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Am Friedhof

Gruppenstunde Ausflug | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Die nebelige Zeit rund um Allerheiligen und Allerseelen, das langsame Ende des Herbstes und die ersten Vorboten des kalten Winters scheinen den Menschen ihre eigene Vergänglichkeit in Erinnerung zu rufen. Traditionell ist dies daher auch die Zeit, die oft zu Friedhofsbesuchen genutzt wird.
Mit deinen Kindern auf den Friedhof zu gehen, beinhaltet die Chance, dass ihr ins Reden kommt, über das Leben und den Tod und das, was danach sein könnte. Und das ist etwas Ungewöhnliches, weil der Tod ein Thema ist, über das man selten ernsthaft und doch unverkrampft reden kann, und das spüren Kinder natürlich auch. Daher ermutige deine Kinder, Fragen zu stellen, auch wenn du keine Antwort darauf hast. Fragen wie "Was passiert, wenn man tot ist?" oder "Warum müssen manche Leute schon so jung sterben?" können wir nicht mit unserem Wissen beantworten. Vielmehr kannst du aber bei den Kindern nachfragen, was sie denn selber glauben. Nicht die Antworten, sondern das Darüber-Reden ist wichtig!

Ziel

Bei dieser Rausgehaktion haben die Kinder die Chance, einmal mit jemand anderem als ihren Eltern oder Großeltern auf den Friedhof zu gehen und ihn — abseits von traurigen Anlässen — vielleicht aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Fern von morbiden und makaberen Tendenzen sollen die Kinder spielerisch Wissenswertes über den Friedhof erfahren, Gräber betrachten und so vielleicht ein bisschen ins Philosophieren über das Leben und den Tod kommen.

 

Vorher...



Wenn ihr auf den zu eurer Pfarre gehörenden Friedhof geht, meldet dies rechtzeitig vorher bei eurem Pfarrer oder sonstigen zuständigen Personen an, damit es beim Besuch dann keine Probleme gibt. Besucht ihr einen großen Friedhof, dann solltest du dich über die Öffnungszeiten informieren. Bei dieser Gelegenheit solltest du gleich abklären, ob zum gewünschten Termin ein Begräbnis stattfindet — das solltest du im Interesse der Kinder und der Trauernden vermeiden. Ein anderer Grund, die Friedhof-Rausgehaktion auf später zu verschieben ist, wenn es erst vor kurzem in der Familie oder im Freundeskreis eines deiner Kinder einen Todesfall gegeben hat.

Vergiss auch nicht, die Kinder daran zu erinnern, sich warm anzuziehen. Und vereinbart vor der Rausgehaktion Regeln, die auf dem Friedhof eingehalten werden sollen wie: ein Zeichen, auf das hin sich alle am Treffpunkt versammeln, und dass die Kinder versuchen, eher leise zu sein, um andere Friedhofsbesucher/innen nicht zu stören.

Falls Verwandte oder Bekannte der Kinder auf dem Friedhof, den ihr besuchen wollt, begraben sind, wäre es schön, den Kindern die Möglichkeit zu geben, das Grab zu besuchen und eine Kerze anzuzünden.

Dort...



Das Who ist Who des Friedhofs



Vielleicht liegen auf eurem Friedhof Leute begraben, "die man kennt". Ob frühere Bürgermeister/innen, Musiker/innen oder Dichter/innen, Sportler/innen oder Skandalumwitterte: Es wäre nett, den Kindern am Grab dieser Persönlichkeit etwas über ihr Leben zu erzählen und was sie so berühmt gemacht hat. Größere Friedhöfe haben oft Homepages, auf denen du dich im Vorhinein über die Ehrengräber informieren kannst.

Unbekannte Namen



Der überwiegende Teil der Namen auf den Grabsteinen wird euch wahrscheinlich unbekannt sein. Schaut auf die Daten der Geburt und des Todes und überlegt, was ein Mensch mit diesen Lebensdaten erlebt haben könnte, vielleicht in Verbindung mit historischen Ereignissen. Beispielsweise könnte jemand, der 1883-1943 gelebt hat, auf einer Kreuzfahrt dem Kaiser Franz Joseph die Hand geschüttelt haben. Und jemand mit den Lebensdaten 1906-1983 könnte seinem großen Vorbild Marlene Dietrich auf ihrer Tournee nachgereist sein, um keinen Auftritt zu versäumen... Dazu wäre es hilfreich, einige Zeittafeln der österreichischen Geschichte bei der Hand zu haben.

