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Ich in Gruppen

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Wir alle sind immer wieder mit anderen Menschen zusammen. Die Spielregeln dieses Zusammenseins hängen wohl von den zugehörigen Menschen ab und sind daher von Gruppe zu Gruppe verschieden, und damit auch unsere Zufriedenheit in und mit diesen Gruppen. Manche Dinge sind uns angenehm, andere weniger. Solange wir in diesen Gruppen bleiben, nehmen wir letztere allerdings in Kauf, weil uns andere Dinge sehr wichtig sind. In dieser Gruppenstunde geht es um alle jene Gruppen im weitesten Sinn, d.h. nicht nur fixe Gruppen wie die Jungschargruppe, sondern auch die Freundesclique oder einen Turnverein, in denen wir freiwillig sind und die wir daher auch wieder verlassen können, in denen daher eine freie Entscheidung stattfinden kann, was wir wofür in Kauf nehmen.
Dabei soll es gar nicht so sehr, zumindest nicht direkt angesprochen, um die Jungschargruppe gehen, da die Dinge, die man in diesem Fall in Kauf nehmen würde, eng mit den anderen Kindern zusammenhängen, was vermutlich sowohl das Erreichen des Ziels erschwert als auch für die Gestaltung der Beziehungen der Kinder untereinander nicht der geeignete Weg ist. Es könnten z.B. schwelende Konflikte aufbrechen, die dem Thema ein Ende bereiten würden oder bestimmte Kinder könnten als Außenseiter geoutet werden, was zwar ohnehin allen klar ist, worüber aber sonst gentle(wo)manlike geschwiegen wird.

Ziel

Die Kinder sollen überlegen, was ihnen im Zusammensein mit anderen wichtig ist und was sie dafür in Kauf nehmen würden.

Material

  • Packpapier, Zettel, Schreibstifte, Klebstoff, Spielkegel (echte oder Papiersilhouetten) in einer eigenen Farbe für jedes Kind, 3-5 Puppen (z.B. Barbie´s Ken oder "Big Jim" von Mattel)

Aufbau

Zuerst wird gesammelt, was uns an einer Gruppe nicht gefallen kann.
Danach wird geschaut, welche Ansprüche an Gruppen sich daraus ableiten lassen.
Die Kinder positionieren sich, was ihnen wie wichtig ist.
Als Folge wird untersucht, wie man Zustände in Gruppen ändern kann.
Im letzten Schritt wird abgewogen, was ein jeder wofür in Kauf nehmen würde.

 

Für Dich
Wie schon im Hintergrund kurz angedeutet, geht es hier um freiwillige Zusammenkünfte von Kindern. Eure eigene Jungschargruppe soll aber nicht ausgesprochener Weise Thema dieser Stunde sein. Das gilt auch als Spielregel für diese Gruppenstunde, die Du am Anfang aufstellst und deren Einhaltung Du während der Stunde einforderst. Natürlich ist es nicht zu verhindern und sogar wünschenswert, daß die Kinder Ergebnisse der Stunde auch in andere Gruppen mitnehmen, z.B. eben die Jungschargruppe.
Im weiteren Verlauf werden mehr oder weniger fixe Zusammenschlüsse von Kindern auch öfters als "Gruppen" bezeichnet, was vielleicht aus soziologischer Sicht nicht immer zutrifft, aber für die Gruppenstunde hilfreich ist.


Es ist nicht alles eitel Wonne...



Am Anfang erklärst Du den Kindern, daß es heute darum geht, was Euch im Zusammensein mit anderen wichtig ist und was Euch dabei manchmal stört. Es kann sich dabei um ganz verschiedene Arten von Gruppen handeln: Freundesgruppen, Sport- oder andere Vereine, die Leute, die man im Park trifft usw.
Ihr setzt Euch im Kreis auf, Du legst die Zettel (siehe unten) mit der Rückseite nach oben in die Mitte und sagst, daß darauf Dinge stehen, die einen in Gruppen stören können. Du bittest die Kinder, jeweils zu dritt oder viert einen Zettel zu ziehen und pantomimisch darzustellen, um was für eine Gruppensituation es sich dabei handelt. Die zusehenden Kinder raten, worum es sich dabei handelt. Das macht Ihr, solange es Spaß macht oder keine Zettel mehr da sind. Nicht dargestellte Zettel werden dann einfach vorgelesen. Im Anschluß daran fragst Du die Kinder, ob ihnen noch andere Dinge einfallen, die sie im Zusammensein mit anderen nicht gut finden würden. Diese werden dann auf leere Zettel notiert.

Die Formulierungen sind zwar immer allgemein gehalten, unangenehm sind sie aber vor allem für die in der jeweiligen Situation Betroffenen. In deren Lage werdet Ihr Euch hineinversetzen.

Es wird hinterrücks über andere geredet.
Es muß immer der gleiche den Anfang machen, wenn die Gruppe sich etwas ausmacht oder unternimmt.
Es treffen sich immer alle oder keiner. Wenn sich ein paar ohne die anderen treffen, ist der Rest beleidigt.
Wenn es etwas zu entscheiden gibt, wird auf die Meinung von einigen nicht geachtet.
In der Gruppe mag nicht jeder jeden. Vor allem mag ein Kind ein anderes überhaupt nicht.
Es ist bei den Treffen der Gruppe häufig fad.
Die Gruppe macht immer das gleiche. Es wird gar nicht mehr überlegt, was man anderes tun könnte.
Ein Kind kommt gelegentlich auch zur Gruppe, da ein/e Freund/in immer dabei ist. Sonst kennt es aber niemanden besonders gut.
Wenn gestritten wird, wird gemein geschimpft und nachher sind alle ein paar Tage böse auf einander.


