• Jungschar vor Ort
  • Corona
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Weiß der Hund, daß er ein Hund ist?

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Kinder können philosophieren - können Kinder philosophieren? Nun, in einem engeren Sinn können Kinder, die jünger als 12 Jahre sind, freilich nicht philosophieren, versteht man unter Philosophie jene strenge Wissenschaft, die das Ganze des Seienden hinsichtlich seines Seins zum Ausgangspunkt hat: zu abstrakt ist diese Wissenschaft, ja, sie lebt von der Abstraktion. Und Kinder denken konkret, nicht abstrakt. Aber andersherum: der Ausgangspunkt alles Philosophierens ist ja konkret: das konkrete Leben, die konkrete Welt, die konkreten Menschen - sonst wäre diese Wissenschaft mehr als sinnlos! Und damit, mit der konkreten Welt, haben Kinder bereits Erfahrungen gemacht. Kinder können auch denken - und sie können spielen. Warum also sollten Kinder nicht einmal mit Gedanken, mit Worten spielen? Und warum sollte das nicht einfach "nur" Spaß machen? Warum sollte man an die "heiligen" Themen der Philosophie, wie z.B. den Tod, das Leben, den Sinn nicht einfach einmal spielerisch herangehen und einfach ausprobieren, was alles denkmöglich ist?

Ziel

Die Kinder sollen ausgehend von verschiedenen Texten bzw. Fragen/Denkanstößen Lust an der verrückten Welt der Gedankenexperimente bekommen und mit Gedanken frei und zweckungebunden spielen, damit sie erfahren, daß man mit Gedanken und Worten vieles selbständig machen kann, daß man im Bereich des Denkens seiner Phantasie freien Lauf lassen kann und daß das Denken Spaß macht. Wer das "Instrument" seines Denkens zu spielen weiß, wem Gedankenexperimente Spaß machen, ist gedanklich freier, kreativer, selbständiger - und erst der wird - auch verantwortungsbewußt philosophieren können. Und Philosophie mag zwar ernste Themen behandeln, kann aber durchaus auch lustig sein!

Material

  • "Unsinn-Poesiealbum" mit Stammbuchversen auf einzelne Zetterl geschrieben
  • "Sprüchebaum" mit vielen Zetterln, teilweise leer, teilweise mit den unten aufgeführten Weisheiten
  • wörtlich genommene Redewendungen auf einzelnen Zettel zum Pantomime-spielen
  • 2 beschriebene Grabsteine
  • leere Grabsteine
  • Zettel mit den Redner-Themen
  • Forum im Raum (Bierkisten, Papier oder Stoffe zum Verkleiden derselben)
  • Notizzetteln und Kulis

Aufbau

Am Beginn stehen drei Methoden, bei denen spielerisch mit Redewendungen experimentiert wird, wobei neue Bedeutungen mit neuem (Un-)Sinn entstehen.
Dann geht es um zentrale Elemente des Menschseins, die Geburt und den Tod, die auch aus anderen als den klassischen Perspektiven betrachtet werden.
Derart aufgewärmt, geht es um alle möglichen mehr oder weniger gewichteten Dinge, die bedenkenswert erscheinen.
Als Ausklang gibt es noch einmal Redewendungen und Sprachspiele.

 

Stammbuchverse


Zu Beginn der Gruppenstunde versammelt ihr euch um ein großes Stammbuch, das du für jedes Kind vorbreitet hast: eine große Mappe, in der für jedes Kind einer der folgenden unsinnigen Stammbuchverse zu finden ist, und auf dem vorne zu lesen ist, daß es sich um ein "Unsinn-Stammbuch (Poesiealbum)" handelt:

Fehlt die die Weisheit-
geht niemanden etwas ab.


Mach es wie ein Blitzableiter.
Wenn dich der Blitz trifft, bleibe heiter!
Mach es wie die Taschenuhr.
Wenn man dich aufzieht, ticke nur!
Mach es wie der Donaufisch.
Beiß nicht an, dann bleibst du frisch!


Was du selber nicht kannst,
laß andere tun.
Was du selber kannst,
laß andere tun.
Wichtig ist nur, daß du sagst,
daß du es getan hast.


Wer trinkt, hat keinen Durst mehr.

Wer schreit, bleibt immer der lautere.

Genieß kein Vergnügen
und wage keinen Schritt!
Dann kriegst du auch ganz sicher
vom Schicksal keinen Tritt.


Eine Sorge vertreibt hundert Freuden.

