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Wo hat das alles bloß hingeführt?

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Neben zunächst mehr oder weniger intensiven Auseinandersetzung mit Gesellschaftsentwicklungen, die je nach Gruppe aber auch Tiefgang gewinnen können, bietet die anschließende Interviewmethode die Möglichkeit zu einer durchaus ernsthaften Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensweg. Die Methode könnte auch verletzend sein, Du mußt Deine Gruppe und Ihre Tagesverfassung abschätzen, ob der zweite Teil dieser Methode stattfinden kann.

Ziel

Ziel dieser Kreativaktion ist die mehr oder weniger intensive Auseinandersetzung mit Gesellschaft und eigener Person, um das Entwickeln eigener Zukunftsvorstellungen und Visionen anzuregen.

Material

  • für den ersten Teil stehen die Materialien jeweils im Anschluß an die einzelnen Themenvorschläge, für den zweiten Teil brauchst Du Kopien des Blattes mit den Fragen für die Interviews in Anzahl der Gruppenmitglieder und für den Ausklang und die Gruppenstunde davor jeweils ansprechend gestaltete Einladungen.

Aufbau

Zunächst in Kleingruppen Auseinandersetzung mit verschieden gesellschaftlichen Themen,
anschließend paarweises Nachdenken über die eigene Zukunft,
abschließend Einladung fürs nächste Mal.

 

Einleitung



Bereits in der Gruppenstunde davor hast Du an alle Gruppenmitglieder eine Einladung zum "Jungschartreffen 2052" ausgeteilt und den vielleicht erstaunten Gruppenmitgliedern erklärt, daß Ihr Euch nächste Woche fünfzig Jahre älter treffen werdet.

Zu Beginn der Gruppenstunde freust Du Dich, daß noch immer soviele zu den regelmäßigen Jungscharjahrestreffen kommen. Für dieses Mal hast Du Dir gedacht, daß es nicht das übliche Tratschtreffen beim Heurigen geben soll, sondern Ihr wieder mal eine Gruppenstunde so wie früher machen könntet. Dafür hast Du in Deinen alten Aufzeichnungen geblättert, was Euch damals so alles Spaß gemacht hat.


Was davon übrig blieb...



Auf einem Tisch hast Du mehrere Themenkarterln mit Materialien drapiert. Es sollte sich um eine Themenauswahl handeln, die Deine Gruppenmitglieder auch anspricht. Die Gruppenmitglieder können nun unter den Themen auswählen, bei einem Thema sollten nicht mehr als vier und nicht weniger als zwei stehen. (Natürlich ist es möglich, daß bei einem Thema auch gar niemand steht.) Zu den Karterln gibst Du den Gruppen auch noch einige mündliche Hinweise und Tips.

Die unterschiedlichen Schöpfungen der Kleingruppen werden einander im Anschluß vorgestellt. Im folgenden ein paar Beispiele für Themen:

Hanson
Mittlerweile sind Isaac, Taylor und Zac schon in ihren 60ern. Gestaltet einen Beitrag für die Zeitschrift "Jugend von gestern" mit Informationen über die Karrieren, Lebenswege und Skandale der einzelnen Stars von 1996 bis 2052.

(Material: Seiten aus einschlägiger Fachliteratur mit Beiträgen und Bildern von Hanson)

Ökobewegung
Die in den Neunziger Jahren gerade wieder im Abklingen begriffene Ökobewegung ("Rettet den Regenwald", "Recycling",...) ist in den letzten Jahrzehnten ziemlich in Vergessenheit geraten. Wie konnte das eigentlich passieren? Was sind die Gründe dafür? Überlegt Euch eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Teilnehmer/innen (Grünaktivist von 1980, Politikerin, Konzernchefin,...)

(Material: Verkleidungssachen)

Schönheitsoperationen
Waren bis in die Neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nur wenige Körperteile Schönheitsoperationen unterworfen (Nase, Brust, Bauch, Po), so kam es in darauf folgenden Jahrzehnten zu unterschiedlichen Weiterentwicklungen (künstliche Pockennarben...).
Zielten Schönheitsoperation früher auch ausschließlich darauf ab, den eigenen Körper einem Schönheitsideal anzunähern, so nehmen die Operationen mittlerweile immer skurrilere Formen an. (Man denke nur an Funny Furry, die sich im letzten Jahr ihre Haut durch ein atmungsaktives GoreTex-Imitat ersetzen ließ. Oder Mr. O. Joanes, der seine Glatze durch Einpflanzen von Borsten eines Schweizer Kehrbesens "auffrisieren" ließ.)
Deutet doch bitte für die anderen an, welche noch weitaus unmöglichere Dinge Leuten eingefallen sind.

(Material: Hautfreundliche Stifte zum Anzeichnen von Operationsskizzen am Körper, Verkleidungsmaterial, Plastilin für operativ veränderte Körperteile, ...)

Tamagotchis
1997 wurde unser Land von einer japanischen Modewelle getroffen. Was blieb davon? Ist die Welle vorüber oder hält sie noch immer an?
Weiters lassen sich unterschiedliche Arten von Tamagotchis feststellen. (So sollen ja die Strafgefangenen-Tamagotchis von Polizisten zu Hauf gekauft worden sein. Und wer hat nicht seiner Hauskatze dazumal ein Mäusetamagotchi gekauft?) Sammelt einige Arten und stellt sie anschließend den anderen vor. Auch Eure Erkenntnisse zur Modewelle Tamagotchi könnt Ihr den anderen mitteilen.

