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Das ist nicht für uns alle da

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

"Das ist für uns alle da" ist das Konzept des öffentlichen Eigentums. Damit sind Güter und Räume gemeint, die für jede/n frei und ohne Bezahlung zugänglich und nutzbar sind. Auf nationaler wie auf internationaler Ebene gibt es in den letzten Jahrzehnten eine starke Tendenz, dass sich der Staat aus vielen Bereichen zurückzieht. In den vergangenen Jahren wurde auch die Privatisierung jener öffentlichen Dienstleistungen diskutiert, die bisher zu den ureigensten Aufgaben des Staates gezählt wurden: Entsorgung von Abwasser und Müll, Versorgung mit Wasser und Energie, Gesundheit, Bildung, Kommunikation, Verkehr, etc.

Die Argumentation ist immer ähnlich: Mit dem Rückzug des Staates aus diesen Bereichen soll das Angebot besser und billiger werden und neue Arbeitsplätze sollen entstehen, die wiederum für mehr Konsum, größeres Wirtschaftswachstum und höheren Wohlstand sorgen werden. Der Staat als Eigentümer oder Dienstleister wird dabei immer als die schlechtere Lösung dargestellt. Es gibt aber viele Beispiele, die genau das Gegenteil belegen.

Privatisierung (das Wort "privare" bedeutet übrigens "rauben") führt meist nicht zu einer Verbesserung, sondern eher zu massiven Verschlechterungen in Qualität, Verfügbarkeit und Preis, geht es doch den Anbieter/innen um die Maximierung ihres Gewinns und weniger um Qualität, sozialen Ausgleich und das "Gemeinwohl", welches doch
Hauptanliegen des Staates bleiben sollte. Oft werden Regierungen zu Privatisierungsmaßnahmen getrieben: Weltbank und Internationaler Währungsfonds verordnen wirtschaftlich schwachen und hoch verschuldeten Ländern Wirtschaftsreformen als Bedingung für weitere Kredite. Diese "Strukturanpassungsprogramme" meinen genauso die Zurückdrängung des Staates, um den Markt für private Investoren zu öffnen.

Dieses Gruppenstundenmodell bietet die Gelegenheit, sich grundsätzlich mit Fragen um öffentliches und privates Eigentum auseinander zu setzen und damit, welche Ideen und Werthaltungen dahinter stehen können.

Ziel

Die Kinder erarbeiten und erfahren die Unterschiede zwischen Dingen, die jemandem privat gehören und daher auch privat genutzt werden, und Dingen, die sozusagen allen gehören und daher auch von allen genutzt werden können, den öffentlichen Gütern. Sie überlegen Vor- und Nachteile, wenn etwas privat oder öffentlich ist, und diskutieren, welche Güter für alle oder nur für bestimmte Personen nutzbar sein sollten.

Material

 

Alleine oder gemeinsam


Als Einstieg in das Thema werden Gegensatzpaare gesucht. Im Raum verteilt liegen Kärtchen mit Begriffen oder Abbildungen (zum Beispiel mit: Scooter, Auto, Kinderzimmer, Stehlampe, Garten, Klettergerüst, U-Bahn, Park, Straßenlaterne, Bücherei). Bildmaterial findest du auf der Homepage http://wien.jungschar.at/kumquat. Du forderst die Kinder auf, die zusammengehörenden Bilder oder Begriffe zu finden. Es handelt sich immer um Paare mit ähnlicher Funktion, zum Beispiel Scooter und Klettergerüst (spielen im Freien) oder Auto und U-Bahn (Transportmittel). Diese Aufgabe ist bestimmt schnell gelöst. Nun gilt es, die Kärtchen zuzuordnen. Ihr schaut euch die Karten gemeinsam an und du stellst jeweils die Frage: Ist das etwas, das jemand alleine oder das viele verschiedene Personen benutzen? Auf die linke Seite legst du alle Kärtchen, die "alleine", auf die rechte Seite alle, die "gemeinsam" genutzt werden.

Lösung:
Alleine: Scooter, Kinderzimmer, Stehlampe, Garten, Auto.
Viele verschiedene Personen: Klettergerüst, Bücherei, Straßenlaterne, Park, U-Bahn.
Wie ist das mit anderen Dingen zu Hause, in der Schule, in der Pfarre? Ihr sammelt gemeinsam Gegenstände, die zu Hause, in der Schule oder in der Pfarre verwendet werden: Von einer Person oder von vielen verschiedenen Personen. Wenn den Kindern keine Beispiele einfallen, dann bringst du Vorschläge, wie zum Beispiel: Zahnbürste, Seife, Fahrrad, Straßenbahn, Puppe, Brettspiel, Zeitung, Kochtopf, Häferl, Wasser, Bücher, Schulhof, Zimmerpflanze, Jausenbrot, Spielplatz, Gruppenraum, Kirche etc.