Schimpfe fröhlich, schimpfe viel,
Schimpfen hebt das Selbstgefühl.


Ohne Nein
kann niemand sein.


Wirst du einmal mich vergessen,
hab ich niemehr Schnackerlstessen.


Übung macht den Meister.
Zähigkeit den Kleister.


Nur wer zäh und fleißig übt,
ist bei Freund und Feind beliebt.


Schaffe, schaffe Häusle baue
und das Land ringsum versaue!


Die Verse liegen als Einzelblätter im "Unsinn-Poesiealbum" und sind nicht jedem persönlich gewidmet, sondern jedes Kind sucht sich eines aus, das ihm sehr gut oder gar nicht gefällt. Dann stellt ihr einander den gewählten Vers vor und erzählt den anderen, warum euch dieser Vers gut oder nicht gut gefällt.

Wörtlich genommene Lebensweisheiten


Nicht nur in Stammbüchern findet man Lebensweisheiten, sondern der Volksmund kennt auch eine Unzahl von weisen Sprüchen, die einem das Leben erleichtern sollen:

  • Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
  • Wer selbst im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.
  • Das schlägt dem Faß den Boden aus.
    Übung macht den Meister.
  • .... U.v.m. (s.u. - du mußt unten nur die Originalversion harausfiltern!)



Du hast auf den "Sprüchebaum", den du für die Kinder vorbereitet hast (ein umfunktionierter Garderobenständer, ein echter Baum im Hof, wo sich später Leute aus der Pfarrgemeinde Sprüche abpflücken könnten, wie die Sprüchesammlungen des Helmut Seethalers, die man in U-Bahnstationen.... finden kann...), zahlreiche, mehrmals kopierte solche Sprüche aufgehängt, die man abpflücken kann.

Da solche klugen Sprüche sehr vielfältig eingesetzt werden können und angeblich zu jeder Situation passen, könnt ihr sie jetzt selbst erweitern, anwenden und internalisieren, sie "verknödeln":

  • Wer anderen einen Knödel kocht, beißt selbst hinein.
  • Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Knödel werfen.
  • Knödel am Abend, erfrischend und labend.
  • Übung macht den Knödel.
  • Das schlägt dem Knödel den Boden aus.
  • Man soll sein Licht nicht unter den Knödel stellen.
  • Bellende Knödel beißen nicht.
  • Eile mit Knödel.
  • Ein Knödel wäscht den anderen.
  • Früh übt sich, was ein Knödel werden will.
  • Der Knödel fällt nicht weit vom Pferd.
  • Wo Knödel sind rollen Knödel zu.
  • Wie man sich knödelt, so liegt man.
  • Alle guten Knödel sind drei.
  • Knödeln und knödeln lasen.
  • Knödel haben kurze Beine.
  • Ein guter Knödel ist ein sanftes Ruhekissen.
  • Müßiggang ist aller Knödelanfang.


Vielleicht fallen uns noch andere Sprüche ein - oder wir "ver-würschteln". "ver-schmäh-en" sie, wir "ver-bett-en" sie, ... Dabei kann man als "Ideenvorlage" die Originalsprüche, die am "Sprüchebaum" hängen, abpflücken z.B.:

  • Wer im Bett liegt, soll nicht mit Bettzeug werfen.
  • Betten machen das Leben süß.
  • Man soll den Schmäh nicht vor dem Abend loben.
  • Selbst ein Würschtel krümmt sich, wenn es getreten wird.
  • ...


Ihr könnt euch dann überlegen, was eigentlich an all diesen Sprüchen d'ran ist: Vielleicht findet ihr unter den scheinbar unsinnigen doch den einen oder anderen weisen Spruch, dafür erweisen sich die Originale als mehr als seltsam ... Ihr schreibt die verknödelten, verwürschtelten, ... Sprüche, die euch gefallen, auf Zettel und hängt sie, bzw. auch die Originale, von denen ihr etwas haltet, auf den "Sprüchebaum", auf dem zum Schluß nur mehr Sprüche hängen, die euch gefallen. (Den könnt ihr dann für eure Gruppe aufheben und jede Stunde das Motto zur Stunde abpflücken oder ihr stellt ihn der Pfarrgemeinde zur Verfügung ...)

