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Bollywood! Sometimes Happy — Sometimes Sad- Bausteine für 11- bis 14-jährige

Gruppenstunde Bausteine | Alter: 11-14 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Filme aus Indien sind in den letzten Jahren in Europa sehr populär geworden, die farbenprächtigen und aufwändigen Produktionen erfreuen sich großer Beliebtheit. Vor allem das für uns auf den ersten Blick Exotische und Ungewöhnliche an diesen Filmen ist oftmals ein interessanter Kontrapunkt zu den zahlreichen, im Westen geläufigen.
Unter dem Stichwort Bollywood wird die indische Filmindustrie zusammengefasst, die Wortkreation vermischt den alten Namen "Bombay" der Stadt Mumbai mit der westlichen Filmmetropole Hollywood. Obwohl dieser Begriff in Indien selbst nicht unbedingt auf Zustimmung stößt, weil die indische Filmindustrie sehr eigenständig ist und nicht der Eindruck erweckt werden soll, dass man sich an Hollywood orientiert.

Es wäre falsch zu glauben, dass alle indischen Filme in der Hauptstadt Mumbai produziert werden. Indien ist ein riesiges Land, in dem über 100 Sprachen gesprochen werden und es ist schwierig, allgemeingültige Aussagen über den ganzen Subkontinent zu treffen. Neben Mumbai sind noch die südlichen Bundesstaaten Andra Pradesh und Tamil Nadu als wichtige Orte der Filmindustrie zu nennen. Und diese ist ein enorm wichtiger Wirtschaftszweig des Landes: Pro Jahr werden in Indien bis zu 900 Filme gedreht, jeden Tag erwerben mehr als 11 Mio. Inder/innen eine Kinokarte!

Filmkritiker/innen stellen angesichts dieser enormen Zahlen immer wieder eine enge Beziehung zwischen Kino und Religion her. Diese Parallele hat mehrere Komponenten: die Inhalte indischer Filme, das Vergöttern der Filmstars und das Kino als gesellschaftlicher Treffpunkt. Als ich in Indien war, habe ich Kino als wichtigen Ort des Zusammenkommens (vor allem von Männern) kennengelernt. Ein durchschnittlicher indischer Kinofilm dauert drei bis vier Stunden. Dazwischen gibt es Pausen, die Stimmung während des Films ist aber nicht zu vergleichen mit der in österreichischen Kinos. Da wird nebenbei geplaudert, mitgesungen, man geht dazwischen hinaus,... Ich habe damals einen wichtigen Blockbuster mit einem Superstar des Films im Bundesstaat Tamil Nadu gesehen. Die meisten Kinobesucher hatten den Film schon mehrere Male gesehen.

Die Stellung der Filmstars ist eine sehr wichtige, sie sind beachtete Rollenvorbilder und nicht selten kommt es vor, dass populäre Schauspieler/innen nach ihrer Karriere im Film Politiker/innen werden. Das Auftreten der Stars spielt demnach eine wichtige Rolle und gesellschaftlich nicht anerkannte Fehltritte werden nicht geduldet. Jüngstes Beispiel dieser Einstellung war der öffentliche Kuss, den Richard Gere der bekannten Schauspielerin Shilpa Shetty auf die Wange drückte. Eine Welle der Empörung war das Echo, denn es ziemt sich nicht, dass eine Frau in der Öffentlichkeit geküsst wird — schon gar nicht, wenn es nicht der Ehemann ist, der das tut. Hier ist auch hinzuzufügen, dass von den Filmstars erwartet wird, dass sie den vorgegebenen Geschlechterrollen entsprechen. Frauen haben Schönheitsideale zu erfüllen, z.B. möglichst helle Haut zu haben. Nicht alle Filme erwecken das Wohlgefallen der indischen Öffentlichkeit. Ein wichtiger alternativer indischer Film war z.B. "Fire", in dem es um die Liebesbeziehung zweier Frauen geht. In Indien fand dieser Film im Gegensatz zu Europa wenig Anklang, sondern löste einen Sturm der Entrüstung aus.

