• Jungschar vor Ort
  • 70 Jahre JS
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Philosophieren mit Kindern

Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: niedrig

 

Philosophieren mit Kindern


selbst denken — weiter denken — miteinander denken



Was ist Glück? Warum leben wir? Warum müssen wir leiden? Gibt es ein Nichts? Warum kann ich Gott nicht sehen? Warum müssen alle Menschen sterben? Wie kann ich wissen, dass ich wach bin und nicht bloß träume? Muss ich immer die Wahrheit sagen? ...
Diese Auflistung von Fragen könnte man unendlich weiterführen. Und bei vielen Fragen sind unendlich viele Antwortvarianten und Wege denkbar, für sich zu entscheiden, was man für richtig hält. Damit ich meinen Weg finde, tausche ich mich gerne mit anderen Menschen darüber aus, wie sie die Fragen beantworten würden. Denn solch ein Austausch kann mir wieder neue Perspektiven zeigen, die ich davor gar nicht wahrgenommen habe. Genau solche neuen Ansätze können mich wieder ein Stück verändern und weiterbringen.

Oft wird gesagt, dass Kinder diese Fragen nicht beantworten können, dass das "Sache der Erwachsenen" ist. Fragen der Kinder werden mit Aussagen wie "Es ist so!" oder "Frag nicht so blöd!" abgetan. Doch gerade Kinder staunen, fragen, zweifeln und entdecken gerne und das sind grundlegende Fähigkeiten, die zum Philosophieren gehören. Weil diese Art von Kommunikation gerade für Kinder ein spannender und wichtiger Prozess ist und wir Kinder in der Jungschar und bei den Ministrant/innen in ihren Fragen ernst nehmen wollen, sollten wir auf die Fragen der Kinder eingehen und auch das Fragestellen der Kinder fördern. In der Schule müssen sie oft genug Fragen beantworten, jetzt sollen auch sie Zeit haben, Fragen zu stellen.

Mit Kindern im Gruppenleben philosophieren
Immer wieder tauchen Fragen, zum Beispiel "Warum ist der Himmel blau?", am Lager oder unterm Jahr auf. Wichtig ist es, sich als Gruppenleiter/in darauf einzulassen, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich zu artikulieren. Dadurch zeigen wir den Kindern, dass es erlaubt ist Fragen zu stellen und in ein Gespräch darüber zu treten, denn dadurch lernen Kinder sich auszudrücken, über sich und andere nachzudenken, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und vieles mehr. Worauf zu achten ist, wen wir mit Kindern philosophieren:

  • Wir sollten uns zuerst bewusst machen, dass es auf eine Frage unterschiedliche Antworten geben kann und dass alle Antworten "richtige Antworten" sind. Wir selbst müssen nicht Antworten auf alle Fragen haben, um mit Kindern über "Gott und die Welt" zu philosophieren.
  • Wir Gruppenleiter/innen sollten darauf achten, dass wir unsere eigenen Einstellungen zurücknehmen und die Kinder durch Rückfragen anspornen zum Selbst-Nachdenken.
  • Wir Gruppenleiter/innen können den Kindern helfen, ihre Gedanken zu präzisieren. Zum Beispiel durch unterstützendes Nachfragen: Warum meinst du, dass...? Folgt aus dem, was du sagst, dass...? Vorhin hast du ... gemeint, jetzt sagst du ... Warum gibt es für dich diesen Unterschied?... Wichtig ist auch dabei, dass wir die Kinder anregen, ihre Aussagen mit Gründen zu unterlegen. Zum Beispiel: Wenn ich behaupte, dass Blumen glücklich sein können, dann kann es interessant sein zu hinterfragen: Wieso kann ich das jetzt so annehmen? Z.B: Blumen können meiner Ansicht nach glücklich sein, weil sie Gefühle haben und weil sie Wohlbefinden zeigen können. Dies nehme ich an, weil Blumen ihre Blätter nach der Sonne ausrichten und weil sie kräftige Farben haben, wenn sie sich wohl fühlen.
  • Wenn ein längeres Gespräch stattfindet, z.B. im Rahmen einer Gruppenstunde, in der es ums Philosophieren geht, ist es gut, wenn du das Gespräch leitest. D.h. du schaust, dass jede/r sich äußern kann, erinnerst die Kinder, einander zuzuhören, kannst Impulsfragen stellen...
    Die "Gesprächsregeln", die bei euch bei Diskussionen gelten (zum Beispiel: Wir lassen einander ausreden. Wir hören einander zu...) sind auch für solche Gespräche sehr wichtig und ihr könnt sie euch deshalb am Anfang einer philosophischen Gruppenstunde wieder bewusst machen. Wenn die Regeln während des Gespräches in Vergessenheit geraten, wäre es gut, wenn du als Gruppenleiter/in die Kinder wieder daran erinnerst.




