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Rück-sicht

Gruppenstunde | Alter: 8-10 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Der Satz "Die Freiheit des einen endet dort, wo die des anderen beginnt" ist eine Basisvoraussetzung für ein gelingendes Zusammenleben von Menschen. Er besagt, daß jeder Mensch frei ist zu tun, was er will, unter einer einzigen Bedingung: Nicht nur auf sich zu schauen, sondern auch auf die anderen, um sich und hinter sich - kurz: er soll auch "zurück"-schauen, mit anderen Worten Rück-sicht nehmen!

Ziel

Die Kinder probieren gemeinsam, wie Rücksicht-Nehmen gehen kann. Sie sollen erfahren, daß Rücksicht-Nehmen nicht heißt, auf seine eigenen Wünsche verzichten zu müssen, sondern einfach bedeutet, die anderen im eigenen Handeln mitzubedenken und bereit zu sein, auch mal Kompromisse zu schließen.

Material

  • für den Hindernisparcours:
  • Sessel, Schachteln, Kübel, Ball, Seil, etc...
  • mindestens 2-3 größere Handspiegel (einer davon sollte einen "Stützfuß" haben, sodaß er auch auf den Tisch gestellt werden kann)
  • für das Papiertheater:
  • 2-3 Papierbühnen mit Figuren
  • ev. eine leere Bühne
  • ein Handspiegel zum Ausfstellen
  • kleine, bunte Zettel, Stifte, Klebstoff

Aufbau

Ein Hindernisparcours mit Spiegel bildet den Einstieg in die Stunde.
Anhand von vier Geschichten kann dann im Papiertheater ausprobiert werden, wie Rücksicht-Nehmen gehen kann.
Zum Ausklang der Stunde wird das Spiel "Spiegel" gespielt.

 

Vor-sicht - Rück-sicht



Wenn die Kinder in die Gruppenstunde kommen, ist im Raum (oder wenn möglich in einem anderen Raum bzw. im Freien) bereits ein kleiner Hindernisparcours aufgebaut, z.B.: eine Schachtel, die man mit einem Bein links und einem rechts daneben passiert, ein am Boden liegendes Seil, auf dem man balancieren kann, ein Sessel, auf den man hinauf und wieder hinunter steigt, ein Slalom an ein paar Gegenständen vorbei und am Schluß ein Ball, den man in einen Kübel/eine Schachtel werfen kann.
Am Anfang des Parcours ist ein Schild mit der Aufschrift "Vor-sicht" angebracht, am Ende ein Schild "Rück-sicht" (beide mit der Schriftseite zum Parcours gewendet).

Du erklärst den Kindern, daß es heute um Rücksicht gehen soll. In dem Wort steckt das Zurück-Schauen drinnen - und das könnt Ihr gleich einmal ausprobieren. Du zeigst nun den Kindern, wie man durch den Hindernisparcours gehen kann.

Zuerst Variante 1: Dabei bewegt man sich ganz normal vorwärts durch den Parcours. (Er sollte so angelegt sein, daß diese Variante sehr einfach ist!) Wahrscheinlich haben die Kinder diese Variante ohnehin schon beim Hereinkommen ausprobiert, wenn nicht, können sie das jetzt gleich tun.
Richtig spannend wird es aber dann mit Variante 2: Der Parcours wird rückwärts gehend durchschritten mit einem Spiegel in der Hand, den man als "Rückspiegel" verwendet, sodaß man die Hindernisse im Spiegel sehen kann.
Es geht bei beiden Varianten nicht um Zeit, sondern um den Spaß beim Ausprobieren. So können sich auch zwei bis drei Kinder gleichzeitig (je nachdem, wie viele Spiegel Du zur Verfügung hast) im Parcours bewegen.
Wenn Du viele Kinder in Deiner Gruppe hast, können diejenigen, die gerade nicht dran sind, auch inzwischen üben, einen Ball rückwärts mit Hilfe eines Spiegels in einen Kübel zu werfen - das ist gar nicht so einfach und ziemlich lustig!
Waren alle Kinder dran, bewegt ihr Euch gleich weiter rückwärts - mit Spiegel oder auch ohne - zurück in den Gruppenraum (oder in den Teil des Raumes, wo neben dem Parcours Platz zum Sitzen ist). Hier geht es weiter.


