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Gasometer - Neues Wohnen in alter Industrie

Gruppenstunde Spiele | Alter: 10-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

In dieser Rausgehaktion geht es darum, sich anhand der Wiener Gasometer und Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens, mit dem Thema Stadtplanung auseinander zu setzen. Wenn Stadtteile oder ganz Städte "am Reißbrett" geplant werden, passiert es sehr oft, dass an den Bedürfnissen der Bevölkerung - besonders derer, die keine mächtige Lobby haben, wie Kinder, Behinderte oder Arme - vorbeigeplant wird.

Material

  • Rollenbeschreibungen (siehe unten)
  • Bilder von Brasilia (siehe Homepage wien.jungschar.at)

Aufbau

In ein Rollenspiel eingekleidet, macht ihr eine Besichtigung der Gasometer. Anschließend gibt es in den Rollen noch eine Diskussion über den Umbau der Gasometer. Am Beispiel Brasilia schaut ihr euch an, wie Stadtplanung schiefgehen kann. In einer weiteren Gruppenstunde könnt ihr die "idealen Gasometer" planen.

 

Ein neues Projekt wird vorgestellt...


Die ganze Rausgehaktion findet in Form eines Rollenspiels statt. Bevor ihr also die Gasometer besichtigt, teilt ihr die Rollen ein. Die Rollenbeschreibungen findest auch auf unserer Homepage unter http://wien.jungschar.at.

Rollenbeschreibungen



Bezirksvorsteher/in
Du willst bei der nächsten Wahl möglichst viele Stimmen dazugewinnen. Du musst daher geschickt die Anliegen deiner Wählerinnen und Wähler vertreten, und versuchst keine der anwesenden Wähler/innengruppen zu verärgern.
Gärtner/in
Du bist Besitzer/in einer Gärtnerei neben den Gasometern, die schon deine Großeltern führten. Die Modernisierung dieses Gebietes macht die Angst, da dir die Überlebenschance einer kleinen Gärtnerei inmitten einer modernen Shoppingwelt nicht groß erscheint.
Architekt/in
Als Architekt/in bist von diesem Projekt begeistert. Für dich zählt dabei besonders die Kreativität der Architekten und Architektinnen, die dieses Gebäude geplant haben. Natürlich gibt es dabei auch einiges zu kritisieren.
Wohnungssuchend/er
Du bist ein/e Wohnungssuchende/r mit einem Kind (8 Jahre), und siehst die dieses Projekt unter dem Gesichtspunkt einer neuen Wohnungsmöglichkeit für dich an. Dabei achtest du natürlich auf den Preis und auch die Angebote, die es dabei für dich und dein Kind geben wird.
Kind
Du bist 8 Jahre alt. Deine Eltern suchen eine Wohnung. Du würdest dich über eine neue Wohnung freuen, weil dir eure Wohnung viel zu klein ist. In der neuen Wohnung hättest du nämlich ein eigenes Zimmer. Reizvoll ist für dich auch das Kinocenter nebenan.
Jugendliche/r
Du bist 16 Jahre alt. Du wohnst schon länger in Simmering. Bisher war hier nie was los! Für dich bringen die umgebauten Gasometer ein Kinocenter, Einkaufsmöglichkeiten und viele neue Menschen. Da dich das Leben abseits der Stadt oft langweilt freust du dich über den Bau, und erhoffst dir neue Freizeitmöglichkeiten.
Denkmalschützer/in
Du findest den Umbau der Gasometer in Wohnungen einfach furchtbar. Wie kann man mit alten Gemäuern nur so umgehen! Zudem bleibt es nicht beim Umbau der Gasometer, es werden ja zusätzliche Dinge dazugebaut.
Pensionistin
Du bist gerade mit deinem Hund spazieren und fragst dich, warum hier so ein neuer Glasbau hingestellt wurde. Die schönen alten Gasometer haben sich auch sehr verändert. Die Gärtnereien wird es nicht mehr lange geben, und dann werden hier sicher eine Menge Leute ein- und ausgehen, sodass men keine Ruhe mehr findne kann.
Rollstuhlfahrer/in
Du legst besonderen Wert darauf, dass das neue Wohngebiet behindertenfreundlich gestaltet wird. Darum siehst du dir genau an, ob s überall Lifte, Rampen usw. gibt.
Student/in
Du bist auf der Suche nach einer Wohnung. Für dich ist es wichtig, dass du dir die Wohnung leisten kannst! Außerdem möchtest du nicht zu weitzur Hauptuni im Ersten Bezirk fahren. Im Sommer fährst du gerne mit dem Rad.

