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Wenn wir uns da richtig verstehen...

Gruppenstunde | Alter: 10-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Ein wesentlicher Bestandteil unseres Leben ist die Begegnung mit anderen Menschen. Kommunikation scheint uns manchmal ganz normal und selbstverständlich zu funktionieren. Missverständnisse passieren, so mag es scheinen, selten. Bei genauer Betrachtung stellt sich dann aber heraus, dass auch der ganz alltägliche Austausch eine ziemlich komplizierte und spannende Sache ist und Informationen in den seltensten Fällen 1:1 übertragen werden. Der/die "Empfänger/in" einer Botschaft interpretiert sie auf jeden Fall und nimmt sie auf seine/ihre persönliche Weise auf.

Ziel

In dieser Gruppenstunde soll Gelegenheit sein, spielerisch verschiedene Arten von Kommunikation auszuprobieren und sich bewusst zu werden, wie komplex der alltäglichen Austausch von Informationen eigentlich ist.

Material

  • Das nötige Material ist jeweils bei den einzelnen Spielen angeführt.

Aufbau

Im Folgenden sind einige Kommunikationsspiele beschrieben. Zu jedem Spiel gibt es auch einige Reflexionsfragen, die ihr verwenden könnt, um euch nachher über eure Erfahrungen auszutauschen.
Für die Gruppenstunde kannst du die Spiele auswählen, die deiner Gruppe am besten entsprechen.

 

Der Einstieg


Am Beginn der Gruppenstunde begrüßt du die Kinder und erklärst, dass es heute ums Thema Kommunikation geht. Unter Kommunikation versteht man den Austausch von Informationen - durch Worte, Zeichen oder Ähnliches. Aufs erste könnte man meinen, dass es sich dabei eigentlich um eine ganz einfache und unaufregende Sache handelt, auf den zweiten Blick ist Kommunikation aber ein ziemlich spannendes und manchmal auch ganz schön kompliziertes Thema. Damit es allen auch Spaß macht, sich mit Kommunikation zu beschäftigen, wollt ihr nun gemeinsam einige Spiele zum Thema ausprobieren, und euch jeweils nach einem Spiel anhand verschiedener Fragen darüber austauschen.

Mit Händen und Füßen


Material: Zettel in drei Farben mit zu erratenden Begriffen, eine Sanduhr, leere Zettel und Stifte
Diese Spielidee ist auch unter dem Namen "Activity" bekannt. Du hast Zettel mit Begriffen in drei Farben vorbereitet. Die Farbe gibt an, auf welche Art und Weise der Begriff für die anderen erklärt oder dargestellt werden soll. Die drei Kategorien "mit Worten erklären", "zeichnen" und "Pantomime" stehen zur Auswahl. Ein Kind beginnt und zieht ein Kärtchen der Farbe seiner Wahl, es hat nun einen Sanduhrdurchlauf lang Zeit, den Begriff zu erklären, zu zeichnen bzw. pantomimisch darzustellen. Alle anderen Kinder können raten. Wenn das Wort erraten oder die Zeit abgelaufen ist, kommt das nächste Kind an die Reihe. In einem weiteren Schritt können die Kinder dann auch selbst Begriffe erfinden, die erraten werden sollen, und sie auf Zettel schreiben. Auf denselben Zettel schreiben sie auch ihren Namen, und bevor ein Kind beginnt, einen Begriff für die anderen darzustellen oder zu erklären, nennt es den/die Autor/in des Rätsels, denn dieses Kind soll in der Runde freilich nicht mitraten!
Auf jeden Fall solltest du dir die Zettel der Kinder ansehen und allzu schwierige oder für die Darsteller/innen unangenehme Begriffe gleich aussortieren, deinen Kindern aber auch sagen, dass und warum du dies tust.
Variante: immer zwei Kinder ziehen einen Begriff und zeichnen, reden oder stellen ihn gemeinsam dar.

Fragen für den anschließenden Austausch

  • Was ist euch am leichtesten gefallen: zeichnen, reden oder pantomimisch darstellen?
  • Welche Art der Darstellung war am lustigsten für den/die Darstellende/n bzw. für die Ratenden?
  • In welchen Situationen teilt ihr euch normalerweise durch Sprechen, Zeichnen oder pantomimische Zeichen mit?
  • Fallen euch noch andere Möglichkeiten ein, wie man einander etwas mitteilen kann? (Wenn die Kinder passende Ideen haben, könnt ihr probieren, Begriffe auf diese Weise zu erraten - z.B. durch Geräusche.)