...aber wir könnten es uns vorstellen



Wenn jemanden eine Sache nicht gefällt oder stört, dann hat derjenige meistens eine bestimmte Vorstellung davon, wie es anders sein sollte. Ihr nehmt nun die Zettel und versucht, zu jedem Mißstand die dahinterliegende Wunschvorstellung zu formulieren (Bsp.: Es wird immer hinterrücks über andere geredet / Probleme werden mit denjenigen besprochen, die davon betroffen sind). Es kann natürlich auch sein, daß mehrere Mißstände auf den gleichen Wunsch hinauslaufen.
Die Gegensatzpaare klebt Ihr nun auf ein Plakat.


Was ist wie wichtig?



Jetzt bekommt jedes Kind Spielkegel einer Farbe (für jedes Gegensatzpaar einen). Es plaziert nun in jeder Zeile des Plakates eine Spielfigur. Je nachdem, wie wichtig ihm/r dieser Zustand ist, plaziert jede/r seinen/ihren Spielkegel weiter rechts beim Wunschbild oder links beim Mißstand. Wenn alle ihre Spielfiguren gesetzt gaben, wird das Ergebnis betrachtet. Ihr könnt Euch die Fragen stellen, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen, warum manche Dinge wichtiger als andere sind.

Dinge lassen sich ändern...
Die Spielfiguren stehen nun danach geordnet, wie wichtig Euch eine Sache ist. In Wirklichkeit ist es vermutlich in keiner Gruppe ganz ideal. Daher schlägst Du jetzt vor, zu überlegen, was man tun kann, um die gewünschte Position zu erreichen. Ihr könntet mit jenen Gegensatzpaaren beginnen, wo die Figuren am weitesten rechts stehen, da dort vermutlich der größte Handlungsbedarf besteht oder Du fragst die Kinder, welche Dinge sie im Zusammensein mit anderen schon einmal weniger angenehm erlebt haben, als es der Position ihres Kegels entspricht.

Wenn ein Kind eine Idee hat, kann es diese erzählen. Lustiger und auch eine klarere Distanzierung zur eigenen Person wäre, den Vorschlag mit Puppen zu spielen. Andere Kinder können dann mit weiteren Puppen auf die erste Puppe reagieren. Dabei kann ruhig öfter probiert werden, wie andere Leute auf den Vorschlag oder die Handlungsweise einer Puppe reagieren (Es sollte sich dabei um möglichst "neutrale Puppen handeln, die nicht schon eine bestimmte Verhaltensweise nahelegen, also eher "Big Jims", Barbie Kens oder ähnliches als Babypuppen oder He-Men.). Eher abzuraten ist davon, die Kinder selber spielen zu lassen, da dann die Trennung von Rolle und Spieler schwerer fällt und die Kinder leichter auf ihre eigene Position in der Jungschargruppe festgenagelt werden.

Nach jedem Vorschlag kann nun die eigene Spielfigur wieder neu plaziert werden, je nachdem, wie sehr sie geeignet scheint, zum Wunschzustand zu führen. Du kannst die Ideen der Kinder auf Zettel notieren und dann entsprechend einem Mittelwert der Spielkegelpositionen festkleben. Danach kannst Du die Kinder fragen, warum sie mit einem Vorschlag was anfangen können oder auch nicht.


...aber nicht immer!


Die letzte Phase leitest Du mit ungefähr folgenden Worten ein: "Vermutlich ist es in Wirklichkeit nicht möglich, immer alle Dinge zu verändern. Manchmal muß man wohl auch Dinge in Kauf nehmen, um andere zu bekommen. Und wenn auch das nicht möglich ist, muß man ja nicht unbedingt bei der Gruppe dabei bleiben.
Was würden wir jetzt tatsächlich wofür in Kauf nehmen? Wenn jetzt ein Kegel in einer Gruppe, in der wir uns befinden, weiter nach links rutschen würde, könnte diese Gruppe dann dadurch für uns annehmbar bleiben, daß dafür andere weiter rechts liegen?"
Nun können die Kinder, die gerne möchten, erzählen, wie sie das sehen bzw. was sie diesbezüglich erlebt haben. Zur Illustration des Gesagten können die Kegel noch einmal verschoben werden, aber sollen in dieser Phase die Sprache nicht ersetzen.

Am Ende könnten die Spielkegel durch solche aus Papier ersetzt werden und dort hingeklebt werden, wo die "Mindeststandards" eines und einer jeden liegen. Danach könntet Ihr das Plakat im Gruppenraum aufhängen.


Das ist die Skizze:

Hierher kommen die positiven Entspr.
die vorgegebenen dazwischen die Spielkegel
bzw. gesammelten
Zettel

Autor/in: Christine Anhammer, Marcus Bruck

Publikation: KiK 89

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Schlagwörter: Ich und die anderen, Werte