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Lasst die Kinder sprechen!

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Wir leben in einer Welt der Erwachsenen. Diese sind die Entscheidungsträger/innen, die den Lauf der Welt und meist auch die Geschicke von Kindern maßgeblich mitbestimmen. Zum einen Teil ist dies gut, da es dem Schutz der Kinder dient und man diese nicht sich selbst überlassen kann, zum anderen wäre es aber wünschenswert, Kinder öfter selbst zu Wort kommen zu lassen und sie dazu anzuregen, für sich selbst zu sprechen, damit sie auch später zu mündigen Menschen heranwachsen können. Dies geschieht in der Jungschar einerseits implizit, indem Kinder hier ernst genommen werden, sie beteiligt werden an der Jahresplanung der Gruppenstunden und ihre Ideen aufgegriffen und umgesetzt werden. Andererseits kann man auch explizit Gruppenstunden rund um das Thema gestalten. Im Folgenden findest du einige Ideen, wie das konkret aussehen kann.

Material

  • Zettel
  • Stifte
  • rote und grüne Klebepunkte bzw. Kärtche mit Symbolen

 

Mit offenen Augen, Ohren & Mündern...


In der Vorwoche zu der Gruppenstunde, in der du das Thema "Kinder zu Wort kommen lassen" gerne behandeln möchtest, kannst du deinen Kindern ein paar Impulsfragen mitgeben und sie auffordern in der kommenden Woche darauf zu achten, wo sie das Gefühl haben nicht zu Wort zu kommen, von anderen vielleicht bevormundet zu werden, oder wo andere ihnen Entscheidungen abgenommen haben, die ich gerne selber getroffen hätte?

In der Woche darauf, sollen die Kinder erzählen, was ihnen für Situationen aufgefallen sind: Wurden sie nicht miteinbezogen in die Entscheidung wohin der Klassenausflug geht, was die Familie am Sonntagnachmittag macht, durften sie im Restaurant ihre Bestellung nicht selber sagen, haben die Eltern geantwortet, als eigentlich eine Frage an das Kind gestellt wurde,...

Abgeben oder selber entscheiden?


Du versuchst die Dinge, die die Kinder vorbringen auf Zetteln zu notieren, vielleicht sind ja einige dabei, die mehrere Kinder vorbringen, oder zumindest nachvollziehen können. Nachdem alle Kinder ihre Beispiele gebracht haben, schaut ihr nun gemeinsam, welche dieser Entscheidungen ihnen vielleicht gerechtfertigterweise abgenommen wurden bzw. wo es gut war, dass sie nicht antworten durften oder aber auch mussten und wo es schlichtweg nicht fair oder auch nicht ideal ist, dass sie nicht mitsprechen durften.

Hierfür können die Kinder in einem ersten Schritt Punkte auf die Kärtchen kleben: Grüne für Zustimmung, also dass sie es nachvollziehen können, warum sie nicht selber sprechen durften, und rote für Widerspruch, bei Situationen wo sie so ein Vorgehen bzw. Verhalten nicht gut finden. (Statt Punkten kannst du auch kleine Zettelchen vorbereiten mit verschiedenen Symbolen. Statt grüner Punkte z.B. einen Finger vor dem Mund, der Pst! zu sagen scheint und statt den roten Punkten kleine Megaphone). Anschließend sucht ihr euch einige heraus, über die ihr diskutieren wollt. Kinder haben hier oft sehr unterschiedliche Sichtweisen und werden sicherlich verschiedene Standpunkte haben. Hier ist deine Rolle als Gruppenleiter/in bzw. Moderator/in gefragt, um die Diskussion gut zu begleiten.

Kinder auf die Kanzel!


Menschen wird nicht nur aufgrund dessen zugehört, wer sie sind (wenn man z.B. annimmt, dass sie etwas wichtiges oder spannendes sagen) und was sie sagen, sondern es gibt auch Attribute und Orte, die dazu führen, Zuhörer/innen anzuziehen. Wenn man zum Beispiel auf einem Platz auf einem Podest steht, an einem Pult mit Mikrofon oder in der Kirche auf der Kanzel, erweckt der/die Sprechende mehr Aufmerksamkeit und allein die Tatsache, dass man dort steht, wo sonst auch immer "wichtige" Leute stehen, schafft einem mehr Gehör.

Ein so ein Ort ist auch der Speaker’s Corner im Hyde Park, der offen steht für Menschen und ihre Anliegen diversester Art. Auch für Kinder kann es toll sein, wilde Reden zu schwingen, sei es zu Themen, die ihnen wirklich am Herzen liegen, z.B. warum der Spielplatz in Pfarrnähe erneuert werden muss, oder für eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Familie eines guten Freundes, sei es aber auch zu "absurderen Themen", wie z.B. gegen zu krumme Bananen, oder für mehr Akzeptanz gegenüber Schweißfußgeruch. Auch bei solchen Themen erfahren Kinder, wie man sich ausdrücken kann und dass es auch wert ist gehört zu werden, selbst wenn es keine "weltbewegenden" Dinge sind, die man von sich gibt.
Als Vorübung, damit die Kinder nicht gleich alleine eine Rede halten müssen, kannst du verschiedene Themen auf Zettel schreiben und diese im Raum verteilen. Die Kinder können sich nach Lust und Laune kurz hinstellen und diskutieren, also auch durcheinander rufen und dann rasch zum nächsten Thema wechseln. Danach können die Sprecher/innen eine Zeit lang die Aufmerksamkeit aller haben und sich auch andere Themen, die vorher schon erwähnt wurden, aussuchen.

Vielleicht habt ihr sogar die Möglichkeit, in eurer Kirche die Kanzel zu benützen und hier die Kinder in die einmalige Position schlüpfen zu lassen, von dort hinunter zusprechen, vielleicht über ihre Vision einer kindgerechten Pfarre. Danach könnt ihr auch darüber reden, wie das Gefühl war, dort oben zu stehen und was die anderen, zuhörenden Kinder dabei empfunden haben.

Schreimauer


Oft ist es nicht einfach, gehört zu werden, und manchmal muss man dazu sich erst Gehör verschaffen, zum Beispiel indem man etwas lauter wird. Zum Abschluss der Stunde kann man dies auf folgende Weise spielerisch üben: Ihr bildet zwei Gruppen, die sich in einigen Metern Entfernung gegenüber stehen. Nun wird ein Kind aus einer Gruppe gebeten sich hinter die gegenüberliegende Gruppe zu stellen, und seinen Mitspieler/innen einen Begriff oder einen Satz zuzurufen. (Je nachdem, was in eurer Gruppenstunde für Themen aufgekommen sind, kann man ja Begriffe daraus für dieses Spiel aufgreifen.) Die andere Gruppe versucht, so laut zu schreien, dass der Begriff des Kindes hinter ihnen, in ihrem Geschrei untergeht, also eine "Schreimauer" aufzubauen. Wenn es erkannt wird, oder das Kind nicht mehr rufen möchte wird gewechselt und ein Kind aus der anderen Gruppe versucht nun, die Schreimauer mit seinen/ihren Worten zu durchbrechen.

Autor/in: Clemens Huber

Publikation: kumquat "Abschied" 2/2009

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