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Von verschiedenen Reichtümern und Schätzen

Gruppenstunde | Alter: 12-14 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Arm sein und reich sein hat viele Gesichter. Es ist wichtig, die eigenen "Schätze" im Leben zu entdecken: Was ist mir wirklich viel wert? Meine Familie, meine Freundinnen und Freunde, etwas genießen können, Zeit für mich haben, die kleinen und großen Wunder in der Natur entdecken, mein Glaube... Es gibt viele Dinge, die das Leben lebenswert und schön — ja wirklich reich machen, die man aber nicht mit Geld kaufen kann. In der folgenden Gruppenstunde findet ihr Anregungen, euch mit euren Kindern mit den verschiedenen Facetten von Armut und Reichtum auseinanderzusetzen.

Hinweis: Reich oder arm zu sein lässt die meisten nicht kalt. Über dieses Thema zu sprechen löst Emotionen aus. Wir als Gruppenleiter/innen können uns nicht sicher sein, was die Diskussionen bei den Kindern bewirken. Wir wissen vielleicht nicht, welches Kind von welchen Aspekten persönlich betroffen ist. Deshalb ist es wichtig, sensibel mit dem Thema umzugehen und während der Gruppenstunde besonders gut auf die Kinder zu achten. Um den Kindern das Sprechen, Diskutieren und Erzählen leichter zu machen, ist es hilfreich, keine "ich-Botschaften" zu verwenden und auch die Namen in der Geschichte zu ändern, falls Kinder in der Gruppe denselben Namen haben

Material

Aufbau

Dauer: etwa 1 —,5 Stunden
Am Beginn werden verschiedene Vorstellungen von Reichtum dargestellt.
Zuteilungsspiel zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit Armut und Reichtum
Geschichten und Reflexionsfragen als Schwerpunkt der Gruppenstunde
Abschlussspiel: "Schätze holen"

 

Wenn ich reich wäre, dann...


Die Gruppe teilt sich in Kleingruppen mit drei bis fünf Personen. In der Kleingruppe überlegen nun alle, was besonders wäre, wenn sie reich wären, und teilen das einander mit. Dann einigen sich alle in der Kleingruppe auf eine Besonderheit, die zutreffen würde und die sie nun vor den anderen Gruppen darstellen wollen. Zum Beispiel: Wenn ich reich wäre, dann hätte ich ein Pferd (ein Haus, ein Auto, eine Luxusjacht, einen Wald...). Eine Kleingruppe beginnt, ihre gewählte Besonderheit gemeinsam pantomimisch darzustellen, zum Beispiel ein Pferd: Ein Kind spielt die Vorderbeine, ein anderes die Hinterbeine, eines den Kopf usw.

Arm — reich — wichtig


Du hast Kärtchen mit den unten aufgelisteten Aussagen und drei Plakate mit den Titeln ARM, REICH und WICHTIG vorbereitet. Die Mädchen und Buben sollen gemeinsam diese Kärtchen den Kategorien "arm", "reich" und "wichtig" zuordnen und dabei ihre Entscheidungen begründen. Zum Beispiel: Wenn ich ein Auto habe, bin ich dann — arm oder reich? Die Zuordnung ist eine Diskussionsgrundlage, bei der die verschiedenen Wahrnehmungen der Kinder sichtbar werden. Gibt es konträre Meinungen? Was heißt für jede und jeden von euch Arm-Sein beziehungsweise Reich-Sein? Eine Kategorie lautet: "wichtig". Finden die Kinder Kärtchen, die sie dieser Kategorie zuteilen würden, unabhängig von arm und reich? Vielleicht ergibt sich für die Gruppe auch noch eine weitere Zuordnungskategorie. Wenn sich die Gruppe für eine Zuordnung eines Kärtchens zu einer der Kategorien entschieden hat, wird es auf das jeweilige Plakat geklebt.

Aussagen zur Beschreibung von Armut und Reichtum:


...ein Handy haben...
...ein Auto haben ...
...gute Freundinnen und Freunde haben...
...einen Computer haben...
...sich alles leisten können, was man will...
...Hunger haben müssen...
...zur Schule gehen können...
...Sportgeräte wie Schi, Tennisschläger usw. mit Geschwistern teilen...
...ein Pferd besitzen...
...eine Familie haben...
...von anderen respektiert und gemocht werden...
...einen i Pod besitzen...
...keine Computerspiele kaufen können...
...keine Marken-Kleidung besitzen ...
...das Gewand von älteren Geschwistern weitertragen ...
...auf Urlaub fahren können...
...wenn Eltern Zeit haben ...
...weniger Taschengeld bekommen als die anderen in der Klasse...
...nicht den Wunschberuf erlernen können...
...eine Playstation besitzen ...
...das Zimmer mit Geschwistern teilen...
...nicht auf Schikurs oder Sportwoche mitfahren können...
...auch mit wenig Spielsachen viel Spaß haben können...
...Platz für eigene Ideen (leere Kärtchen zum Ergänzen)...

