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Jesus, die "Negerpuppe", und Ernsti, der hinkende Hirte

Gruppenstunde | Alter: 7-12 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Einerseits geht hier da um die Frage, wie Schwarze behandelt werden. Wie wäre es, wenn Jesus ein Schwarzer wäre? Der Josef dieses Krippenspiels kann damit nicht sehr gut umgehen. Maria kontert: "Für die Leute in Afrika ist der Heiland ein Afrikaner!". (Tatsächlich wird auch in Afrika leider immer noch darüber debattiert, ob es legitim ist, Jesus als Afrikaner darzustellen. Wo aber die Kirche Inkulturation ernstnimmt, ist Jesus ganz klar ein Schwarzer.) Mit einem Schwarzen wurde nicht gerechnet, schon gar nicht als Heiland. Etwas Vertrautes ist fremd geworden und das Fremde wird zuerst einmal abgelehnt.

Ähnlich ergeht es auch Ernsti, einem behinderten Buben, der gerne beim Krippenspiel mitmachen möchte. Auch er wird zuerst einmal wegen seinem Anderssein abgelehnt. Und zu guter Letzt überrascht er noch alle anderen damit, daß er einen ausgezeichneten Text für ein Krippenspiel geschrieben hat. Vorurteile müssen hinterfragt werden, Erwartungen treffen nicht ein, neue Bilder von Menschen werden entwickelt. Und so heißt es am Schluß: "Ich mache alles neu und rein, und alle Menschen werden meine Freunde sein."

Wenn Du mehr über den Umgang mit Afrikaner/innen und dem Fremden wissen möchtest bzw. etwas darüber erfahren willst, wie Du mit diesen Themen in Deiner Kindergruppen umgehen kannst, empfehlen wir Dir den Jahresthemabehelf "Dasiba - Guten Morgen Afrika" und den Behelf "fremd sein", die Du im Jungscharbüro kaufen kannst.

Ziel

Dieses Krippenspiel thematisiert Fragen des menschlichen Zusammenlebens. Es werden zwei Themen angeschnitten, mit denen oft nicht gerade unverkrampft umgegangen wird.

Material

  • Krippe; Platz, um einen Stern zu montieren
  • Verkleidungen für Josef, Maria
  • Masken für Ochs und Esel
  • Krücke für Ernsti
  • Sack, Sack mit Stroh, Hammer, Stern
  • "Negerpuppe"

Aufbau

 

Die Personen



Josef
Maria
Ochs
Esel
Ernsti

Du kannst auch noch weitere Hirten oder Engel einführen und dazu die Texte von Ochs und Esel aufteilen bzw. die Kinder mit dem Dekorieren der Bühne und mit Schminken beschäftigen!


Das Spiel



Einzige Dekoration im Raum ist die Krippe. Die Kinder sind bereits kostümiert. Ochs und Esel in Halbmasken machen sich an der Krippe zu schaffen, suchen den für sie geeigneten Platz davor usw. Maria ist mit einer großen "Negerpuppe" beschäftigt, die das Christkind darstellen soll.

Josef: Hört uns gut zu, ihr lieben Leute,
die ihr euch habt versammelt heute.

Esel: Und der Stern? Wo ist der Stern? Der fehlt noch!

Josef: Müßt ihr mich schon wieder unterbrechen?

Ochs: Augenblick. Ich hol ihn gleich. (Ab)

Josef (wieder an der Rampe, zum Publikum, wie vorhin):
Hört uns gut zu, ihr lieben Leute,
die ihr euch habt versammelt heute.

Esel: Und Heu für die Krippe ist auch noch keines da.

Maria: Der Sack mit dem Heu liegt drüben in der Garderobe.

(Esel ab)

Josef: Ihr macht mich wahnsinnig! Ihr werft mich dauernd aus dem Text! - (Ochs kommt mit dem Stern und beginnt, ihn zu befestigen. Dabei hämmert er stark) -
Die ihr euch habt versammelt heute.
Wir haben uns nämlich vorgenommen -
Himmel, klopf nicht so laut! Du bringst mich noch raus!

Ochs: Ach, tu doch nicht so. Wer soll den Text besser kennen als du. Du hast ihn doch gedichtet.

Josef: Schön. Ich fange noch einmal von vorne an. -
Hört uns jetzt gut zu, ihr lieben Leute,
die ihr euch habt versammelt heute.

Esel (kommt mit einem Sack): Da ist der Sack. Oh, der ist schwer!

Ochs (sieht hinein): Da ist doch Brennholz drin, und kein Heu. Du bist wirklich ein Esel.

