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Vom Tagtraum zur Utopie

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Tagträume sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. In einer Welt, in der es zwar viel Erfreuliches gibt, aber auch vieles, das wir als ungerecht, bedrückend oder gar bedrohlich empfinden, kann uns ein "Träumen mit offenen Augen" die Vorstellung von "etwas Besserem" geben, neue Perspektiven eröffnen und helfen, die Dinge, so wie sie sind, nicht als unabänderlich zu betrachten. Tagträume werden so für uns zu einer Quelle, aus der wir immer wieder neue Kräfte schöpfen können, die wir zur Bewältigung gegenwärtiger Probleme benötigen. In dieser Gruppenstunde soll es nicht persönliche Wünsche gehen, sondern um Träume und Utopien, die zu einem besseren und gerechteren Zusammenleben führen könnten.
Wenn wir diese Träume von einer schöneren Welt ernstnehmen und nicht als unverwirklichbare Hirngespinste abtun ("Was kann ich schon bewirken ...."), können sie aber auch der Ausgangspunkt für Utopien sein. Mit der Formulierung solcher Utopien ist schon der erste Schritt in eine bessere Zukunft getan; in kleinen Schritten können wir dann versuchen, unsere selbstgesteckten, fernen Ziele zu verwirklichen. Sehen wir im Augenblick keine Möglichkeit, solche Schritte zu setzen, so trägt das Formulieren von Utopien zumindest zur Bewußtseinsbildung bei.

Ziel

In dieser Gruppenstunde wollen wir uns der Bedeutung von Tagträumen und der Chancen, die sie uns bieten, bewußt werden. Die Gruppenmitglieder sollen ermutigt werden, eigene Utopien zu formulieren.

Material

  • Die alte Handschrift wird präsentiert
  • Streitgespräch über die Sinnhaftigkeit von Träumen und Utopien
  • Wie stehe ich dazu?
  • Wovon träumen wir?
  • Wir überlegen uns die Folgen, die eine Realisierung unserer Träume mit sich brächte
  • Formulieren eigener Utopien
  • Stimme ich den letzten Worten des Autors zu?

Aufbau

die alte Handschrift, zwei Verkleidungen, WC- oder Küchenrolle(n), gelbes Seidenpapier, Plakate, Zettel Stifte, Kassettenrekorder, Hintergrundmusik, Becher, Saft

 

Am Anfang: Eine alte Handschrift ....



Nachdem die Gruppenmitglieder im Gruppenraum eingetroffen sind, zeigst Du ihnen die Handschrift und erzählst, daß am Dachboden der Kirche (oder auf einem anderen Dachboden) diese alten Aufzeichnungen gefunden wurden, die mindestens 400 Jahre alt sind. Der Name des Verfassers ist unbekannt, er muß jedoch ein deutschsprachiger Gelehrter gewesen sein, der knapp vor seinem Tod noch ein paar Dinge, die ihm wichtig waren, festhalten wollte. Du schlägst nun vor, Euch gemeinsam anzuschauen, was euch der geheimnisvolle, alte Mann zu sagen hat.
Nach diesen einleitenden Worten liest Du nun die erste Seite vor und hältst dabei die Handschrift so, daß alle mitlesen können.

So kommst Du zu einer Handschrift, die wirklich alt aussieht: Kopie anfertigen, diese zusammenknüllen, einige Zeit in Tee tauchen, trocknen lassen und zuletzt glattstreifen.
Andere Möglichkeit: Verwende pergamentartiges Kopierpapier (in jedem Papiergeschäft erhältlich)

Versuche, die Handschrift in einem Tonfall zu präsentieren, daß auch wirklich allen klar ist, daß sie nicht echt ist.

Natürlich kann auch ein Gruppenmitglied vorlesen.


Ein Streitgespräch über die Sinnhaftigkeit von Träumen und Utopien



Du erklärst nun den Gruppenmitgliedern, daß die nächste Seite, von der der Verfasser im letzten Satz geschrieben hat, wohl im Lauf der Jahrhunderte verlorengegangen sein muß, jedenfalls folgt in der Handschrift auf "Seite 1" die "Seite 3".
Deshalb wirst Du nun gemeinsam mit dem/der zweiten Gruppenleiter/in versuchen, kurz vorzuspielen, wie so ein Streitgespräch ausgesehen haben könnte. Dazu verkleidet Ihr beiden Euch.

