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Der Hund liegt im Detail

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Oft sind es sehr ähnliche Inhalt, ja fast die gleichen Geschichten, von denen Filme handeln. Liebe, Streit, Beziehungen, Beziehungskrisen, Bedrohungen, Katastrophen und Aufgaben, die gemeistert werden müssen, stehen wiederholt im Mittelpunkt des Geschehens. Trotzdem finden wir uns in einem Fall in einem Thriller wieder, der spannend und packend ist, der nächste Film zeigt ein Melodram, rührselig und tragisch und ein dritter ist unter Umständen gar komisch und schrill - ein Unterhaltungsfilm. Wie es das gibt?
Anscheinend kommt es nicht nur auf den Inhalt an, wenn es darum geht, wie ein Film auf uns wirkt. Auf den Bedeutungsgehalt und die Aussage einer Szene hat es auch einen großen Einfluß, auf welche Art und Weise etwas gesagt oder dargestellt wird. So ist es etwa möglich, durch Mimik, Gestik, Betonungen und andere Details bei Zuschauer/innen ganz bestimmte Eindrücke zu erzeugen und ihnen bestimmte Gefühle zu vermitteln. Diese Feinheiten zu beachten, gehört nicht nur zum Einmaleins des Filmemachens, sondern kann auch bei jeder noch so kleinen Theaterszene hilfreich sein.

Ziel

In dieser Gruppenstunde haben die Kids die Gelegenheit, selber auszuprobieren, auf welche Weise es möglich ist, Szenen verschiedene Bedeutungen zu geben und damit unterschiedliche Wirkungen bei den Zuschauer/innen zu erzielen. Dabei können die Kids die Erfahrung machen, daß unsere Wahrnehmung von Geschehnissen durch die Veränderung von Details sehr beeinflußt werden kann.

Material

  • Personenbeschreibungen
  • passendes Verkleidungsmaterial zu den einzelnen Personen
  • Kuverts mit Szenen
  • drei Regie-Tafeln (aus Karton oder Packpapier)
  • Papier und Schreibzeug für die Kleingruppen
  • Tee und Kekse

Aufbau

Diese Gruppenstunde findet in Form einer Regiewerkstatt statt. In drei Durchgängen wird jeweils die Bedeutung von Szenen verändert und anschließend besprochen, was sich als besonders geeignet erwiesen hat, um für die Zuschauer/innen die "Regieabsicht" deutlich zu machen. Die Stunde klingt bei Tee und Keksen gemütlich aus.

 

Die Regiewerkstatt


Vor Beginn der Gruppenstunde hängst Du die einzelnen Personenbeschreibungen gut verteilt im Raum auf und legst jeweils passendes Verkleidungsmaterial dazu, z.B. für Herrn Pudel einen Hut, einen Mantel, Haustorschlüssel und eine Dose Hundefutter. (Die genauen Personenbeschreibungen findest Du am Ende der Gruppenstunde.)

Wenn die Kids eingetroffen sind, erklärst Du ihnen, worum es gehen wird: In der heutigen Gruppenstunde haben sie die Möglichkeit, sich als Regisseur/innen zu betätigen. Ihre Aufgabe wird es sein, einigen Szenen verschiedene Bedeutungen zu geben und dadurch zu versuchen, bei den Zuschauer/innen unterschiedliche Wirkungen zu erzielen - ein Problem, das zum alltäglichem Handwerk von Regisseur/innen gehört.

Für die weitere Gruppenstunde werden Kleingruppen mit jeweils ca. vier Personen benötigt. Nachdem Du den Kids eine Kurzbeschreibung der Konfliktszenen gegeben hast, die im Mittelpunkt der Regiearbeit stehen werden, können sich die Gruppen nun jeweils eine der Szenen aussuchen. Diese erhalten sie dann auch schriftlich ausgeführt in einem Kuvert.

Die Konfliktszenen


Neben den hier angeführten Konflikten kannst Du natürlich auch Szenen aus dem Lebensbereich Deiner Kids vorbereiten. Allerdings sollte es sich dabei um keine real existierenden Konflikte handeln, da die Regiewerkstatt die Kids zum Experimentieren einladen soll und nicht der richtige Rahmen ist, um bestehende Probleme zu bearbeiten!

