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Maxakali [sprich: Maschakalí:]

Gruppenstunde | Alter: 12-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

"Da geht´s ja zu wie bei den Wilden" oder "die halbnackten Wilden", so hat man früher oft über indigene Völker gesprochen, Menschen, die ganz anders als wir leben. Heute ist das gottseidank anders und wir entdecken mehr und mehr, dass die Auseinandersetzung mit anderen Lebensweisen spannend und bereichernd sein kann. Deshalb beschäftigt sich diese Gruppenstunde mit so einem Volk, den Maxakali.
Die Maxakali sind ein indigenes Volk, das im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais lebt. Sie sind Halbnomaden und leben als Jäger/innen und Sammler/innen von dem, was die Erde hergibt. Sie haben den Kontakt zur westlichen Welt, die ihnen zu schnell und destruktiv erscheint, so lange wie möglich vermieden. Es gibt in dieser Region Brasiliens kein anderes Indianervolk, das noch eine so traditionelle Lebensweise hat.

Ziel

Da auch heute noch die Kontakte zur westlichen Welt sehr beschränkt sind und selbst das Team von CIMI (einer Einrichtung der katholischen Kirche, die mit Hilfe der Spenden der Dreikönigsaktion die Indianer/innen unterstützt) nur sehr beschränkt Einblicke in ihr Leben und ihre Kultur erhält, ist das Ziel dieser Gruppenstunde nicht, umfassendes Wissen über die Maxakali zu vermitteln. Sie soll vielmehr die Lust an der Auseinandersetzung mit anderen, fremden Lebensformen wecken und einladen, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen uns und "den anderen" nachzudenken.

Material

  • Brasilianische Früchte auf Maxakali: Zettel mit Früchten
  • Was den Maxakali-Indianer/innen wichtig ist: Zettel mit Sätzen
  • Was ist uns wichtig?: Papier, Schreib- bzw. Zeichenutensilien
  • Kulturen im Vergleich: 2 Plakate
  • 5) Unnötige Geschenke: Kärtchen für das Spiel "Das brauchst du!", Fotos
  • 6) Passfotos: Foto, Utensilien zum Schminken und Verkleiden, Fotoapparat
  • 7) Abschluss: Wipala-Fahne: farbige Zettel mit Bedeutung der Farben sowie leere Zettel

 

Brasilianische Früchte


Du hast für jedes Kind ein Kärtchen, auf dem 5 Früchte auf Deutsch und Maxakali aufgeschrieben sind. Jedes Kind sucht sich eine Frucht aus und sagt sie auf Maxakali. Die anderen können nachschauen, welche Frucht ausgesucht wurde.

Mango — totma
Wassermelone — totxux pex [totschusch pesch]
Banane - tepta
Orange - mita
Zuckerrohr - minkup

Jetzt könnt ihr eine Abwandlung des Spiels Obstsalat spielen: Ihr sitzt im Sesselkreis, wobei es einen Sessel weniger gibt als Mitspieler/innen. Jedes Kind sucht sich eine der oben genannten Früchte aus, es können mehrere Kinder auch dieselben Früchte haben. In der Mitte steht auch ein Kind und nennt nun zwei der Früchte auf Maxakali. Alle Kinder, die sich diese Frucht ausgesucht haben tauschen dann Platz und das Kind in der Mitte versucht, auch einen Platz zu bekommen. Dann steht wieder ein Kind in der Mitte und nennt wieder 2 Früchte, die wechseln sollen.

Was den Maxakali wichtig ist!


Nach dem gleichen Prinzip probiert ihr nun die "Fortgeschrittenen-Variante" mit ganzen Sätzen aus: Die Sätze beschreiben, was den Maxakalí-Indianer/innen wichtig ist. Diese haben sie 1999 für eine Broschüre von CIMI gesammelt.

Hamscha haha-tehet schi haham
Behutsam mit Umwelt und Land umgehen.

Puyi no yami-yschop mi
Religion und Rituale feiern.

Schi schok-schop, schi schu maham
Jagen, fischen.

Tappet mi tik-muhun yiy.
Die eigene Sprache schreiben lernen und sprechen.

Ham schip ihá uyu-mug Ayuhuk yiy.
Nachher die "Zivilisationssprache" (Portugiesisch) lernen.

Was ist uns wichtig? - Zeichnungen und Slogans


Wir haben vorhin gehört (und das sogar auf Maxakali), was den Indianer/innen am wichtigsten ist. Nun stellen wir uns selbst die Frage, was uns im Leben wichtig ist?

Die Kinder können nun alleine oder zu zweit überlegen. Wer will, kann eine Zeichnung anfertigen, wer lieber schreiben möchte, soll dies aufschreiben — und zwar in Form eines (Wahlwerbe-)Slogans, z.B.: Wichtig ist: Spielen! — Wir wollen nicht den ganzen Nachmittag Hausübung machen!

Kulturen im Vergleich: Jagen & Sammeln sowie Ackerbau & Viehzucht


Die Maxakali haben große Erfahrung in der Jagd und im Erkennen von Wildpflanzen. Als Jäger/innen und Sammler/innen können sie nicht immer an einem Ort wohnen, weil sie sonst die Jagdtiere in der Umgebung ausrotten würden und auch die abgeernteten Wildfrüchte, der Naturreichtum der Umgebung, würde abgegrast und für Jahre zerstört werden. Sie sind Halbnomaden — das Weiterreisen ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur und Religion. Deshalb ist es für die Maxakali sehr schwierig, sich an die Idee von Ackerbau zu gewöhnen. Einen wesentlichen Unterschied zwischen Jagdkultur und Landwirtschaftskultur wollen wir kurz anschauen:

  • Jagen dauert kurz: Nach wenigen Stunden/Tagen hast du deinen Erfolg — die Beute liegt vor dir.
  • Anpflanzen/Viehzucht dauert lang: Nach Monaten/Jahren hast du Erfolg — du kannst ernten, ein Kalb schlachten.



