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Was glaubtst du? Kinder befragen Erwachsene nach ihrem Glauben.

Gruppenstunde | Alter: 8-10 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Kinder im "jungen" Jungscharalter beschäftigen sich, natürlich auch angeregt durch die Kommunionvorbereitung, die in den meisten Pfarren in der zweiten Klasse Volksschule stattfindet, oft sehr intensiv mit Fragen rund um Gott und Glauben. Dabei kann es für sie spannend sein zu vergleichen, was andere, Erwachsene, Jugendliche und Kinder, so erzählen und sich unter Begriffen wie "Gott", "Himmel" oder "Heilige" vorstellen. Daher wird in dieser Gruppenstunde der Versuch unternommen, dass die Kinder Erwachsene nach ihrem Glauben befragen und die Ergebnisse dieser "Interviews" entweder einander in der Gruppe oder in größerem Rahmen auch anderen, z.B. der Pfarrgemeinde, vorstellen.

Material

  • zwei Geschichten von Fabian, siehe unten (Lene Mayer-Skumanz: Fabian geht zur Erstkommunion. Geschichten rund um das große Fest. Mit Bildern von Heribert Schulmeyer. Düsseldorf: Patmos 1998.)
  • Schreibzeug für die Umfrage
  • evtl. Aufnahmegerät
  • für die Variante einer Präsentation in der Gruppe: A3-Plakate und Klebepunkte
  • für die Variante einer Präsentation in der Pfarrgemeinde: diverses Mal-Material, A3-Plakate,... um die Ergebnisse ansprechend darzustellen

Aufbau

Als Einstimmung liest du den Kindern eine kurze Geschichte von Fabian vor, der versucht, Erwachsene nach ihrem Glauben zu befragen. (Möglicherweise kennen manche der Kinder diese oder andere Geschichten von Fabian — das ist aber kein Hindernis für die Durchführung der Gruppenstunde. "Geschichten von Fabian" der Autorin Lene Mayer-Skumanz gibt es übrigens auch rund um andere Feste, wie z.B. Weihnachten — sie sind zum Vorlesen und für den Einsatz in der Gruppenstunde bestens geeignet!)

Dann führen die Kinder selbst eine ähnliche Befragung durch — das kann im Lauf der Gruppenstunde, aber auch in der Zeit bis zu eurem nächsten Treffen stattfinden.
Anschließend stellen die Kinder vor, was sie herausgefunden haben — das kann entweder nur im Rahmen der Gruppe, oder auch in einem größeren Rahmen passieren.
Abschließend wird eine weitere Geschichte von Fabian vorgelesen, in der ihr erfahrt, was bei seiner Umfrage herausgekommen ist.

 

Beginn einer Umfrage


So lautet der Titel einer kurzen Geschichte von Fabian, die du den Kindern vorliest. Fabian versucht, angeregt durch seine Vorbereitung auf die Kommunion, Erwachsene danach zu befragen, woran sie eigentlich glauben, wie sie sich Gott vorstellen. Etwas Ähnliches wollen wir in dieser Gruppenstunde auch versuchen.

