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Adam & Eva

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Ziel

Durch die Beschäftigung mit einer biblischen Urgeschichte in der Gruppe soll im Gespräch ein direkter Bezug zum Leben der Gruppenmitglieder hergestellt werden: aktuelle Themen aus diesem alten Text können dann auf schöpferische Weise dargestellt werden.

Material

  • Bibelstelle, Bibel, Symbolische Gegenstände (Bild von einem Garten oder Lied von der Lebenssehnsucht, Bild eines Liebespaares oder Ringe, Tagebuch, Masken, Stein), Zeichenblätter, Ölkreiden oder Wasserfarben, Musikinstrumente (Gitarre, Flöte, Tamburin, Xylophon,...), eventuell Tücher, Naturpapier, Schere, Uhu, Zeitschriften, Schreibpapier, Stifte,....

Aufbau

Nach einer kurzen Information über die Art der Urgeschichten folgt eine Beschäftigung mit dem Text (eventuell in Rollen lesen). Die Bibelstelle wirft aktuelle Themen auf, die anschließend besprochen werden können. Dieser Schritt mündet dann ein in eine Kreativphase: malen, tanzen, umtexten, ...

 

Einleitung



Du hast eine Bibel mitgenommen und legst diese in die Mitte. Du leitest ungefähr so ein:
"Dieses Buch ist ein bißchen wie eine Schatztruhe; es enthält sehr alte, wertvolle Sachen, die viel zu wenig entdeckt, erkannt und beachtet werden.
Ich möchte mit Euch heute einer besonderen Geschichte auf den Grund gehen. Es ist die Geschichte von Adam und Eva, eine der bekanntesten Erzählungen des Alten Testaments. Diese Geschichte ist zwar eine bekannte, aber zugleich eine merkwürdige. Manches aus diesem alten Text ist uns fremd: z.B. haben wir heute ein anderes Weltbild, andere Vorstellungen von der Entstehung des Kosmos und des Menschen. Aber auf das kommt es gar nicht an. Dieser Text will etwas über den Menschen aussagen, das in allen Zeiten gültig ist: er erzählt von einem Garten, von Gottes Fürsorge für den Menschen, von der Freude der Begegnung zwischen Mann und Frau, von der Freiheit des Menschen, aber auch von seiner Angst, von seiner Selbsterkenntnis.
Ich würde vorschlagen, daß wir den Text einmal gemeinsam lesen."
(Es kann natürlich sein, daß beim Lesen des Textes gelacht wird. Das ist nicht weiter schlimm, aber besser ist, die Kinder schon vorher auf die besondere Erzählweise des Textes hinzuweisen)


Die Geschichte von Adam und Eva (Gen 2,4b-9.15-25 / 3,1-13)



Dieser Text eignet sich auch gut zum Lesen mit verteilten Rollen (Erzähler/in, Gott, Mann, Frau, Schlange). Damit alle Gruppenmitglieder eine Aufgabe haben und damit der Inhalt des Textes noch anschaulicher wird, wäre auch eine pantomimische Darstellung des Gelesenen vorstellbar. Hier sind Euch keine Grenzen gesetzt.
Den Text findest du anschließend. (Für jedes Gruppenmitglied sollte der Text vorhanden sein)


Was heißt das für uns?



Die Gruppenmitglieder teilen sich nun auf kleinere Gesprächsgruppen auf und überlegen, was ihnen am Text fremd und unverständlich erscheint und was sie anspricht. Das Ergebnis kann auf einem Packpapier festgehalten werden.


Meinungsaustausch



In der großen Gruppe werden die Fragen und Themen aus den Kleingruppen vorgestellt. Du hast nun die Möglichkeit, auf eines oder mehrere der aufgeworfenen Themen einzugehen und es als Ausgangspunkt für eine Diskussion nützen.

Du kannst aber auch unter folgenden Stichworten den Inhalt der biblischen Urgeschichte für die Gruppenmitglieder deuten. Auch diese Variante schließt ein darauffolgendes Gespräch nicht aus.

Zur Unterstützung des Gesprächs wäre es hilfreich, das jeweilige Thema mit einem mitgebrachten Symbol anschaulich zu machen.

