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F13 in Wien, Grito in Brasilien

Gruppenstunde | Alter: 10-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Es gibt immer weniger Gratis-Angebote und Einrichtungen in den Gemeinden. Durch steigende Arbeitslosigkeit und hohe Fixkosten in der Lebenshaltung steigt aber gleichzeitig die Anzahl der Menschen, denen kein Geld übrig bleibt, um sich die Angebote der Konsumindustrie leisten zu können. Der Markt akzeptiert, dass es Ausgeschlossene gibt.

Medien berichten wenig oder v.a. negativ über solche ausgeschlossenen Gesellschaftsgruppen. Dies beeinflusst klarerweise auch unseren Blick auf die Realität. "Aus den Augen, aus dem Sinn!", ist wohl ein Sprichwort mit einem tiefen Kern. In Österreich und in Brasilien gibt es zwei Aktionen, die das ändern wollen: Die Anliegen von Benachteiligten sollen in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit bekommen. Durch die F13-Aktionen der Wiener Straßenzeitung "Augustin" an jedem Freitag den 13. Und den "Grito d@s excluid@s" (kurz: Grito) — den "Schrei der Ausgeschlossenen" rund um den 7. September, den Unabhängigkeitstag Brasiliens.

F13 — was bedeutet das?
Unter dem Namen F13 versucht ein Bündnis von Schüchternen und Prediger/innen, von glücklichen Arbeitslosen und verzweifelten Jobsuchenden, von Bibel und Augustin, von Flüchtling und Flaneur/innen das Datum Freitag der Dreizehnte von der Bedeutung "Unglückstag" zu befreien. Jeder "Unglückstag" wird zu einem Feiertag für alle verwandelt, die sonst wenig zu feiern haben. So kommt es am Freitag den 13. an verschiedenen Orten und Ecken Wiens zu überraschenden Straßenaktionen, denen eines gemeinsam ist: Sie sind ein Appell gegen die soziale Ausgrenzung "unerwünschter" und "unnützer" Milieus, Gruppen und Menschen. Wie provokant diese Aktionen sind, bestimmen die teilnehmenden Personen und Gruppen selbst. Das Logo der Aktion ist die schwarze Katze des Aberglaubens auf dem Quadrat. Mehr Infos und aktuelle Termine zur F13-Aktion findest du auf: http://www.f13.at.

"Der Schrei der Ausgeschlossenen" — Grito d@s excluid@s
Diese Initiative wurde zum ersten Mal 1995 verwirklicht. Dieses Wort wurde ausgesucht, um auf das Phänomen hinzuweisen, dass es immer mehr Menschen gibt, die nicht am Markt teilnehmen. Man überlegte deshalb, einen "Schrei der Ausgeschlossenen" zu veranstalten, bei dem die "Ausgeschlossenen" die Hauptakteur/innen der Aktivitäten stellen sollten. Für die Veranstaltung wurde der 7. September ausgewählt, der "Tag des Vaterlandes", Tag der "Unabhängigkeit Brasiliens". Eingeladen wurden Straßenkinder, physisch Behinderte, Landlose, Schwarze und Indianer/innen, um an diesem Tag ihre Symbole und Botschaften mitzubringen. Kein/e Politiker/in oder konstituierte Autorität darf beim "Schrei" sprechen, das Wort gehört nur den Ausgeschlossenen. Dieses Ereignis hatte eine starke Wirkung und wird seit 1995 alljährlich am 7. September, dem "Tag des Vaterlandes", durchgeführt.
Die Forderungen des Grito — Globalisierung von sozialer Gerechtigkeit, Wahrung der Menschenrechte und der Umwelt — stehen in krassem Gegensatz zur gängigen Politik und Wirtschaftsordnung, wo Reiche reicher und Arme ärmer werden. Die Staaten und ihre Regierungen werden aufgefordert, ihre Wirtschaft und die öffentlichen Dienste im Sinne des Allgemeinwohls zu verwalten und aufzuhören, Marionetten der mächtigen Investoren und der multinationalen Konzerne zu sein. Alle sozialen Organisationen, Gewerkschaften, antirassistischen Gruppierungen, Frauenorganisationen und Kirchen sind eingeladen, sich an den Aktivitäten des Grito zu beteiligen.
Mehr Infos findest du auf: http://www.gritodosexcluidos.com.br.

Ziel

Die Kinder setzen sich mit der Frage auseinander, wie benachteiligte Bevölkerungsgruppen in der Öffentlichkeit dargestellt werden. Anhand eines fiktiven Szenarios können sie ausprobieren, wie eine öffentlichkeitswirksame Aktion für ein Minderheiten-Anliegen ausschauen könnte.

Material

  • "F13"-Logo
  • Abbildung eines "Grito"-Plakates
  • Zeitschriften
  • Plakat mit Sprechblase "Dein Pech ... "
  • Plakat mit F13-Katze "Kein Pech! ..."

Aufbau

  • Einstieg mit einem "F13"-Logo und einer Abbildung eines "Grito"-Plakates
  • Bilderanalyse von einigen Zeitschriften in Kleingruppen (mit einem Übersichtsblatt)
  • Auswählen eines Anliegens (Plakat mit Sprechblase "Dein Pech...") und Ausdenken einer plakativen Aktion (Plakat mit F13-Katze "Kein Pech!...")

 

Über welche Menschen wird berichtet?