Ein unvergesslicher Mensch ist von uns gegangen



So oder mit ähnlichen Worten beginnen viele Nachrufe. Warum aber mit Ruhm und Ehre warten, bis man gestorben ist? Es tut doch auch gut, schon zu Lebzeiten gelobt zu werden! Ältere Kids könntest du auffordern, eine Lobesrede auf sich selbst zu verfassen. Welche Taten würden die Kids gern vollbracht haben, was würden sie gern erlebt haben und welche ihrer günstigen Eigenschaften sollten auf jeden Fall in einem Nachruf erwähnt werden? Anschließend kann jede/r, der/die mag, die Rede feierlich vortragen.

Jemand, der es wissen muss



Manche Leute verbringen von Berufs wegen sehr viel Zeit am Friedhof: Gärtner/innen, Totengräber/innen, Begräbnisleiter/innen,... Wenn eine dieser Personen gern und sinnvoll Fragen von Kindern beantwortet, wäre es eine interessante Sache, sie zu interviewen und sich ein bisschen herumführen zu lassen.

Jedes Grab ist anders



Beim Betrachten verschiedener Gräber fällt auf, dass keines von ihnen ganz genau so wie ein anderes aussieht — daraus könnt ihr ein Spiel machen: Zwei Gruppen erhalten den Auftrag, spezielle Gräber ausfindig zu machen. Also eine Gruppe könnte beispielsweise das älteste Grab, die andere Gruppe das Grab mit dem schönsten Spruch suchen. Wenn die Gruppen fündig geworden sind, treffen sie einander und schildern, wie das Grab aussieht. Daraufhin versucht die jeweils andere Gruppe, das beschriebene Grab zu finden.
Im Anschluss könnt ihr euch darüber unterhalten, wie Gräber sich im Lauf der Zeit verändert haben, und ihr könnt auch Skizzen anfertigen, die zeigen, wie Gräber im Jahr 2200 aussehen könnten.

Architektur



Jeder Friedhof hat entweder eine Kirche oder eine Kapelle. Die Kinder könnten der Frage nachgehen, ob an der Kirche oder Kapelle Symbole für den Tod und/oder das ewige Leben angebracht sind. Geht mit einem Notizblock in der und um die Kirche herum und fertigt Skizzen und Theorien an. Außerdem könnt ihr überlegen, welchen generellen Eindruck das Gebäude macht (hell — düster, tot — lebendig, bunt — dezent,...) und was der/die Architekt/in womöglich damit bewirken wollte.

Nachher...



Nachher wäre es fein, sich im Jungscharheim bei einer Tasse Tee oder Kakao wieder aufzuwärmen. Wenn das Jungscharheim weit weg ist, könntest du eine Thermoskanne mit heißem Tee mitnehmen.

Ein paar Erklärungen...



Aufbahrung: Vor dem Begräbnis wird der/die Tote in einer Halle aufgebahrt, Blumen und Kränze schmücken den Sarg. Ein letztes Mal kann man den Körper betrachten und sich verabschieden. Der ehrfurchtsvolle Umgang mit dem Leichnam Jesu bei seinem Tod und seinem Begräbnis war der Kirche stets Impuls für einen pietätvollen Umgang mit den Toten.

Der dreimalige Erdwurf: Bei der Taufe werden wir "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" getauft — früher wurden die Täuflinge deshalb dreimal in Wasser getaucht, die Stirn von Kindern dreimal übergossen. Dieses Ritual scheint von der Taufe auf das Begräbnis übertragen worden zu sein, wo nun dreimal ein Schäufelchen Erde auf den bereits versenkten Sarg geworfen wird.

Farbensymbolik (weiß, schwarz): Schwarz symbolisiert Nacht, Vernichtung, Tod und Totenreich und stellt darum die Trauerfarbe dar. Die Trauer in Weiß, wie sie z.B. in Mexiko üblich ist, hat etwas Messianisches, Hoffnungsvolles. Die Trauer in Schwarz ist Trauer ohne Hoffnung, der Fall ins Nichts ohne Wiederkehr.

Kranz: Siegeskränze erscheinen sehr häufig auf christlichen Grabplatten, Sarkophagen, Lampen usw., manchmal mit dem Christusmonogramm verbunden, manchmal mit Lamm und Taube. Die Symbolik des Kranzes ist im biblischen Sprachgebrauch (griech. stephanos) und in der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst mit der Krone identisch und steht hier für den Sieg über den Tod.

Informationen im Glossar stammen v.a. aus:
http://pkgodzik.bei.t-online.de/symbole%20der%20hoffnung.html

Autor/in: Andrea Jakoubi und Lisi Paulovics

Publikation: Kumquat_3/03

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Jahreskreis: Allerheiligen/Allerseelen

Schlagwörter: Religiöses, Allerheiligen/Allerseelen, Rausgehaktion