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Selig, die ein reines Herz haben

Gruppenstunde | Alter: 8-10 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Jungschar schafft den nötigen Freiraum, Kindern Religiöses einmal von einer "anderen Seite" aufzuzeigen, als vielen von ihnen vielleicht bekannt ist.
In den JS-Stunden stehen alle Türen offen, Religiosität als normalen Bestandteil des Lebens, im Umgang der Gruppe untereinander in einer vertrauensvollen Atmosphäre, zu erleben.
Dies passiert einerseits durch die Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern, durch Dein Annehmen der Kinder, durch das Wahr- und Ernstnehmen ihrer Person und ihrer Probleme sowie durch gemeinsam Erlebtes.
Andererseits geschieht "Religiöse Erziehung" auch durch das Erzählen von Gott und seiner Liebe zu uns Menschen, durch das Kennenlernen und Erleben eines Glaubens, der ein Teil des Lebens und nicht von diesem abgehoben ist.
Diese Gruppenstunde versucht auf sanfte, unaufdringliche Weise, den Weg einer "religiösen" Stunde zu zeichnen.
Sie gibt Dir und Deiner Gruppe die Gelegenheit, Euch eben so vorsichtig an daran heranzuwagen.

Ziel

Die Kinder können in dieser Gruppenstunde erkennen, daß sie vieles mit Hilfe ihres Herzens vielleicht besser verstehen können als mit ihren anderen Sinnen.
Sie lernen einen Gedanken der Seligpreisungen kennen: "Selig, die ein reines Herz haben ..." und erhalten die Gelegenheit, spielerisch mit dem Begriff des reinen Herzens zu experimentieren, um selbst daraufzukommen, daß sie (wir alle) ein reines Herz haben können.

Material

  • Polster, Leintuch, Lichtquelle, Schattenspielfiguren, Silhouetten je nach Anzahl der Gruppenmitglieder, Behälter zum Aufstellen der Figuren, Kärtchen, Stifte, Klebstoff, kleine Handspiegel, dessen Rückseite vorher beschrieben wird - für jedes Kind einen, Glasscheiben (von Bilderrahmen), Schüsseln fürs Wasser, Tücher zum Abwischen

Aufbau

Schattenspiel
Was spüre ich mit meinen Herzen? Sammeln eigener Gedanken
Widerspiegeln unserer eigenen Erfahrungen - Erfahrungsaustausch
Glücklich sind die Menschen, die ein reines Herz haben
Wie ist das mit dem reinen Herzen?

 

Vorbereitungen:


Du hast noch vor dem Eintreffen der Kinder den Gruppenraum gemütlich hergerichtet, sodaß er eine einladende Atmosphäre versprüht.

  • Polster oder andere bequeme Sitzmöglichkeiten bilden einen Kreis.
  • Leise Musik ist zu hören. Du hast vielleicht eine Duftlampe aufgestellt, sodaß es gut riecht.
  • Ist Euer Gruppenraum für eine stimmungsvolle Stunde zu groß, so könntest Du ihn mit Tüchern abtrennen oder behaglicher gestalten.
  • Etwas außerhalb des Kreises, so daß es alle Kinder gut sehen, hast Du die Bühne für das Schattentheater aufgebaut.
    (Leintuch auf Stangen spannen - dahinter eine starke Lichtquelle)


Die Figuren aus dem folgenden Schattenspiel hast Du aus schwarzem Naturpapier ausgeschnitten und auf ein dünnes Rundholzstäbchen geklebt.

Die eintreffenden Kinder bittest Du, sich einen bequemen Platz im Kreis auszusuchen.
Dann erklärst Du ihnen, daß Du zunächst ein kleines Schattenspiel vorführen willst!
Dazu dunkelst Du den Raum am besten ab.

Im Schattenspiel gibt es zwei Hauptpersonen, die Du entweder alleine übernimmst oder wenn Du die Gruppe mit einem/einer anderen Gruppenleiter/in leitest, könnt ihr Euch die Rollen aufteilen. Nun kann das Schattenspiel beginnen!

