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Mir geht' s schlecht!

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Auch jüngere Kinder erfahren in ihrem Leben immer wieder Situationen, in denen es ihnen nicht gut geht.
Alleinesein, Ausgelachtwerden, Ängste, Beschimpfungen, Krankheiten, Ungerechtigkeiten, Dunkelheit, Tod ... - das sind nur einige Aulöser belastender und unangenehmer Gefühle in Kindern. Doch gestehen wir Kindern solche Gefühle überhaupt zu? Besteht nicht die Gefahr des Übersehens, da es Kindern "eh gleich wieder besser geht"?
Kinder brauchen wie wir gerade in solchen Situationen und auch bei der Erinnerung daran Verständnis, Einfühlungsvermögen und Vertrauen.

Ziel

Diese Gruppenstunde bietet Raum für behutsame Erinnerungen an Situationen, in denen es den Gruppenmitgliedern schlecht ging, die damit verbundenen Gefühle, aber natürlich auch für Auswege, die die Erlebnisse erträglicher machen, erleichtern und neue Lichtblicke bringen.
Die Kinder können in dieser Gruppenstunde:
Erinnerungen sammeln, wann und wieso es ihnen schlecht ging
genauer erforschen, welches Gefühl sie in den erlebten Situationen empfanden und versuchen, dieses darzustellen
Handlungsmöglichkeiten für das Verbessern der Situation finden

Material

  • Kassettenrekorder, beruhigende Untermalungsmusik
  • Verkleidung für alte Frau/alten Mann
  • viele verschiedene Gegenstände, Bilder, Fotos, Wortkärtchen - möglichst aus dem Lebensbereich Deiner Kinder
  • Rucksack, Taschen, Sackerl zum Verpacken der Dinge
  • ein möglichst großes Tuch (Es sollten sich bis zu vier Kinder darunter verstecken können.), das zerschnitten werden kann
  • Schnur oder Wolle
  • leere Sprechblasen aus farbiger Klebefolie
  • Stifte
  • kleine Spiegel
  • Scheren
  • kleine Stoffstücke - je nach Anzahl der Gruppenmitglieder

Aufbau

Besuch einer alten Frau/eines alten Mannes
Durchstöbern nach eigenen Erinnerungen + Schildern von Situationen
Welches Gefühl spür' ich in mir, wenn' s mir schlecht geht?
Gefühlen ins Gesicht blicken (pantomimische Standbilder)
Das "Mir geht' s schlecht - Tuch" bekommt Löcher! Finden von "Auswegen"!
Souvenirs als Erinnerung an die Gruppenstunde

 

Besuch einer alten Frau/eines alten Mannes



Bevor die Kinder eintreffen, hast Du im Gruppenraum Matratzen, Pölster oder Decken kreisförmig angeordnet. Im Hintergrund kannst Du leise, entspannende Musik spielen, um eine beruhigende Atmosphäre zu verbreiten.
Während sich der erste Trubel legt, betritt plötzlich eine alte Frau oder ein alter Mann den Raum.

Leitest Du die Gruppe gemeinsam mit einem anderen GL, so kann sich einer von Euch verkleiden. Oder Du bittest eine andere Person, die die Kinder kennen, diese Rolle zu übernehmen. Natürlich kannst auch Du in die Person des alten Menschen schlüpfen und bist schon beim Eintreffen der Kinder anwesend.

Diese/Dieser ist voll bepackt mit Taschen und Sackerln, aus denen nur so die Erinnerungsstücke herausquellen. Sie/Er bittet die Kinder, ihr/ihm das Gepäck abzunehmen. Der Gast nimmt Platz und entleert unaufgefordert seine Taschen inmitten des Sitzkreises. Gegenstände, Bilder, Fotos, Worte kommen zum Vorschein. Sie/Er wühlt kurz herum, ergreift einige Gegenstände und beginnt mit jammerndem Ton eine kurze Situation ihres/seines Lebens zu schildern, und zwar eine, bei der dieser alte Mensch immer wieder betont, wie schlecht es ihr/ihm nicht ergangen ist.
Euer Besucher wählt z.B. einen alten Hut aus und gibt folgendes zum besten:
" Vor ein paar Jahren besaß ich einen ganz ähnlichen Hut. Ich hatte ihn von meinem besten Freund geschenkt bekommen. Ich liebte diesen Hut! Doch eines Tages bemerkte ich, daß er weg war. Wo konnte er bloß sein? Da fiel mir ein, daß ich ihn vielleicht im Kino vergessen hatte. Ich machte mich also auf die Suche. Doch im Kino hatte niemand einen alten Hut gefunden. Ich forschte auch an anderen Plätzen nach. Doch er tauchte nie wieder auf. Nach dieser "Sucherei" ging' s mir nicht gerade gut. Der Hut war das letzte Erinnerungsstück an meinen Freund. Ich war sehr traurig!"
Der "alte Gast" wählt eine Geschichte aus dem Erfahrungsbereich der Kinder, nichts Sensationelles, sondern etwas Nachvollziehbares!
Die Erzählung dient als Beispiel für den nächsten "Schritt".


