• Jungschar vor Ort
  • Corona
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Wir wählen mit!

Gruppenstunde | Alter: 10-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Alle fünf Jahre sind Pfarrgemeinderatswahlen. In der Wahlordnung dazu kann folgendes nachgelesen werden:
"Eltern haben das Recht, für ihre noch nicht wahlberechtigten Kinder zu wählen; und zwar hat jeder Elternteil für jedes noch nicht wahlberechtigte Kind zusätzlich eine halbe Stimme" (WO 1.1.1).
Wird dieses Recht sinnvoll angewendet, sagen die Kids ihren Eltern, wen sie gerne gewählt haben wollen, oder noch besser: Die Kids füllen selbst den Stimmzettel aus. Um das zu können, müssen wir ihnen eine gute Auseinandersetzung mit dem Sinn der PGR-Wahlen und mit den Kandidat/innen ermöglichen. Dazu sollen diese Gruppenstunden dienen.

Ziel

In der ersten Gruppenstunde geht es — nach einer kurzen Information über den Pfarrgemeinderat an sich — darum, die Pfarrgemeinde und ihre Angebote im Hinblick auf Kinder- bzw. Kidsfreundlichkeit zu überprüfen. Aus den Ergebnissen wird ein Fragebogen erstellt, der an die PGR-Kandidat/innen geschickt wird.
Bei der zweiten Gruppenstunde sind alle, die für den PGR kandidieren, dabei. Da ein wesentliches Element das Kennenlernen der Kandidat/innen ist, ist es durchaus sinnvoll, diese Gruppenstunde mit mehreren Gruppen gemeinsam durchzuführen. So besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Eingeladenen auch wirklich für alle Kinder und Kids da sind.
Diese Gruppenstunden sollen die Kinder mit den Aufgaben eines Pfarrgemeinderates vertraut machen. Im weiteren soll die Auseinandersetzung mit eigenen Vorstellungen und die Konfrontation mit den Kandidat/innen den Kinder ermöglichen, eine Entscheidung über ihre Wahl zu finden.

Material

  • Gruppenstunde 1: Packpapier, Kärtchen, Zettel für PGR-Mitglieder, Zettel mit Gegensatzpaaren und Skalen, Stifte
  • Gruppenstunde 2: von den Kandidat/innen ausgefüllte Fragebögen, ev. Fotos der Kandidat/innen, Plakate, ev. Kaffee und Kuchen

Aufbau

Zu Beginn der Gruppenstunde 1 überlegen wir, welche Aufgaben der PGR hat und erfahren, welche Personen dieses Gremium bilden. Nachdem auch Kinder wahlberechtigt sind, sammeln wir in Form von Interviews, welche Anliegen wir an den PGR haben und stellen daraus einen Fragebogen für die Kandidat/innen zusammen.
In der Gruppenstunde 2 lesen wir zu Beginn die Antworten der Kandidat/innen auf unsere Fragen und schauen, was noch unklar ist. Im Anschluss findet ein Gespräch mit den Kandidat/innen statt, das in einer gemütlichen Plauderei enden kann.

 

Gruppenstunde 1


Was ist der PGR?


Im Raum liegt ein großes Plakat, auf dem PFARRGEMEINDERAT steht. Wir können sehen, dass sich das Wort in zwei Teile gliedert. Der eine ist PFARRGEMEINDE und der andere ist RAT.
Nun überlegen wir, was in unserer Pfarrgemeinde so alles los ist (Gottesdienst, Familienrunden, Kreuzweg, Jungschar, Ausflüge, Feste, Bibelrunden ...). Was uns einfällt, schreiben wir auf kleine Kärtchen, die wir unter das Wort PFARRGEMEINDE legen. Trage auch selbst zu der Sammlung bei, damit die Aufzählung möglichst vollständig ist.

Bleibt uns also noch das Wort RAT. Nun, dieser tut das, was das Wort besagt: Er berät und entscheidet über die Dinge, die es in der Pfarrgemeinde gibt. Er ist also etwas ganz Wesentliches bei uns.