Schattenspiel:


Erzähler:(ist nur zu hören und nicht zu sehen) Eines Tages macht sich Benjamin auf den Weg, um wirkliche Freunde zu suchen.
Benjamin:(spricht mit sich selbst) Ich habe schon Freunde, aber ich glaube, die mögen mich nicht wirklich, nicht so richtig gerne. Die wollen nur mit mir spielen, sonst nichts!
Erzähler: Nun wißt Ihr, was Benjamin sich so denkt, während er kreuz- und quer durch die Stadt läuft! Während des ganzen Tages kommt der Bub bei vielen Kindern vorbei. Manche rufen ihm zu: "He, Du, willst Du mitspielen? Doch Benjamin antwortet meist: ....
Benjamin: Tut mir leid, ich habe keine Zeit, um mit Euch zu spielen. Ich bin auf der Suche nach wirklichen Freunden!
Erzähler: Also setzt Benjamin seinen Weg fort. Auf manche Aufforderungen doch mitzuspielen, reagiert er gar nicht, so beschäftigt ist er mit seiner Suche nach einem richtigen Freund.
Benjamin:(man sieht ihn herumeilen) Ui! Jetzt bin ich schon müde! Wie spät ist es eigentlich? Oh, schon 8 Uhr.
Erzähler: Benjamins Schritte werden immer langsamer. Er ist müde, hungrig und auch ein wenig verzweifelt, denn er weiß ja eigentlich gar nicht, wo er schlafen soll. Tapfer hält Benjamin die Augen offen, doch niemand ist zu sehen.
Da winkt ihm ein alter Mann, der aus einem Fenster heraus auf die Straße blickt, zu.
Alter Mann: Hallo, Du kleiner Bub Du! Was machst Du so spät noch alleine auf der Straße?
Benjamin: (etwas schüchtern) Ich, ich, .... ich bin auf der Suche nach einem wirklichen, wahren Freund!
Alter Mann: Aha! Na komm erst einmal herein. Du hast sicher Hunger. Außerdem schaust Du müde aus!
Erzähler: Benjamin zögert kurz, doch dann nimmt er dieses verlockende Angebot an und betritt das Haus des Mannes, der ihm eine Wurstsemmel anbietet. Benjamin nimmt sie dankend an. Während er ißt, fragt ihn der alte Mann:
Alter Mann: Du, Benjamin, wieso suchst Du einen richtigen Freund. Du hast doch bei Dir zu Hause sicher genug Freunde, oder?
Benjamin: Ja, schon, aber das sind keine wirklichen Freunde, nur so Spielkameraden.
Alter Mann: Was sind denn richtige Freunde?
Benjamin zögert: Naja, Du weißt schon, solche die einen so mögen, wie man ist.
Alter Mann: Und Du glaubst, daß Deine Spielkameraden das nicht tun?
Erzähler: Benjamin zuckt mit den Schultern.
Benjamin: Ich bin mir nicht sicher, na vielleicht...
Erzähler: Der alte Mann unterbricht ihn.
Alter Mann: Weißt du was Benjamin? Geh zurück nach Hause, dort wirst Du Deine wahren Freunde finden. Vertraue Dir selbst und höre auf Dein Herz!
Mit dem kannst Du vieles besser wahrnehmen und auch verstehen als nur mit Deinen Augen. Und Du wirst Deine Freunde erkennen.
Erzähler: Benjamin versteht nicht gleich, was der alte Mann gemeint hat. Grübelnd geht er zurück nach Hause.
Als er am nächsten Nachmittag seine Freunde am Spielplatz trifft und diese überglücklich sind, Benjamin wieder zu sehen, da spürt er in seinem Herzen, was der alte Mann gemeint hat: seine Freunde sind die, die sich freuen, daß sie ihn wiedersehen und gerne mit ihm spielen.

Nach diesem Spiel steckst Du die Figuren in geeignete Behälter, damit sie "stehen" können und Du sie in den Kreis stellen kannst.
Während Du die Figur des Buben in die Mitte holst, erklärst Du kurz (so oder ähnlich)
"Manchmal geht es uns so wie Benjamin, der etwas sucht und sich dabei nur auf seine Augen verläßt. Es gibt aber Dinge, die man mit den Augen allein nicht sehen kann.
Dann brauchen wir jemanden, der uns hilft, uns an die Worte des alten Mannes zu erinnern."