Beginn einer Umfrage


Im Papierwarengeschäft an der Ecke kauft Fabian ein kariertes Heft und einen Kuli. Noch im Geschäft schreibt er "UMFRAGE" auf das Schildchen.
"Nanu", sagt die Verkäuferin, "was wird denn das? [...]
Aha, du machst Interviews. Und worüber?"
"Na, zum Beispiel über das Beten. Ich fange gleich bei Ihnen an, ja? Wie oft am Tag beten Sie?" [...]
"Ohgottohgottohgottohgott, Kind, da frag doch lieber einen Pfarrer..."
"Der kommt auch noch dran", sagt Fabian. "Wenn er uns wieder in unserem Kommunionskurs besucht."
"Ach, jetzt verstehe ich", sagt die Verkäuferin. "Du machst diese Umfrage, weil du ein Erstkommunionkind bist. Also, dann schreib nur: Es ist gut, wenn der Mensch etwas hat, an das er sich halten kann, wenn er das braucht... War ich zu schnell?"
"Nein", sagt Fabian. "Aber ich will was anderes wissen. Wie oft reden Sie mit Gott?"
"Ich? Also, wenn ich ehrlich bin ... Nicht sehr oft. Aber am 31. Jänner geh ich immer in die Jahresschlussandacht in den Dom. [...] Ab und zu ein Vaterunser, wenn ich hör, dass einer gestorben ist. So, das reicht wohl für deine Umfrage!"
"Vielen Dank", sagt Fabian. "Aber Sie reden doch mit Gott. Sie haben "Oh Gott, oh Gott, oh Gott" gesagt."
Die Verkäuferin lacht. "Mein Gott, das sagt man halt so — ohne was zu denken."
"Vielleicht freut er sich trotzdem", meint Fabian. "Vielleicht denkt er sich: Sie hat zwar nichts dabei gedacht, aber ich bin trotzdem bei ihr. — Auf Wiedersehen!"
Er klappt das Umfrage-Heft zu und geht. Als er die Tür hinter sich schließt, kann er durch die Glasscheibe die Verkäuferin sehen. Sie steht ganz still hinter dem Ladentisch und sie lacht nicht mehr. Sie hat die Arme um den Leib verschränkt wie ein Mensch, den es fröstelt.
(gekürzter Text)

Fragen und Antworten


[...] Noch in den Weihnachtsferien macht sich Fabian mit dem Rekorder auf die Suche nach Leuten, die sich befragen lassen. Er interviewt die Sauerkrautfrau auf dem Markt, die Frau Winkler im Altersheim, den Hausmeister, Tills Mutter und noch viele andere. Sogar Opa Marios Dienstags-und-Donnerstags-Stadtstreicher in der Pizzeria interviewt er. Am letzten Ferienabend spielt er Opa Mario die Gespräche vor. Die hören sich zum Beispiel so an:

Fabian: Wie stellen Sie sich Gott vor?
Sauerkrautfrau: Wie ein großes Licht. Freundlich und warm. Und aus dem Licht kommt eine Stimme und sagt zu mir: "Da bist du ja."
Fabian: Und den Himmel, wie stellen Sie sich den vor?
Sauerkrautfrau: Also nicht so wie in den Bilderbüchern, wo alle auf Wolken sitzen und Flügel tragen.
Fabian: Wie denn?
Sauerkrautfrau: Schwer zu sagen. Wie eine große Umarmung, in der man sich geborgen fühlt und in der man sich trotzdem frei bewegen kann. Also, das, was ich mir da vorstelle, das gibt`s auf Erden natürlich nicht. Wenn sie dich hier umarmen, halten sie dich fest...
Fabian: Beten Sie?
Sauerkrautfrau: Beten, hm ... Na, vielleicht am Abend, wenn ich nicht zu müde bin. Da bet ich ein Vaterunser. Aber untertags unterhalt ich mich oft mit dem lieben Gott.
Zum Beispiel beim Krauthobeln. Da sag ich: "Komm, tun wir hobeln. So ein schönes Kraut. Und so gesund. Das war wirklich eine feine Idee von dir, das Kraut."
[...]
Fabian: Beten Sie manchmal, Frau Winkler?
Frau Winkler: Wieso manchmal? Oft! Ich hab ja Zeit.
Fabian: Wie stellen Sie sich Gott vor?
Frau Winkler: Gar nicht. Den kann sich keiner vorstellen. Jesus, ja, den schon. Aber Gott? Also, auf keinen Fall als alten Mann mit Bart, wie er auf manchen Bildern gezeichnet ist. So ein Blödsinn. Wie ich ein Kind war, haben sie uns überhaupt viel Blödsinn erzählt. Wenn`s gedonnert hat, haben sie gesagt: Der Himmelvater schimpft.
Fabian: Wie stellen Sie sich den Himmel vor?
Frau Winkler: Als fröhliche Gesellschaft von Leuten, die voreinander Respekt haben. In der Schule, da hab ich einen Religionslehrer gehabt, der hat uns gefragt: Wer kommt in den Himmel? Na, da haben wir eben herumgeraten ... Und er hat gesagt: Ganz einfach! In den Himmel kommt, wer einen andern mitnimmt!
(gekürzter Text)

aus: Lene Mayer-Skumanz: Fabian geht zur Erstkommunion. Geschichten rund um das große Fest. Mit Bildern von Heribert Schulmeyer. Düsseldorf: Patmos 1998.
© Patmos Verlag GmbH & Co. KG, Düsseldorf


Zuerst könnt ihr gemeinsam überlegen, was für Fragen ihr den Leuten stellen könnt — z.B. Glauben Sie an Gott? Wie stellen Sie sich Gott vor? Wie glauben Sie, schaut der Himmel aus? Wer ist Ihr/e Lieblings-Heilige/r?