Im Folgenden findest du einige Bausteine, die du für Gruppenstunden verwenden kannst:

Philoso-Forum
Weiß der Hund, dass er ein Hund ist?
Hört man wirklich mit den Ohren?
Warum werden wir älter und nicht jünger? Wäre das nicht für uns alle angenehmer?
Was ist der Urstoff der Erde?
Warum wachsen Bäume in Richtung Himmel und nicht in Richtung Erdmittelpunkt?
Haben Steine Angst vor dem Tod?
Wie lieben sich Wolken?
...
In Zweiergruppen wählen sich die Kinder ein Thema und versuchen, diese wichtigen Fragen für sich — sinn-voll oder aber auch sinn-los, skurril — zu beantworten.
Daraufhin begebt ihr euch — je nachdem, wie eure Pfarre heißt — auf das "Forum Hernalsum, Pottendorfum, Lainzum...", einen Rednerplatz, den du vorher im Gruppenraum eingerichtet hast (mit einem Podest für zwei Personen, z.B. verkleidete Bierkisten). Forum kommt aus dem lateinischen und bedeutet Marktplatz, ein Platz wo Meinungen untereinander ausgetauscht und Fragen gestellt werden können. Ihr könnt euch auch "philosophische Mützen" (oder andere Verkleidungsgegenstände) nehmen, die immer die zwei Personen tragen, die ihre Gedanken den anderen präsentieren, damit es besser ersichtlich ist, wer gerade Philosoph/in ist.
Die anderen Kinder, die nicht dran sind, sind das Publikum und lauschen gespannt, was die Philosoph/innen sagen. Wenn diese ihre Meinung geäußert haben, kann das Publikum Fragen stellen oder seine Meinung zu dem Thema kundtun. Wenn die Frage für euch ausreichend beantwortet ist, dann kommt die nächste Zweiergruppe dran.

Themen hinterfragen
Eine Woche bevor ihr die Gruppenstunde macht, sammelt ihr gemeinsam Themen, die die Kinder interessieren, dann entscheidet ihr euch für eins und überlegt euch Fragen dazu. Die Kinder können dann bis zur nächsten Woche Freund/innen, Eltern, Verwandte, Bekannte,... zu dem Thema interviewen.
Am Anfang der nächsten Gruppenstunde sammelt ihr die eingeholten Informationen und tauscht euch drüber aus.
Wenn ihr euch z.B. das Thema "Glaube" wählt, könnten mögliche Fragen sein:
Wie stellst du dir Gott vor?
Zu wem sagt man DU und zu wem Sie? Kann man zu Gott DU sagen?
Wann, wo und wie ist dir Gott schon einmal begegnet?
Was bedeutet Gott für dich?

Wörter & Situationen
Jeder Mensch hat zu einem Wort eine Vorstellung, was es bedeutet, und diese kann bei unterschiedlichen Menschen sehr verschieden sein. Überlegt euch gemeinsam, welche Wörter ihr euch anschauen wollt, und formuliert dazu eine Frage.
Sammelt dann zu den einzelnen Wörtern Situationen, die ihr mit dem Wort verbindet, ihr könnt diesen Schritt auch in Kleingruppen machen. Dann schaut ihr euch an, wie groß die Bandbreite an Vorstellungen zu dem Wort ist.
Zum Begriff "Glück" könnte die Frage "Wann ist man glücklich?" lauten und mögliche Situationen z.B. sein: Wenn ich Freud/innen habe. Wenn ich gesund bin. Wenn ich mich wohl fühle. Wenn ich etwas geschenkt bekomme.
Zum Begriff Gerechtigkeit könntet ihr euch z.B. fragen: Wann ist jemand gerecht? Was bedeutet gerecht sein?, zum Thema Friede: Wann ist Frieden? Wann ist man zufrieden? usw.

Mehr Ideen zum Philosophieren mit Kindern findest du u.a in der Gruppenstunde "Weiß der Hund, dass er ein Hund ist?" in der Gruppenstundendatenbank oder im JS-Büro.


Literatur:
Doris Daurer — Staunen Zweifeln Betroffensein — Mit Kindern Philosophieren (Beltz Taschenbuch)
Barbara Brüning — Philosophieren in der Grundschule (Cornelsen Scriptor)
http://www-gewi.kfunigraz.ac.at/acpc/deutsch/wasist.html (Institut für Kinder-Philosophie)

Autor/in: Kathrin Sieder mit Gedanken von Andrea Jakoubi

Publikation: kumquat 3/05

Share |

 

Schlagwörter: Werte, Spaß, Gesellschaft