Redewendungen wörtlich genommen


Nachdem ihr im Rahmen des obigen Experimentes festgestellt habt, daß manche Sprüche ziemlich (un)sinnig sind, zeigst du den Gruppenmitgliedern noch mehr Spruchzettel. Diesmal sind es wörtlich genommene Redewendungen:

  • Wer nicht zum Friseur geht, kommt ungeschoren davon.
  • Wer zuviel Aufhebens von seinen Reden macht, darf kein Wort mehr verlieren.
  • Wo gibt es noch Zäune, von denen kein Streit gebrochen wurde.
  • Wer zu oft das Wort ergreift, darf sich nicht wundern, wenn er nur mehr über abgegriffene Worte verfügt.
  • Der Alte zog seinen Urenkel liebevoll auf, dennoch blieb dieser häufig stehen.
  • Wo sieht man die Berge, die der Glaube versetzt hat.
  • Der Sohn des Artisten übte täglich Handstand, denn er wollte in die Fußstapfen seines Vaters treten.
  • Ein perfekter Kellner muß imstande sein, die Rechnung ohne den Wirt zu machen.
  • Revolution ist, wenn die Beherrschten die Beherrschung verlieren.
  • Warum sind die Toten verschieden, wenn angeblich doch alle gleich sind?
  • Punkte sind sterblich: schon wieder ist eine Verhandlung am toten Punkt angelangt.
  • Seltsamerweise kommen manche nur vorwärts, indem sie sich in gewissen Kreisen bewegen.
  • Nie wird man erfahren, wie ein "Hehl" aussieht, weil sich keiner ein solches aus etwas macht.
  • Rasch entschlossen schob er die Sache auf die lange Bank.
  • Ein Schuß fiel aus dem 6.Stock: der Ärmste!
  • Er drehte ein Ding nach dem anderen, bis alle schwindlig waren.
  • Wer abnehmen will, sollte sich besser auf der Waage, als in der Hoffnung wiegen.


In Zweiergruppen sucht ihr euch einen der Sprüche aus und überlegt, wie man die hier zitierte Lebensweisheit pantomimisch darstellen könnte. Die Zettel bleiben alle zur Einsicht auf dem Tisch/Boden liegen. Während man seine thatralische Auflösung der Redewendung den anderen zum Besten gibt, versuchen die anderen, dir zur Pantomime passende Spruchweisheit zu finden.

Todes - und Geburtstage ...


Jetzt mal ernst: es gibt ja zwei ganz wichtige Ereignisse im Leben, das in Sprüchen wie oben unterstützt werden soll: den Tag der Geburt und den Tag des Todes.

Zum Todestag ein paar Gedanken:

Nicht nur Menschen können begraben werden anläßlich ihres Todes, auch andere Ereignisse, andere Dinge wollen ihren Tod feierlich begangen wissen. Also erfinden wir Grabinschriften wie diese:

Epitaph für einen gezogenen Backenzahn:
Deines Bleibens war nicht länger!
Mit Schmerzen mußte ich dich lassen.
Die Lücke, die du hinterläßt, ersetzt dich voll und ganz.
Lange lebendig, dann hohl inwendig,
Drum riß man dich mir-
nun trauere ich mit dir!


oder:
Hier liegt mein Hochmut begraben
Ich wollt' ihn nicht länger haben.
Nun schlummert er zur ew'gen Ruh
und meine Eitelkeit dazu.


Wofür man noch Grabinschriften schreiben könnte: für die gute/schlechte Laune, für die Geduld, für das Haupthaar, für die Kindergartenzeit, für die Zeit, ...

Zum Geburtstag ein paar Gedanken:

  • Der Geburtstag ist der Tag, an dem der Mensch zum ersten Mal schreit. Als solches ist er einmalig. Trotzdem wird er jedes Jahr wiederholt, nur lauter.
  • Der Geburtstag ist ein Fest, schon weil der Termin festliegt. Außerdem bekommt der geburtstagende Mensch Liebesgaben. Da jeder Mensch Geburtstag hat, kann man diese durchaus als Leihgaben bezeichnen.
  • Der Geburtstag vereint die Familienbande. Er endet gewöhnlich mit einem soliden Krach. Wer keine Familie hat, lädt Freunde ein. Der Krach ist derselbe, nur anders. Ein Grund findet sich immer.
  • Der Geburtstag ist zutiefst menschlich. Gäbe es ihn nicht, gäbe es keine Leute- aber auch keinen Ärger.
    Der Geburtstag ist männlichen Geschlechts. Was nicht unbedingt gegen ihn spricht. Es ist immerhin statthaft, daß auch Frauen einen haben.
  • Der Geburtstag hat vorne und hinten ein "G". Er geht also unentwegt, bis er wieder bei sich selbst angekommen ist. Je öfter man ihn hat, desto mehr entfernt man sich von ihm. Was merkwürdig ist. Das ganze nennt sich Leben.

