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Viel Verkehr

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Wir alle leben mit und im Verkehr. Auch Kinder können sich dem Verkehr — seiner Faszination und seinen Gefahren - nicht entziehen. Sie bestaunen einerseits tolle und schnelle Autos, andererseits wissen sie bereits auch um die Problematik des Verkehrs: Im Fernsehen werden Bilder von Unfällen gezeigt, Polizist/innen informieren in den Schulen über die Risken des Verkehrs und von ihren Eltern werden Kinder oft aufgefordert, einen ganz bestimmten Schulweg einzuhalten, der manchmal zwar länger, dafür aber weniger gefährlich ist. Im Alter von 10-13 Jahren sind viele Kinder auch mit ihren Fahrrädern, Skateboards oder Inline-Skates auf Straßen oder Gehsteigen unterwegs.

Ziel

In dieser Gruppenstunde haben die Kinder die Möglichkeit, sich auf spielerisch-unterhaltsame Weise mit dem Straßenverkehr zu beschäftigen. Sie sollen dabei erkennen können, daß der Verkehr keine unveränderbare Konstante ist, sondern auf Regeln aufbaut, die von Menschen selbst aufgestellt wurden. Dabei haben die Kinder auch die Gelegenheit, eigene Verkehrsregeln zu erfinden.

Material

  • eine Ampel: zwei große Kartonscheiben - eine rot, die andere grün - mit einer Schnur verbunden
  • eine Nummerntafel für jedes Kind: längsgefaltete A4-Blätter, auf denen außen eine Kfz-Nummer und innen eine Verkehrsregel steht; am Anfang ist das Blatt mit Tixo zugeklebt, sodaß die Verkehrsregel noch nicht sichtbar ist
  • Sicherheitsnadeln
  • zwei Sheriffsterne aus Karton mit einem Band zum Umhängen
  • eine weiße Kappe (oder Hut) für das Rettungsauto
  • ein Sturzhelm für den/die Geisterfahrer/in
  • Plakat "Unsere Verkehrsregeln”
  • vergrößerte Kopie (oder Zeichnung) einer Straßenkarte
  • Schreibzeug, Schere

Aufbau

Als Einstieg wird der Gruppenraum in einen Verkehrsübungsplatz verwandelt, auf dem sich die Kinder auf unterschiedliche Art und Weise bewegen können.
Danach werden Verkehrsregeln auf ihre Sinnhaftigkeit und Kinderfreundlichkeit überprüft und neue Regeln erstellt, die Ihr dann ganz konkret auf ein Euch bekanntes Verkehrsgebiet anwenden könnt.

 

Verkehrschaos



Im Gruppenraum sind Tische und Sessel zur Seite geschoben, sodaß ein möglichst großer, freier Platz entsteht. An der Wand hängt irgendwo die Schnur mit den beiden Ampelscheiben - ist die grüne Scheibe oben, heißt das "Freie Fahrt", ist die rote nach oben gezogen "Stop".

Du erklärst den eintreffenden Kindern, daß der Gruppenraum Euch kurzfristig als Verkehrsübungsplatz dienen soll. Deshalb bittest Du sie auch gleich, sich eine der bereitliegenden Nummerntafeln auszusuchen, und hilfst ihnen dabei, das Taferl mit einer Sicherheitsnadel am Leibchen zu befestigen. Wenn alle da sind, dann kann es losgehen.

Zuerst zeigst Du den Kindern, wie ein Auto auf dem Verkehrsübungsplatz fährt: Solange die Ampel rot ist, steht jedes Auto fix auf seinem Platz. Wird jedoch die grüne Scheibe in die Höhe gezogen, bewegt es sich mit langsam-gleichmäßigem Tempo in die Sehrichtung los und fährt, bis es an einer Wand anstößt. Dort wird es wie ein Ball reflektiert ("Einfallswinkel = Ausfallswinkel") und fährt sodann wieder eifrig weiter.