Im folgenden ist ein Modell für solch ein Streitgespräch abgedruckt, das Dir dabei helfen kann, Argumente für und gegen Tagträume und Utopien zu finden. Verstehe es bitte als Anregung und nicht als nachzuspielende Vorlage. Auf jeden Fall wäre es der Lebendigkeit Eures Streitgespräch zuträglich, wenn Ihr frei dabei sprechen würdet.

(A und B sind verkleidet; A sitzt auf einem Sessel, lächelt ins Leere, träumt vor sich hin; B kommt und setzt sich dazu)

B: Servus! (A reagiert nicht, B rüttelt ihn)
Gehts Dir nicht gut?


A: Doch, doch; ich habe nur gerade versucht mir vorzustellen wie friedlich die Welt wäre, wenn die Menschen anstatt Kriege zu führen miteinander reden würden.

B: Diese Träumereien führen doch zu nichts! Kriege gab es mmer und wird es immer geben! Man sollte am Boden der ealität bleiben, die Welt so sehen wie sie ist und nicht immer unzufrieden sein.

A: Aber ich sehe die Welt doch so wie sie ist und gerade deshalb träume ich von einer schöneren Welt. Wer immer mit allem zufrieden ist, wird im Leben nicht mehr weiterkommen.

B: Deine Träumereien sind doch in Wirklichkeit nur bedeutungslose Hirngespinste! Was willst Du schon bewirken; glaubst Du irgendjemand hört Dir zu und nimmt Dich ernst?

A: Wer von sich selbst glaubt, daß er ein Nichts und Niemand ist, wird wahrscheinlich nicht viel verändern können. Ich behaupte aber, daß viele Menschen das nur als Vorwand benutzen, um nicht selbst für die zukünftigen Zustände in unserer Welt verantwortlich gemacht werden zu können. Die Leute sollten wieder mehr träumen und sich trauen, Zukunftsvisionen zu entwickeln!

B: Dazu kann ich nur sagen: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen! Wieviele Menschen haben nicht schon vor Dir versucht, Utopien zu entwickeln und in die Tat umzusetzen; und - sieh Dich doch um - was hat es gebracht? Keine der Utopien hat sich verwirklicht!

A: Wie schlimm würde die Welt erst aussehen, wenn niemand den Mut aufgebracht hätte, sich Ziele zu stecken, die sich zu erreichen lohnen und diese dann auch verfolgt hätte!
Es wäre naiv zu glauben, daß Utopien in kurzer Zeit Realität werden. Wir müssen versuchen, uns diesen Utopien in kleinen, zugegebenermaßen oft mühsamen Schritten, deren Auswirkungen häufig auf den ersten Blick kaum zu sehen sind, zu nähern. Wie so oft im Leben ist auch hier der Weg das Ziel! Ein kleiner Schritt schon kann eine neue Sichtweise schenken.

B: Und wenn sich herausstellt, daß ein Traum zum Alptraum wird; wenn es den Menschen nach der Verwirklichung einiger solcher kleiner Schritte schlechter geht als zuvor?

A: Dann muß man auch den Mut haben, eine Utopie aufzugeben und gegen eine neue, bessere einzutauschen, andere Schritte zu setzen und einen neuen Weg zu probieren - es ist immer einen Versuch wert! Der Traum ist aus, wenn er festgenagelt wird.

B: Das klingt ja alles furchtbar kompliziert! Ich bleibe dabei: Die große Zeit der Utopien ist vorbei! Ach, wie zufrieden könnte man in dieser Welt ohne euch Träumer sein; wie bequem wäre sie, wie übersichtlich, wie einfach, ....

A: .... und wie trostlos und langweilig.


Leitest Du die Gruppe alleine, dann bitte eine Person, die alle Gruppenmitglieder kennen, Dir bei dieser Gruppenstunde zu helfen.


Wie stehe ich dazu?



Nach Beendigung des Streitgesprächs entledigt Ihr Euch der Verkleidungen und legt sie an zwei einander möglichst weit entfernten Punkten im Gruppenraum auf den Boden. Der Raum zwischen diesen beiden Punkten sollte frei von behindernden Gegenständen sein. Du bittest nun die Gruppenmitglieder zu überlegen, welche der beiden im Streitgespräch dargelegten Positionen sich am ehesten mit der eigenen Meinung deckt und ersuchst sie, je nach persönlichem Standpunkt sich dann eher näher zur Verkleidung des Befürworters oder eher näher zur Verkleidung des Gegners von Tagträumen und Utopien zu setzen.
Anschließend kannst Du nach den Motiven, die zur Einnahme einer bestimmten Position geführt haben, fragen und so versuchen, eine kurze Diskussion einzuleiten. Im Laufe dieser Diskussion soll es möglich sein, den eigenen Standpunkt zu ändern.