(Bitte ändere die Namen in den Szenen, wenn in Deiner Gruppe Kids mit dem gleichen Namen sind.)

Im Park läuft der Hund von Herrn Pudel frei in der Wiese herum. Da das Betreten der Wiese verboten ist, darf Janine Beilner, die mit ihrer Mutter und ihrem Bruder unterwegs ist, nicht auf der Wiese spielen, sondern muß einen betonierten, umzäunten Spielplatz benutzen...

Die Straße wird von den Anrainer/innen (Frau Jung und beliebig viele weitere Personen) blockiert, da der Verkehr ihr Leben immer stärker beeinträchtigt. Am Rand der Blockade entwickeln sich Diskussionen darüber, ob eine Umfahrung gebaut werden soll bzw. wie das Verkehrsproblem gelöst werden kann...

Im Freibad spielen Janine und David Beilner gemeinsam mit anderen Kindern, wobei sich Lärm und Wasserspritzen nicht vermeiden lassen. Herrn Brandstätter, der in Ruhe schwimmen will, stört das, und er weist die Kinder zurecht...

Frau Beilner steht mit Janine und David an der Kreuzung. Die Fußgängerampel steht auf rot. Trotzdem überquert Frau Zeller, von der anderen Straßenseite kommend, die Straße. Frau Beilner stellt sie zur Rede...

Drei Durchgänge


Nun geht es daran, in den Kleingruppen mit diesen Konfliktszenen zu experimentieren. Die Regiearbeit findet in drei Durchgängen statt, in denen den Szene jeweils eine ganz bestimmte Bedeutung gegeben werden soll. Zu Beginn jedes Durchganges gibst Du diese "Regieabsicht" bekannt, indem Du eine Tafel mit einer entsprechenden Aufschrift enthüllst:

  • 1. Durchgang:
    Die Szene soll die Zuschauer/innen neugierig machen und/oder zum Schmunzeln bringen!
  • 2. Durchgang:
    Die Szene soll die Zuschauer/innen nachdenklich stimmen und ihnen Für und Wider des Konfliktes aufzeigen!
  • 3. Durchgang:
    Die Szene soll die Zuschauer/innen rührselig stimmen und sie am Ende zufrieden durchatmen lassen!

Die Regiearbeit


In einer Beratungsphase machen sich die Kleingruppen nun aus, wie sie die erste Szene "anlegen" wollen. Die Kids können ein kurzes Drehbuch erstellen oder auch nur kurz besprechen, was in der Szene ungefähr vorkommen soll.

Sind alle Kleingruppen mit ihren Vorbereitungen fertig, beginnt eine Gruppe und nimmt sich die Utensilien jener Personen, die in ihrer Konfliktszene vorkommen. Du erzählst als Regie-Leiter/in kurz, worum es in der Grundszene geht, und das Spiel kann beginnen. Nachdem die Gruppe ihre Interpretation der Szene den anderen vorgespielt hat, legen die Kids die Materialien für die nächste Gruppe wieder zu den dazugehörigen Personenbeschreibungen zurück.

Hat jede Gruppe ihre Szene präsentiert, wird zusammengefaßt, welche Ideen sich als besonders geeignet erwiesen haben, um die vorgegebene "Regieabsicht" umzusetzen. Eure Ergebnisse könnt Ihr kurz auf der jeweiligen Tafel vermerken, z.B.: 1. Durchgang: überraschende Effekte, plötzliche Wendungen, skurrile Elemente einbauen,... Achte bitte darauf, daß beim Besprechen der Szenen immer von den dargestellten Personen, also von den Rollen die Rede ist und nicht die Namen der Kids gebraucht werden!

Wenn niemand mehr etwas zu den Szenen sagen möchte, könnt Ihr gleich mit dem nächsten Durchgang beginnen. Du stellst wiederum die entsprechende "Regieabsicht" vor, und die Kleingruppen ziehen sich zu ihren Beratungen zurück. Nachdem die Szenen vorgespielt wurden, werden wie beim ersten Durchgang die Regie-Kniffe analysiert und auf die Tafeln geschrieben. Genauso wird beim dritten Durchgang verfahren. Nach dem Ende des letzten Durchgangs könnt Ihr Euch noch gemütlich zusammensetzen, Eure Regiearbeiten gemeinsam bewundern und die Stunde bei Tee und Keksen gemütlich ausklingen lassen.