Ganz sicher steckt auch in jedem von uns ein bisschen ein/e Bäuer/in und ein bisschen ein/e Jäger/in & Sammler/in.
Auf zwei Plakaten könnt ihr sammeln, welche der Dinge, die wir tun, lange dauern (z.B. Pokémon-Pickerl sammeln — bis man alle hat, dauert es lange), bzw. was schnell geht (z.B. Tafel löschen, einmal drübergewischt, und ein Ergebnis ist sichtbar).

Unnötige Geschenke


Ihr spielt miteinander das Spiel "Das brauchst du!". Auf Kärtchen stehen verschiedene, eher absurde Gegenstände. Jedes Kind erhält ein Kärtchen und soll nun versuchen, mit anderen Kindern zu tauschen, indem es ihnen erklärt, warum sie diesen Gegenstand unbedingt brauchen.

Beispiele:

  • Eine Wagenladung Schuhe Größe 35
  • Ein Sack voller Hostienreste
  • 37 pinke Plüschelefanten
  • Moonboots zum Surfen
  • Ein Zelt für den Winter
  • Getrocknete Moosbeeren
  • 56 rohe Hühner
  • 7 Flaschen Tipp-Ex



Anschließend erzählst du den Kindern einige Geschichten, was die Maxakalí schon alles an unnötigen Geschenken bekommen haben:
Zum Beispiel eine LKW-Ladung voller Schuhe, alle in der gleichen Größe. Ein Geschenk, das aus zwei Gründen unbrauchbar ist: Erstens haben natürlich nicht alle die gleiche Schuhgröße, zweitens ist auf dem sehr schlammigen Boden barfuß oder mit Schlapfen gehen viel praktischer, Schuhe hat niemand.
Oder eine Schule in einem fix gebauten Haus, das ein italienisches Hilfswerk für die Maxakali gebaut hat. Niemand hat diese Schule je verwendet — die Kinder lernen alles Notwendige in den Familien, wo sie bei allen Treffen der Erwachsenen dabei sind.
Oder ein Sack mit ausgestanzten Hostienresten, den eine Klosterschwester mitten in einer Vesammlung als Geschenk vorbeigebracht hat. Niemand wusste sich etwas damit anzufangen, nachdem alle schon hungrig waren, wurden die Hostienreste halt als Knabberei gegessen.

Vielleicht ergibt sich ja aus diesen Geschichten noch ein Gespräch darüber, was die Kinder schon an Geschenken, mit denen sie gar nichts anfangen konnten, bekommen haben — mit der Erkenntnis, dass es klug ist, sich vorher zu überlegen, was die anderen brauchen.

Passfotos


Auf einem Foto (siehe unten) seht ihr, wie sich Maxakali für Passfotos fotografieren lassen. Weil das etwas Besonderes, Feierliches ist, hat sich das Mädchen dafür besonders geschmückt und sich das Gesicht angemalt. Die Kinder können überlegen, wie sie sich gerne für ein Passfoto herrichten würden, dazu hast du verschiedene Utensilien (Schminkfarben, Haargel, Schmuck, Tücher,...) mitgebracht, anschließend können sich alle fotografieren lassen.

Abschluss: Wipala-Fahne


Wipala — das heißt auf Kechua, einer indigenen Sprache Ecuadors, "Fahne" - ist das Symbol der indigenen Bewegungen Amerikas. Sie enthält die 7 Farben des Regenbogens, die im Licht enthalten sind. Sie sind ein Symbol für Vielfalt, auch die Farben haben Bedeutungen, die in den indigenen Gesellschaften wichtig sind:

rot: Nachdenken, Philosophie, Wissen
Es ist spannend, nachzudenken über...

orange: Menschen, Gesellschaft
Ich denke an einen Menschen, der ist super, weil...

gelb: Kraft, Energie
Es ist aufbauend, dass wir Kraft/Energie/Mut bekommen durch...

weiß: Zeit
Es ist schön, wenn ich/wir Zeit haben für...

grün: Reichtum der Natur
In der Natur gibt es so viel Tolles, z.B.:...

blau: Erde, Universum
Es ist gut, dass es auf der Erde so viel gibt, z.B.:...

violett: Politik, Demokratie
Es ist toll, dass meine Meinung gefragt ist, bei...
Es ist toll, dass sich Menschen zusammentun, damit sie stärker sind, um...

Du hast die Bedeutungen auf Buntpapier in den jeweiligen Farben geschrieben und darunter die Satzanfänge. Die Kinder sollen die Sätze vervollständigen und auf quadratische Zettel der dazugehörigen Farbe schreiben, sodass ihr dann die beschrifteten (und evtl. auch leer gebliebenen) Zettel zu einer oder mehreren Wipalas zusammenklebt. (Für eine Wipala braucht ihr von jeder Farbe 7 Quadrate.)

Weitertragen: Unsere Pfarr-Wipalas


Ihr könnt in den nächsten Wochen ja noch weitere Wipala-Elemente hinzufügen oder ihr ladet andere Pfarrgruppen der Katholischen Aktion (Frauen-/Männergruppe, Jugendgruppe, Familienrunde,...) oder den PGR ein, auch eine Wipala hinzuzufügen...

Autor/in: Kathrin Wexberg und Christoph Watz

Publikation: Kumquat_2/04

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Schlagwörter: Welt, Kennen lernen, Kunst/Kultur