Dann schlüpfst du in die Rolle des/der Projektleiters/leiterin und erklärst, warum sich diese etwas ungewöhnliche Gruppe von Menschen hier zusammengefunden hat. Je nach Alter deiner Kinder kannst du dich mehr oder weniger kompliziert ausdrücken. Du bleibst ab sofort bis zum Ende der Diskussion (siehe unten) in der Rolle des/der Projektleiters/leiterin und sprichst die Kinder mit "Sie" an.

"Zu Beginn dieser Führung durch die neuen Gasometer möchte ich alle im Namen der/des Bezirksvorsteherin/Bezirksvorstehers recht herzlich begrüßen. Ziel dieser Führung ist das Kennenlernen der neuen Gasometer-Anlage und eine anschließende Diskussion über dieses Projekt. Da Sie alle verschiedene Interessen verfolgen, bin ich mir sicher, dass diese Diskussion spannend wird. Es geht aber natürlich nicht nur darum, eine interessante Diskussion zu haben. Die/der Bezirksvorsteher/in ist an allen Meinungen und Anfragen, die dieses Projekt betreffen, äußerst interessiert. Denn es geht heute auch darum, herauszufinden, ob der Umbau zur Zufriedenheit der Bevölkerung abgelaufen ist."

Die Geschichte der Gasometer


Du erzählst weiter (auch hier solltest du dich bei jüngeren Kindern etwas einfacher ausdrücken und z.B. bei Jahreszahlen dazusagen "Das war also ...Jahre bevor ihr geboren wurdet etc.":
"Das Gebiet auf dem wir uns hier befinden gehört zur Simmeringer Haide. Vor zirka 200 Jahren entstanden hier großflächige Gemüsegärten (die es bis vor kurzem noch gab, und einen gibt es noch), sowie ein Schießplatz, eine Pferderennbahn und schließlich ein Flugplatz.
Im Dezember 1896 begann hier der Bau des damals größten Gaswerks Europas: die Gasometer! Sie konnten bereits am 31. Oktober 1899 eingeweiht werden. Somit konnte Wien mit Gas versorgt werden. Unter anderem wurden damit die Gaslaternen auf der Ringstraße gespeist. Damals waren in dem Gaswerk bis zu 1.630 Arbeiter/innen beschäftigt.
Das Gaswerk wurde 1981 unter Denkmalschutz gestellt, und dann 1985/86 wegen der Einführung von billigerem Erdgas geschlossen.
Nach der Schließung wurde in einem der Gasometer ein Ausstellungsraum errichtet. Außerdem fanden seit 1993 zirka 12 Rave- und Techno-Clubbings statt."

Spaziergang durch die Gasometer


Es folgt ein Spaziergang durch das Areal der Gasometer, die Kinder sollen sich die Gasometer mit den Augen ihrer Rollen ansehen und Argumente sammeln, währenddessen erzählst du etwas über die Anlage und die Wohnungen.

Zahlen zur Orientierung:


Die Gasometer sind rund 75m hoch und 65m breit. Das ist groß genug, um das Wiener Riesenrad darin unterzubringen!
Nachdem Ende 2000 die U3 bis hierher ausgebaut wurde (man braucht nur noch sieben Minuten vom Stephansplatz bis hierher), sind hier 615 Wohnungen für mehr als 1000 Bewohner/innen, ein Kindertagesheim, ein Kinderspielplatz, 11.000 Quadratmeter Büroflächen, ein Studenten/innenheim, eine Veranstaltungshalle für 3000 Besucher/innen, eine eigene Polizeistation, eine 10.000 Quadratmeter große Shoppingmall und ein 3.800-Plätze-Kinocenter entstanden.
Die Kosten für dieses Projekts belaufen sich auf rund EUR 170.000 (ATS 2,4 Mrd.).
Durch den Umbau verschwanden nun auch die meisten Gärtnereien rund um die Gasometer. Nur noch ein/e Gärtner/in bleibt standhaft.

Die Wohnungen:


Die 1-4 Zimmerwohnungen sind vor allem für junge, gut situierte Menschen gedacht, die Sinn fürs Besondere und Ausgefallene haben.
Insgesamt gibt es 615 Miet- und Eigentumswohnungen. Daneben noch ein Studierendenheim mit 247 Plätzen.

Zu den Kosten:


Eine geförderte 81,43 Quadratmeter-Mietwohnung (plus 4,04 Quadratmeter Loggia) würde im Monat auf euro 500,-- (ATS 6.900,--) kommen. (Inkl. Betriebskosten und Mehrwertsteuer) Vorher muss aber ein Baukostenzuschuss bezahlt werden, der bei einer Wohnung dieser Größe rund euro 17.250,-- (ATS 237.370,--) betragen würde. Nach drei Jahren müssen dann noch einmal euro 8.300,--(ATS 114.170,--) bezahlt werden."