Wenn alle Kinder so über den Verkehrsübungsplatz zuckeln, kann es leicht zu einem Zusammenstoß — einem Unfall — kommen. Damit das möglichst nicht passiert, bestimmt Ihr zwei Polizist/innen, die als Erkennungsmerkmal jeweils einen Sheriffstern bekommen. Sie laufen herum und überwachen das Verkehrsgeschehen. Erblicken sie eine Unfallgefahr, können sie einem Auto, das sich gefährlich bewegt, die Hand auf die Schulter legen, worauf es sofort eingeschüchtert stehen bleibt. Währenddessen können die Polizist/innen auch noch durch Drehen die Fahrtrichtung des Autos korrigieren. Ist die Gefahr dann gebannt, nimmt der/die Polizist/in die Hand von der Schulter weg und das Auto bewegt sich weiter.

Sehen sich die Polizist/innen jedoch überhaupt nicht mehr heraus oder ist bereits ein Unfall passiert, können sie auch schnell zur Ampel springen und diese auf rot stellen - dann halten alle Autos sofort an. Jetzt können die Autos wieder in die richtige Position gedreht werden. Sind die Polizist/innen ihrer Rolle überdrüssig, dann können sie an dieser Stelle auch die Sheriffsterne weitergeben und somit die Rollen wechseln. Wenn nun die Ampel von den neuen Polizist/innen auf grün gestellt wird, dann geht es wieder weiter.

Beim Ausprobieren dieser Spielidee kann es für Kinder sehr lustvoll sein, es selbst in der Hand zu haben, Unfälle zu vermeiden oder eben auch zu verursachen. Achte dabei aber bitte darauf, daß die Kinder nicht sich oder anderen wehtun.

Wenn die Kinder sich in der Verkehrssituation schon recht sicher bewegen, könnt Ihr noch zusätzliche Rollen einführen, zum Beispiel:

Das Rettungsauto: ... ist an seinem weißen Hut zu erkennen und fährt ein wenig schneller als alle anderen Autos. Wenn die Ampel rot ist, darf es vorsichtig weiterfahren. Die Polizist/innen können es zu einer Unfallstelle dirigieren, wo der/die Rettungsfahrer/in den Zusammengestoßenen behilflich ist.

Der/die Geisterfahrer/in: ... hat einen Sturzhelm auf und fährt zwar sehr langsam, ändert jedoch bei jeder Wandberührung die Route vollkommen willkürlich und unvorhersehbar.


Ei, wie nett - Ach, wie blöd!



Am Verkehrsübungsplatz habt Ihr wahrscheinlich schon erkannt, daß Sicherheit im Verkehr gar nicht so leicht zu erreichen ist. Hier wie auch im wirklichen Straßenverkehr sind sinnvolle Abmachungen die beste Möglichkeit, drohenden Gefahren und Problemen vorzubeugen. Allerdings nehmen die bestehenden Verkehrsregeln oft wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder. Deshalb wollt Ihr Euch jetzt auch einige neue, noch nicht verwirklichte Verkehrsregeln genauer anschauen und sie auf Grund Eurer eigenen Erfahrungen auf ihre Sinnhaftigkeit und Kinderfreundlichkeit überprüfen.

Dazu schneidest Du den Spagat zwischen den beiden Ampelscheiben auseinander und montierst sie gut sichtbar an zwei gegenüberliegenden Stellen im Raum. In der Mitte wird ein Tisch aufgestellt, auf dem ein noch leeres Plakat mit der Überschrift "Unsere Verkehrsregeln" sowie der Geisterfahrerhelm liegen. Nun forderst Du die Kinder auf, die Nummernschilder abzunehmen und die Blätter umzuklappen, damit die darin verborgenen Verkehrsregeln zum Vorschein kommen.

Mögliche Beispiele wären:


  • Jeder soll auf der Straßenseite fahren, die ihm besser gefällt.
  • Alle Autos müssen stehenbleiben, wenn sie sehen, daß ein Kind über die Straße gehen will.
  • Auf jeder Straße muß es einen Fahrradweg geben.
  • Vor Schulen dürfen keine Autos fahren.
  • Auf Parkplätzen darf jeder Ballspielen.
  • Lastwagen dürfen in der Nacht nicht durch den Ort fahren.
  • In Fußgängerzonen darf man nicht radfahren.
  • Wer bei einer roten Ampel sieht, daß niemand kommt, darf weiterfahren, wenn sein Auto über 70 PS hat.
  • In Parkanlagen darf jeder Skateboard fahren.
  • Fahrräder dürfen nur im Schrittempo überholt werden.