Zum Inhalt typischer indischer Filme ist zu sagen, dass es einige Merkmale gibt, die diese ausmachen. Wichtige Rollen spielen die Filmmusik und die Tanzsequenzen, in denen die verschiedenen traditionellen lokalen Kulturen eingebracht werden und mit modernen, teilweise westlichen Einflüssen vermischt werden. Weiters sollte jeder typische indische Film alle neun Rasas, die traditionell überlieferten Bestandteile indischer Kunst, enthalten: Liebe, Komik, Wundersames, Friedvolles, Wut, Mut, Trauer, Schre-cken und Ekel. Es ist also nicht verwunderlich, dass die meisten indischen Filme einige Stunden dauern, um all diese Aspekte vereinbaren zu können.

"Bollywood" ist ein sehr spannendes und vielschichtiges Thema. Die Filme sind einerseits sehr schön anzusehen, aber oft auch reichlich skurril. Außerdem muss man sagen, dass viele der in Indien kommerziell erfolgreichen Filme gerade die Geschlechterrollen nicht kritisch reflektieren, sondern diese einfach reproduzieren.
Für die Gruppenstunde kann es sehr interessant sein, in diese eigene Welt einzutauchen, wichtig dabei ist, nicht allzu sehr in den Klischees, die diese Filme auch herstellen, verhaften zu bleiben.
In diesem Modell sind viele Ideen beschrieben, was du zum Thema Bollywood in der Gruppenstunde machen könntest. Da das Thema sehr vielschichtig ist, kannst du zeitlich sicher nicht alle diese Ideen in einer Gruppenstunde unterbringen. Je nachdem, wie sehr deinen Kindern das Thema gefällt, kannst du verschiedene dieser Bausteine verwenden und in einer oder mehreren Gruppenstunden einbauen.

 

Variante 1) Die neun Rasas


Die neun Rasas sind überlieferte Bestandteile traditioneller indischer Kunst, in kommerziell erfolgreichen Bollywoodfilmen kommen meist alle diese Rasas vor. Rasas sind also wichtige Zutaten verschiedenster Formen indischer Kunst, ein vollkommenes Kunstwerk, wie eine Geschichte oder eben ein Drehbuch, soll diese Gefühle und Aspekte enthalten. Die Rasas sind gleichsam wichtige Elemente des Lebens an sich: Liebe, Komik, Wundersames, Friedvolles, Wut, Mut, Trauer, Schrecken und Ekel. Eine Geschichte, die all das aufweist, verspricht ein sehr abwechslungsreiches, manchmal auch verwirrendes Drehbuch zu werden.

In einer Gruppenstunde zu den neun Rasas könnt ihr euch überlegen, was so eine Regel für westliche Filme heißen würde und stellt dann ein Drehbuch zusammen:

Als Einstieg hast du ein Plakat vorbereitet, auf dem sehr viele Begriffe stehen, die einen Film auszeichnen können oder Themen für einen Film sein können. Also z.B. Action, Spannung, Rache, Romantik, Verbrechen, Phantasie,... Schreibe auch die neun Rasas dazu. Nun können sich die Kinder in Kleingruppen (z.B. zu dritt) überlegen, welche dieser Begriffe für sie in einem tollen Film vorkommen sollten. Anschließend tauschen sich die Kleingruppen über ihre jeweiligen Ergebnisse aus.
Dann stellst du die neun Rasas vor und erklärst kurz ihre Bedeutung für indische Filme.
Anschließend spielt ihr ein Spiel zu den Rasas: Auf Mimik und Körpersprache wird in indischen Filmen besonders geachtet und diese werden oftmals für unsere Augen etwas übertrieben dargestellt. Nun könnt ihr das ausprobieren. Du hast die neun Begriffe auf Zettel geschrieben und im Gruppenraum aufgehängt. Nun versucht ihr, die Rasas darzustellen, indem ihr verschiedene Gesichtsausdrücke macht. Dazu spielt ihr das Spiel Wortsalat, bei dem sich jedes Kind ein 4-silbiges Wort ausdenkt. Ein Kind sagt das Wort in einer bestimmten Stimmung (traurig, verliebt,...) — allle anderen sagen ihr eigenes Wort gemeinsam der Stimmung nach. Dabei könnt ihr dann raten, welcher Begriff gerade dargestellt wird. Wenn ihr die Rasas schon alle probiert habt und es noch Spaß macht, könnt ihr natürlich auch andere Emotionen oder Begriffe von der Liste von vorhin darstellen.

