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Der Weg zur Gerechtigkeit...

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: hoch

Ziel

Die Kids sollen sich mit dem Begriff "gerecht" auseinandersetzen und überlegen, was dieser in unterschiedlichen Situationen bedeuten kann. Manchmal wird es gerecht sein, wenn alle das gleiche bekommen. Manchmal aber auch, wenn alle am Schluss unterschiedliches haben — aber eben auf die unterschiedlichen Bedürfnisse Rücksicht genommen wurde. Wahrscheinlich gibt es auch Situationen im Leben, wo aufgrund der Umstände keine gerechte Lösung möglich ist.

Material

  • Kärtchen mit Buchstaben (u, n, g, e, r, e, c, h, t, b, e, n, k, o, m, m, g, i,...)
  • Ca. 20 Schuhschachteln oder selbstgebastelte Schachteln

Aufbau

Am Anfang bilden die Kinder aus Buchstaben verschiedene Kombinationen zum Thema "un/gerecht". Auf dem Weg zu einer Gerechtigkeitskonferenz versperrt eine "Klagemauer" mit ungerechten Situationen den Weg. Über die Methode des "Mitspiel-Theaters" sollen die Kids erfahren, dass sie in Situationen auch eingreifen und diese verändern können.

 

Buchstaben der Un/Gerechtigkeit


Du hast auf Kartonkärtchen Buchstaben vorbereitet (u, n, g, e, r, e, c, h, t, b, e, n, k, o, m, m, g, i,...), mit denen sich verschiedenste Kombinationen zu "Recht haben, geben, im Unrecht sein" usw. bilden lassen. Nun soll damit ein Kreuzworträtsel à la Scrabble gebildet werden.

Die Gerechtigkeitskonferenz


Du lädst die Kinder ein, mit dir eine Gerechtigkeitskonferenz zu besuchen. Der Weg dorthin ist aber durch eine Mauer versperrt. Dies ist eine Klagemauer aus lauter Schachteln, auf die ungerechte Situationen geschrieben sind (siehe Ende der Gruppenstunde). Auf einigen Schachteln steht noch nichts. Hier können die Kinder überlegen, welche ungerechten Situationen sie aus ihrem eigenen Leben, dem ihrer Freund/innen, Bekannten, Nachbar/innen, im Bezirk, in der Gemeinde kennen. Wichtig ist dabei, dass die Kids keine persönlichen Geschichten erzählen müssen, sondern auch Situationen erfinden können. Wenn du nicht genügend (Schuh-) Schachteln hast, kannst du auch ganz einfach Schachteln aus A 3-Papier basteln (Anleitung auf wien.jungschar.at).

Da spiel ich mit


Da jetzt ja euer Weg zur Gerechtigkeitskonferenz versperrt ist, solltet ihr überlegen, wie ihr diese Mauer kleiner machen oder sogar abbauen könnt. Dazu können die Kinder "Klagemauerschachteln" aussuchen, die sie besonders interessieren und die auch nachgespielt werden können. Dabei soll es so sein, dass nicht alle von Beginn an mitspielen, sondern bestimmte Rollen während des Spiels "ausgetauscht" werden können.

Mit-Spiel-Theater: z. B. Thomas und Martin haben sich für den Nachmittag zum Spielen im Park verabredet, Thomas hat von seiner Mutter eine Tafel Schokolade mitbekommen, Martin hat nichts mitbekommen. Im Park treffen sie dann noch 3 andere Kinder, die mit ihnen Ball spielen möchten.

5 Kinder beginnen nun, diese Situation nachzuspielen. Alle mitspielenden Kinder können nun zu unterschiedlichsten Zeitpunkten im Rollenspiel "ausgetauscht" werden: Immer wenn ein/e Zuschauer/in "Stopp" sagt, friert die Situation ein und der/die Zuschauer/in kann statt einem/r Mitspieler/in in das Rollenspiel einsteigen. Die Kinder können nun ausprobieren, auf welche — unterschiedlichen — Arten die Situation gelöst werden kann, sodass sie am Schluss von euch als gerecht empfunden wird.
Mögliche Varianten für die erste Situation könnten z.B. sein: Thomas teilt mit Martin nach dem Spielen im Park die Schokolade, damit die anderen Kinder nicht enttäuscht sind, dass sie keine Schokolade bekommen; oder: Thomas lässt die Tafel Schokolade zu Hause; oder: Thomas teilt mit allen Kindern im Park...
Wichtig ist, dass du den Kindern Anregungen gibst, um ihr Verständnis von gerecht bzw. ungerecht zu erweitern, aber keine Lösungen vorgibst.