Josef: Der Josef, das bin ich, und die da
stellt dar die Gottesmutter Maria.

Ochs: So, jetzt hole ich das Heu. (Mit dem Sack ab)

Maria: Maria reimt sich nicht auf die da.

Josef: Ich kann dich leider nicht umtaufen auf Melitta. Melitta würde sich auf die da reimen. Du mußt dich eben mit einem unreinen Reim zufrieden geben. So heißt das nämlich.

Maria: Natürlich. Ausgerechnet ich. Mit einem unreinen Reim. Pah!

Josef: Tut mir leid, es geht nicht anders. Sei froh, daß ich dir so einen schönen Text geschrieben habe.

Maria (zu den anderen): Ihr da! Hört einmal alle her. Ich halte das Spiel, das mein lieber Bruder gedichtet hat, für einen ausgemachten Schmarren.

Josef: He! Du! Sag das nicht noch einmal!

Maria: Ich schlage deshalb vor, daß wir uns einen anderen und besseren Text besorgen.

Esel: Nein. Ich habe meine Rolle schon gelernt. Jetzt lerne ich nicht mehr um.

(Ochs kommt mit dem Heusack, gibt Heu in die Krippe)

Maria: Du brauchst doch sowieso nur IA zu schreien.

Esel: Ja, aber auch das muß man lernen. Vor allem, wo man schreit und wann.

Josef: Wo ist übrigens das Christkind?

Maria: Da. Meine Puppe.

Josef: Aber das ist ja eine Negerpuppe!

Esel: Ein schwarzes Christkind! Da werden die Leute schauen.

Josef: Ihr müßt es weiß anstreichen, nicht schwarz! Von mir aus staubt Mehl darüber.

Maria: Du bist doch ein phantasieloser Kerl. Meine Puppe bleibt, wie sie ist.

Josef: Aber das Jesuskind war kein Afrikaner.

Maria: Für die Leute in Afrika ist der Heiland ein Afrikaner. Und für die Chinesen ein Chinese.

Josef: Aber für UNS ist er kein Afrikaner!

Maria: Schön langsam reicht ‘s mir. Hört noch einmal alle her. Ich mache euch einen anderen Vorschlag. Wir spielen überhaupt nicht.

Esel: Und wozu hab ich meine Rolle so gut gelernt?

Maria: (zynisch) Ich schlage vor, wir stellen uns zu einer schönen lebenden Krippe auf und singen dazu ein paar Weihnachtslieder. Das gefällt den Leuten wahrscheinlich besser als der komische Text, den mein Bruder gedichtet hat.

Josef: Und wozu habe ich mich dann drei Wochen lang geplagt mit dem Textdichten?!

Maria: Ehrlich gesagt, mit deinem Text kann man nur eines machen: Ihn so rasch wie möglich vergessen.

Josef: Du bist gemein und ungerecht! Du hast keine Ahnung von Kunst! (Es klopft)

Ochs: Wer kann das sein?

Esel: Na, wer schon. Die beiden Hirten werden es sein, die noch nicht da sind.

Josef: Richtig. Die Hirten. Wo hab ich nur den Zettel mit der Vorstellung der Hirten. Da ist er.-
Und dies sind unsre guten Hirten,
die das Jesuskind mit Milch bewirten.

Ochs: Haha! Mit Milch bewirten! Haha! Wie das klingt.

(Es klopft neuerlich)

Maria: So sperr doch endlich auf.

(Josef geht hinter die Bühne, sperrt auf. Ein Kind mit einer Krücke tritt ein. Es geht mühsam und ist sehr langsam)

Maria: Du liebe Zeit! Wer ist denn das?

Ernsti: Ich bin der Ernsti.

Josef: Was? Wer bist du?

Ernsti: Ich bin der Ernsti von der Viererstiege. Ich möchte mitspielen. Mit euch.

Maria: Was, DU in einem Krippenspiel?

Ochs: Wer bist du nochmal?

Esel: (seitwärts zum Publikum) Das ist der Ernsti, der immer so komisch ist ...

Ernsti: Bitte fragt nicht lang. Bitte laßt mich mitspielen.

Ochs: Naja, einen Hirten könnten wir brauchen!

Josef: Einen Hirten vielleicht. Aber Dich? Was soll denn ein Hirte mit Krücken!

Ernsti: (zu Maria) Bitte, laß du mich mitspielen!
Ich mein ... Ich meine, es könnte doch vorkommen, daß ein Hirt .... so aussieht wie ich.