Nun lesen nacheinander alle Kinder die Verkehrsregel auf ihrem Blatt vor. Alle, die die Verkehrsregel für sinnvoll und kinderfreundlich erachten, gehen nun zur grünen Ampel, die anderen stellen sich zur roten Scheibe. Wer unschlüssig ist, kann auch je nach Abstufung dazwischen stehenbleiben. So seht Ihr rasch, wie diese Verkehrsregel von den einzelnen Kindern eingeschätzt wird, und könnt jetzt bei Uneinigkeiten Eure Standpunkte austauschen.

Wenn Ihr Euch darauf einigt, daß eine Regel sinnvoll ist, klebt Ihr sie gleich aufs Plakat. Ihr könnt die Regeln natürlich auch verändern oder ergänzen, bis sie für Euch passen. Findet Ihr eine Regel jedoch ganz und gar unsinnig, knüllt Ihr sie zusammen und werft sie in den Geisterfahrerhelm.

Nachdem Ihr die vorgegebenen Regeln beurteilt habt, besteht für die Kinder die Möglichkeit, selbst (mehr oder weniger ernste) Vorschläge für neue Verkehrsregeln aufzuschreiben und diese im bereits bekannten Verfahren den anderen vorzustellen.
Versuche in dieser Phase durch Deine Aufmerksamkeit die Wichtigkeit der von den einzelnen Kindern geäußerten Standpunkte zu unterstreichen. Wenn Dir im Gespräch ein wesentliches Argument fehlt, kannst Du es natürlich einbringen, ohne aber die Diskussion zu den einzelnen Punkten zu lange auszudehnen.


Und bei uns?



Wenn Ihr über Verkehr redet, habt Ihr sicherlich ein ganz konkretes Verkehrsgebiet vor Augen, in dem Ihr Euch zumeist aufhaltet und dessen Probleme Euch so auch am meisten betreffen. Du hast eine Vergrößerungskopie (oder eine Zeichnung) einer Karte von genau diesem Gebiet vorbereitet und breitest sie nun auf dem Tisch aus. (Das Gebiet kann z.B. das Umfeld der Schule, in die Deine Kinder gehen, Straßen und Plätze rund um die Pfarre, das Ortsgebiet, usw. sein. Nimm dafür wirklich nur einen kleinen, überschaubaren Bereich, in dem sich alle auskennen. Wenn das Gebiet in der Nähe ist, könnt Ihr natürlich auch eine kleine Rausgehaktion starten und Euch die Lage vor Ort anschauen.)

Nachdem Ihr ja jetzt wißt, an welchen Neuregelungen Ihr ganz besonderes Interesse habt, könnt Ihr am Schluß der Stunde gemeinsam überlegen, was Ihr ganz konkret in dem ausgewählten Gebiet verändern würdet. Dabei könnt Ihr natürlich ganz visionär von Eurem Idealbild ausgehen. Vorschläge, die die allgemeine Zustimmung finden, werden dann gleich mit Buntstift in Eurem Plan vermerkt, Ihr könnt z.B. Fahrverbote verhängen, Radwege einplanen, Einbahnen einführen, Geschwindigkeitsbegrenzungen verhängen, Plätze zur Skateboardzone erklären, Umfahrungsmöglichkeiten durchdenken, Zebrastreifen einzeichnen, Wohnstraßen mit Ballspielgelegenheiten schaffen,...

Das Ergebnis könnt Ihr beim Pfarrcafé präsentieren und zusätzlich auch an das Gemeindeamt oder das magistratische Bezirksamt schicken mit der Bitte um Stellungnahme des/der zuständigen Referenten/in zu Euren Ideen. Dafür solltest Du noch einen kurzen Beibrief verfassen, der erklärt, wer Ihr seid und in welchem Rahmen diese Vorschläge entstanden sind.

Autor/in: Christian Klein

Publikation: Moment mal

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Schlagwörter: Umwelt, Spiel