Am Beginn zeigst du die beiden Plakate und erklärst kurz das gemeinsame Anliegen von "F13" und vom "Grito" (siehe auch Hintergrund).
Nun schaut ihr euch drei bis vier unterschiedliche Zeitschriften an. Es sollen sehr unterschiedliche Tageszeitungen/Magazine sein und darunter auch alternative Medien wie z.B. der "Augustin", Die "Bunte Straßenzeitung", "Südwind Magazin",...

Die Kinder sollen sich dann in Gruppen aufteilen und die Fotos je einer Zeitung analysieren und folgenden Fragen nachgehen:

  • Über welche Menschen wird berichtet, über welche Menschen gibt es "Stories"?
  • Über welche Menschen wird nicht berichtet?
  • Wenn es Fotos gibt, sind es "Stars" oder sind die abgebildeten Personen deswegen in der Zeitung, weil ihnen von anderen Menschen geholfen wird? Oder wird von ihnen im Zusammenhang mit Kriminalität berichtet?


Um diesen Fragen nachzugehen, bekommt jede Gruppe ein Übersichtsblatt, auf das sie kurze Stichworte oder zumindest Zähl-Stricherl vermerken kann:


Gibt es Fotos von Sind sie im Mittelpunkt, sind sie die "Stars"? Andere stehen im Mittelpunkt als Helfer/innen Zusammenhang mit Kriminalität?
... Menschen mit Behinderung?      
... alten Menschen?      
... schwangeren Frauen?      
... Migrant/innen (aus dem Ausland zugewanderte Menschen)      
... Minderheiten in Österreich (Slowen/innen, Kroat/innen, Roma, Sinti,...)      

... Menschen mit wenig Geld?
     
... Menschen mit Handwerksberufen?      
... Männern mit Babys oder Kleinkindern?      
... Arbeitslosen?      

Von welchen Menschen/Gruppen gibt es Fotos/"Storys"?
Menschen/Gruppen positiv negativ
     
     

Dein Pech! Kein Pech!


Damit nicht immer von "Stars" und "Reichen, Schönen und Erfolgreichen" berichtet wird, gibt es z.B. den "Grito" in Lateinamerika und den "F13" in Österreich.

Stellt euch einmal etwas ganz Unrealistisches vor:
Es ist Mittwoch der 11. und der ORF ruft bei euch an: Der Nachrichten-Redaktion ist zu Ohren gekommen, dass ihr eine supertolle Aktion zum F13-Tag plant und es ist schon fix ein Bericht statt der Werbung zwischen "Zeit im Bild" und Hauptabendprogramm eingeplant! Die Redakteurin kommt also am Freitagvormittag drehen und bedankt sich bei euch, weil sie weiß, dass es sicher eine tolle Sache wird, weil ihr ja in der Jungschar immer so tolle Sachen macht.
Ihr wollt euch diese Chance nicht entgehen lassen: Zuerst müsst ihr euch darauf einigen, welchen Missstand ihr anprangern wollt und dann könnt ihr in der Gruppenstunde eurer Phantasie freien Lauf lassen, welche Aktion ihr starten wollt — schließlich darf es ruhig plakativ und unrealistisch sein. Ihr könnt die Jungscharstunde dafür nutzen, euren Gedanken freien Lauf zu lassen.

Um Missstände zu finden, die ihr anprangern wollt, hast du ein Plakat mit folgender Sprechblase vorbereitet:
"Dein Pech! Du bist halt noch ein Kind!"
Wo könnten Kinder in der Pfarre/Schule/Wohnumgebung einen solchen Satz hören? Oder wo haben Kinder schon mal so einen Satz gehört? Diese Ideen werden auf dem Plakat gesammelt. Ein bis zwei Ideen werden dann ausgewählt.

Diese sind der Ausgangspunkt für eine fiktive, kreative Aktion, bei der ihr auf eine solche Geschichte plakativ aufmerksam macht. Diese Ideen schreibt ihr auf ein zweites Plakat:

Auf dem zweiten Plakat sitzt die F13-Katze in der Mitte mit einer Sprechblase:
"Kein Pech! Wir protestieren jetzt dagegen! Und zwar so:..."

Zum Schluss wird das Plakat aufgehängt. Vielleicht habt ihr ja Lust, euch die eine oder andere Straßenaktion in Wien am nächsten F13-Tag anzuschauen und zu überprüfen, ob sie auch so kreativ abläuft wie eure Idee.

Es ist unmöglich sich FÜR andere einzusetzen, ohne diese Menschen vorher kennen zu lernen, zu befragen und MIT ihnen eine Aktion zu besprechen. Wenn ihr euch eine Aktion für ANDERE Menschen ausdenken wollt, dann müsstest du als nächsten Schritt in der Gruppenstunde eine Befragung und ein Gespräch z.B. mit einem oder einer obdachlosen Augustinverkäufer/in, einem oder einer Behinderten, oder einem oder einer Asylwerber/in,... einplanen und darüber reden, wo diese Personen von Medien, Behörden, Gesetzen, im Alltag benachteiligt wurden oder werden. ("Dein Pech! Das ist halt leider so!"). Dies kann dann Grundlage für eure fiktive Aktion sein. ("Kein Pech!...")

Autor/in: Christoph Watz

Publikation: kumquat "feiern" 1/2007

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Schlagwörter: Politik, Ungerechtigkeit, Welt