(Material: Ein Bogen Packpapier, auf dem ein Riesentamagotchi aufgemalt ist. Aus dem Packpaier ist ein Loch für ein Gesicht ausgeschnitten, sowie kleinere Löcher, durch die sich Arme stecken lassen. Unterschiedliche Gruppenmitglieder können nun in diese Tamagotchimaske schlüpfen und verschiedene Tamagotchisorten mit verschiedenen Besitzern darstellen.)

Extremsportarten
In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, wurden die sportlichen Wünsche der Österreicher/innen immer extremer. Statt Bergsteigen und Schwimmen wurden nun Bungeejumpen und Sky-Surfen in, also Betätigungen mit höherem Nervenkitzel. In späterer Folge wurden auch noch wahnsinnigere Sportarten immer weiter verbreitet. Man erinnere sich nur an Magnetdiven (Beim Magnetdiven bekommst Du einen Eisenmantel angezogen und stehst in einer dreihundert Meter hohen Säule, die eigentlich ein riesiger Elektromagnet ist. Der Magnet kann Dich nun in der Säule nach oben ziehen, frei fallen lassen oder sogar nach unten beschleunigen. Und das alles mit irren Geschwindigkeiten, die kein Astronaut je erlebt.)
Oder auch die "Nur-ja-nicht-von-der-Polizei-erwischen-lassen"-Sportarten wie Paddelbootfahren in innerstädtischen Brunnenanlagen bis hin zu Motorbootrennen vorm oberen Belvedere.
Listet doch bitte weitere Sportarten der letzten 50 Jahre auf, vielleicht lassen sich auch manche nachher vor den anderen andeuten.

(Material: Packpapier, stifte)


Meine letzten 50 Jahre



Nach all diesen Darstellungen leitest Du zum "klassischen" Teil (nämlich dem Einander-Erzählen, was seit der letzten Begegnung alles passiert ist) der Jungschartreffen über; auch dieses wird dieses Mal anders ablaufen.
Du bittest die Gruppenmitglieder zu zweit zusammenzugehen. Im folgenden wird eine/r der beiden den/die jeweils andere über seine/ihre Lebensgeschichte interviewen. Jedes Paar macht sich nun aus, wer der/die Interviewer/in (im folgenden "?" genannt) bzw. der/die Interviewte (im folgenden "!" genannt) ist. Das jeweils interviewende Gruppenmitglied bekommt ein Blatt mit Anregungen für Themen, um die es dabei gehen könnte. Wie es dann weiter geht, steht ebenfalls auf dem Blatt

! (mittlerweile also in seinen Mitsechzigern) erzählt nun also von seinen letzten fünfzig Jahren, ? kann die Fragen auf dem Blatt als Anregung verwenden.

Nach einer gewissen Zeitspanne kommt es im zweiten Teil dieser Methode zu einem Rollenwechsel, und zwar folgender Art: Das bisherige ? schlüpft nun in die Rolle einer während des Interviews erfundenen Person, die ! zumindest ein Stück seines (eben erfundenen) Lebens begleitet hat. Das bisherige ! kann sich aussuchen, welche Rolle sein Gegenüber einnehmen soll. Dann kann es diese Person interviewen, zum Beispiel über den gemeinsamen fiktiven Lebensweg.

Sollten Deine Gruppenmitglieder nicht genug kriegen können, so kann die Methode nocheinmal mit denselben Personen - nur mit umgekehrter ?-!-Rolle - durchgeführt werden oder eine Neudurchmischung der Paare erfolgen.

Diese Methode kann sehr persönlich werden; damit sie nicht verletzend wird, muß daher das Gruppenklima stimmen!


Zu guter Letzt



bedankst Du Dich Dich für dieses feine Jungscharjahrestreffen und teilst die Einladungen fürs nächste Mal aus: Jungschartreffen 2053, 25. Oktober, 19:00. Und was Ihr einander da berichten werdet, wird in der Tat spannend sein.


Anregungen für Interviewfragen



Welchen Berufe oder welche Berufe hast Du ausgeübt oder übst Du noch immer aus?

Was waren Deiner Meinung nach die interessantesten Entwicklungen/Ereignisse/Erfindungen der letzten 50 Jahre?

Bist/warst Du verheiratet?

Hast Du Kinder?

Wer waren die wichtigsten Personen, die Dir in Deinem Leben begegnet sind?

Hat es irgendeine Auswirkung auf Dein Leben gehabt, daß Du einmal in der Jungschar warst?

Was hast Du für die Zukunft vor?


Im Anschluß an das Interview tauscht Ihr Rollen. Dein Gegenüber ist nun Interviewer/in, und er/sie kann sich aussuchen, welche Rolle Du spielst. Es muß nur jemand sein, der/die von ihm vorher in seiner/ihrer Lebensgeschichte erwähnt wurde und eine während des Interviews erfundene Person ist.

Autor/in: Helmut Habiger

Publikation: KiK 97

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Schlagwörter: Gesellschaft, Ich, Kreativität