Blinde/r Baumeister/in


Material: beliebiges Material, das jeweils in genau gleicher Form und Farbe zumindest zwei Mal vorhanden ist. z.B.: 2 mal 8 Zündhölzer, 2 mal 10 Hüllen von Überraschungseiern, 2 mal ein identisches Set von Bausteinen, 2 mal 3 gelbe und 5 rote Putzschwämmchen,....
Immer zwei Kinder sitzen Rücken an Rücken am Boden, vor sich haben sie jeweils genau das gleiche Material, z.B. jede/r drei gelbe und fünf rote Putzschwämmchen. Ein Kind legt oder stellt die Schwämmchen nun in beliebiger Anordnung vor sich auf. In Folge hat es die Aufgabe, dem anderen Kind so zu erklären, in welcher Lage die Schwämmchen sich nun befinden, dass dieses das Gebilde mit seinen Schwämmchen "nachbauen" kann. Dabei darf das zweite Kind Rückfragen stellen, beide Kinder dürfen sich aber nicht umdrehen und nachschauen. Wenn der/die Nachbauende glaubt, fertig zu sein, werden die Bauwerke verglichen. In einer zweiten Runde können die Kinder Rollen tauschen.
Variante: Das zweite Kind darf beim Bauen keine Rückfragen stellen, sondern soll versuchen, nur nach einer einmaligen Anleitung das Gebilde nachzubauen.

Fragen für den anschließenden Austausch:

    War das Erklären und Nachbauen leichter oder schwieriger, als ihr erwartet habt?
  • Gab es große Unterschiede zwischen den beiden Varianten (mit und ohne Nachfragen nachzubauen)?
  • Drücken wir uns beim Reden immer ganz genau und unmissverständlich aus?
  • Glaubt ihr, dass jetzt besonders viele Missverständnisse passiert sind? Wie ist das sonst so beim Reden? Verstehen wir da die anderen genau, oder gibt es da auch Missverständnisse?
  • Gibt es Beispiele für Missverständnisse, die euch schon passiert sind und die ihr erzählen wollt?


In den folgenden 3 Spielen geht es darum, dass Informationen sich immer mehr verändern, je weiter der Weg ist, den sie schon zurückgelegt haben, so wie es z.B. auch bei Gerüchten der Fall ist.

Schreiben und Zeichnen


Material: Papier und Stifte
Die Gruppe sitzt im Kreis. Jedes Gruppenmitglied bekommt einen Stift und ein Blatt Papier (A4). Nun überlegt sich jede/r einen beliebigen, längeren aber nicht allzu langen Satz, den er/sie ganz oben aufs Blatt schreibt, dann werden alle Zettel im Uhrzeigersinn weitergegeben. Nun hat jede/r einzelne in der Runde die Aufgabe, den Satz möglichst genau und vollständig direkt unterhalb des Satzes aufzuzeichnen. Dann knickt jede/r sein/ihr Blatt so nach hinten um, dass das Kind, das den Zettel als nächstes bekommt, nur mehr die Zeichnung sieht, den Satz ganz oben am Blatt aber nicht mehr lesen kann. Dieses Kind soll nun nämlich wieder einen Satz aus der Zeichnung, die es vor sich sieht, machen und aufs Papier schreiben. Dann knickt es wiederum die Zeichnung nach hinten und gibt den Zettel weiter. So wird abwechselnd geschrieben und gezeichnet, bis die Zettel eine Runde gemacht haben. Gemeinsam kann man sich dann alle Blätter anschauen und bestaunen, was aus dem Anfangssatz geworden ist.

Stille Erklärung


Die Kinder sitzen im Kreis, ein Kind denkt sich einen Begriff aus und flüstert
ihn seinem/r Nachbarn/in ins Ohr. Diese/r flüstert nun dem nächsten Kind eine Erklärung für den gehörten Begriff ins Ohr, nennt das Wort selbst dabei aber nicht. Das dritte Kind flüstert dem vierten wiederum einen Begriff zu, den es glaubt, soeben erklärt bekommen zu haben. So wird immer abwechselnd ein Wort oder eine Erklärung weitergeflüstert, das letzte Kind im Kreis sagt seine Erklärung oder seinen Begriff laut, um ihn mit dem Anfangswort zu vergleichen.