Philosophoumena


Nach diesen tiefschürfenden Gedanken über den Gedanken über den Geburtstag wollen wir uns selbst mehr oder weniger tiefgehenden Problemen stellen:

  • Weiß der Hund, daß er ein Hund ist?
  • Hört man wirklich mit den Ohren?
  • Warum werden wir älter und nicht jünger?
  • Wäre das nicht für uns alle angenehmer?
  • Was ist der Urstoff der Erde?
  • Warum wachsen Bäume gen Himmel und nicht in Richtung Erdmittelpunkt?
  • Haben Steine Angst vor dem Tod?
  • Wie lieben sich Wolken?
  • Können Computer denken, oder haben sie nur Gefühle? ...


In Zweiergruppen wählt man sich ein Thema und versucht, diese wichtigen Fragen möglichst klar, dafür umso (un)sinnloser zu beantworten. Daraufhin begeben wir uns auf das "Forum Hernalsum, Pottendorfum, Lainzum ..." - einen Rednerplatz, den du voher im Gruppenraum eingerichtet hast (mit Podesten für je zwei Personen, z.B. verkleidete Bierkisten)

Dort teilt ihr euch in den Zweiergruppen in zwei große Halbgruppen auf. Die Pärchen der ersten Halbgruppe suchen sich einen Platz auf dem Forum und alle gleichzeitig beginnen ihre Gedanken, die sie sich zu den Themen gemacht haben, lautstark zu verkünden. Das wird recht laut und heftig werden. Die Zuhörer lauschen bei allen Reden und notieren sich Dinge, die ihnen wichtig erscheinen. Dann Rollenwechsel: die Zuhörer werden die neuen Redner, die Redner die Zuhörer. Wenn alles gesagt wurde, setzt ihr euch zusammen und erzählt einander die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Erkenntnisse, die ihr euch gemerkt und die euch gefallen haben.

Noch ein paar Neuigkeiten zum Abschluß


verkündest du (Widerspruch oder Ergänzung der Kinder sind natürlich an dieser Stelle erwünscht ...)

Wußtet ihr schon, daß ...

  • ...in Büchern mit sehr kleinen Buchstaben viel mehr zur Sprache kommt als in Büchern mit großem Druck? (Ebenso in gleich dicken Büchern, wenn eines dünnes Papier hat?)
  • ...alles Gute nicht nur von oben, sondern auch von unten kommen kann? Auch von rechts oder links, was aber seltener ist?
  • ...auch Lügen sehr lange Beine haben können? (Längste Lüge: Lügenknie bis Lügenknöchel, ungelogen, 1,47m)
  • ...Geld nicht stinkt, aber schlecht schmeckt? (besonders ältere und abgegriffene Banknoten)
  • ...Erbkrankheidten nicht zur Erbmasse gehören? (womit also auch die Erbschaftssteuer entfällt)
  • ...Ameisen nur sehr ungern und irrtümlich in Menschenkleidung kriechen und heilfroh sind, wenn sie ohne Schaden zu nehmen, wieder entkommen?
  • ...fast 90% der Erdbevölkerung von unsichtbaren Hautkrankheiten befallen sind, die, da sie auch nicht jucken oder sonstwie auffallen, statistisch nicht genau zu erfassen sind?
  • ...alle Kleinkinder Genies sind, die Bezugspersonen- Eltern Geschwister, Kindergartentanten/onkel - dies aber aus hinterhältigen und egoistischen Gründen verheimlichen?
  • ...der Spruch "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" einfach lächerlich ist und durch nichts zu beweisen ist? (Wie neue Forschungen ergeben haben, hat ihn ein gewisser Fritz geprägt, dessen Bruder Hans tatsächlich Lernschwierigkeiten hatte. Von der gleichen Person wurde übrigens der leider vergessene Spruch geprägt: "Was Fritzchen nicht lernt, lernt Fritz immer noch!)
  • ...Hunde häufig Menschen beißen, aber ganz selten Menschen Hunde?


Die Texte stammen aus: Im Fliederbusch das Krokodil singt wunderschöne Weisen. Ein Sprachbastelbuch mit Geschichten von Januar bis Dezember.

Autor/in: Regina Ferschl

Publikation: KiK 90

Share |