Die Symboldeutungen sind für Dich formuliert, nicht für die Gruppenmitglieder. Am besten denkst Du Dir die Deutungen für Dich selber durch.. Dann fällt es Dir leichter, die Deutungen für die Kinder verständlich zu formulieren. Mit den Fragen zur Diskussion verhält es sich ähnlich: Du solltest den Kindern nur Fragen stellen, auf die Dir selbst leicht einige Antworten einfallen

GARTEN


Symbol: Bild von einem Garten, Lied von Lebenssehnsucht

Das griechische Wort für Garten heißt "paradeisos". Von daher kommt unser Wort Paradies. Der Paradiesgarten meint in der Bibel kein unwirkliches Schlaraffenland oder eine Insel der Seligen. Mit dem Garten ist ein Ort gemeint, in dem der Mensch sich wohlfühlt, weil er Gott nahe ist. Der Paradiesgarten ist ein Land, das der Mensch bebauen und bewahren soll. Im Alten Testament ist die Arbeit ein Wesensbestandteil des Menschen. Ein Leben ohne Arbeit könnte nicht volles, erfülltes Leben sein.

Fragen zur Diskussion: Wo fühlen wir uns wohl? Wo ist Gott uns nahe? Von welchem Garten träume ich? Welches "Land" ist mir übergeben, es zu "bebauen und zu bewahren."?

MANN-FRAU


Symbol: Bild eines Liebespaares, Liebeslied, Ringe

Im Hebräischen (isch- ischa) kommt die Entsprechung und Gleichwertigkeit von Mann und Frau sprachlich besser zum Ausdruck als in der deutschen Übersetzung: Gott sprach: "Es ist nicht gut, daß der Mensch allein bleibt." Diese Erfahrung können wir auch heute machen. Der Menschenmann findet seine menschliche Erfüllung in einem ihm entsprechenden Gegenüber. Die Hilfe, derer er bedarf, wird als Ergänzung verstanden. Es ist eine Hilfe durch das Dasein des Gegenübers, damit der Mensch seine Einsamkeit überwindet. Keineswegs aber ist an eine Arbeitshilfe gedacht. In dieser dem Mann gleichrangigen Entsprechung liegt eine alte und für orientalische Verhältnisse erstaunliche Hochschätzung der Frau.
Das Bild von der Rippe heißt soviel wie: hier wird Substanz aus der Mitte des Menschen genommen. Mann und Frau sind von gleicher Substanz und Verbundenheit. Das Ein-Leib-sein ist die höchste Gestalt der Liebe zwischen Mann und Frau.

Fragen für die Diskussion: Welches Rollenbild habe ich von Mann und Frau? Wo liegen die Chancen einer Partnerschaft? Wo wurzeln mögliche Konflikte?

MITTE


Symbol: Tagebuch als Symbol für das innere Geheimnis eines Menschen

Das Leben im Garten ist freilich nicht der Willkür überlassen. Wer ihn bebauen und bewahren will, muß das Gebot beachten, von dem die Schöpfungserzählung spricht: "Von jedem Baum im Garten darfst du essen, aber vom Baum in der Mitte aber darfst du nicht essen!" Die Anweisung beginnt mit einer großen Freigabe, welche die ungehinderte Bewegungsfreiheit anzeigt, in der sich der Mensch entfalten konnte. Nur ein Baum ist unter den vielen ausgenommen. Der Baum symbolisiert so etwas wie eine sensible Mitte, die respektiert werden will und keine Verletzung erleiden darf, ohne daß der gemeinsame Garten verlorenginge. Es ist vergleichbar mit jeder menschlichen Beziehung, in der der/die andere nie in Besitz genommen werden kann, ohne die Beziehung zu zerstören. Wer dieses Geheimnis verletzt, zerstört den Wurzelbereich und Nerv seines eigenen Lebensglücks.

Fragen zur Diskussion: Gibt es bei mir Bereiche, von denen niemand einfach Besitz ergreifen darf? Habe ich schon erlebt, wo so eine innere Mitte nicht respektiert worden ist und zerstört wurde - vielleicht in einer Beziehung?

IDENTITÄT


Symbol: Masken als Gegenstück zur Nacktheit

Die Erkenntnis "Ich bin nackt!" ist - positiv aufgefaßt - die lebenswichtige Erkenntnis der eigenen Grenzen und der Einsicht, auf andere angewiesen zu sein. Wer das erkennt, weiß nicht nur um seine Verletzbarkeit, sondern er wird sich auch der eigenen Identität bewußt. Der Mensch erkennt, daß er anders ist als andere und kann sich folglich seiner Andersheit entweder schämen oder sie annehmen. Viele Menschen scheuen sich, ihre eigenen Identität zu erkennen und verbergen sich lieber hinter Masken und Mauern.