Rückenpost


Material: Papier, Stifte
Alle Kinder sitzen in einer Reihe hintereinander. Das Kind, das ganz hinten sitzt, zeichnet nun ein einfaches Bild erst auf ein Blatt Papier und dann genau das gleiche Motiv mit dem Finger dem Kind vor ihm auf den Rücken. Dieses Kind gibt die Information nun weiter, indem es wiederum mit dem Finger auf den Rücken vor ihm "zeichnet". Das vorderste Kind zeichnet schließlich auf ein Blatt, was es am Rücken gespürt hat. Die Zeichnungen vom Anfang und vom Schluss können dann verglichen werden.

Fragen für den anschließenden Austausch (für Schreiben und Zeichnen, Stille Erklärung und Rückenpost)

    Kennt ihr andere Beispiele dafür, wie sich Sätze oder Aussagen immer mehr verändern, je weiter sie die Runde machen? Ist euch so etwas schon passiert?
  • Wie kann man bei Informationen, die schon einen so weiten Weg gegangen sind, herausfinden, ob sie überhaupt noch stimmen? Fallen euch da Beispiele ein?
  • Ist es leichter, eine Zeichnung in Sprache zu übertragen, oder Sprache in eine Zeichnung?


Geschichte zeichnen


Material: eine kurze Geschichte, Papier, Stifte
Bei diesem Spiel geht es darum, dass Information immer individuell wahrgenommen wird. Manches wird in der eigenen Phantasie ausgeschmückt, durch persönliche Vorstellungen oder Vorwissen ergänzt - was einem nicht wichtig erscheint, nimmt man hingegen oft gar nicht wahr.
Du erzählst deinen Kindern eine kurze Geschichte. Nun sollen die Kinder zeichnen, was sie gerade gehört haben, einander beim Zeichnen aber nicht zusehen. Dann werden die gezeichneten Bilder verglichen.

Fragen für den anschließenden Austausch:

    Sind die Zeichnungen ähnlich oder unterschiedlich geworden?
  • Haben manche etwas gezeichnet, wovon im Text der Geschichte gar nicht die Rede war? Sind Bestandteile der Geschichte, die den einen wichtig waren, bei anderen weggelassen worden?


Welcher Gedanke steckt dahinter?


Material: Illustrierte, Scheren, Klebstoff, Stifte, Papier
Du beginnst die Spielerklärung mit einer kleinen Einleitung: Manchmal sagt man etwas und meint damit aber eigentlich etwas ganz Anderes. So kann z.B. ein Vater sein Kind fragen, wie spät es ist, und meint damit aber, ob das Kind eigentlich seine Aufgabe schon gemacht hat. Ein Kind kann seiner Freundin sagen, dass die Matheschularbeit total schwer war, und meint damit aber, dass es gerne hätte, wenn sie gemeinsam Mathematik lernen könnten. Oft sagt man also Dinge, die aber etwas ganz anderes bedeuten sollen und oft glaubt man auch, dass ein Satz, den jemand sagt, etwas Bestimmtes bedeutet, und es ist dann aber gar nicht so. Darum geht es in diesem Spiel.
In einem ersten Schritt schneidet ihr aus Zeitschriften Bilder aus, auf denen die Gesichter von Personen möglichst deutlich zu sehen sind. Dann soll jede/r zu den Figuren, die er/sie zunächst auf ein Blatt Papier geklebt hat, eine Sprechblase mit einem Satz dazumalen, den die Person in dieser Situation gerade sagen könnte. Dann werden die Bilder im Raum verteilt aufgelegt oder aufgehängt, alle gehen herum und schreiben zu den Bildern aufs jeweilige Blatt dazu, was die Person mit dem, was sie sagt, meinen könnte. Gemeinsam werden dann alle Bilder angeschaut und die Sätze vorgelesen. Das Kind, das den ursprünglichen Satz erfunden hat, kann, wenn es will, dazusagen, welche Deutung am ehesten seiner ursprünglichen Idee entspricht, und auch die anderen Kinder können ihre Meinung kundtun, welche Interpretation des Satzes sie für wahrscheinlich, lustig, weit hergeholt,... halten.

Fragen zum anschließenden Austausch:

    Die einzige Möglichkeit sicher herauszufinden, was jemand meint, ist nachzufragen. Tun wir das oft?
  • Passiert es uns manchmal, dass wir uns irren, was jemand mit dem, was er/sie sagt, meint?
  • Hattet ihr unterschiedliche oder eher ähnliche Ideen?


Wenn du noch mehr Spiele zu Kommunikation ausprobieren willst, kannst du auch noch in die Spieledatenbank schauen: z.B. Blinde/r Maler/in ist ein geeignetes Spiel.

Publikation: Spielaktionen

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Schlagwörter: Spiel, Spaß, Kommunikation