Papiertheater



Du lädst die Kinder ein, noch einmal etwas mit den Spiegeln auszuprobieren: Hält man den Spiegel genau vor sich, dann sieht man dabei das eigene Gesicht - sich selbst. Wird der Spiegel allerdings ein wenig schräger gehalten, dann sieht man auch das, was hinter einem ist: den anderen. Genauso funktioniert auch die Sache mit dem Rücksicht-Nehmen auf andere Menschen.

Du stellst nun die erste Papierbühne in die Mitte. Die Bühne besteht aus drei an der Breitseite zusammengeklebten A4-Blättern (damit sie tatsächlich stehen kann, sollten die Blätter entweder aus stärkerem Zeichenpapier oder dünnem Karton sein), auf die ein Zimmer aufgezeichnet ist. Eine Seite dieser Bühne zeigt allerdings keine Zimmeransicht, sondern ist leer bis auf ein einziges Wort, das in Spiegelschrift in der Mitte geschrieben steht: "Rücksicht".

Szene 1:

Während Du die Bühne aufstellst, beginnst Du zu erzählen:
Das ist das Zimmer von Andreas (bzw. irgendeines anderen Buben, wenn Du einen Andreas in der Gruppe hast!). Du stellst die Figur des Andreas auf die Bühne. Er ist 10 Jahre alt und hört sehr gerne Musik. Welche, ist ihm eigentlich ziemlich egal (außer klassische Musik - die mag er nicht), die Hauptsache ist für ihn nämlich, daß die Musik laut ist. Jetzt ist es Nachmittag, und er ist gerade mit der Aufgabe fertig geworden. Mit dem Deutschaufsatz hat er sich recht lange herumgeplagt, aber jetzt kann er endlich das neue Asterixheft lesen und Musik hören. Da kommt aber Valerie ins Zimmer. Du stellst die Figur der Valerie dazu. Sie ist seine Schwester und ist 8 Jahre alt. Valerie ist noch lange nicht mit der Aufgabe fertig, sondern muß noch für morgen Rechnen üben. Sie regt sich schon wieder auf, daß Andreas so laut Musik hört, daß man es in der ganzen Wohnung hört und sie sich nicht konzentrieren kann. Dem Andreas geht das auf die Nerven. Immer braucht sie so lange, und dann soll er still sein. Deshalb sagt er ihr, daß sie ihn nervt und daß sie sich eben mehr beeilen hätte müssen, statt ewig herumzutrödeln. Er dreht jetzt jedenfalls nicht leiser, weil er ist schon fertig und er hat eine Erholung wirklich verdient! Sie streiten noch eine Weile, dann geht Valerie wütend wieder ins Wohnzimmer. (Die Figur der Valerie verläßt die Bühne wieder. Du kannst diese Szene entweder erzählen oder mit den beiden Figuren im direkten Dialog spielen.)


Oder aber...?



So hat sich diese Szene also zwischen Valerie und Andreas abgespielt. Du stellst nun einen der Spiegel so vor die Figur des Andreas, daß im Spiegel die leere Seite der Bühne zu sehen ist und das Wort im Spiegel nun richtig zu lesen ist.

Die Frage, die Du den Kindern nun stellst, ist: Wie könnte der Andreas eigentlich auch anders reagieren, damit die Valerie nicht wütend aus dem Zimmer laufen muß? Wenn ein Kind einen Vorschlag hat, probierst Du (oder das Kind selbst) diesen gleich aus, indem die Szene mit den Figuren von Andreas und Valerie noch einmal, aber mit verändertem Text gespielt wird, z.B.:

Ein Kind sagt: Der Andreas soll nachgeben!
Andreas: Naaa guuuuut, bitte, dreh’ ich halt leiser!
Nun folgt die nächste Frage an die Kinder: Was sagt die Valerie darauf? bzw. Was macht die Valerie?
Valerie:...

Du (oder der/die zweite Gruppenleiter/in) schreibst nun den Vorschlag, der gerade gespielt wurde, mit einem Stichwort auf eines der Zettelchen (z.B.: nachgeben). Nett wäre es, wenn Du das Wort in Spiegelschrift schreiben könntest! Das ist nicht schwer, Du solltest es nur zuvor einmal kurz üben!


Zufrieden?