Die Kinder können sich dann noch das Areal ansehen und bekommen dafür einen Fragebogen zum Ausfüllen. Diesen Fragebogen findest du auch auf unserer Homepage unter http://wien.jungschar.at .

Eine heiße Diskussion...


Anschließend setzt ihr euch am Kinderspielplatz oder auf einer Wiese zusammen und diskutiert in den Rollen über die Gasometer. Du moderierst die Diskussion. Mögliche Fragen. um die Diskussion anzuregen, könnten sein: Wie gefällt Ihnen der Umbau, finden Sie, dass die neuen Gasometer schön sind? Könnten Sie sich vorstellen hier einzuziehen? Warum? Warum glauben Sie, sind die Gärtnereien zurückgegangen? Was halten Sie von dem Shopping-Center?
Wenn die Diskussion am Abflauen ist, schlüpft jede/r aus seiner Rolle, zum Abschluss macht ihr noch eine Runde, wie euch ganz persönlich die Gasometer gefallen und ob ihr selbst hier gerne wohnen würdet.

Brasilia - fast perfekt geplant


Egal zu welchem Schluss gekommen seid, eines ist bei der Diskussion wahrscheinlich auf jeden Fall vorgekommen: Es ist wichtig, die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in so ein Projekt miteinzubeziehen und zu schauen, ob die Bedürfnisse der verschieden Menschen berücksichtigt wurden. Leider ist das keine Selbstverständlichkeit, dazu erzählt du den Kindern die Geschichte von Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens. Dazu kannst du auch die Bilder auf dieser Seite herzeigen (diese Bilder gibt es auch auf unserer Homepage zum runterladen: http://wien.jungschar.at)

Infos über Brasikia


Die Idee, eine Hauptstadt im Landesinneren zu errichten, wurde bereits am Ende des 18. Jahrhunderts geboren. Dies sollte ermöglichen, dass die Herrschenden die Interessen des gemeinen Volkes besser wahrnehmen. 1890 gab es Untersuchungen, wo diese Traumstadt liegen könnte, 1891 wurde der Plan einer neuen Hauptstadt in die Verfassung aufgenommen. Unter Präsident Juscelino Kubitschek (1956 - 1960) wurde der Plan umgesetzt.
Brasilia liegt auf dem zentralen Hochplateau Brasiliens in etwa 1.100 Meter Höhe nahe der Wasserscheide zwischen den Flüssen, die einerseits nach Norden zum Amazonas und andererseits nach Süden zum Rio de la Plata hin fließen, in der Mitte des Landes, aber weit entfernt von den anderen Zentren (Rio de Janeiro: 1.130 km; São Paulo: 1.015 km; Recife: 2.280 km; Belém: 2.120 km).
Brasilien wurde nach dem »Plano Piloto« von Lúcio Costa in der Form eines Flugzeuges errichtet. Für die Arbeiter/innen jedoch, die scharenweise aus dem armen Nordosten kamen, war in der Planung kein Platz. Im geplanten Teil wohnt heute noch nur die Mittel- und die Oberschicht, ein Drittel der 1,2 Millionen EinwohnerInnen Brasilias. Der Großteil wohnt außerhalb in Satellitenstädten. Die Industrie, für die viel Platz eingeplant war, kam nicht. Hohe Arbeitslosigkeit und deren soziale Begleiterscheinungen (Alkohol, Drogen, Kriminalität) prägen das Vorstadtbild. Das Stadtzentrum wirkt leer und steril. Gehwege, Bänke zum Ausruhen, Geschäftsviertel mit Kneipen gibt es nicht. Dafür achtspurige Autostraßen. Als hätten die Planer vergessen, dass Menschen in dieser Stadt leben sollen, ein Sinnbild für die Regierung Brasiliens?

Die ideale Stadt...


In einer nächsten Gruppenstunde könnt ihr euch überlegen, wie ihr eine Stadt planen würdet, dass sie ideal wäre. Diese Stadt könnt ihr dann auch gemeinsam bauen: In Anlehnung an die Gasometer könntet ihr auch Gasometer-Modelle aus Wellkarton basteln und dann die Umgebung und eventuell auch den Innenraum gestalten, wie es euch passt.

Autor/in: Ursi Hinterhölzl und Angie Weikmann

Publikation: Kumquat_3/02

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