In die Sterne schauen ....



Nach Beendigung der Diskussion liest Du aus der nächsten Seite der Handschrift vor (bis zur zweiten großen Initiale). Du schlägst den Gruppenmitgliedern nun vor, einmal selbst zu versuchen, "in die Sterne zu schauen". Ihr setzt euch dazu im Kreis auf Decken oder Matratzen. Du zeigst ein Fernrohr in die Runde, das Du schon vor der Stunde gebastelt hast. Es besteht aus einer Küchenrolle oder aus zwei aneinandergeklebten WC-Rollen; die eine Öffnung der Rolle ist mit gelben Seidenpapier zugeklebt, die andere ist zum Hineinschauen gedacht. Mit diesem sich auf dem neuesten Stand der Technik befindlichen Fernrohr, so erklärst Du, lassen sich die entferntesten Sterne stark vergrößern. Mit etwas Phantasie sind auf einem dieser Sterne sogar Menschen zu erkennen.

Leise, untermalende Musik könnte helfen, die Phantasie anzuregen!

Manchmal sind die Sterne auch von vorüberziehenden Wolken verdeckt - in so einem Fall empfiehlt es sich, das Fernrohr einfach weiterzugeben.
Es soll niemand "träumen" müssen, der das nicht will (z.B. jene, die sich zuvor mit den Aussagen des Gegners von Tagträumen und Utopien identifizierten)!

Du hältst das Fernrohr an Dein Auge und beschreibst nun einen Aspekt des Lebens auf diesem Stern. Dann gibst Du das Fernrohr im Kreis weiter und bittest die Gruppenmitglieder durch das Fernrohr zu schauen und zu beschreiben, was sie auf dem Stern ausmachen können.
Um die Aufgabe etwas zu erleichtern, hast Du schon vor der Stunde ein Plakat an der Wand befestigt, auf dem verschiedene Themen aufgelistet sind, die man in dieser Phase behandeln könnte. Auf dem Plakat könnten unter
anderen folgende Begriffe stehen:

  • Arbeit
  • Kriege
  • Bücher
  • Natur
    p
  • Computer
  • Politik
  • Energieerzeugung
  • Randgruppen (z.B. Ausländer, Behinderte)
  • Ernährung
  • Erziehung
  • Reisen
  • Familie
  • Religionen
  • Fernsehen
  • Schule
  • Frauen-Männer
  • Sprachen
  • Freizeit
  • Stadt-Land
  • Geld
  • Verkehrsmittel
  • Gesetze (Strafen)
  • Wohnungen
  • Kleidung
  • Zeitungen



Die von den Gruppenmitgliedern geäußerten Phantasien werden von dem/der zweiten Gruppenleiter/in auf einem Plakat, das die Form eines Sternes hat, in Stichworten mitgeschrieben.
Wenn keiner mehr das Fernrohr haben will, bittest Du die Gruppenmitglieder zu überlegen, ob sie es wünschenswert finden würden, all das, was auf dem Stern gesehen wurde, in Zukunft auf unserer Erde in die Tat umzusetzen und welche Folgen das hätte.

Es ist wichtig, daß bei dieser Methode eine entspannte, streßfreie Atmosphäre herrscht.


Meine Utopien



Im nächsten Schritt teilst Du Zettel an die Gruppenmitglieder aus, auf denen jeder für sich jene drei Aspekte des Lebens auf dem Stern aufschreibt, die ihm am wichtigsten erscheinen und die er vielleicht zu realisieren mithelfen würde.
Wer will, kann danach seine drei Utopien den anderen präsentieren; wer das nicht will, muß das auch nicht tun.

Dabei kannst Du wieder leise Hintergrundmusik spielen.

Die Überschrift auf den Zetteln könnte "Meine Utopien" lauten.

Nach der Gruppenstunde können diese Zetteln mit nach Hause genommen werden.


Ausklang



Anschließend liest Du noch den letzten Absatz der Handschrift vor. Danach stellst Du die Frage, ob man dem Autor zustimmen kann oder nicht. Fällt eure Entscheidung entsprechend aus, könnt Ihr danach alle gemeinsam mit Saft auf die Zukunft anstoßen.

Publikation: KiK 80

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Schlagwörter: Ich, Phantasie