Nun überlegt Ihr gemeinsam, ob jetzt beide, der Andreas und die Valerie, zufrieden sind, oder, ob sich jetzt zwar vielleicht die Valerie nicht ärgert, dafür aber ihr Bruder. Wenn das so ist, dann fallen den Kindern vielleicht noch andere Möglichkeiten ein, z.B.: die beiden könnten sich ausmachen, daß die Valerie nur noch eine halbe Stunde übt und der Andreas noch so lange leiser dreht, oder daß sich der Andreas Kopfhörer aufsetzt, oder daß er ihr hilft, damit sie schneller fertig ist, oder aber... Ihr spielt alle Möglichkeiten, die Euch einfallen, mit den Figuren durch. Die Stichwort-Zettel, mit den Möglichkeiten, die Euch gefallen haben, klebt Ihr auf die leere Zimmerseite. Wenn Andreas nun in seinen "Rück-spiegel" schaut, sieht er gleich mehrere Varianten, wie Rücksicht-Nehmen in seinem Fall denn aussehen könnte.

Je nach Interesse Deiner Kinder und Dauer der Gruppenstunde kannst Du mehrere solcher Szenen spielen. Vielleicht macht es Deinen Kindern auch Spaß, selbst eine Szene zu erfinden, in der sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen können. Wenn das der Fall ist, dann stelle einfach eine leere Papierbühne in die Mitte und nimm zwei Figuren (die auch schon vorgekommen sein können), die Du den Kindern mit Namen und Alter vorstellst. Dann spielt Ihr einfach nach der gleichen Regel wie zuvor: Zuerst wird ein Ort bestimmt, dann entwickelt sich die Handlung aus den verschiedenen Ideen der Kinder und wird in Szene gesetzt.

Zwei Vorschläge für weitere vorgegebene Szenen wären:

Szene 2:

Birgit und Lea (beide 9 Jahre alt) sind Freundinnen. Sie haben sich schon lange ausgemacht, daß sie beide am Montag Nachmittag mit der älteren Cousine von Birgit (mit der sich beide sehr gut verstehen) in den Tiergarten in Schönbrunn gehen wollen. Sie freuen sich sehr darauf und planen schon, welchen Tieren sie bei der Fütterung zusehen wollen und was sie selbst zu essen mitnehmen werden, um dann irgendwann ein Picknick zu machen. Am Sonntag ruft Lea aber bei Birgit an und sagt, daß sie krank ist und morgen im Bett bleiben muß und ob sie ihren Ausflug nicht verschieben können. Birgit hat sich aber schon so darauf gefreut, daß sie nicht noch länger warten will, und so sagt sie, daß sie an einem anderen Tag keine Zeit hat und eben mit ihrer Cousine alleine hingehen wird. Sie können ja irgendwann anders einmal zu zweit gehen. Lea ist ziemlich enttäuscht.

Szene 3:

Die 3a will ein Theaterstück aufführen. Klemens spricht ein bißchen langsam und will zuerst nicht mitmachen. Als die Kinder aber überlegen, wer welche Rolle haben soll, sagt auch Klemens, daß er gerne mitspielen möchte. Da ruft Susanne: "Was, der soll Theater spielen? Der stottert ja!" Klemens ist gekränkt und will nun doch nicht mehr mitmachen.

Eure fertigen Bühnenbilder könnt Ihr im Gruppenraum aufhängen.
Zum Ausklang der Stunde gibt es noch ein Spiel, bei dem man ebenfalls auf den anderen schauen muß bzw. bei dem Ihr nun selbst den Gegenstand darstellen könnt, der Euch schon durch die ganze Stunde begleitet hat, nämlich einen...


Spiegel


(Spielemappe 3.8):

Die Kinder bilden Paare. Ein Kind beginnt, verschiedene Bewegungen zu machen. Sein Partner steht ihm als Spiegel gegenüber und versucht, die Bewegungen möglichst genau zu übernehmen - also zu spiegeln (aus Rücksicht auf den Spiegel sollten die Bewegungen relativ einfach und nachmachbar sein!). Nach einer Weile kannst Du dann eine Variante ins Spiel einführen: Der Spiegel verwandelt sich und wird zum Zerrspiegel: Er kann jetzt die Bewegungen seines Gegenübers entweder vergrößern oder verkleinern.

Autor/in: Karin Magrutsch, Alrun Fichtenbauer

Publikation: Haben will

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Schlagwörter: Werte, Ich und die anderen