Sie werden auf Kärtchen geschrieben oder gemalt, danach besprecht ihr, wie das bei diesen Dingen ist. Werden sie von einer Person oder von vielen verschiedenen benutzt? Wenn die Erfahrung der Gruppe bei einem Kärtchen einheitlich ist, dann wird das Kärtchen wie vorher auf den jeweiligen Stapel "alleine" oder "gemeinsam" abgelegt. Da, wo es Unterschiede gibt, werden die Kärtchen auf einem dritten Stapel in der Mitte gesammelt. Die drei Stapel werden zur Seite gelegt, denn die Gruppe braucht sie noch einmal. Nach diesen ersten Überlegungen zu alleiniger oder gemeinsamer Nutzung geht es in der folgenden Geschichte darum, was passiert, wenn plötzlich etwas, das bisher alle nutzen konnten, nur noch für bestimmte Personen zur Verfügung steht.

Was wäre wenn...


...der Park nur mehr mit Schlüssel benutzbar wäre?
Aus dem aktuellen "Gemeindeblatt" liest du folgende Veranstaltungsankündigung vor:
Park steht vor Schließung! Unser Park soll demnächst geschlossen werden. Nur wer einen Schlüssel hat, darf in Zukunft diese Erholungsstätte betreten. Diese neue Regelung sorgt für große Aufregung in der Gemeinde. In einer Bürger/innenversammlung soll dieses brisante Thema nun diskutiert werden. Kommen Sie und diskutieren Sie mit, es geht um die Zukunft unseres Parks!

Ihr könnt das Thema auch variieren und die Rollen dementsprechend anpassen, z.B.: Was wäre wenn ... der Badeteich nur mehr mit Schlüssel benutzbar wäre?

In Rollen hineinversetzen


Wer mitspielen möchte, bekommt eine Rollenbeschreibung. Möchten weniger oder mehr Kinder mitspielen, als Rollen zu vergeben sind, dann werden Rollen weggelassen oder dazu erfunden (Ehemann oder Ehefrau kommt auch, Finanzrat/Finanzrätin der Gemeinde,...). Aber: Niemandem wird eine Rolle aufgedrängt. Lass die Kinder ihre Rolle frei wählen.
Nun gilt es, sich in die jeweilige Rolle hineinzuversetzen: Damit jede/r besser in die Rolle schlüpfen kann, hast du Requisiten mitgebracht (Hüte, Tücher, Brillen etc.), zumindest aber Namensschilder mit den Rollennamen zum Anheften.

Wilma/Wilfried (Obdachlose/r):
Du genießt es, deinen Tag im Park zu verbringen, dich dort in der Sonne aufzuwärmen, den Kindern beim Spielen zuzuschauen, den ein oder anderen Bekannten zu treffen... Wenn der Park nicht mehr für alle offen ist, wo sollst du dann deinen Tag verbringen? Denn für fast alles sonst brauchst du Geld: um ins Café, Kino, Theater, Museum oder was auch immer zu gehen. Für die U-Bahn brauchst du ein Ticket, im Shoppingcenter bist du nicht gern gesehen. Nur im Park konntest du bisher ungestört auf der Bank sitzend den Tag genießen...

Frau/Herr Müller (Anrainer/in):
Du wohnst in einer Wohnung gleich neben dem Park. Du bist froh, wenn der Park nicht mehr für alle offen ist. Endlich werden dich die Kinder im Park nicht mehr bei deinem Mittagsschläfchen stören und überhaupt ist es doch sehr angenehm, wenn der Park ruhig und verlassen ist, fast als wäre es dein eigener Garten...

Astrid und Robert (10 und 12 Jahre alt):
Nach der Schule trefft ihr euch mit euren Freund/innen im Park, um dort zu spielen. Wenn der Park nicht mehr für alle offen ist, dann wisst ihr nicht, wo ihr spielen sollt. Vor allem wollt ihr nach der Schule draußen sein, an der frischen Luft. In der Schule und zu Hause müsst ihr immer leise sein, im Park konntet ihr zumindest auch lautere Spiele spielen...

