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Kinder sind so — sind Kinder so???

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Kinder werden in Büchern, Liedern, Werbungen immer wieder anders dargestellt, als sie tatsächlich sind: Oft werden alle Kinder "in einen Topf geworfen", ihnen werden in Texten oder Spots eigenartige Verhaltensweisen als "für Kinder charakteristisch" untergeschoben, Mädchen und Buben werden klischeehaft dargestellt usw. In dieser Gruppenstunde habt ihr die Möglichkeit, ebensolche Darstellungen gemeinsam daraufhin zu überprüfen, wie Kinder gezeigt werden.

Material

  • Einstieg: Bilder von Kindern aus Zeitschriften, ev. Kärtchen mit Eigenschaften
  • Baustein 1 - Lieder und Bücher: Liedtexte oder Texte aus Büchern, evtl. groß für alle Kinder kopiert, Stifte
  • Baustein 2 — Werbung: Werbespots, Videorekorder, Kärtchen, Stifte, evtl. Videokamera (im JS-Büro auszuborgen)

Aufbau

In dieser Gruppenstunde könnt ihr - je nachdem, was deine Kinder mehr interessiert - entweder Bücher und Lieder oder Werbespots unter die Lupe nehmen: Nach einem Spiel zum Einstieg werden in beiden Fällen zuerst die Bücher und Lieder bzw. Spots untersucht, um dann eine für euch passende Version zu erstellen.

 

Einstieg für Baustein 1 und 2: Bilder — Lächeln — Wirklichkeit


Als Einstieg hast du viele Bilder von Kindern aus Zeitschriften im Gruppenraum verteilt. An einer anderen Stelle hast du Zettel mit Eigenschaften (wild, nachdenklich, brav, traurig, zornig, lästig, neugierig,...) vorbereitet.
Variante a: Die Kinder sollen die Zettel mit den Eigenschaften den Abbildungen zuordnen, währenddessen könnt ihr euch gleich darüber unterhalten, ob die Kinder meinen, dass Kinder manchmal so sind, und warum die Kinder diese Zuordnungen ausgewählt haben.
Variante b: (eine Variante von Obstsalat): Jedes Kind wählt eines der Bilder aus, dann stellen sich alle im Kreis auf. Ein Kind stellt sich in die Mitte und ruft eine Eigenschaft, die auf einem oder mehreren Bildern zu sehen ist. Nun versucht es, ein Kind, dessen Bild die Eigenschaft zeigt, zu berühren. Dieses muss auf seinem Platz stehen bleiben, kann sich aber vor dem/der Fänger/in schützen, indem es eine neue Eigenschaft ruft, die der/die Fänger/in nun erwischen muss. Wird ein Kind gefangen, ist es der/die neue Fänger/in. Hat der/die Fänger/in keine Lust mehr, stellt er/sie sich mit dem Bild in den Kreis und ein anderes Kind nimmt den Platz in der Mitte ein.

Baustein 1: Lieder und Bücher


Du hast Lieder oder Stellen aus Büchern ausgewählt, in denen Kinder sehr klischeehaft, eigenartig oder z.B. so dargestellt werden, dass sie immer nur mühsam oder lästig sind, Arbeit machen, den Erwachsenen auf die Nerven gehen und man ihnen nichts zutrauen kann. Ein Beispiel findest du hier abgedruckt:

Reinhard Mey: Aller guten Dinge sind drei
Der Wecker fliegt, halb sieben, Unheil nimm deinen Lauf
Der Große muss zur ersten Stunde los steh' auf
Und mach leise, dass nicht gleich der Mittlere aufwacht, der kann noch schlafen

Rumms, die erste Türe kracht, die Diele knarrt, die Spülung rauscht
Und überdies ist die Kleine aufgewacht und schreit wie am Spieß
Ich setz sie auf den Topf sie ist ganz rot vor Wut
Ich schmier dem Großen schnell ein Pausenbrot, mach's gut
Vergiss den Turnbeutel nicht, der Mittlere kommt ran, lauf hier nicht barfuss rum
Los, zieh dir Fußschuh an

Ich seh grad zu wie der Toast in Flammen aufgeht, da hat die Kleine ihren Topf samt Inhalt umgedreht und stürzt sich auf mich mit einem Freudenschrei
Aller guten Dinge sind drei.