Nun überlegt ihr, welche Arten von Filmen oder auch konkrete Filme und Serien, die ihr kennt, euch zu den neun Rasas jeweils einfallen, z.B. zu Wundersames: Harry Potter; zu Liebe: Gilmore Girls oder zu Mut: Herr der Ringe etc. Sammelt diese Begriffe und Filme auf einem Plakat. Zu manchen Begriffen werden euch vielleicht wenige Filme einfallen, dann könnt ihr ja überlegen, was für Szenen euch dazu einfallen, die ihr schon einmal gesehen habt, in denen sich z.B. jemand sehr geärgert hat oder sehr mutig war. Ihr könnt natürlich auch einen Film zu mehreren Rasas schreiben.
Anschließend schaut euch eure Sammlung noch einmal an und überlegt, wie ein Film nun ausschauen würde, der alle diese Elemente enthält. Dazu überlegen sich die Kinder zunächst in Kleingruppen Szenen oder Standbilder zu jedem Rasa. Zum Thema Ekel wird dann von einer Gruppe zum Beispiel eine kurze Szene oder ein Standbild ausgedacht, anschließend zeigen alle ihre Ergebnisse her.

Anschließend versucht ihr nun, ein "Drehbuch" zusammenzustellen. Dabei könnt ihr unterschiedlich vorgehen: Eine Möglichkeit ist, aus all den bekannten Filmen, die ihr vorher gesammelt habt, einen Film zu machen. Ihr vermischt also einfach die verschiedenen Geschichten aus den Filmen, die ihr kennt, und erfindet Szenen, die Elemente von ganz verschiedenen Filmen enthalten, z.B.: "Harry Potter und die Hobbits sind bei den Gilmore Girls auf Besuch und gehen shoppen". Eine andere Möglichkeit ist, die Standbilder bzw. Szenen zu den verschiedenen Rasas, die ihr vorher vorgespielt habt, zu einer großen Geschichte zu verweben und so auf ein Drehbuch zu kommen.
Um Ideen für das Drehbuch zu bekommen, könnt ihr auch ein Brainstorming machen: Auf ein Plakat schreibt ihr einen Begriff und alle können frei dazu assoziieren. Wenn ihr das Drehbuch fertig habt, also eine grobe Geschichte, könnt ihr — in Kleingruppen — sogenannte Storyboards machen. Das sind in der Filmbranche Zeichnungen von Szenen, die eine Stimmung rüberbringen sollen. Die wesentlichen Szenen werden also grob und skizzenhaft gezeichnet und dienen dann dafür, Kulissen und Kostüme zu erstellen. (Ihr könnt natürlich stattdessen auch Fotos machen.) Die Storyboards können das Endergebnis eurer Gruppenstunde sein. Diese erzählen dann ähnlich wie ein Fotoroman die Geschichte eures Films.
Wenn es allen viel Spaß macht, könnt ihr gemeinsam auch überlegen, ob ihr den Film wirklich drehen wollt. Das ist eine wirklich witzige Sache, aber auch sehr aufwändig, das muss dir bewusst sein. Ein Gruppenwochenende eignet sich sehr gut, um so einen Filmdreh zu organisieren. Es ist empfehlenswert, so ein Projekt in einer großen Aktion durchzuführen, anstatt in vielen kleinen Einheiten, weil sonst der Spaß an der Sache oft schnell verloren geht.

Variante 2) Tänze, Lieder, Szenerien,...


Wie schon erwähnt, spielen Tänze und Lieder eine wichtige Rolle in indischen Filmen. Ähnlich wie in Musicals werden in den Liedern und Tänzen die Gefühle der Charaktere veranschaulicht und dargestellt.

Für diesen Baustein solltet ihr euch auf jeden Fall Szenen aus indischen Filmen anschauen, damit deine Jungscharkinder einen Eindruck bekommen. Wenn du in einer Videothek nach Bollywoodfilmen fragst, wird es sicher eine Auswahl geben. Bekanntere Filme, die auch in Österreich in den Kinos waren sind z.B. "Sometimes Happy, Sometimes Sad" oder auch "Monsoon Wedding". Vor allem im ersten von den beiden wirst du aufwändige Tanzszenen und auch Lieder finden. In "Monsoon Wedding" gibt es auch sehr schöne und stimmungsvolle Szenen, obwohl man sagen muss, dass dieser Film eher auf westliches Publikum ausgerichtet ist und deswegen nicht so viele für uns fremde bzw. schräge Elemente enthält.