Abschluss


Wenn die Kinder finden, dass die Lösung, die sie gefunden haben, in diesem Fall "gerecht" ist (manchmal wird es eine 100%ige Gerechtigkeit nicht geben), wird der Teil der Klagemauer, auf dem die Situation gestanden ist, herausgenommen und platt gedrückt. Dieser Teil wird somit zu einem Pflasterstein, um den Weg zur Gerechtigkeitskonferenz für euch zu pflastern. Es müssen nicht alle Schachteln gespielt und zu Pflastersteinen umgewandelt werden, es kann auch ruhig ein Teil der Mauer stehen bleiben.

Situationen:


  • Thomas und Martin haben sich für den Nachmittag zum Spielen im Park verabredet, Thomas hat von seiner Mutter eine Tafel Schokolade mitbekommen, Martin hat nichts mitbekommen. Im Park treffen sie dann noch 3 andere Kinder, die mit ihnen Ball spielen möchten.
  • Carmen, Regina und Hans treffen einander am Nachmittag bei Klaus zum Lernen. Sabine wollte auch kommen, ist aber krank geworden. Klaus´ Mutter hat für alle 5 Krapfen eingekauft. Regina hat besonders großen Hunger.
  • Clemens ist 9 Jahre und sieht gar nicht ein, dass er um 20.00 Uhr schlafen gehen muss, während seine Schwester Hanna (12 Jahre alt) bis 21.00 aufbleiben darf und somit manchmal den Rex anschauen darf.
  • Heinz wünscht sich zum Geburtstag die 4 Bände von Harry Potter, weil in der Klasse haben alle Kinder schon die Bücher. Sein Vater erklärt ihm, dass er nur einen Band bekommt. Heinz findet das ungerecht!
  • Ferdinand hat neue Fußballschuhe bekommen, sein Bruder Max nicht. Er findet das extrem ungerecht, warum er seine alten "Latschen" weiter anziehen muss, nur weil er langsamer wächst!
  • Susi und Helene haben bereits ihre Schulübung geschrieben und beginnen sich zu unterhalten, was sie am Nachmittag tun werden. Die Lehrerin sagt, sie sollen aufhören zu tratschen, und gibt ihnen noch eine Zusatzaufgabe!
  • Vroni bekommt viel weniger Taschengeld als die anderen Kinder in ihrer Klasse. Sie findet das ungerecht, weil ihre Eltern nicht schlecht verdienen.
  • Elisabeth bekommt zum Geburtstag ein neues Nachtkasterl vom Ikea. Während sie noch die anderen Geschenke auspackt, beginnen ihr Vater und ihr Bruder dieses unaufgefordert zusammenzubauen, weil sie ihr nicht zutrauen, das selber zu machen.
  • Rudi steht in der Schlage und stellt sich um eine Wurtsemmel an. Eine Frau drängt sich vor und meint, sie hat es besonders eilig und Kinder haben doch eh immer Zeit.
  • Sebastian (13 Jahre) ist bei seiner älteren Schwester zu Besuch, die eine kleine Tochter hat. Als das Baby gewickelt werden muss, meldet sich Sebastian, dass er das gerne machen würde. Seine Mutter meint, aber das kannst du doch gar nicht, und fragt seine jüngere Schwester (12 Jahre)!
  • Es ist Sonntag Nachmittag, Pia und Hannes wollen sich am Nachmittag etwas im Kinderprogramm anschauen. Aber die Eltern haben gesagt sie müssen jetzt mitfahren, die Tante Mitzi besuchen, aber dort ist es immer so fad! Die beiden finden es ungerecht, dass sie sich dem Willen ihrer Eltern beugen müssen.

Autor/in: Bernhard Binder und Verena Vichytil

Publikation: Kumquat_4/03

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