseher sofort abdrehen.
  • Mehrere Kinder sind beim gemeinsamen Ausflug in Schönbrunn. Als sie eine Pause einlegen wollen, beschließen sie auf der Wiese Fußball zu spielen, obwohl das Betreten der Wiese streng verboten ist. Nach fünf Minuten kommt eine Parkwächterin.


Eine Situation wird ausgewählt und die Rollen an die Kinder und Gruppenleiter/innen verteilt. Dazu gibt es folgende "Verkleidungsstücke": gelbe Kreppbänder für die Rollen derjenigen, die das Verbot bekommen und rote Kreppbänder für die/ denjenigen, die/der das Verbot versucht durchzusetzen. Die Kinder, die keine Rolle haben, können als Beobachter/innen die einzelnen Rollen während des Spiels (z.B. mit einem Fragebogen) analysieren.

Dann gibt es ein Startsignal. Es ist wichtig, dass es von dem/r Gruppenleiter/in gegeben wird, weil sonst der Schluss des Rollenspiels nicht kontrollierbar ist. Jetzt kann es losgehen. Nach einer gewissen Zeit (2-4 Minuten) beendet der/die Gruppenleiter/in das Spiel und alle schlüpfen wieder aus ihrer Rolle heraus.

Nach jeder gespielten Situation setzt ihr euch im Kreis zusammen. Für die Nachbesprechung hast du für jedes Kind ein rotes, ein oranges, ein gelbes und ein grünes Kärtchen vorbereitet. Diese Kärtchen sollen den Kindern als "farbige Argumentationshilfe" dienen — grün für zustimmend, gelb für eher zustimmend, orange für eher nicht zustimmend und rot für nicht zustimmend — und dir als Gruppenleiter/in ein erstes Stimmungsbild vermitteln, damit du gleich genauer weißt, welche Fragen du an welches Kind stellen kannst.

Gemeinsam überlegt ihr nun, wie es euch in den einzelnen Rollen ergangen ist. Dazu bist du als Gruppenleiter/in in der Moderationsrolle und die Kinder können zuerst mithilfe der Kärtchen und wenn sie wollen anschließend auch verbal Rückmeldung zum Rollenspiel geben. Wichtig ist dabei an deiner Rolle als Moderator/in, dass du nach der Stimmungsrunde konkrete Fragen an die Kindern stellst, um ein Gespräch in Gang zu bringen. Es sollte jedoch niemand gezwungen werden, etwas zu sagen.

Mögliche Fragen wären:

  • Hast du dich un/wohl gefühlt in deiner Rolle?
  • Was war schwierig, was war leicht, warst du enttäuscht/verärgert?
  • Hast du dich verstanden gefühlt?
  • Hast du die andere Seite verstanden?
  • Was war besonders herausfordern an dieser Situation?
  • Hast du so etwas Ähnliches schon einmal erlebt?


Warum ist das so? Verbotememory


Für dieses Spiel hast du verschiedene Verbotsschilder gemalt — sowohl solche, die man im Straßenverkehr findet, als auch solche, die Verbote von Zuhause ausdrücken und alle in 2 Hälften zerschnitten. Auf der Rückseite der einen Hälfte steht, wie die Eltern, Leher/innen oder das Gesetz dieses Verbot begründen. Auf der anderen Hälfte steht, wie Kinder (oder andere Menschen) gegen dieses Verbot argumentieren würden. Diese Hälften liegen nun vor den Kindern auf dem Tisch, sodass die beschriebene Seite für die Kinder sichtbar ist. Ein Kind beginnt. Es liest die beschriebene Seite eines Halbkreises laut vor und dreht das Kärtchen um, sodass nun die Hälfte eines Bildes sichtbar wird. Nun sollen die anderen Kinder den zweiten Teil dazu finden. Dazu schauen sie sich die beschriebenen Seiten genau an. Wenn jemand glaubt, die passende zweite Hälfte gefunden zu haben, deckt er/sie die Karte auf, und überprüft es am Motiv. Ist es die richtige Karte, legt er/sie beide Hälften zusammen und darf eine neue Karte vorlesen, zu der wiederum die zweite passende Hälfte dazu gesucht wird.

Es sollten ein paar leere Schilder überbleiben, damit von den Kindern auch noch eigene Schilder erfunden werden können (eventuell zu den Situationen, die am Anfang gesammelt wurden) und sie dadurch selbst über beide Seiten der Argumentation ins nachdenken kommen.

Ein Beispiel für ein Memory-Paar:

  • Verbot: am Sofa essen
  • Bild: Essen und Sofa durchgestrichen
  • Argument dafür: das Sofa bekommt Flecken, die nicht mehr rausgehen
  • Argument dagegen: es ist wirklich am bequemsten am Sofa zu essen


Die Welt ohne Grenzen — eine Fotoexperiment


Hier geht es darum, sich vorzustellen, wie es wäre, wenn es keine Regeln und Grenzen im Alltag und in der Gesellschaft gäbe. Diese Eindrücke sollen die Kinder zuerst in Kleingruppen sammeln und zu Papier bringen. Anschließend trifft sich die ganze Gruppe, um auszutauschen, welche Situationen gefunden wurden und um zu besprechen, welche Kleingruppe welche Fotos stellt. Außerdem wird für jede Kleingruppe ein Ort festgelegt, an dem sie arbeiten können.

Nun gibt es Zeit zum kreativen Tun — um Kulissen und Verkleidung herzurichten. Nach Ablauf einer vorher abgemachten Zeit geht der/die Gruppenleiter/in durch und fotografiert alle Szenen ab. Mit den Ergebnissen kann in der darauf folgenden Stunde ein Plakat gestaltet werden, die Kinder sollen in der Woche bis zur kommenden Stunde besonders auf ihre Erlebnisse bezüglich Grenzen achten — vielleicht kann man sie in diesem Plakat verarbeiten.

Autor/in: Sara Dallinger

Publikation: Kumquat "Tabu" 3/2009

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