Josef: (überlegt kurz) Aber du mußt meinen Text aufsagen:
ich bin einer von den Hirten,
die das Jesuskind mit Milch bewirten.

Ernsti: Ach, weißt du, in dem Heim, in dem ich war, da haben wir auch einmal ein Krippenspiel aufgeführt. Da war ich ein Hirt.

Josef: Ja? Tatsächlich?

Ernsti: Und da habe ich gesagt: Ich bin ein Hirt, ich komm von meinem Feld, zu sehn den Herrn der Welt.

Maria: Das ist schön. Ja, das ist schön!

Josef: Also gut, spiel Du den Hirten.

Maria: (zu Ernsti) Mein Text geht so:
Hörst du, das ist der Engel Chor.
Nein, Josef, zieh das Fell nicht vor.
Der Gesang gilt ja meinem Kind.

Josef: Ich bin nicht taub und bin nicht blind.

Ernsti: Ich glaub, es wäre besser du sagst: Maria, das ist wohl nur der Wind.

Esel: Ia, ia!

Josef: Du schreist an der falschen Stelle!

Esel: Kein Wunder, wenn der ganze Text nicht mehr stimmt.

Maria: Josef, mach doch auf das Fenster,
oder fürchtest du Gespenster?

Ernsti: Nein, nein, bitte nicht! Sag doch einfach zu Josef:
O nein. Das ist die klare Nacht,
die über unserem Heiland wacht.
Die Nacht, in der er Mensch geworden,
ertönt in himmlischen Akkorden.

Maria: Er wird einmal die Welt erlösen,
schon jauchzen die Guten und jammern die Bösen.

Ernsti (unterbricht sie mit einer Handbewegung):
Die Schuld der Welt ist ohne Gewicht,
die Erde strahlt im neuen Licht.

Maria: Oh, das ist schön, das ist wunderschön.

Josef: Eigentlich wollte ich das ja auch so sagen. Es ist mir nur nicht ganz so gelungen.

Esel: Dazu hat also der Ernsti aus dem Nachbarhaus zu uns kommen müssen. Um alles besser zu machen.

Ochs: Ja, ausgerechnet der Ernsti.

Josef: Sag, wer hat denn euer Spiel gedichtet, das ihr in dem Heim aufgeführt habt?

Ernsti: Das ... das trau ich mich nicht zu sagen.

Maria: Aber wieso denn nicht? Vielleicht hat unser Lehrer den Text. Mir gefällt er viel besser als der von Josef.

Ernsti: Nein, der Herr Lehrer wird den Text nicht haben. Es ist nämlich so ...

Josef: Na, sag schon.

Ernsti: Den Text habe nämlich ich geschrieben.

Maria: Was? Du?

Ernsti: Ja. Bitte seid mir nicht böse.

Ochs: Hm. Und ausgerechnet dich haben wir nie ernst genommen.

Esel: Und nicht einmal mit dir spielen wollen.

Josef: (resolut) So, wir müssen das Weihnachtsspiel proben. In drei Tagen soll doch schon die Aufführung sein.

Ernsti: Darf ich jetzt den Hirten spielen?

Josef: Ja, ich bitte dich darum.
Los! Stellt euch drüben hin.

(Alle gruppieren sich zu einer lebenden Krippe)

Ernsti: Der gute Gott hat aufgetan
die goldenen Tore seiner Stadt.
Ein neuer Morgen bricht nun an,
der niemals mehr ein Ende hat.

Josef: Was ist das für ein wundersames Licht?
Woher die Stimme, die so tröstlich spricht?

Maria: Glaubt, sagt sie, was ihr hört aus meinem Mund,
ich mache alle Welt gesund.
Seht her, ich mache alles neu und rein,
und alle Menschen werden meine Freunde sein.

Ernsti: Seht hier das Kind, den Herrn der Welt,
so klein und elend liegt es da im Stroh,
und dennoch, wer bedrückt ist und gequält,
den macht sein Anblick weit und froh.
Von allen Lasten will es uns befreien,
(er legt die Krücke in die Krippe)
und alle Schuld huldvoll verzeihen.
Sehr her, spricht es, ich mache alles neu und rein,
und alle Menschen werden meine Freunde sein.


Ein Krippenspiel - adaptiert und gekürzt von Judith Pühringer nach dem Spiel "Ein Weihnachtszwerg mit Krücke” von Helmut Schinagl

Autor/in: Judith Pühringer

Publikation: KiK 91

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Jahreskreis: Weihnachten

Schlagwörter: Advent/Weihnachten, Behinderung, AusländerInnen, Religiöses