Bürgermeister/in:
Du willst den Park verpachten. Dafür hast du mehrere Gründe: Zum einen haben sich oft Menschen beschwert, dass es so laut ist im Park — die Kinder schreien herum und spielen so laut, dass ihre Ruhe gestört wird. Außerdem wird so viel kaputt gemacht! Zum Beispiel ritzen Liebespaare ihre Namen in die Parkbank, Mistkübel werden beschmiert usw. Das kostet jedes Jahr sehr viel Geld. Und dann die Obdachlosen. Müssen die unbedingt in aller Öffentlichkeit sitzen? Und manche von ihnen stinken! Da ist es doch wirklich besser, wenn sich jetzt eine Firma um den Park kümmert. Die soll schauen, wie sie das Geld für die Reparaturen herein bekommt. Und der ganze Ärger drumherum ist nicht mehr bei dir im Rathaus.

Herr/Frau Rosenheimer (Leiter/in der Parkverwaltungsgesellschaft):
Parks, besonders die schönen alten Parks mit den alten Bäumen, sind dir ein Anliegen. Sie sollen schön bleiben, dafür sorgt deine Firma. Deswegen werden die Parks gepachtet und abgeschlossen. Nur wer eine Dauerbenutzungskarte kauft, bekommt einen Schlüssel für den Park. Wer dann den Park beschädigt, dem wird der Schlüssel wieder abgenommen. Mit dem Geld für die Benutzungskarten wird alles repariert und Instand gehalten. Und in ein paar Jahren lässt sich der Park bestimmt noch teurer verkaufen...

Version für Ältere:
Für Ältere können die Rollenbeschreibungen weggelassen werden. Für sie kann es spannender sein, die Rollen selbst zu entwickeln: Welche Personen nehmen teil? Welche Interessen haben sie, wie werden sie argumentieren? Die eigenen Erfahrungen mit Kontakten, aber auch mit Konflikten im Park können hier eingebracht werden.

Bürger/innenversammlung


Du als Gruppenleiter/in übernimmst die Rolle des/der Moderators/in. Für die Diskussion bei der Bürger/innenversammlung sollten etwa 15 Minuten Zeit sein.

Ein Sessel bleibt frei für Kinder aus dem Publikum, die am Beginn nicht mitspielen wollen, sich aber später doch einbringen möchten. Sie sind weitere Gemeindemitglieder, die zeitweise in die Diskussion einsteigen. Sie nehmen dann auf diesem Stuhl Platz und stellen sich vor. Wollen mehrere Kinder später mitwirken, werden weitere Sessel dazugestellt. Als Moderator/in führst du in das Thema ein, stellst die Gäste vor (siehe Rollenbeschreibungen) und verkündest, dass bei dieser Versammlung alle Anliegen einmal gehört werden sollen. Möglicherweise werden hier keine Lösungen gefunden, aber alle lernen die Positionen der anderen kennen. Dann eröffnest du die Diskussion. Während der Diskussion schreibst du die Pro- und Contra-Argumente auf Kärtchen mit. Achte beim Moderieren darauf, dass jede/r, der/die möchte, zumindest einmal drankommt, und beschließe die Diskussion mit einer Abschlussrunde, in der sich jede/r noch einmal äußern kann. Als Gruppenleiter/in (in diesem Fall als Moderator/in) kannst du Impulse setzen und das Geschehen zum Laufen bringen, zum Beispiel durch eine Einleitung, durch Fragen usw. Wenn das Spiel in eine bestimmte Richtung läuft (ein Konflikt eskaliert, jemand fühlt sich in seiner/ihrer Rolle nicht wohl, es wird langweilig,...) kannst du auch korrigierend eingreifen und den Verlauf in eine andere Richtung lenken.

Damit die Kinder nach dem Spiel wieder gut aus ihren Rollen aussteigen können, werden die Namensschilder abgelegt und eventuell wird für die Weiterarbeit der Platz gewechselt (zum Beispiel geht ihr in eine andere Ecke des Raumes). Wenn ihr jetzt, nach dem Spiel, über die Rollen sprecht, beachte, dass dabei nicht über die Kinder gesprochen wird (der Karli hat...), sondern über die von ihnen gespielten Figuren (Obdachlose/r, Bürgermeister/in,...).

Pro&Contra


Du legst die Kärtchen mit den von dir während der Diskussion gesammelten Pro- und Contra-Argumenten auf. Gemeinsam besprecht ihr diese Argumente und überprüft sie nochmals an den Kärtchen mit den Gegenständen vom Beginn der Stunde. Natürlich besteht die Möglichkeit, jetzt noch weitere Kärtchen für Argumente oder für Gegenstände einzubringen.

Gemeinschafts-Plakat


Als Abschluss könnt ihr ein Plakat gestalten, auf das ihr die Dinge klebt und malt, bei denen ihr euch einig seid, dass sie allen gehören sollten. Ihr könnt es mit "Das ist für uns alle da!" betiteln und auch die von euch gesammelten Argumente dazukleben.

Autor/in: Clara Handler

Publikation: kumquat "warum?" 1/2008

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