Wer ist im PGR?


Wenn der PGR so wichtig ist, dann ist es gut, wenn wir wissen, wer darin vertreten ist. Auf Zetteln hast du bereits aufgeschrieben, wer ohne Wahl schon Mitglied des PGR ist: Pfarrer, eventl. Kaplan, eventl. hauptamtlicher Diakon, Pastoralassistent/in. Auf anderen Zetteln sind Fragezeichen. Sie sind für die gewählten Mitglieder gedacht. Du hast davon genau so viele mit, wie ihr in eurer Pfarre wählen könnt.

Du stellst einen Sesselkreis mit genau so vielen Sesseln auf, wie du Mitglieder im PGR errechnet hast. Nun erklärst du den Kindern, wer aller im PGR ist und klebst dabei die Zettel der erwähnten Personen mit Tixo auf die Sessellehne. Bei den Zetteln mit den Fragezeichen sagst du den Kindern, dass diese Personen noch nicht feststehen. Sie müssen erst gewählt werden, und das können auch wir tun!

Wofür stehen die Kandidat/innen?


Um bei der Wahl eine gute Entscheidung treffen zu können, ist es nötig zu wissen, wer von den Kandidat/innen die Anliegen der Kids am besten vertritt. Du erklärst, dass ihr nun einen Fragebogen erstellt, den du den Kandidat/innen zuschicken wirst. Die beantworteten Fragebögen schaut ihr euch in der folgenden Gruppenstunde an, und da werden auch die Kandidat/innen anwesend sein. Nun aber zum Fragebogen:

Interview


Jedes Gruppenmitglied erhält eines der Kärtchen, das ihr zuvor auf das PFARRGEMEINDERAT-Plakat gelegt habt. Jede/r klebt dieses Kärtchen auf einen größeren Zettel, auf dem Gegensatzpaare stehen (fad — interessant, zu lang — gerade richtig, ich verstehe nicht viel — ich verstehe alles, da muss ich mitgehen — da bin ich freiwillig dabei, ernst — lustig, keine besondere Stimmung — schöne Stimmung, ich kenne niemanden — ich kenne viele Leute usw.). Jeweils zwischen diesen Gegensatzpaaren ist eine Skala von —3 bis +3 abgebildet.

Anhand dieser Zettel interviewen die Kids einander und tragen die Antworten auf den Skalen ein. So erfährt z.B. das Gruppenmitglied mit dem Interviewbogen "Gottesdienst" von allen Kids, ob diese Veranstaltung eher fad oder interessant, verständlich oder weniger verständlich, stimmungsvoll oder wenig stimmungsvoll,... erlebt wird.

Die Problemliste


Hat jedes Gruppenmitglied seinen/ihren Interviewbogen ausgefüllt, so kommt ihr wieder alle zusammen, und jede/r sagt kurz, was bei seinem/ihrem Interview rausgekommen ist. Du notierst währenddessen die Problemfelder auf einem Plakat, also die pfarrlichen Veranstaltungen, die von vielen Kids eher negativ erlebt werden.

Der Fragebogen


Hat jede/r seine/ihre Interviewergebnisse vorgestellt, dann wendet ihr euch dieser Problemliste zu. Geht die Liste mit der Fragestellung durch "Wo genau liegt das Problem?" und "Wie könnte diese Veranstaltung aus unserer Sicht verbessert werden?". Über die Punkte auf der Problemliste informiert ihr im Fragebogen die Kandidat/innen und bittet sie zu einer Stellungnahme. Also stellt sich beispielsweise heraus, dass die Lieder im Gottesdienst nicht schwungvoll genug sind, dann könntet ihr für den Fragebogen die Frage: "Möchten Sie sich dafür einsetzen, dass im Gottesdienst schwungvollere Lieder gesungen werden? Welche Lieder schlagen Sie vor?" formulieren.