Ich hab den Mittleren zu Schule gebracht und verwische die Spuren der Haselnusscremeschlacht
Dies ist die Zeit wo ich an meinen Schreibtisch kann die Kleine malt mein Bein
mit einem Filzstift an und erledigt während eines kurzen Telefonats
Durch Zerreißen die gesamte Post des Vormonats
Der Große kommt nach Haus und macht ein langes Gesicht
Alle Kumpels haben nen Computer nur er wieder nicht
Die Kleine pinkelt auf den Teppich die bringt mich ins Grab
Vorher hol ich noch den Mittleren von der Schule ab
Dann gibt’s Mittag und nen Streit, wer's erste Fischstäbchen kriegt
Bis die Tränen fließen und es auf der Erde liegt die Kleine nießt mich an
Und hat den Mund voll dabei
Aller guten Dinge sind drei

Ich nötige sie zum Mittagsschlaf, jetzt hätt ich etwas Zeit
Der Große beichtet mir seine Geschichtsarbeit und jetzt hat er drei Chaoten zum Spielen bestellt, nicht so laut, doch als der erste Stuhl umfällt ist die Kleine wach
Der Mittlere schluchzt, ich denk ich soll zum Kindergeburtstag
Und hab noch kein Geschenk, die Kleine steckt sich erstmal eine Erbse ins Ohr
Der Doktor ist ein Freund und nimmt uns rasch mal vor
Ich kauf schnell ein Geschenk und geb den Mittleren ab
Komm schweißgebadet raus ich glaub ich mache schlapp
Der Autoschlüssel ist weg, wie komm ich jetzt nach Haus
Nur widerwillig spuckt die Kleine ihn dann doch noch aus
Ein Nachbar grüßt na sie hab'n wohl immer frei
Aller guten Dinge sind drei

Zu Hause setzt bereits der Abendwahnsinn ein, die Kleine rollt sich gleich
Mit hohen, spitzen Schreien in einen Vorhang ein zu einem dicken Ballen
Und lässt sich samt Gardine auf den Boden fallen
Beim Großen dröhnt ohrenbetäubende Musik
He Alter, bleib ganz cool, ich übe Mathematik
Der Mittlere kommt vom Geburtstag mit dem Rekord im Negerkusswettessen
Und er übergibt sich sofort der Große und die Kleine krieg'n
Ne Schrulle aufs Brett der Negerkusswettesser eine Schüssel vors Bett
Zwei Einschlafgeschichten bei jedem von den Dreien
Ich selber schlafe direkt bei der Tageschau ein
Ich schlepp mich ins Bett die Füße schwer wie Blei
Aller guten Dinge sind drei

Meine Frau lächelt mir zu na, überleg es dir
Vielleicht sind aller guten Dinge ja auch vier
Ich breche zusammen, nein es bleibt dabei
Aller guten Dinge sind drei.

Stimmt das so?


Ihr entscheidet euch für einen Text, mit dem ihr euch in der Stunde näher beschäftigen wollt. Nach dem Anhören bzw. Lesen erhalten die Kinder die Texte groß kopiert und können jene Stellen, zu denen sie Anmerkungen haben, markieren. Dabei ist es sinnvoll, dass du die Texte mehrmals vorbereitet hast und immer 3 — 4 Kinder gemeinsam einen Text durchgehen. Wenn deine Kinder jünger sind, ist es für sie wahrscheinlich einfacher, wenn ihr den Text gemeinsam durchschaut und diskutiert. Die Fragen, die ihr euch stellen könnt:
1. Findet ihr, dass die Kinder hier so/nicht so beschrieben werden, wie Kinder tatsächlich sind? 2. Findet ihr, dass die Erwachsenen hier gut/nicht gut mit Kindern umgehen?