Durchstöberung nach Erinnerungen



Da der Besucher nach diesem Schwank aus seinem Leben meint, daß sie/er schon genug erzählt hat, werden die Kinder aufgefordert, den Haufen einmal zu durchforsten und nach Gegenständen Ausschau zu halten, die sie an eigene Erlebnisse erinnern, in denen es ihnen schlecht ging.

Bei der Auswahl der "Erinnerungsstücke" solltest Du Dich an Deinen Kindern, ihrem Umfeld, ihren Erlebnissen, ihren Erzählungen und ihren Angewohnheiten orientieren.
(Stein, Taschentuch, Ast, Spiegel, Zeitung, Spielzeug, Schulheft, Bilder von Menschen und verschiedenen Tätigkeiten, Wortkärtchen: Krankheit, Tod, ...)

Während die Kinder mit den Erinnerungsgegenständen beschäftigt sind, entfernst Du die nicht gebrauchten Dinge und legst stattdessen das große Tuch, die Schnur und Scheren in die Mitte des Kreises.
Nun kann jedes Kind, das möchte, seine Geschichte erzählen, wann und wieso es ihm schlecht gegangen ist und mit Hilfe der Gegenstände diese veranschaulichen.
Freiwilligkeit ist hier von besonders großer Bedeutung, da diese Erinnerungen auch sehr schmerzvoll sein können!

Hat das Gruppenmitglied seine Situation zu Ende geschildert, so knüpft es einen seiner Gegenstände an ein Stück Schnur und bindet diese am Tuch fest.
Das Ergebnis ist ein Tuch, das nun um einiges schwerer ist als zuvor, wie ein Vergleich zeigen kann, denn an ihm hängen nun viele Erinnerungen an
"Mir geht' s schlecht - Erlebnisse". Und diese könne sehr schwer auf einem lasten.


Welches Gefühl spür' ich in mir, wenn' s mir schlecht geht?



Du stellst einen Korb, Sprechblasen und Stifte auf Euer Tuch. Wem zu seiner Situation oder zu einem anderen Erlebnis ein bestimmtes Gefühl in den Sinn kommt, nimmt eine Sprechblase und beschriftet diese. Danach sammelt ihr die Sprechblasen in dem Körbchen.


Gefühlen ins Gesicht blicken



Anschließend teilen sich die Kinder in Kleingruppen (2 - 4 Kinder). Jede Gruppe zieht nun eine Sprechblase. Es folgt eine Vorbereitungsphase, in der sich die Gruppe überlegt, wie sie das beschriebene Gefühl in Form eines Standbildes oder einer kurzen Szene pantomimisch darstellen könnten. Das ist keinesfalls leicht. Als Hilfestellung könntest Du einen oder mehrere Spiegel parat haben, damit die Kinder ihr eigenes Gesicht sehen können. Weiters könnt Ihr, Euer Gast und Du, von Gruppe zu Gruppe wandern und beratend zur Seite stehen.

Nach Beendigung der Phase setzen sich alle wieder in den Sitzkreis. Eine Gruppe, die gerne darstellen möchte, begibt sich in die Mitte. Die anderen Kinder erfassen jeder einen Zipfel des Tuches und lassen dieses langsam auf die Gruppe niederschweben. Diese setzen sich nun in Position. Als Zeichen, daß das Tuch wieder entfernt werden kann, sagen sie:" Uns geht es schlecht!" Die Zuschauer heben das Tuch langsam weg und versuchen nun, das dargestellte Gefühl zu erraten. Ist die richtige Bezeichnung gefunden, wird die Sprechblase aufs Tuch geklebt.


Das Tuch der "Mir geht's schlecht - Erlebnisse" bekommt Löcher!



Meistens passiert dann in Situationen, in denen es uns schlecht geht, irgendetwas, und uns geht es langsam, manchmal auch plötzlich wieder besser, die Probleme werden erträglicher. Das Tuch bekommt Löcher.
Wir sehen hinaus, wir sehen andere Menschen, können mit ihnen reden, sie hören uns zu, trösten uns, sie berühren uns, wir sehen einfach klarer, wir sehen vielleicht einen Ausweg aus der Situation, und wenn es "nur" ein Bett zum Verkriechen ist, das so den ersten Kummer besänftigt.

Du verteilst Scheren an die Kinder. Gemeinsam nehmt ihr Euch eine Sprechblase vor. "Was sollte passieren, damit es Dir, wenn Du Dich z.B. gekränkt fühlst, wieder besser geht?"
Fällt einem Kind eine Handlungsmöglichkeit ein, so schneidet es ein Loch ins Tuch.

Jedes Kind hat andere Wünsche und Bedürfnisse und so entstehen rund um die Gefühlsprechblasen lauter kleine Löcher. Die Anzahl der Löcher zeigt Euch einerseits die Fülle von verschiedenen Auswegen aufgrund Eurer Individualität, andererseits auch die Schwierigkeit, zu wissen, wie ich welcher Person helfen kann.


Souvenirs



Als Erinnerung an diese Gruppenstunde erhält jedes Kind ein Fetzerl Stoff. Geht es ihr/ihm das nächste Mal schlecht kann es sein eigenes Loch in das Tuch schneiden und versuchen, einen Menschen zu finden, der einem vielleicht helfen kann.

Autor/in: Christine Kratochvil

Publikation: KiK 78

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Schlagwörter: Gefühle, Ich