Die Personenbeschreibungen


Herr Alois Pudel ist 57 Jahre alt und lebt alleine in einem kleinen Haus. Sein "Ein und alles" ist sein Schäferhund Robby, mit dem er stets ohne Beißkorb und Leine unterwegs ist. Herr Pudel ist ein wenig eigensinnig und oft unnachgiebig in seiner Meinung. In Diskussionen läßt er andere Standpunkte kaum gelten, vor allem dann, wenn er sich angegriffen fühlt. Außerdem erzählt er gerne von sich selbst.

Frau Katharina Beilner ist 32 Jahre alt und von Beruf Lehrerin. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder (Janine ist 10 Jahre und David 8 Jahre alt). Frau Beilner steht zu ihrer Meinung und vertritt diese auch jedem/r gegenüber. In Diskussionen ist sie kompromißlos und deshalb auch öfters verletzend gegenüber ihren Gesprächspartner/innen. Frau Beilner kann aber auch sehr einfühlsam sein und hört jedem Menschen zu, der sich bei ihr das Herz ausschüttet. Sie versucht dann auch zu helfen, soweit sie kann.

Janine Beilner ist 10 Jahre alt und bei ihren Freunden und Freundinnen wegen ihrer Großzügigkeit sehr beliebt. Ihren Bruder hat sie sehr gerne, wenn es aber (leicht) geht, spielt sie ihm auch ab und zu einen Streich. Janine spielt am liebsten im Freien und ist überhaupt viel lieber auf der Straße und im Park (bzw. auf der Wiese) unterwegs als in der Wohnung. Sie ist sorglos und kommt so auch öfters in gefährliche Situationen, passiert ist ihr aber noch nie etwas.

David Beilner ist 8 Jahre alt. Er möchte immer viele Dinge auf einmal tun und weiß dann oft nicht, wo er anfangen soll. David setzt die Dinge, die er unbedingt will, meistens durch und zieht sich dadurch den Unmut vieler Erwachsener zu. Die Rechte, die er überzeugt ist zu haben, fordert er auch bedingungslos ein. Am meisten stört es ihn, wenn man ihm etwas wegnimmt oder ihn einschränkt.

Frau Friederike Jung ist 73 Jahre alt und Witwe. Sie lebt in einer kleinen Wohnung, in der viele alte Möbel und Erinnerungsstücke stehen. Frau Jung ist kinderlos, mag Kinder jedoch sehr gerne und hat für sie deshalb auch immer Süßigkeiten dabei. Frau Jung ist immer freundlich und zuvorkommend. Es ärgert sie, daß sie manchmal Hilfe braucht und nicht mehr alleine zurechtkommt, zum Beispiel, wenn sie die starkbefahrene Straße, an der sie wohnt, überqueren muß. Oft fühlt sie sich einsam. Sie versucht dann, mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen.

Herr Sebastian Brandstätter ist 41 Jahre alt und wohnt mit seiner Freundin zusammen. Kinder sind für ihn in erster Linie lärmerzeugende Wesen, die immer nur darauf aus sind, ihn zu ärgern. Am liebsten ist es ihm, wenn es ganz ruhig ist, denn er arbeitet in einem Maschinenerzeugungsbetrieb, in dem er den ganzen Tag von Lärm umgeben ist.

Frau Christiane Zeller ist 35 Jahre alt und lebt alleine. Sie ist der Meinung, daß man alles für den Fortschritt opfern muß und die Zukunft nur Positives bringt. Frau Zeller ist auch davon überzeugt, daß jede gefundene Lösung die beste ist. In allen Gesprächen vertritt sie begeistert ihre Meinung. Sie ist sehr leichtgläubig.

Autor/in: Johannes Trimmel und Christian Klein

Publikation: Bravo & Co, KiK 50

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