In einem weiteren Schritt geht es nun darum, dass sich die Kinder für die markierten Stellen einen Alternativtext überlegen: Also konkret überlegen, wie sie es gerne hätten, dass die Kinder in dem jeweiligen Lied oder Buch dargestellt oder beschrieben werden. Hier ist es — egal, wie alt deine Kinder sind - sicher ratsam, gemeinsam Alternativen zu sammeln.

Um zu "testen", ob die Alternativen auch "alltagstauglich" sind bzw. um auf mehr Ideen zu kommen, könnt ihr nun in einem Rollenspiel in kurzen Szenen eure Vorschläge durchspielen.

So gefällt´s uns!


Die Variante(n), die euch gefällt (gefallen), schreibt ihr dann entweder unter die Ursprungstextstellen oder, wenn dafür kein Platz ist, mit Pfeilen neben den Text.

Die veränderten Texte könnt ihr dann auch für Erwachsene sichtbar im Schaukasten oder auf eurer Jungschar-Pinwand anbringen.


Baustein 2: Werbung


Gemeinsam schaut ihr euch 2 — 3 Werbespots an, in denen Kinder sehr klischeehaft, eigenartig oder z.B. so dargestellt werden, dass sie immer nur mühsam oder lästig sind, Arbeit machen, den Erwachsenen auf die Nerven gehen und man ihnen nichts zutrauen kann. Wenn ihr euch mehrere Spots anschaut, dann lassen sich auch verallgemeinernde Aussagen über Kinder in der Werbung tätigen.

Zwei Beispiele findest du hier (Die Beispiele sind natürlich nicht aktuell, da die Werbungen sich ja monatlich ändern, sollen aber eine Anregung sein, welche Werbungen du auswählen kannst.):
McDonald´s: Ein Kind fragt immer wieder, wann endlich Weihnachten ist, der Vater sagt, dass es bald ist (obwohl das offensichtlich nicht stimmt), und das Kind wird vom Vater bei McDonald´s durch Pommes Frites "zum Schweigen gebracht".
In einigen Werbungen (z. B. Waschmittel oder Toffifee) werden meist nur ganz "liebe und brave" Kinder dargestellt.

Stimmt das so?


Wenn ihr alle Werbespots angesehen habt, schaut ihr euch jeden noch ein zweites Mal an (evtl. mit Stopps dazwischen) und sammelt Punkte, die euch an den einzelnen Spots nicht gefallen. Dabei könnt ihr euch folgende Fragen stellen:
1. Findet ihr, dass die Kinder hier so/nicht so beschrieben werden, wie Kinder tatsächlich sind? 2. Findet ihr, dass die Erwachsenen hier gut/nicht gut mit Kindern umgehen?
Damit ihr euch die Punkte auch merkt (und besonders bei vielen Spots auch Vergleiche ziehen könnt), schreibst du die Anmerkungen der Kinder auf Kärtchen mit.
In einem nächsten Schritt überlegt ihr euch, was eurer Meinung nach bei den Punkten, in denen Kinder falsch oder eigenartig dargestellt werden bzw. bei denen Erwachsene komisch mit Kindern umgehen, geändert werden sollte.

So gefällt´s uns!


Nun wählt ihr einen Werbespot aus, an dem euch besonders viel stört und den ihr gerne verändern wollt. Ihr könnt nun ein neues Drehbuch schreiben und diesen Werbespot nachspielen, so wie ihr ihn gerne im Fernsehen sehen würdet. Wenn ihr die Möglichkeit habt, eine Videokamera auszuborgen, könnt ihr eure Version natürlich auch filmen! Interessant wäre natürlich, das Video oder zumindest euer Drehbuch an die entsprechende Firma zu schicken und um einen Kommentar zu bitten.

Autor/in: Bernhard Binder und Martin Speringer

Publikation: Kumquat_1/03

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