Gesichter von Armut


Folgende Geschichte spiegelt eine Situation aus dem Leben eines Kindes wider. Beim Material findest du weitere Geschichten sowie Hintergrundinformationen zu den Ländern, in denen die Geschichten spielen. Wähle einige Geschichten aus, die du mit deiner Gruppe bearbeiten möchtest. Die Geschichten sind dafür gedacht, dass die Kinder sie in kleinen Rollenspielen nachspielen und gemeinsam verschiedene Enden der Geschichten finden. Im Anschluss an jede Geschichte gibt es einige Fragen, die helfen, die Geschichten mit den Kindern aufzuarbeiten.

Verpatzte Schikursfreude?


Jürgen geht in die 2. Klasse Hauptschule. Er hat viele Freunde und Freundinnen in seiner Klasse und am meisten hat er sich schon auf den gemeinsamen Schikurs im Februar gefreut. Er hat gedacht, dass ihm seine Eltern zu Weihnachten vielleicht Schi kaufen würden, aber leider hat er nur einen Pullover und ein Buch bekommen. Nein, er hat sich eh gefreut — aber wenn er ehrlich ist, dann war er auch ein bisschen enttäuscht. Seine Eltern haben ihm erklärt, dass er nicht auf Schikurs mitfahren kann, weil sich eine Schiausrüstung für eine Woche einfach nicht auszahlt. Jürgen ist wirklich sehr traurig. Nach den Ferien in der Schule sitzt er mit seinen Freunden und Freundinnen beisammen. Alle erzählen von den Weihnachtsferien. Plötzlich meint Geli: "Ich freu mich schon so auf den Schikurs! Ich hab eine neue Schijacke bekommen zu Weihnachten!" Jürgen sieht erschreckt auf. Er sagt: " Ach, der blöde Schikurs, ich hab meinen Eltern gesagt, dass ich nicht mitfahren will. Es zahlt sich ja gar nicht aus, wegen einer Woche Schi zu kaufen. Ich wollt sowieso viel lieber daheim meinen Computer herrichten." Geli und seine anderen Freundinnen und Freunde sind enttäuscht: "Was? Du willst nicht mitfahren? Sicher musst du mitfahren, das wird total lustig!" Später, als sie allein sind, fragt Hannes, Jürgens bester Freund, Jürgen: "Du hast dich doch vor Weihnachten schon so auf den Schikurs gefreut. Was ist denn geschehen?" Jürgen erzählt Hannes: "Ich habe keine Schi bekommen und deshalb kann ich nicht mitfahren." Hannes meint: "Das ist wirklich schade, wir könnten bestimmt viel Spaß haben! Gibt’s denn gar keine Möglichkeit, dass du mitkommst?"

Fragen:

  • Warum glaubt ihr, hat Jürgen seinen Freundinnen und Freunden nicht die Wahrheit gesagt?
  • Was hättet ihr in seiner Situation getan?
  • Wie hat sich Jürgen wohl gefühlt, als die anderen ihn dazu überreden wollten, doch mitzufahren?
  • Welche Lösungen findet ihr für Jürgens Problem?


Spielt die Geschichte und findet gemeinsam Lösungen für Jürgens Problem.

Wir holen uns einen Schatz


Nach der Auseinandersetzung mit Reichtum und Armut und mit dem, was in den Geschichten jemandem ganz wichtig war, können jetzt alle noch einmal überlegen, welche drei Dinge aus einem Schatzteich jedem und jeder selbst wichtig sind.

Dazu sind Kärtchen mit Büroklammern versehen. Nun sammeln alle gemeinsam Ideen für Schätze, die uns wichtig sind. Das kann sein: Mit Freund/innen ins Kino gehen, ein Skateboard, das neueste Harry Potter Buch kaufen, mit Freund/innen gemeinsam auf Urlaub fahren,... Drei solcher Schätze schreibt jedes Kind auf drei Kärtchen. Alle Kärtchen werden in den Schatzteich gegeben: eine Fläche, die mit Kreide, einer Schnur oder auf andere einfache Art abgegrenzt ist. Jedes Kind versucht, seine drei Schätze mit einer Magnetangel (Stock mit Schnur, an der ein Magnet hängt) wieder zu angeln. Du ersetzt gegebenenfalls geangelte Schätze, etwa wenn sich ein Kind in seiner Wahl anders entscheidet und einen anderen Schatz angeln möchte.

Alle stellen zum Abschluss nochmals ihre drei Schätze vor und sagen dazu, warum sie diese gewählt haben. Die Schatzkärtchen können mit nach Hause genommen werden.

Autor/in: Veronika Schweiger, überarbeitet von Monika Gamillscheg

Publikation: kumquat "zuwenig" 2/2015

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