Du stellst nun den alten Mann in die Mitte und erklärst:
"Manchmal spüren wir Dinge gleich mit unserem Herzen, plötzlich sehen wir klar und verstehen manches.
Vielleicht ist es Dir schon gelungen!"

Was spüre ich mit meinem Herzen?


Du verteilst an jedes Kind eine Schattenfigur, die Silhouette eines Kindes, die auch auf ein Staberl geklebt ist.

Nun forderst Du die Kinder auf, sich Gedanken darüber zu machen, was sie mit ihrem Herzen sehen und spüren können.
Du hast kleine Kärtchen vorbereitet. (Praktisch ist eine beschriftbare, selbstklebende Folie)
Wem etwas einfällt, der schreibt seine Idee auf.
"Ich spüre mit meinem Herzen, wenn..."

Eine Fülle von Vorschlägen hast Du bereits mitgebracht:

  • Ich spüre mit dem Herzen, wenn ich wirklich traurig bin.
  • Ich spüre mit dem Herzen, wenn ich merke, daß jemand meine Hilfe braucht.
  • Ich spüre mit dem Herzen, wenn mich jemand um etwas bittet und ich ihm helfen will.
  • Ich spüre mit dem Herzen, wenn ich sehe, daß es jemandem nicht gut geht.
  • Ich spüre mit dem Herzen, wenn ich merke, daß mich meine Freundin mag
  • ...


Die Kinder können sich nun entweder aus den beschrieben Kärtchen einige aussuchen oder sie schreiben ihre eigenen Ideen auf leere Folien. Nach dem Sammeln der Dinge, die ich mit dem Herzen sehen kann, klebt jeder seine Kärtchen auf seine Figur.
(Vielleicht kannst Du Behälter für alle Figuren auftreiben, sodaß auch die Schattenrisse der Kinder "stehen" können.)

Mit dem nächsten Schritt beginnst Du am besten, um den Kinder zu zeigen, was sie erwartet. Du liest Deinen Satz vor und stellst Deine Figur zwischen den Benjamin und den alten Mann.
Auf deiner Figur steht zum Beispiel: Ich spüre mit meinem Herzen, wenn ein anderer meine Hilfe braucht, ohne darum gebeten zu haben.

Widerspiegeln eigener Erfahrungen


Jetzt treten die Spiegel in Aktion. Jedes Kind nimmt sich einen Spiegel. Dabei blickt es hinein und fragt sich, ob es diese Situation kennt. Wenn ja, legt es den Spiegel zu den Figuren. Wenn es möchte, kann es kurz Stellung nehmen und erklären, warum es den Spiegel dazu gelegt hat.
Danach nimmt sich jedes Kind seinen Spiegel wieder, und das nächste Kind, das möchte, stellt seine Silhouette in die Mitte und liest seinen Satz vor.
Dein Aufgabe ist es, darauf zu achten, daß Kinder, die ihren Spiegel nicht in die Mitte legen, nicht als die, die nichts mit dem Herzen spüren, verurteilt werden.

Glücklich sind die Menschen, die ein reines Herz haben


War jeder, der etwas sagen wollte an der Reihe, so bittest Du die Kinder ihre Spiegel umzudrehen. Auf der Rückseite sind verschiedene Worte zu sehen, die gemeinsam einen Satz ergeben. Und zwar:
"Glücklich sind die Menschen, die eine reines Herz haben"

Sind mehr als 9 Kinder in Deiner Gruppe, so kannst Du die Worte auch unterteilen.
Bei weniger Kindern, kannst Du den Satz soweit verkürzen: Glücklich, die ein reines Herz haben.

Du erzählst den Kindern in eigenen Worten:
Jesus hat diese Satz zu einer großen Menge von Menschen gesprochen. Dieser Satz ist ein Teil der Seligpreisungen. Selig, das heißt soviel wie glücklich. Jesus sagt also, daß wir glücklich sein dürfen, da wir eine reines Herz haben. Er meint, daß wir sehr glücklich sein können, mit unserem Herzen verschiedenes zu spüren, Menschen in diversen Situationen zu verstehen.