Fragen zur Diskussion: Wie bin ich? Was sind meine Stärken? Wo liegen meine Schwächen? Wie sehe ich mich selber? Habe ich mich hinter Mauern verschanzt?

ANGST - GEWISSEN


Symbol: Kärtchen mit der Aufschrift "Angst vor..."

Adam hat Angst vor Gott, weil er weiß, daß er nackt ist. Er hat ein schlechtes Gewissen.

Fragen zur Diskussion: Wovor habe ich Angst? Ist meine Angst begründet? Wie drückt sich meine Angst aus?

SÜNDENBOCKMECHANISMUS


Symbol: Stein

Adam schiebt die Schuld auf Eva, Eva auf die Schlange. Es ist uns Menschen eigen, nicht selber für eine Tat gerade zu stehen, sondern einen Schuldigen dafür zu finden, dem man die Last aufladen kann - der sogenannte Sündenbockmechanismus (der Sündenbock kann sich nicht wehren!).

Fragen zur Diskussion: Kann ich zu mir und auch meinen Fehlern stehen? Warum ist das wichtig? Was ist für mich schwer wie ein Stein, das ich am liebsten abwälzen würde?

Erfahrungen, die im Gespräch auftauchen, können auf einem Packpapier stichwortartig festgehalten werden.


Kreativwerkstatt



Jedes Gruppenmitglied wird eingeladen, eines der obigen Themen schöpferisch-kreativ bearbeiten, sich mit den zur Diskussion gestellten Fragen auseinanderzusetzen
Die Beschäftigungen können und sollen so vielfältig sein wie die Geschichte selbst. Daher sollten auch unterschiedliche Materialien zur Verfügung stehen.

Tun sich Gruppenmitglieder mit dieser Methode schwer oder können sie sich ob der Fülle von Themen nicht entscheiden, könntest Du mit ihnen (vielleicht an Hand er Stichworte auf dem Plakat) nach einem Thema suchen oder Ausdrucksmöglichkeiten vorschlagen, z.B. zur Frage "Wie sehe ich mich selber?" ein Selbstportrait, eine pantomimische Darstellung unseres Mann/Frau - Bildes,...

Dazu liegen verschiedene Dinge bereit:
Ölkreiden, Wasserfarben, Zeichenblätter, ... zum Malen
Bilder aus Zeitschriften, Schere, Naturpapier,...für eine Collage
Schreibpapier, Stifte, Texte.....zur schriftlichen Verarbeitung (man kann einen Text umschreiben als Szene aus dem heutigen Leben, man kann dem Adam oder der Eva (Mutter der Lebenden) einen Brief schreiben, einen Zeitungsartikel verfassen, ein Rollenspiel entwerfen,....)
Musikinstrumente, um eine Szene dramatisch darzustellen
Pantomimische Darstellungen


Ausstellung



Die Kunstwerke werden gegen Ende der Stunde ausgestellt bzw. vorgeführt:
Der Vorstellung eines jeden Werkes kann natürlich eine kurze Rede vorausgehen.



E: Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch keine Feldpflanzen; denn Gott, der Herr, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen, und es gab noch keinen Menschen, der den Ackerboden bestellte; aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Ackerbodens. Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte. Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen:

G: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon ißt, wirst du sterben.

E: Dann sprach Gott, der Herr:

G: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.

E: Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen. Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht. Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so daß er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloß ihre Stelle mit Fleisch. Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu. Und der Mensch sprach:

M: Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.

E: Frau soll sie heißen; denn vom Mann ist sie genommen. Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch. Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander


Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau

S: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?

E: Die Frau entgegnete der Schlange:

F: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.

E: Darauf sagte die Schlange zur Frau:

S: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon eßt, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.

E: Da sah die Frau, daß es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, daß der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach:

G: Wo bist du?

E: Er antwortete:

M: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

E: Darauf fragte er:

G: Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

E: Adam antwortete:

M: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.

E: Gott, der Herr, sprach zu der Frau:

G: Was hast du da getan?

E: Die Frau antwortete:

F: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen.

E: Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange:

G: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens.

E: Zur Frau sprach er:

G: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen.

E: Zu Adam sprach er:

G: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln läßt er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes mußt du essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub mußt du zurück.

E: Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen. Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit. Dann sprach Gott, der Herr:

G: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse.

Autor/in: Georg Fröschl

Publikation: KiK 83

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Schlagwörter: Bibel, Kreativität, Religiöses