Suche dir auf jeden Fall vor der Gruppenstunde passende Szenen heraus, die du den Kindern dann vorspielst, erzähle den Kindern evtl. eine kurze Zusammenfassung des jeweiligen Films oder zumindest, was vor dieser Szene gerade passiert ist.
Es kann natürlich sein, dass deine Kinder nach den Szenenausschnitten Lust auf den ganzen Film haben, das kannst du dann z.B. für die nächste Gruppenstunde einplanen. Die angegebenen Filme sind für Kids ab 11 Jahren durchaus geeignet, obwohl es bei "Sometimes Happy, Sometimes Sad" sein kann, dass er eben etwas zu langatmig ist.

Im Folgenden sind Ideen beschrieben, was du im Anschluss daran mit deinen Kids machen kannst:

Tanzen wie in Bollywood


Wenn das deinen Kids Spaß macht, könnt ihr versuchen, Choreographien nachzutanzen. Wichtig dabei ist, dass ihr euch nicht überfordert. Such die Tanzszenen also sorgfältig aus. Eine Möglichkeit ist auch, dass ihr nur einzelne Elemente und Schritte aus den Tanzszenen herausnehmt und aus diesen dann eine eigene Choreographie macht. Dabei könnt ihr ja auch einfachere Tanzschritte, z.B. aus Gruppentänzen, verwenden und sie mit Gesten oder Elementen aus den indischen Filmen vermischen.

Indische Verkleidungskiste


Lasst euch von den Filmszenen inspirieren und verkleidet euch dazu. Wichtig wäre dabei, dass du viele Tücher oder Stoffe in unterschiedlichen Farben vorbereitest. Du kannst dir auch die Indientaschen aus dem Jungscharbüro ausborgen, in denen auch einige Verkleidungsgegenstände zu finden sind.
Wenn ihr euch verkleidet habt, könnt ihr Fotos machen, ein Filmplakat für einen indischen Film gestalten oder eine Modeschau machen. Als Inspiration kannst du Filmplakate mitnehmen, du findest viele davon im Internet (z.B: auf www.imdb.com, einer Filmdatenbank; oder in einer Suchmaschine danach suchen).

Bunte Stimmungsbilder


Du kannst dir verschiedene Szenen, die verschiedene Stimmungen und Gefühle ausdrücken, heraussuchen und vorspielen. Die Kinder können dann Bilder stellvertretend für die unterschiedlichen Szenen malen. Entweder jedes Kind für sich, oder ihr malt ein großes Bild gemeinsam. Toll sieht es sicher auch aus, wenn jedes Kind ein eigenes Bild malt und ihr diese anschließend zu einem großen Bild zusammenklebt.

Wichtig dabei ist, dass ihr nicht versucht, ein Bild aus der Szene abzumalen, sondern dass ihr eher die Farben der Szene übernehmt und abstrakte Bilder malt — versucht, die Stimmungen, Gefühle, und die Atmosphäre der Situation in Farben auszudrücken. Außerdem sollte das Malmaterial vielfältig sein (Ölkreiden in vielen Farben, Wasserfarben, etc.), weil es auch ansprechend sein kann, verschiedene Maltechniken zu mischen. Das Papier sollte nicht zu klein sein, für jedes Kind mindestens ein A3-Blatt. Es geht also hier vor allem darum, mit den Farben, die in den Szenen vorkommen, zu experimentieren und Stimmungsbilder zu machen.

Literatur:
Muscionico, Daniele: Ein Lächeln reißt den Himmel auf, in NZZ Folio 10/05, 2005
Grefe, Christiane: Träume in Pink, Gold, Orange, in Die Zeit Nr. 39, 21.9.2006
Voykowitsch, Brigitte: Bollywood, Das Kino als moderner Tempel, in Südwind Magazin 12/2005
Wikipedia: Bollywood, http://de.wikipedia.org/wiki/Bollywood, letzter Zugriff am 4.6.2007

Autor/in: Angela Weikmann

Publikation: kumquat "laut" 3/2007

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Schlagwörter: Spiel, Kreativität, Rollenspiel