Das mit dem reinen Herzen wird für die Kinder nicht leicht verständlich sein, deshalb folgen nun einige Versuche, um den Kindern zu zeigen, daß sie ein reines Herz haben.

Wie ist das mit dem reinen Herzen?


Du hast 1 oder 2 Glasscheiben je nach Größe der Gruppe vorbereitet.
(Glasscheibe eines Wechselbilderrahmens) und erklärst den Kindern, daß ihr nun ausprobieren wollt, wie das mit dem reinen Herzen gemeint ist.

Wenn du die Gruppe mit einem zweiten leitest, sollte jeder eine Scheibe im Auge behalten.
Wichtig ist, daß Du die Kinder ihre Erfahrungen selbst machen läßt,
d. h. "Ergebnisse, Erkenntnisse" nicht schon vorwegnimmst, sondern diese die Kinder entdecken läßt.

1. Versuch:

Du forderst die Kinder auf, durch die Glasscheibe zu schauen. Was sehen wir? Jeder, der möchte, darf das Wort ergreifen.
(Kinder, Gruppenleiter, Bilder, Figuren,... - verschiedenen Dinge, die für jeden eine besondere Bedeutung haben.)

2. Versuch:

Beim zweiten Teil des Experimentes werden die Scheiben angehaucht. Was ist passiert? Was/wie sehen wir jetzt?(unklar, Nebel)
Was könnten wir nun machen? (verschwindet von selber, abwischen)

3. Versuch:

In der dritten Phase wird das Glas nun mit Wasser angespritzt. Du hast Schüsseln mit Wasser oder Blumenspritzerln vorbereitet.
Was ist nun passiert? Wie ist es, wenn wir jetzt durch die Scheibe schauen? (verschwommen, verzerrt)
Was könnten wir dieses Mal dagegen tun? (trocknen lassen, abwischen)

4. Versuch:

Zum Schluß bittest Du die Kinder, sich mit der Scheibe ganz knapp vor ein anderes Kind, vor ein Bild etc. zu stellen. Können wir nun alles gut erkennen? (nur Teile, "gequetscht")

Nach dem Experiment versuchst Du mit den Kindern gemeinsam, die neu gewonnenen Erkenntnisse zu reflektieren und mit dem Begriff des reinen Herzen in Verbindung zu bringen.

Du fragst die Kinder, ob sie immer alles klar gesehen und gut erkannt haben.

Gemeinsam tauscht Ihr Eure Erfahrungen aus. Du erzählst den Kindern, daß es uns mit unserem Herzen manchmal so ähnlich geht, daß wir verschiedene Situationen überhaupt nicht klar sehen, andere Menschen manchmal überhaupt nicht verstehen und schon gar nicht spüren, wie es ihnen geht. Unser Herz scheint dann im Nebel zu liegen. Vielleicht fehlt es uns aber auch bloß an nötigem Abstand zum Geschehen.

Was können wir dann machen?


Erinnert Euch daran, was wir mit den Glasscheiben gemacht haben. (abwarten, abwischen, trocknen lassen ...)
Wenn wir das Gefühl haben, einmal vernebelt oder verschwommen zu sehen, so müssen wir unserem Herzen ein bißchen Zeit geben und warten bis wir wieder klare Sicht haben, oder wir werden aktiv, wischen den Nebel weg und lassen uns auf die neue Situation ein.
Manchmal hilft uns jemand dabei, indem er uns an die Worte des alten Mannes erinnert. Dann spüren wir unser reines Herz wieder, was vorher verborgen war.

Als Erinnerung kann sich jedes Kind seine Figur und seinen Handspiegel mit nach Hause nehmen. Falls noch Zeit bleibt, könntet ihr den Silhouetten Eure besondere Note geben oder noch gemeinsam plaudern.

Autor/in: Christine Kratochvil

Publikation: KiK 82

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Schlagwörter: Ich, Gefühle, Bibel, Religiöses