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Ich spiele viele Rollen

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Während der Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit kämpfen Jugendliche mit vielen persönlichen Unsicherheiten. Ein Teil davon kommt aus dem sozialen Beziehungsnetz. (z. B. durch das Hineindrängen in eine bestimmte Rolle: "So sollst Du jetzt sein!", ... "Werd` doch jetzt endlich erwachsen !",...). In der Familie, im Freundeskreis, in der Schule und am Arbeitsplatz, ... ,sind sie vielen und unterschiedlichen Rollenerwartungen ausgesetzt, die mitunter auch gegensätzliche Verhaltensweisen produzieren.

Ziel

Die Gruppenmitglieder sollen erkennen, in welchen verschiedenen Rollen sie drinnen stecken und welche unterschiedlichen Erwartungen damit in sie gerichtet werden. Sie sollen sich dieser Situation bewußt werden und zu einer persönlichen Entscheidung kommen: Was will ich sein, wie will ich mich verhalten - was will ich verändern oder ablehnen?

Material

  • verschiedene Kopfbedeckungen (Bilder) Papier und Stifte, Rollenbeschreibungen, Briefkuverts, ev. Hintergrundmusik.

Aufbau

In einem Einstiegsspiel beschäftigt Ihr Euch ein erstes Mal mit Rollenzuschreibungen.
Das darauf folgende Rollenspiel zeigt an Hand eines fiktiven Beispiels, wie Personen in unterschiedlichen Situationen in verschiedene Rollen schlüpfen können. Die Erfahrungen des Rollenspiels werden dann in einer Reflexionsrunde besprochen.
Am Ende schreiben die Gruppenmitglieder in einem Brief an sich selber, welche Rollen sie zur Zeit erfüllen.

 

/2ha"Hutgalerie".



Verschiedene mitgebrachte Kopfbedeckungen werden im Gruppenraum verteilt. Die Namen aller Gruppenmitglieder werden auf Kärtchen geschrieben und unter den Anwesenden verlost.
Alle gehen nun durch den Raum, studieren die vorhandenen Kopfbedeckungen und überlegen, welche wohl am besten zu wem passen würde (5. Min., ohne miteinander zu sprechen).
Auf Dein Zeichen hin steckt nun jede/r ihr/sein Kärtchen - zunächst verdeckt - an den ihrer/seiner Meinung nach passenden Hut.

Wenn alle fertig sind, werden die Hüte eingesammelt und in der Gruppe kurz besprochen:

  • Warum habe ich diese Kopfbedeckung gerade Dir zugeordnet?
  • Welche Vorstellungen verbinde ich mit diesem Hut (mit Dir)?



Nach jeder Darstellung sollen die Gruppenmitglieder mittels roter oder grüner Feed-back-Kärtchen signalisieren, ob sie die Darstellung zutreffend finden, oder nicht.
Anschließend kann der/die Betroffene eine kurze Erklärung abgeben.


Rollenspiel



Ziel dieses Rollenspieles ist es, ein und dieselbe Hauptperson in unterschiedlichen Szenen darzustellen und dabei zu überprüfen, ob er/sie sich überall gleich oder - je nach Situation - doch anders verhalten würde.

Ihr teilt Euch in mehrere Kleingruppen (3-4 Personen). Jede Kleingruppe bekommt zunächst eine (ausführliche) Personenbeschreibung des/der Hauptperson:

z.B. Peter, 15 Jahre, wohnt in einer Kleinstadt. Er hat eine jüngere Schwester. Vater arbeitet als Prokurist in einem Büro, die Mutter ist halbtags in einem Supermarkt tätig. Peter hat die Hauptschule ganz gut abgeschlossen und ist in eine HTL übergewechselt, wo er lernmäßig derzeit stark zu kämpfen hat.
Peter ist nicht gerade dick, dafür eher klein und stämmig, hat helles Haar, das bei starker Sonnenbestrahlung leicht rötlich schimmert.
Im Gegensatz zu den meisten seiner Klassenkameraden hat er noch nie eine richtige Freundin gehabt. Sport ist ihm zuwieder, insbesondere Fußball. Am liebsten verzieht er sich in sein kleines Zimmer und schmökert in Unmengen von Science-fiction-Heftln.
Handwerklich ist Peter recht geschickt und hat viel Geduld. Sein ganzer Stolz ist ein selbstgebautes Segelschiff, das auf seinem Fensterbrett steht.
Mit der Mutter verbindet ihn ein gutes Verhältnis, dem Vater weicht er eher aus, weil der ihn immer nur als "Schlappi" tituliert. Die Kleine nervt ihn total.
Was er mit einer HTL-Ausbildung anfangen soll, weiß er nicht. Am liebsten wäre er Kapitän auf einem Luxussegler, mit dem er Millionäre durch die Welt fahren würde.


Dazu bekommt jede Kleingruppe noch eine eigene, kurze Szenenkarte, die einen kleinen (Entscheidungs-)Konflikt beschreibt:

  • Peter wird von seinen Eltern wegen schlechter Erfolge in der Schule zur Rede gestellt...
  • Freunde holen Peter zu einer Party ab, die kleine Schwester (12 Jahre) will unbedingt mitgehen...
  • Auf der Heimfahrt im Bus wird Peter von zwei Mädchen aus der Nachbarschaft - per Hetz - "angemacht"...
  • Auf dem Spielplatz kommt Peter dazu, wie zwei jüngere Buben sich vergeblich bemühen, ein ferngesteuertes Auto, das offensichtlich einen kleinen Defekt hat, wieder in Gang zu bringen...
  • Klassenkameraden von Peter borgen oder tauschen mit ihm immer die neuesten Science-fiction-Heftln. Eines Tages bekommt er ohne Kommentar sein Lieblingsheftl völlig zerfleddert zurück...


...

In der Kleingruppe werden nun die einzelnen Szenen unabhängig voneinander anhand des gemeinsamen Persönlichkeitsprofils erarbeitet.
Anschließend erfolgt die Präsentation im Plenum. Die Zuschauer/innen sollen jeweils darauf achten, wie ähnlich oder unterschiedlich Peter sich in den einzelnen Szenen verhält, in welche verschiedenen Rollen er schlüpft.


Wie war's- was war



Die Reflexionsrunde in der Großgruppe könnte sich an folgenden Fragestellungen orientieren:

  • (an die Spieler/innen) Wie ist es mir beim Spiel ergangen?
  • (an das jeweilige Publikum) Was ist uns beim Zusehen aufgefallen? Hätten wir den Peter in dieser Szene genauso oder anders gespielt?



Abschließend könnte noch eine Bewertung der einzelnen Rollen von Peter erfolgen:

  • Welche "liegt" ihm gut?
  • Welche Rolle übernimmt er gerne?
  • Welche mag er überhaupt nicht?
  • In welcher Rolle geht es ihm gar nicht gut?




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Ein Brief an mich.



Die ausführliche Besprechung des Rollenspiels kan nun in eine kurze Phase der Selbstreflexion münden, in der jede/r für sich überlegt, welche verschiedenen Rollen er/sie derzeit ausfüllt, und welche davon er/sie behalten und ausbauen möchte, bzw. Welche er/sie verändern oder ablegen will.

Diese Überlegungen kann jede/r kurz in einen Brief an sich selbst formulieren. Diese Briefe werden in Kuverts gesteckt, von Dir verwahrt und zu einem späteren Zeitpunkt (ca. 1 Monat) per Post zugeschickt.

Autor/in: Otto Kromer

Publikation: KiK 94

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Schlagwörter: Ich, Ich und die anderen