Bevor ihr eure Umfrage startet, ist es gut, die Kinder darauf hinzuweisen, dass der Glaube ein recht persönliches Thema ist und dass es auch möglich und ok ist, wenn Leute ihnen keine Antwort geben wollen. Um möglichen Frustrationen der Kinder vorzubeugen, ist es wichtig, dass ihr euch nicht unter Druck setzt, dass unbedingt etwas Spektakuläres bei eurer Umfrage herauskommen muss.

Für die Umfrage selbst gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Ihr könnt gleich in der Gruppenstunde, je nach Größe deiner Gruppe alle miteinander oder in kleineren Gruppen, losziehen und einfach Leute befragen, die vorbeikommen. Dabei können sich natürlich auch innerhalb der Gruppe schon spannende Gespräche über das, was die Leute sagen, ergeben. Gerade bei jüngeren Kindern ist es wichtig, dass Kleingruppen immer von einer Person begleitet werden. Falls ihr in mehreren Gruppen unterwegs sein werdet, ist es gut, wenn jede Gruppe die Fragen auf einem Zettel aufgeschrieben mithat bzw. mit Schreibzeug und/oder Aufnahmegerät ausgerüstet ist.
Oder ihr macht euch ein eigenes Treffen dafür aus, zu einem Zeitpunkt, wo viele Leute erreichbar sind, also z.B. nach der Sonntagsmesse oder im Pfarrcafe.
Alternativ dazu oder auch zusätzlich können die Kinder natürlich auch bis zur nächsten Gruppenstunde die Umfrage weitermachen und Personen aus ihrem Umfeld befragen. Je nach Alter und "Schreibfähigkeit" deiner Kinder könnt ihr entscheiden, wie sie die Ergebnisse dokumentieren wollen — durch Aufnehmen oder Mitschreiben.

Die Ergebnisse


Für die "Präsentation" und Auseinandersetzung mit den Ergebnissen sind zwei Möglichkeiten denkbar: Innerhalb der Gruppe oder in einem größeren Rahmen, also z.B. bei einem Pfarrfest oder beim Pfarrcafe.

Wenn ihr euch innerhalb der Gruppe damit beschäftigt, könnten die einzelnen Kinder bzw. Kleingruppen zentrale Antworten auf A3-Plakate schreiben und vorstellen. Um eine weitere Auseinandersetzung damit zu ermöglichen, könnten diese dann im Raum hängen und die Kinder bepunkten mit verschiedenfarbigen Klebepunkten, wie sie diese Antworten finden, z.B. grün für "find ich super", rot für "find ich komisch/seh ich anders", blau für "das überrascht mich", und unterhalten sich währenddessen und im Anschluss daran darüber.

Für eine Präsentation in einem größeren Rahmen könnten die Kinder versuchen, solche zentralen Aussagen der Antworten auch noch optisch zu verdeutlichen. Das könnte z.B. so ausschauen, dass auf je einem A3-Plakat Silhouetten gezeichnet sind oder Fotos von Personen aus Zeitschriften aufgeklebt sind und in Gedanken- oder Sprechblasen steht, was die Leute gesagt haben. Oder die Kinder malen zu der Aussage auf dem Plakat dazu, was sie sich darunter vorstellen oder dazu denken.

Fragen und Antworten


Am Schluss der Präsentation, ob in der Gruppe oder in einem anderen Rahmen, kannst du den Kindern bzw. den anderen Anwesenden noch eine zweite Geschichte von Fabian vorlesen, in der einige der Dinge vorkommen, die er bei seiner Umfrage herausgefunden hat.

Autor/in: Kathrin Wexberg

Publikation: kumquat "bewegen" 4/2006

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Schlagwörter: Experimente, Gesellschaft, Religiöses