So stellt ihr also euren individuellen Fragebogen zur PGR-Wahl zusammen. Fragen, die ihr zustätzlich stellen könnt:
Name und Alter:
Ich möchte im Pfarrgemeinderat mitarbeiten, weil...
Meine besonderen Anliegen sind:
Wenn ich über Kinder und Jugendliche in unserer Pfarrgemeinde nachdenke, dann fällt mir ein:
Da habe ich folgende Wünsche:
So möchte ich für diese Wünsche eintreten:

Zum Schluss der ersten Gruppenstunde kannst du den Kids nochmals erklären, dass du die Fragebögen an die Kandidat/innen schickst und dass in der nächsten Gruppenstunden sowohl die ausgefüllten Fragebögen, als auch die Kandidat/innen persönlich bei euch sein werden.

Gruppenstunde 2


Schon vor der Gruppenstunde hast du die ausgefüllten Fragebögen — im Idealfall mit einem Foto des/der Kandidat/in — wie in einer Galerie im Raum aufgehängt. Die Kids gehen umher und lesen die Antworten der Befragten.

Daneben hängen zwei Plakate. Auf einem steht: UNS IST NICHT KLAR .... und auf dem anderen: DAS WOLLEN WIR NOCH WISSEN. Wenn jemandem von uns eine Antwort nicht klar ist, schreibt der das auf das entsprechende Plakat. Ein Beispiel: "... was Frau XY meint, wenn sie sagt, dass ...”. Findet jemand, dass die Information auf dem Fragebogen nicht ausreicht, und dass er/sie noch mehr wissen will, schreibt er/sie das auf das andere Plakat.
Während des Lesens können wir uns schon überlegen, ob wir auch der jeweiligen Meinung sind, was finden wir gut, was finden wir weniger gut?

Die Kandidat/innen


Nach diesen Auseinandersetzungen ist es an der Zeit, die Kandidat/innen zum Gespräch einzuladen. Es ist günstig, wenn du den Gästen in einem anderen Raum Kaffee und Tee anbietest, da du wahrscheinlich nicht den genauen Zeitpunkt der Zusammenkunft nennen kannst. So macht es nichts, wenn die Eingeladenen ein bisschen warten müssen, bis ihr mit dem ersten Teil der Gruppenstunde fertig seid.

Die Gäste stellen sich nun vor. Gemeinsam schauen wir, welche Anfragen auf den Plakaten festgehalten sind. Die Gäste werden um Klärung gebeten. Dabei ist es wichtig, dass du die Kinder animierst, ihre Fragen zu stellen. Es könnte sein, dass sie es nicht gewohnt sind, mit Erwachsenen solche Gespräche zu führen. Als Gesprächsleiter/in solltest du auch darauf achten, dass die Befragten kindgerechte Antworten geben und eventuell hin und wieder ein bisschen "dolmetschen”.

Wenn während der Diskussion neue Fragen auftauchen, sollen diese sofort behandelt werden. Schau darauf, dass die Kandidat/innen wirklich klar Stellung beziehen und den Kindern konkrete Antworten geben.

Sind alle Themen zufriedenstellend erschöpft, kann die Gruppenstunde mit einer gemütlichen Plauderei ausklingen. Wenn es alle wollen, könnt ihr auch noch ein gemeinsames Spiel spielen.

Die Anzahl der zu wählenden Mitglieder des PGR beträgt in Pfarrgemeinden mit einer Katholik/innenanzahl (vgl. in der Wahlordnung zur PGR-Ordnung: WO 4.2):

bis zu 1.500: 4-6
bis zu 3.000: 5-9
bis zu 6.000: 7-12
bis zu 9.000: 9-15
darüber: 12-18

In einer Pfarre mit Teilgemeinden sind diese Zahlen bezogen auf Teilgemein-
den zugleich Empfehlung für die Anzahl der zu wählenden Mitglieder in den
für die Teilgemeinde vorgesehenen Gemeindeausschuss. Der PGR legt im Ein-
vernehmen mit dem Gemeindeausschuss, wo ein solcher besteht, die Anzahl
der zu Wählenden fest.

Autor/in: Regina Petrik-Schweifer

Publikation: Kumquat_1/02

Share |

 

Schlagwörter: Pfarrgemeinde, Mitbestimmung